18.03.08
16:34 Uhr

Cui bono Be-Berlin?

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Es ist schon eigenartig. Da beschäftigt man sich intensiv mit dem Be-Berlin-Plagiatsverdacht und stößt auf ganz andere, aber dennoch nicht weniger interessante Fragen. Wir können leider keine Antworten geben, aber vielleicht könnt ihr uns ja dabei helfen, diesen ganzen Wirr-Warr rund um öffentliche Ausschreibung, Agentur-Stelldichein und Mehfachgewinner eines Kreativwettbewerbes aufzudröseln. Ich fasse einfach mal ungeordnet die Fakten zusammen, die wir (The Kaiser und ich) im Zuge einer schnellen Internetrecherche so erfahren konnten:

Prof. Jochen Pläcking, ist sicherlich ein Gigant der deutschen Werbelandschaft. Er war FIAT Automobil Prokurist, Werbeleiter bei Mercedes-Benz sowie – und das ist im Folgenden noch sehr wichtig – Senior Vice President DDB Europa/ Chairman & CEO DDB Deutschland.

Prof. Jochen Pläcking war aber eben auch der maßgeblich Entscheider/Berater (laut Wowereits Ankündigung) für den Kreativwettbewerb ohne Pitchhonorar und damit auch indirekt der Verteiler der Gewinnprämien. Natürlich kennt Pläcking Gott und die Werbewelt, nichtsdestotrotz ist es schon sehr seltsam, dass sich zwei der großen Gewinner direkt mit ihm in geschäftlichem Zusammenhang bringen lassen:

1. Gewinner des Corporate Designs ist die Agentur fuenfwerken AG. Jochen Pläcking ist seit 2006 dort Aufsichtsratmitglied. War das nur Zufall bzw. qualitativ so hochwertige Arbeit, die einfach gewinnen musste? Desweiteren ist die fuenfwerken AG offizieller Partner der „Berlin Partner AG“, also der installierten Leadagentur zur Umsetzung der Kampagne.

2. Ein weiterer Gewinner für die Kategorie Claim war die WE DO Communication aus Berlin. Auch sie sind Partner der ausführenden „Berlin Partner GmbH“. Die WE DO Geschäftsführung ist außerdem sehr eng mit Herrn Pläcking verbunden. So war WE DO- Geschäftsführer Blach der persönliche Assistent von Jochen Pläcking bei DDB. WE DO wurde übrigens dank freundlicher Unterstützung von DDB als eigenständige Agentur ausgekoppelt, gehörte nie offiziell zur Agenturgruppe, aber eine enge Zusammenarbeit hat man immer gerne beibehalten – jedenfalls noch unter Pläckings Einfluss als Chairman bei DDB.

3. Beteiligt am über 10 Mio. Euro Kampagnenetat ist auch Pläckings Agentur kleinunpläcking markenberatung GmbH, dadurch soll wohl ein Stück weit sein Engagement als Auswahlsverfahrensleiter entlohnt werden.

4. Das größte Stück vom Kuchen dürfte OMD erhalten – sie stammen ja, wie man weiß, ebenfalls aus der großen DDB-Familie.

Deweiteren laufen immer wieder fast alle Fäden in Richtung „Universität der bildenden Künste“ in Berlin zusammen, denn fast alle „Gewinner“ des Wettbewerbs haben dahingehend eine mehr oder weniger starke Verbindung aufzuweisen.

Das sind alles keine wirklichen Beweise, nix rechtlich Relevantes, dennoch zeigt es für mich ganz deutlich, dass da irgendetwas faul ist im Staate Berlin und ich würde mir als Steuerzahler wirklich ein wenig mehr Transparenz wünschen. Ich würde mir beispielsweise Einsicht in alle 300 eingereichten Arbeiten wünschen. Ich möchte nämlich wissen, ob die Kampagne aufgrund von Qualität oder wegen irgend so einer studentischen Skull & Bones Verschwörung umgesetzt wurde.

Merke: Je weniger Transparenz, desto höher die Gefahr von Verschwörungstheorien, daher bitte ich baldmöglichst um eine offizielle Stellungnahme der verantwortlichen Beteiligten aus Berlin. Desweiteren sind wir für jede weiterführende und aufklärende Information sehr dankbar.

Update: Hier die Stellungnahme von Prof. Jochen Pläcking

Update II: Stellungnahme von Holger Schmidhuber Vorstandsvorsitzender der fuenfwerken AG und weitere Fragen von uns an ihn.

Update III: Statement von Prisa Wollein von fuenfwerken, u.a. auch zu obigen Fragen bei Trackback Radio Fritz.

Update IV: 8 Kreative streben Sammelklage gegen den Senat an.

62 Kommentare

  1. Alles nur geklaut? - Informelles

    […] beleuchtet Werbeblogger mal intensiv die “Querverbindungen” der beteiligten Personen und Werbeagenturen. Fazit: […]

  2. Buenalog » Blog Archiv » Berlin - Wir können alles. Nur nix richtig!

    […] Berlin hat einen neuen Slogan. 2. Diesem haftet der Plagiatsvorwurf an. 3. Das Auswahlverfahren steht unter dem Verdacht der Vetterleswirtschaft. 4. Der Berliner Senat […]

  3. Protokoll vom 22. März 2008 at Trackback

    […] beberlin-Kampagne Interview mit Philip Eggersglüß von beberlin.de und Priska Wollein von fuenfwerken. Ausführliche Informationen zum Thema gibt es beim Werberblogger. […]

  4. Statement von Priska Wollein von fuenfwerken AG | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Statement von Priska Wollein von fuenfwerken AG

    […] (Radio Fritz) hat gestern u.a. Priska Wollein von fuenfwerken AG zu “be Berlin” und den Vorgängen rund um den Kreativwettbewerb interviewed. Frau Wollwein hat u.a. auch zu unseren Fragen Stellung genommen und sie bleibt dabei, […]

  5. didi

    wie komme ich – aus protest – wieder raus – aus der kampagne? wie teile ich dem bürgermeister, der mich schon zu einem empfang eingeladen hat, mit, dass ich mich lieber mit patrick breitenbach treffe? meine be berlin story war ohnehin nur ein link zu meiner hobbysite jazzimage.de. dass netzgewerkelt wird, ist ok. dass geklaut wird nicht. hab ich vor 1965 in einem berliner institut gelernt, dass irgendwann als abt.5 der hdk/udk einverleibt wurde.
    didi

  6. Patrick Breitenbach

    @didi: Ein Anfang wäre es, ein Statement des Senat zu erhalten. Wieso hat der Senat mit Kenntnis um die geschäftlichen und persönlichen Verstrickungen von Prof. Jochen Pläcking ihn trotzdem das Auswahlverfahren leiten lassen? Herr Pläcking wollte laut eigenen Aussagen das Mandat niederlegen, der Senat hat ihn jedoch dazu aufgefordert es nicht zu tun. Leider bis heute kein Statement aus den Regierungshallen von Berlin zu dieser Thematik. Schade, vor allem, wenn das Thema sehr viele Berliner und Nicht-Berliner interessiert, viele Berliner wie du Teil der Kampagne sind und die Angelegenheit weitaus mehr Image (allerdings umgekehrt) erzeugen kann als die gesamte Sprechblasenkampagne.

    Berliner, fragt euren Senat was da los ist. Uns (als Nicht-Berliner) will er jedenfalls nicht antworten.

  7. didi

    @patrick: ich werde wowereit fragen, wenn ich ihn sehe. ich erwarte aber keine aufklärung, weil das, was da vielleicht lief, normal ist. berlin hatte schon immer große beziehungskisten, die 60 milliarden sind ja nicht verbrannt worden. ich bin vor 43 jahren abgehauen, weil es keine großen (unabhängigen) agenturen gab. seit 2000 bin ich – im unruhestand – wieder hier. und es sind – wie ich hier lese – immer noch die guten freunde, die sich versorgen.

    auf der anderen seite: young & rubicam, frankfurt, hat in den siebziger jahren per anzeige einen „copper director“ gesucht, „weil es eh schon alles gibt und es nur darauf ankommt, das geklaute besser zu verkaufen“.

  8. To be berlin or better not to be? » texterblog.de

    […] kam mit der Recherche des Werbebloggers ins Rollen, dessen Ergebnisse auch mich zum Nachdenken gebracht haben. Und er hat recht, wenn er […]

  9. Sammelklage gegen den Berliner Senat im Fall Be-Berlin | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Sammelklage gegen den Berliner Senat im Fall Be-Berlin

    […] Folgende Mängel listen die 8 Kreativen aus 4 verschiedenen Unternehmen für die Begründung der Sammelklage auf: 1. Es stellt sich heraus, dass Jochen Pläcking, Gigant der deutschen Werbelandschaft und Jurymitglied, die Vorauswahl für die nächste Qualifizierungsrunde – allein – getroffen hat. Herr Pläcking sitzt aber nicht nur zufällig im Aufsichtsrat einer jener Agenturen, die den Wettbewerb gewinnen. Er ist geschäftlich mit zwei weiteren Siegeragenturen eng verbunden. (Details hierzu in folgendem Blogbeitrag) […]

  10. Justberlin oder “Wie die Stadt Berlin unser Kampagnenkonzept benutzt hat” » SAMMELN UND KLAGEN – AUF ZUM KREATIVEN GEGENSCHLAG!

    […] mit zwei weiteren Siegeragenturen eng verbunden.Details hierzu in folgendem Blogbeitrag: http://www.werbeblogger.de/2008/03/18/cui-bono-be-berlin/) 2. Einige Wettbewerbsteilnehmer, deren Entwürfe zu einem guten Teil hohe Deckungsgleichheit mit […]

  11. pantoffelpunk » Blog Archiv » Be doof, be Berlin!

    […] Berlin” ja wohl geklaut! Schämt Euch, Plagiateure! Oder sollte sich lieber Herr Professor Pläcking schämen? Oder war es halt doch nur Zufall? […]

  12. zeitrafferin | sei Feuer, sei Flamme … und sei korrupt

    […] interessant: “sei korrupt”. Sehr […]

Eure Kommentare

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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