12:38 Uhr
Werbung ist von Gott erfunden
Wo wir Menschen gehen und stehen, werben wir. Werbung ist nicht etwa vom Kapitalismus der Neuzeit erfunden worden. Nein, selbst Urkommunisten werben, nur anders. Wir alle werben. Natürlich könnte man Werbung auf TV-Reklame beschränken, aber dieser Ansatz wäre viel zu kurz und würde dem Werben und seinem Sinn gar nicht gerecht. Ich gehe sogar soweit: Ohne Werbung gäbe es uns alle gar nicht.
Das Prinzip der menschlichen Fortpflanzung basiert ganz wesentlich auf Werbung. Menschen umwerben Menschen seit Anbeginn der Zeit, sie verführen, stellen sich in ein positives Licht, wollen Aufmerksamkeit. Ohne diese Aktivitäten, die auch schon immer mit den Schlüsselreizen unserer Sexualität spielten, keine Kinder. Jedenfalls für diejenigen, die das Spiel der Werbung und den Tanz auf dem Balzparkett des Lebens nicht beherrschen. Allzu menschlich sind dann natürlich auch die negativen Auswüchse, wie z.B. die Eitelkeit als egozentrischer Eigenwerbungsansatz ohne Sympathie. Oder die Penetranz, ganz so wie der Stalker, der nicht von seinem Opfer lassen kann, bis Gerichte einschreiten.
Werbung ist Teil unseres menschlichen Miteinanders, jeden Tag. Auch im beruflichen Umfeld. Wir bewerben uns um einen Arbeitsplatz, um ein Existenzgründungsdarlehen oder den nächsten Award und stellen uns dabei möglichst in ein positives Licht. Wer eine klare Meinung vertritt, sagt: “Dafür werbe ich!” und erhält für diesen Stil eher Zuspruch als Personen ohne Kontur und Position.
Die großen Verführer waren auch immer schon die besten Werber. Sie beherrschen wie einst die erotische Zauberin bei Odysseus das subtile Bezirzen der Menschen; sie verlocken, bezaubern, entführen und reizen. Und der Verführte ist willens, ein kleines “Opfer” zu bringen…
Wir alle brauchen diese Stimulation wie die Luft zum Atmen. Wir wissen aber auch aus eigener Erfahrung und Reaktion, dass allzu plumpe Versuche das genaue Gegenteil von dem bewirken, was erreicht werden soll. Gut so!
Erkennen wir diese Mechanismen, dann ist es vielleicht gar nicht so schwer, “gute” von “schlechter” Werbung in der Unternehmenskommunikation zu unterscheiden.
29 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 4. April 2008 um 12:43 Uhr
Und die erste Creativ-Direktorin hieß Eva!
Wenn ich mich religiös nicht irre (bitte korrigieren) war sie doch aber vom Teufel versucht, oder?
Somit wäre zumindest deine Headline diskussionswürdig, auch wenn ich Dir inhaltlich zustimme!
Ein schöner Gedanke!
ama.
Am 4. April 2008 um 12:54 Uhr
Naja, eigentlich liege ich falsch!
Der erste Werber war eigentlich die Schlange, welche ja Eva überredet den Apfel zu essen (konsumieren) und schon in der Bibel mit dem Teufel gleichgesetzt wird.
Bei Wikipedia steht, dass sowohl in der jüdischen wie auch christlichen Religion das essen der verbotenen Frucht eine Rebellion gegen Gott gilt. Ein Sündenfall, DER Sündenfall.
Daraus resultierend würde ich die Werbung eher dem Teufel in die Schuhe schieben…
de.wikipedia.org/wik...
Spannend geniales Thema, welches sicherlich ganze Semester an Medienwissenschaftlern beschäftigen kann! :-)
ama.
Am 4. April 2008 um 13:11 Uhr
Hier ist eine schöne Lektion zum Thema Werbung und Invites am Beispiel Naymz. Einer Gründer nimmt in den Kommentaren mehrfach Stellung und verteidigt deren Vorgehen. Recht zweifelhaft wie ich finde.
Am 4. April 2008 um 13:17 Uhr
ich werbe also bin ich
Am 4. April 2008 um 13:30 Uhr
@amacut: Es geht bei Adam & Eva ja um die Frucht der Erkenntnis. Das klingt erstmal sehr banal, interessant wird es dann aber, wenn man weiterliest. Dann heißt es nämlich immer mal wieder: “Und XY erkannte seine Frau und sie ward schwanger und gebar ihm YZ”.
So. Wofür “erkennen” steht, dürfte danach klar sein. Und damit eigentlich auch, wofür das Bild der Schlange Modell stehen musste.
Und deshalb wurde die Werbung auch nicht von Gott erfunden. Im Gegenteil, Gott hat uns vom Hof gejagt, weil wir das Werben füreinander erfunden haben. Kein Wunder, dass wir so ein schlechtes Image haben ;-)
Am 4. April 2008 um 13:39 Uhr
da hast du vollkommen recht. jeder betriebt marketing. jeder zeit an jedem ort.
Am 4. April 2008 um 13:42 Uhr
@ramses101: Und so entstand der Bedarf nach Image-Beratung!
D.h. wir könnten sogar so weit gehen: Das die Werbung immer das Paradies verspricht…
…wir aber niemals dahin zurückkommen können, da wir bzw. unsere Vorfahren sich “erkannt” haben und rausgeworfen worden!
Ohne Roland seinen schön geschriebenen Artikel nun untergraben zu wollen, aber:
-> Die Werbung ist an allem Schuld!
:-)
Ich bekenne mich schuldig!
ama.
Am 4. April 2008 um 15:58 Uhr
Schön dass unser Berufsstand eine so lange Tradition aufweist. “Das älteste Gewerbe der Welt” ;)
Danke für den Beitrag.
Am 4. April 2008 um 18:04 Uhr
@ramses101: Dann ist Mephisto ein viel cleveres Kerlchen, da damit Gott zwang selbst zu werben. Mit der Kirche schuf er doch ein Team von Marketern, Werbern und Vertrieblern, welche quasi seit Jahrhunderten auf Kundenfang gehen …
Am 5. April 2008 um 00:30 Uhr
@Marco: Chapeau!
Treffer versenkt!
Am 5. April 2008 um 09:27 Uhr
@Marco: Bulleye. Danke…
Ja, genau. Auf die Kirche(n) und ihr Werbemandat wollte ich hinaus. Und da ist verdammt viel “schlechte” Werbung unterwegs.
Am 5. April 2008 um 10:02 Uhr
also im prinzip hast du völlig recht mit dem was du sagst, denn jeder von uns betreibt PR oder werbung….schon allein um anderen zu gefallen kreiere ich mir meine eigene marke…dennoch finde ich deine headline etwas fragwürdig und würde dieser nicht zustimmen, denn was hat denn werbung mit gott zu tun????
Am 5. April 2008 um 10:36 Uhr
Werbung von Gott oder vom Teufel?
Ich glaube es war der Teufel. Der erste Werber war wohl die Schlange im Garten Eden oder seht ihr das anders?
mfg Boris
Am 5. April 2008 um 10:52 Uhr
Also in Kurz:
Die Werbung/Schlange preist den Apfel an.
Eva, ganz Zielgruppe findet die Anpreisung ausreichend interessant und beißt in besagtes Produkt.
Deshalb schmeisst Papa/Gott sie zuhause raus. Wenn die Kleine nicht auf ihn hört, hat sie zuhause/im Paradies nämlich nichts verloren.
Eva zieht mit Adam zusammen, wird Hausfrau und Mutter.
Weil die Werbung/Schlange schuld ist, macht sie ein Blog auf zum Thema “Warum Werbung der Teufel ist und was Äpfel sonst noch so anrichten”.
Die Erkenntnis aus dieser Geschichte? Esst mehr Obst!
Am 5. April 2008 um 19:51 Uhr
Gute Werbung (so wie ich sie verstehe) vermeidet nicht nur plumpe Aufdringlichkeit und stalkinghafte Penetranz, sondern auch Unwahrheit.
Tja – und schon wirds schwierig.
Wenn die von mir begehrte Frau z.B. überraschend mit Anschnallbrüsten agiert hat, um ein Geschwür zu überdecken, wird es nichts mit der Fortpflanzung – in erster Linie deshalb, weil ich mich getäuscht sehe.
Aber aus irgendeinen, mir nur schwer verständlichen Grund agieren recht viele Werber mit üppigen Anschnallbrüsten. Manche von ihnen wirken – in gesellschaftlicher und sozialer Hinsicht – bei näherer Betrachtung kaum noch menschenähnlich. Ich möchte ich weder von Werbung verarscht werden, noch “viral” getäuscht, noch erhalte ich gerne einen mit Anschnallbrüsten aufgehübschten Fausthieb via “Direktmarketing” oder überlasse meine Daten – werbegerecht – meinen Missbrauchern.
Als Adressat von Werbung wünsche ich mir zivilere Werbung, echte (!) Information, weniger Image-Nebel und vor allem: Weniger Werbung.
Die Werbegegenwart kommt mir in vielen Fällen oft so vor, um das Fortpflanzungsbild zu verwenden, wie ein alkoholisch enthemmter notgeiler Mitzwanziger auf einer Singleparty, der auf die Gelegenheit drängt, um mich anzugrabschen.
Weniger Werbung wäre für mich ein Gewinn.
Eine andere Frage ist, woran es liegen könnte, dass Werbung schnell aufdringlich ist oder – generell betrachtet – überhand nimmt und alle Aufmerksamkeitskanäle mit Werbung zugestopft werden. Eine Antwort habe ich nicht, aber mir kommt es vor wie ein Rattenrennen:
Wer als Werber leise und höflich ist, wer eher nüchtern informiert, geht auf lange Sicht hin unter.
(Ja, und ich weiß: Mein Standpunkt ist unausgegoren. Aber ein allgemeines Missbehagen an Werbung kann man m.E. schon konstatieren. Vielleicht kann man sogar sagen, dass diese Missbehagen gut begründet ist.)
Am 6. April 2008 um 19:07 Uhr
An einem herrlich sonnigen Maisonntag saß ein Blinder im Stadtpark. Auf dem Schild, das er um den Hals trug, war zu lesen: “Helft dem Blinden!” Aber nur wenige Spaziergänger legten eine Münze in seine ausgestreckte Hand. Kaum zwanzig Schritte entfernt saß ein anderer Blinder. Fast jeder, der vorüberkam, ließ ein Geldstück in seine Mütze fallen, manche gaben sogar einen Schein; andere, die bereits vorbeigegangen waren, sah man zurückkehren, um ihm etwas zu spenden. Auf seinem Schild stand: “Es ist Frühling – und ich bin blind!”
;-)
Am 6. April 2008 um 21:01 Uhr
Werbung statt Sozialstaat. Interessanter Ansatz. Funkioniert nur leider nicht – Werbung vermag oft weniger als Werbetreibende meinen. Oder hat die “Du bist Deutschland”-Kampagne viel gebracht? Auf dem Schild stand: “Du bist arm – Deine Armut kotzt mich an – und bitte freu Dich über den Frühling!“. Bei Märchengeschichten bin ich immer etwas skeptisch, sorry.
Am 6. April 2008 um 21:22 Uhr
Gott hat eine Inhouseagentur- die Kirche.
Die haben dann ja auch das erste CI an den Start gebracht.
Wer das Produkt GLAUBEN nicht geschluckt hat, wurde dann auch gleich mal unter die Erde gebracht. Wo ist dann eigentlich der Teufel gewesen? Hatte er den Pitch verpasst, oder ist er an jedem Verkauf vielleicht auch beteiligt? Ein Stück Seele bei für jeden Dollar, Euro und Rubel?
Am 7. April 2008 um 14:32 Uhr
“Wir alle werben”/”Ich werbe also bin ich”
Die Diskussion hatte ich neulich schon einmal. Ich werbe…:
…Im Bewerbungsgespräch
…bei meiner Familie (für mein “tolles” Verhalten)
…bei Freunden (“Geile Aktion, was?”)
…
Aber hat denn jemand dazu eine Marketingstrategie? Oder hat er aktiv seine Werbung im Kontext (seiner Persönlichkeit) geplant?
“Das der Berufsstand eine so alte Tradition hat”
Vorsicht, am Ende kann ja dann jeder werben!! Wer braucht also den Berufsstand?
Als BWL Student mit Spezialisierung im Marketing und noch spezieller SOCIAL MARKETING, bin ich ja noch sehr offen für kreative, innovative und visionäre Ideen, würde aber doch gerne einen Job finden, den mir nicht jeder um die Ecke gelaufene Hans streitig machen kann ;-)
Am 7. April 2008 um 19:15 Uhr
@ Alex
Tja – willst Du daraus einen Beruf machen, musst Du besser sein als Hans. Und auch besser als die Schlange, welche die Vertreibung aus dem Paradies bewirkt hat. Ihre Argumentation war, nun, erfolgreich, aber es endete übel.
Wortgewaltig, wirkungsvoll
Letztlich irre, total toll
Sehr verantwortungslos künde-
te die Schlange von der Sünde
Worauf Eva einen Apfel biss
An ihrem letzten Tag im Paradies
Und die Moral von der Geschicht?
Wirb als Werber nicht für Mist!
Am 8. April 2008 um 08:35 Uhr
Für die Kirche kann Gott nichts. Da hat er kurz gepennt.
Am 8. April 2008 um 10:23 Uhr
@ Dr. Dean:
Das Problem ist: Ich weiß, dass ich nicht umsonst studiere, und ich später besser werde als Hans. Aber das weis Hans noch nicht, und versucht mir zu erklären er könnte werben…
Und das betrifft sogar manchmal Menschen die in der Branche tätig sind, aber keine entsprechende Ausbildung genossen haben und scheinbar nicht verstehen, dass es Theorien und wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Marketing und Öffentlichkeitsarbeit gibt. Man könnte sich ja mal was durchlesen. Aber NEIN, das ist doch mindestens so einfach wie Küchenpsychologie!!
Am 8. April 2008 um 13:47 Uhr
Ja, aber der Punkt ist nicht, ob z.B. eine Pistole von G~tt erfunden wurde, und es ist nur ein Teilaspekt, wie gut Du an der Pistole ausgebildet wurdest. Selbst, wenn Du der weltweit beste Pistolenschütze wärest: Der Punkt ist, was Du damit machst.
Am 10. April 2008 um 21:41 Uhr
Das ist ja ziemlich interessant. Also werben wir weiter, aber nur die Werbung, die Spass macht, bitte.
Am 13. April 2008 um 09:37 Uhr
Ich finde dei Werbung ganz lustig. Aber egal wo, man wirbt eh überall…
Am 16. April 2008 um 13:00 Uhr
also echt interessante diskussion, die ihr hier führt….ich kann mich nicht mit der these anfreunden, dass gott die werbung erfunden hat, aber interessante argumentationsweise ;-)
Am 3. Mai 2008 um 10:35 Uhr
Stimmt schon Werbung an sich steckt heute überall keine strasse, oder körperteil auf dem man noch keine werbeschildchen gesehen hätte, daher intressanter ansatz wie ich finde – werbung benötigt sogar die kirchen heutzutage damit überhaupt noch jemand hinkommt … so schaut´s aus
Am 11. Januar 2010 um 12:57 Uhr
[...] des 20. Jahrhunderts und des jungen 21. Jahrhunderts. Gemeint ist die Werbung, die die allermeisten Menschen im sozialen Miteinander gelernt haben und praktizieren. Klassische Tugenden wie Höflichkeit, Respekt, zuhören können oder [...]
Am 23. Mai 2010 um 01:15 Uhr
der Meinung von bw muss ich mich anschliessen