25.03.08
15:09 Uhr

Bleifuß im Visier

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Bundesverkehrsminister Tiefensee will nicht nur die Raser aufrütteln und präsentiert seit dem 18.03.2008 die neue Kampagne „Runter vom Gas„. In der Motivserie werden verschiedene fiktive Todesanzeigen dargestellt, deren abgebildete Personen in einem krassen visuellen Widerspruch voller Lebensfreude dargestellt werden. Noch immer sterben auf Deutschlands Straßen zu viele Menschen.

„Die Folgen falschen Verhaltens auf der Straße werden allzu oft verdrängt. Wir wollen mit der Kampagne „Runter vom Gas!“ endlich ein Zeichen gegen diesen Verdrängungsprozess setzen. Wir wollen den Zahlen ein Gesicht geben, deshalb konzentriert sich die Kampagne auf das menschliche Leid, das solche Unfälle verursachen“

, sagte Tiefensee, der die Kampagne von Scholz&Friends zusammen mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Berlin vorstellte.

Deutschland argumentiert damit angesichts seiner bisherigen Entscheidungen gegen ein generelles Tempolimit auf einem schmalen Grat. Einerseits wird an die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer appelliert, andererseits stellt die Deutsche Automobilindustrie den Verbrauchern immer mehr „Boliden“ zur Verfügung, die erst auf Deutschlands Autobahnen so richtig frei „zur Entfaltung“ kommen können.
Persönlich kenne ich einen US-Amerikaner, der mir berichtete, dass er und seine Freunde bei ihren regelmäßigen Urlaubsreisen nach Europa nicht versäumen, einen Sportwagen in Deutschland zu mieten, um sich den Frust des Tempolimits in den USA einmal so richtig „von der Seele“ zu fahren…
Fakt ist aber auch, dass bereits ein Großteil der Deutschen Autobahnstrecken mit einem Tempolimit ausgestattet ist und bei laufender Zunahme des Verkehrsaufkommens eine „freie Fahrt“ sowieso nur noch auf wenigen Streckenabschnitten zu nachtschlafender Zeit möglich ist. Zusätzlich sind die Zahlen von Unfalltoten gerade auf Landstraßen erheblich.

Wie wirkt diese Kampagne, die erneut bewusst und gezielt auch auf das Thema Angst setzt, bei euch?

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

32 Kommentare

  1. Moritz

    Ich finde die Print-Motive klasse. Schlicht und ergreifend. Der Kontrast vermittelt gut, wie verdammt schnell es manchmal passieren kann, der Weg vom wirklich lebendigen (nicht nur: „lebenden“) zum toten. Die s/w-Automatenbildchen gelten ja schon seit langem als eingefrorener Ausdruck von viralität und lebensfreude.
    Unbewußt werde ich das Motiv irgendwo in meinem Hirn speichern und dadurch bei der nächsten Autofahrt, an der einen Ecke, in der einen Sekunde, ein bisschen langsamer fahren – glaube ich zumindest jetzt. Ich werde die Werbung abrufen, wenn ich (sozusagen) vor der Kaufentscheidung „Schnell durch die Kurve vs. besonnen“ stehe. Viel mehr kann Werbugn doch nicht erreichen.

  2. Aaron

    Ich weiß nicht… Die Bilder wirken im Zusammenhang mit der Todesanzeige schon auf mich, wobei der klassische Artikel in der BILD mit Wrack- und Pass-Foto noch durch den Realismus wirkungsvoller ist. Gerade das aktuelle Unglück durch den von der Autobahnbrücke heruntergeworfenen Holzklotz auf der A29 bei Oldenburg, der eine junge Mutter tötete und eine kleine Familie zerstörte, erreicht mich…

  3. chris

    Ich hab grad bei Reduxo im Blog eine vergleichbare irische Kampagne gesehen:
    blog.reduxo.de/wirke...
    Die These, dass Schockkampagnen besser wirken, würde ich so auch erstmal grundsätzlich unterstützen. „Runter vom Gas“ ist mir immernoch zu Abstrakt. Klar, man hat jetzt zu den Zahlen auch Bilder, aber identifizieren kann ich mich damit immernoch nicht. Da fehlt eine Geschichte hinter. (Pass-)Bilder gibts wie Sand am Meer.
    Ich glaube nicht, dass die Kampagne in irgendeiner Form die vermeintliche Zielgruppe (jugendliche Raser?) erreicht. Wenn ich mit 5 Leuten auf dem Weg nach Hause bin, dann denk ich nicht an sowas, sondern habe meinen Spaß. Das der dann u.U. tödlich enden kann, wird von den meisten sicherlich ausgeblendet.

    @Aaron: Wobei das Verbrechen in Oldenburg ja nicht im Zusammenhang mit Raserei steht. Unabhängig davon wird es wohl viele Menschen bewegen.

    [ot]
    Konsequenterweise müsste man die Straßenkreuze, die an sämtlichen Straßen zu finden sind, mit dieser Kampagne legalisieren. Ich finde ein Straßenkreuz an dem ich vorbeifahre (wenn ich es denn sehe), sagt für mich mehr als 1000 Wort & Gas-Weg Kampagnen… aber vielleicht ist das auch nur bei mir so…

  4. Frank Meier

    Hurra, wir klappern wieder mit dem Sargdeckel … und mit ihm im Gepäck das leidige Thema Tempolimit.

    In dieser weichgespülten „Wellness – ich will nicht sterben – ich bin elementar wichtig – Hurra, wir retten die Welt mit Energieeinsparlamen – Welt“ darf man sich über nichts mehr wundern. Jede Sch… wird reguliert oder langsam darauf vorbereitet. Da fällt es auch kaum auf, das wir die geringsten Unfallzahlen seit Beginn derer Aufzeichnung haben. Dass die Gefahr tödlich zu verunglücken, im Haushaltsbereich oder beim „Handwerken“ ungleich höher ist. Aber egal, das wäre ja nicht so plakativ. Am besten wir treiben es so, wie es Dieter Nuhr einst so schön formulierte: „… die Helmpflicht für Radfahrer, denn beim Radfahren kann man hinfallen. Beim Gehen übrigens auch. Im Grunde auch beim Stehen. Wahrscheinlich wird uns der Helm bald schon ganztägig fest verankert, damit man auch nachts gefahrlos aus dem Bett fallen kann …“

    Aber bleiben wir mal beim Thema: Was soll uns „Runter vom Gas“ sagen. Würde es weniger Unfälle geben? Ich glaube kaum. Wenn ich an die letzten mir bekannten Unfälle denke, war es eher grobe Idiotie als Geschwindigkeit. Da fällt mir spontan der Familien-Bullifahrer ein, der mit einen platten Reifen an seinen Wohnanhänger mitten auf der Autobahn stehen blieb (nicht Standsteifen, mitten auf der rechten Spur). Anstatt zügig von der Bahn zu fahren, auch notfalls die besch… Felge zu ruinieren, wartete man seelenruhig bis sich ein 40tonner gefunden hatte, der die Muße hatte, durch besagtes und geparktes Zweiteigentum zu fahren. Oder nehmen wir den überaus agilen jungen Mann, der mir letzten in einer Auffahrt zu einer anderen Autobahn rückwärts entgegen kam, nur weil er sich verfahren hatte. Und so ließe sich endlos weiter schreiben, denn die Fälle wo es wirklich mal um pure Raserei geht sind eher die Ausnahme.

    Jetzt werden natürlich viele sagen: „Was für ein Ars…, jeder Tote oder Verletzte ist zuviel“. Ja sicher, keine Frage. Aber das Sterben kann man nicht verhindern. Weder auf der Autobahn noch im Supermarkt, wo mir letztens so eine blöde Tu..i ihren Einkaufswagen in die Hacken gefahren hat.

  5. ramses101

    Das Problem bei solchen Kampagnen ist einfach, dass sie eben nicht gegen Raser Stellung beziehen, sondern dagegen, beim Rasen zu sterben. Das ist so als würde ich eine Kampagne starten, die sich gegen das Ertrinken beim Schwimmen richtet. Das will auch keiner, aber wer fühlt sich denn angesprochen? Und gerade im Straßenverkehr sind es eh immer die anderen. Man selber rast schließlich nicht, sondern fährt „zügig“ und vor allem immer „im Rahmen seiner Möglichkeiten“.

  6. Karl Schmidt

    Jeennau und deswegen ist es Zeit und Geldverschwendung. Ein ebenso erheiternd vergeblicher Versuch, wie der eines mir bekannten Architekten, der sein von ihm entworfenes Gebäude in der Innenstadt mit einer kleinen Parkfläche zu verschönern versuchte, in der Hoffnung die Wiese würde ewig halten. Nun gut nach einen halben Jahr war der Park durchzogen von kleinen Wegen. Nicht weil die Menschen den Park nicht schätzten, sondern, weil sie beim Gang durch den Park Zeit sparten, anstatt drum herum zu laufen.

  7. Patrick Breitenbach

    Die Kampagen ist z.T. herausgeschmissenes Geld (wie so oft), weil Raserei natürlich ein emotionales Affekt-Erlebnis ist. Hier wird zwar auch auf Emotion gesetzt, doch wann nehme ich den TV-Spot denn wahr? Ganz bestimmt nicht beim Autofahren.

    Also solange niemand gezwungen wird sich während dem Autofahren ständig emotionale Ermahnungen oder Schockvideos anzuschauen, bringt der ganze Kram eigentlich so gut wie gar nüschts. Da sind diese Schilder am Autobahnrand (nicht an der Raststätte) noch am sinnvollsten. Aber auch die halten die wenigsten davon ab. Hier geht es wohl eher um das Beruhigen des schlechten Gewissens, wenn es dann wieder mal zu spät war. Anstatt in Tempolimits wird die Energie lieber in Kampagnen gepackt. Das mag die Auto-Lobby dann auch gleich viel lieber.

  8. Frank Meier

    @ Patrick

    Wovon abhalten? Man kann jemanden abhalten, mit gezogener Waffe in die Schule zu stürmen, aber sicherlich niemanden vom „Rasen“. Das eine ist eine reelle Bedrohung, eine Gefahr die auch als solche von jedermann erkannt wird. Im Gegenteil dazu müsste man ja erst einmal definieren, was Raserei in diesem Zusammenhang bedeutet. Was ist damit gemeint? Die junge Dame von eben, die nun all ihren Mut zusammengenommen hat und nun endlich den Laster überholt, den sie schon seit 10 km im Abstand von 15 Metern verfolgt hat? Oder den Frührentner der den Weg nach Links gefunden hat, aber den Weg nach rechts so nachgiebig vernachlässigt, dass der Typ im Wagen 76 hinter ihm, langsam durchdreht? Oder meint man den jungen Typ, der meist links fährt und an einem vorbeibrettert als gäbe es kein Morgen? Ganz sicher meint man den. Ist ja auch unerhöhrt. So etwas gehört sich nicht. A) weil er schneller ist als ich und B) weil er ja so rücksichtslos fährt, gelle?

    Das er wahrscheinlich aufmerksamer unterwegs ist, als die im vorn hinein angesprochene junge Dame, die nämlich beim ausscheren den Verkehr auf der linken Spur ignorierte ist in diesem Zusammenhang egal. Denn wen es rumst ist sowieso der nachfolgende Verkehr dran Schuld.

    Von daher, „Raserei“ ist und bleibt ein rein subjektives gefühltes Konstrukt. Das taugt noch nicht mal für die Tempolimit-Befürworter, denn rein von den Zahlen her betrachtet, sind Länder mit Tempolimit nicht sicherer, eher im Gegenteil. Was bleibt ist die kanalisierte anerzogene Verachtung gegenüber dem Automobil auf den so genannte „Gutmenschen“ immer wieder gern anspringen und ihre Heilsverkündung unters Volk bringen, wie der Sandmann den Sand.

  9. Patrick Breitenbach

    Ist nicht alles irgendwie ein Konstrukt? :-)

    Ich glaube Tempolimit hat noch mehr Arguemnte als die Raserei – bitte mich da als „Gutmenschen“ sowieso nicht in diese Debatte mit einbeziehen, denn ich will sie gar nicht führen.

  10. Daniel

    Hab sie das erste Mal vor drei Wochen in Kreuzberg gesehen und meiner Freundin sofort gesagt, dass mich dieses Spiel mit der Angst schon immer genervt hat. Visualisierung und Anmutung der Anzeige ist gelungen, aber ansonsten ist mir das zu sehr Tränendrüse.

  11. Armin

    Was hat „Runter vom Gas“ denn jetzt mit dem Tempolimit zu tun und das es auf Landstrassen auch so viele Unfalltote gibt?

    Um das Tempolimit geht es doch gar nicht. Sondern darum mit angemessener und vor allem geringerer Geschwindigkeit zu fahren, egal wo. Ein sehr grosser Teil der Unfaelle auf Landstrassen (bzw die Schwere der Unfaelle) wird auch durch ueberhoehte Geschwindigkeit fuer die jeweiligen Umstaende bedingt sein (Regen, Nebel, Dunkelheit, Kurven, Strassenzustand etc). Eben dass man nicht 100 fahren sollte nur weil da 100 dransteht (oder 80 oder was auch immer). Ebenso in den Staedten.

    Das faengt ja schon damit an dass sich sowieso fast keiner an Tempolimits haelt. Hier im UK ist das Limit fuer die Motorway 70 (Meilen). Ich fahre jeden Tag 2 x 40 Meilen Autobahn, seitdem ich eine Verbrauchsanzeige und Cruise Control habe halte ich mich an die 70. Auf jeder 40 Meilen Strecke ueberhole ich vielleicht 3-4 Autos (LKWs und Busse mal nicht mitgezaehlt), werde aber von vermutlich hunderten ueberholt, sehr oft mit geschaetzen 20-30 Meilen hoeherer Geschwindigkeit. Wenn ich in der Stadt die erlaubten 30 (oder auf Hauptausfallstrassen 40) fahre ziehe ich ziemlich sofort eine lange Schlange hinter mir her.

    Wuerde mich sehr wundern wenn das in Deutschland auch nur ein kleines bisschen anders waere.

    Gut, moderne Autos sind „sicherer“, verleiten aber auch dadurch zum schneller fahren weil man sich sicherer fuehlt. Und eben zur Ueberschaetzung der Faehigkeiten: Ich habe ja ABS, DSC und alle moeglichen sonstigen Abkuerzungen, also geht das schon. Und ausserdem sind es sowieso immer die anderen die schlecht fahren.

    Ob man das mit solchen Anzeigen erreichen kann? Bezweifle ich. Vor allem nicht die jungen Leute die sich sowieso fuer unverwundbar und unbesiegbar halten.

  12. Patrick Breitenbach

    „Die Bewegungsenergie eines Fahrzeuges, die bei einem Aufprall zerstörerisch wirkt, sowie der Bremsweg sind proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit.“

    Einfache Physik Leute.

  13. Fritz Brett

    Die Angst vor dem Angstmachen ist sehr deutsch. Tatsächlich sind Befürchtungen ein unglaublich starker Motivator für menschliches Verhalten. Die Kampagne kann durchaus wirken, sofern sie den Leuten genügend häufig unter Nase gehalten wird, um die „ungestützte Erinnerung“ aufzubauen. – In kreativer Hinsicht ist sie mir nicht authentisch genug. Die Logos der Partner – herrjeh, ist das blöd. Alle weg, tun nichts zur Sache. Beim Slogan ist der Brüllstrich doof. Das Familie-Mustermann-Photo ist echt „werbisch“. Wer wissen will, wie Deutschland wirklich aussieht, muss sich nur in den Communities umgucken – so entsteht eben eine Diskrepanz zwischen authentischer Botschaft und nicht authentischer Umsetzung. An der Stelle können dann die Verdrängungswünsche ansetzen und sagen: „Ih, die werben ja mit der Angst.“ Der Ansatz der Kampagne ist aber richtig und gut. Man muss den Leuten den Optimismus nehmen, gerade sie könnten dauerhaft das Glück haben, beim Autofahren dem Teufel von der Schippe springen.

  14. Boris Noll

    Wie schaut es eigentlich bei der Schaltung aus ich hoffe nur das solche „Todesanzeigen“ nicht bei den echten Todesanzeigen stehen. Das wäre für mich Moralisch nicht vertretbar.

    Aber schockt euch eine solche Anzeige wirklich?

    Schaut euch mal den Spot der Irländischen Kampagne gegen Raser an. Der bringt mich mehr dazu etwas über die Thematik nachzugrübeln.

    <param name=“movie

  15. Boris Noll

    Nachtrag -> Link de.sevenload.com/vid...

  16. Björn

    @Chris bzgl. den Straßenkreuz-Varianten:

    Gibt es in Niedersachsen an Bundesstrassen…
    1. Schild: 17:00 Uhr Feierabend
    1km später Schild: 17:34 Uhr Unfall mit Todesfolge
    3km später Schild: 14:00 Uhr Trauerfeier
    2km später: 3 weiße Kreuze

  17. sendseon

    idee ist geklaut und funktioniert trotzdem nicht. schockierend langweilig, finde ich.

  18. Armin

    Die Frage ist doch eher wie man die Leute erreichen kann. Mit den Schock- und Blutanzeigen glaube ich irgendwie nicht. Das verdraengen die Leute, „ach, sowas garstiges wird mir schon nicht passieren“.

    Da finde ich eher das Transport for London Konzept interessant:

    tfl.gov.uk/corporate...

    Verlier Deinen Fuehrerschein durch Speeding, Drink Driving etc und Du bist nur noch ein Kind, musst Dich von Mutti fahren lassen usw. Koennte mir vorstellen dass das zumindest ein paar Leute ansprechen wird.

    Allerdings werden auch da genuegend Leute denken, „das wird mir schon nicht passieren“.

  19. Arne

    Der Gedanke ist schon OK – Eben der typische erhobene DU DU DU! Zeigefinger des Staates. Ich finde die Spanne zwischen ich fahre gerade hier Auto und gleich könnte ich samt meiner Familie Tot sein eher ungenügend für eine Kampagne. Da finde ich die Aktion hier in Schleswig Holstein eher treffender. Raser sind sooo cool. Hat wenigstens Stil. Im Endeffekt sind es doch nur verschwommene Bilder die man halbherzig bei 240 vorbei rauschen sieht!

  20. Selektive Wahrnehmung | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Selektive Wahrnehmung

    […] eine weitere Kampagne, die die Sicherheit im Straßenverkehr thematisiert. Die Londoner “Transport for […]

  21. Ihr Business & Marketing BLOGGER » Blog Archive » Der Werbe-Stern der Woche geht …

    […] ist mir diese Anzeige ja nur deshalb aufgefallen, weil in den letzte Tagen das >> ein oder >> andere Mal über diese Kampagne berichtet wurde. Ich möchte dazu auch nicht allzuviel […]

  22. verlierer

    helmpflicht für fahrradfahrer? weitere gängelei?
    nöö.

    die oberste moralinstanz der deutschen ist und bleibt die geldbörse.

    mein vorschlag:
    autoversicherungen entsprechend dem risiko richtig teuer machen. krankenversicherung für nicht-autofahrer sehr günstig machen (genauso wie für nichtraucher usw.). im zweifel günstige grundtarife mit hoher selbstbeteiligung für verursachte schäden.

    wenn es de facto also richtig geld kostet, zu rasen, dann werden es die betreffenden sein lassen *müssen*.

    übrigens ist das größte frühablebensrisiko auf deutschen straßen nicht das rasen auf autobahnen, sondern das schnellfahren in der stadt und die missachtung von vorfahrtsregeln (bzw. von vorrang-regeln gegenüber fußgängern). auch hier gilt: wenn die leute entsprechend des eigenen risikos zahlen müssten, würde sich das verhalten ändern.

  23. Frank Meier

    @ verlierer – Noch immer halten viele Menschen die Solidargemeinschaft für eine der größten Errungenschaften unserer Zivilisation. Du kannst aber gerne austreten, wenn Du zukünftig bereit bist Deine Ski-Urlaubs-Beinbrüche inkl. Hubschraubertransport zur Klinik oder die Pflege im hohem Alter inkl. der übelst teuren Medikamenten selber zu zahlen. Ich rate Dir schon mal, jetzt dafür monatlich EUR 500,- zur Seite zu legen.

    Ansonsten möchte ich zur Thematik nur noch ein kleines Wörtchen an die Gemeinde richten. Ihr lebt in einer der sichersten und friedlichsten Epochen der Menschheitsgeschichte. Ihr habt durch das Glück Eurer Geburt hier und nicht in Äthiopien (oder anderswo) das unermessliche Glück in Wohlstand zu leben. Selbst jeden Hartz IV- Empfänger geht es hundert mal besser als in einem sogenannten Dritte-Welt-Land. Das Risiko für Euch ist das minimalste weltweit. Dennoch lebt Ihr, für mich unverständlich in ständiger Angst. Ich sag mal so: Wer Angst vor dem Sterben hat, sollte am Leben nicht teilnehmen. Punkt.

  24. Patrick Breitenbach

    „Wer Angst vor dem Sterben hat, sollte am Leben nicht teilnehmen.“

    War das nicht ursprünglich mal ein wichtiger Schlüsselreiz des Lebens und der Evolution? ;-)

  25. Frank Meier

    @ richtig, Patrick, sterben gehört zum Geschäft ;-)

    Angst weniger. Schütz vor akuter Gefahr immer nur kurzfristig, bringt aber weder Fortschritt und Hoffnung. Angst lähmt.

  26. Patrick Breitenbach

    @Frank Meier: Ich will ja nicht einen philosophischen Diksurs abrutschen, aber ich glaube schon, dass Angst eine durchaus gewinnbringende Funktion haben kann. Es ist wie mit der Nicht-Angst. Auf die richtige Dosis kommt es an.

    Ich glaube schon, dass Angst einen Teil zum (jedenfalls technischen) Fortschritt beigetragen hat. Und Hoffnung? Nun, kann Hoffnung überhaupt ohne Angst und/oder einem anderen unerwünschten Zustand existieren? Ich glaube sogar, dass Hoffnung das Resultat von Angst sein kann.

    „Ich habe Angst, dass mein Kind nicht das Beste im Leben erfährt, ich hoffe aber inständig, dass es das tut.“

  27. Frank Meier

    @ Patrick … das sehe ich auch so. Die Dosis macht es.

    Leider ist es aber nun einmal so, das, vielleicht geht es auch nur mir so, viel zu oft mit dem Sargdeckel geklappert wird. Es werden in den 24h eines Tage so oft die Ängste appelliert, dass die meisten Menschen wie eine aufgeschreckte Rehherde wie wild von rechts nach links und umgekehrt laufen lässt.
    Es gibt durchaus reelle Ängste, der Großteil sind aber hausgemachte anerzogene Verhaltensmuster bzw. Reflexe derer man sich heutzutage gern bedient. Würde man im Bezug zur Wahrheit bleiben, wäre die vorgenannte „Raserei“ (um beim Thema zu bleiben) nur ein Teilaspekt und nicht die ursächliche alleinige Grund. Es gehören immer mehrere Aspekte dazu, die einer fröhlichen Fahrt ein trauriges Ende bescheren. So gesehen rührt auch diese Aktion, wie im übrigen auch vorangegange, im großen Topf „Einerlei“ der ewigen Angsttriaden der sich wie Mehltau über das Land ausbreitet.

  28. stk

    Ich habe vor ein paar Monaten eine britische (IIRC) Kampagne gesehen, in der ein Polizist/Unfallforscher in „Bullet Time“ durch einen VU mit Todesfolge geht und die Einzelheiten aufzeigt. Dann „spult er die Szene zurueck“, greift er durch das Fenster des Fahrers, reduziert die Fahrgeschwindigkeit um 5 km/h (oder mph?) und laesst das ganze nochmal laufen. Fand ich sehr beeindruckend, sowohl von der Technik als auch von der Aussage her – kann mich nur leider nicht mehr an den genauen Titel erinnern und finde daher das Video nicht mehr.

  29. Frank Meier

    @ stk

    Während des Studiums oder auch vorher wurden immer erst die Layouts entwickelt und hinterher das „Drumherum“ geschrieben. Hier sehe ich da ähnlich. Nette Geschichte, aber wenn man will, kann man sich immer ein Detail raus picken und so lange drehen bis es passt.
    Ich wiederhole mich ja nur ungern, aber es ist nicht die Geschwindigkeit allein. Es gehören immer mehrere Faktoren dazu. Und um das zu plausibilisieren, wenn es die Geschwindigkeit allein wäre, würden wir sicherlich auch Flugzeuge verbieten, überhaupt alles was sich schneller bewegt als der Mensch zu Fuß.

  30. Target

    @ F.Meier
    Ich empfehle Ihnen einmal bei einem derartigen Unfall mit Todesfolge auf dem Bock der Feuerwehr zu sitzen, den Angehörigen erzählen zu müssen was passiert ist.
    Anstatt hier von Ihren theoretischen Salbungen zu sprechen und so zu tun als ob Sie so cool über den Dingen zu stehen und zu vermitteln als ob Sie zu allem die passende Antwort hätten.

  31. Frank Meier

    @ Target

    Nä nä nä nä Ne

    Ich war dreizehn Jahre lang aktives Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr und glauben Sie mir, dabei Gevatter Tod in allen Varianten angetroffen zu haben. Und wenn Sie selber auf´n Bock saßen oder noch sitzen, wissen Sie ebenso gut wie ich, das jener sich ungern in die Karten pfuschen lässt. Genauso gut wissen Sie, das es in den Polizeiprotokollen all zu schnell als Ursache erhöhte Geschwindigkeit angegeben wird. Ist ja auch schwierig etwas anderes auszufüllen, den es ist ja der auffallend größte Kasten der lediglich angekreuzt werden muss. Alles andere bedeutet Spurensuche und kostet nicht nur Zeit und Geld sondern vor allem Hirn, um Abläufe aneinander zu reihen. Ich will jetzt nicht die polizeiliche Arbeit grundsätzlich schlecht reden, aber wir haben es hier mit eine Jahrzehnte langen Konditionierung auf ebendieses eine Detail zu tun. Das fängt mit Schulungen an, geht über ebensolche Konditionierungskampagnen, über Ausbildung bis hin zur Berufsausübung. Auch wir werden tagtäglich bombardiert mit allerlei Polemik, die uns eine Weltsicht aufdrücken die es so gar nicht gibt.

    Dieser ganze Denke liegt doch ein durch und durch infantiles Gedankenmuster zu Grunde. Unsere Empfindung von Ohnmacht in einer nicht perfekten Welt, einer Welt nämlich in der es Unfälle gibt und unser Wissen darum, dass selbst die Androhung höchster Strafen niemals all diese Unfälle verhindern werden können. Die Frage ist nur, wie wir mit dieser Einsicht, dem Freudschen Realitätsprinzip, umgehen. Wir können es machen wie unsere Politiker: Wir können Tatbestände tabuisieren, oder, wie die Ethnologen es nennen, in eine magisch-animistische Weltsicht zurückfallen. So wie kleine Kinder, die schon mal einen Tisch treten, an dem sie sich gestoßen haben und dann zu ihren Eltern laufen und verlangen, dass der Tisch bestraft wird. Das ist die infantile Variante, die unsere Politiker immer wieder zu bevorzugen scheinen.

    Und die reife, nicht-magische Weltsicht? Wie sieht die aus? – Wir finden uns damit ab, dass die Welt nicht perfekt ist, dass es immer Unfälle geben wird, deren Opfer auch wir oder unsere Familien sein können.

  32. Werbung gegen Raserei

    […] werbeblogger.de taxi-blog.de geschrieben von Benjamin Stephan am 28. Okt 2010 und abgelegt unter: Virales Marketing […]

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