23.02.08
01:55 Uhr

Hilfe, Blogberatung

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Kommerzielle Blogberatung ist aus meiner Sicht eine in sich völlig obsolete Einzeldisziplin, die u.a. ohne integrierte und offene Markenkommunikation keine Wirkung entfalten kann. Blogs sind prinzipiell zunächst mediale Nischen und stehen übrigens weit hinter den Traffic- und Besucherzahlen z.B. gewachsener Foren- und Community-Portale: seit Jahren gibt es, unabhängig von den Initiativen der Marken, wesentlich relevantere digitale Begegnungsorte als Blogs, Web 2.0 hin oder her.
Allerdings ist eines auch klar: Wer sich als Unternehmen der Blogosphäre öffnen will, kann nicht in klassischen Abteilungskategorien von PR, Marketing und Werbung denken und hoffen, dass sich ohne übergreifende Unternehmenskommunikation irgendwelche Testpflänzchen setzen ließen, die von alleine oder gar „viral“ sprießen könnten. Wer glaubwürdig seine Produkte präsentieren will und -vor allem- echte konvergente Kommunikation betreiben will, muss sich in der Markenkommunikation auch intern neu denken:

Achtung Abteilungsleiter:
Vergesst die Einzeldisziplinen, innerhalb derer ihr euch nach alten Mustern von euren Kollegen abgrenzen und profilieren wollt. Vergesst den Wettbewerb innerhalb eures eigenen Hauses; die „Wahrheit ist auf dem Platz“ und es interessiert den Verbraucher so gar nicht, ob PR, Markenführung oder Werbung sich intern um die Etats und Kommunikationseffizienz streiten. Eine wesentliche Voraussetzung zum Erfolg ist die interne und abgestimmte Zusammenarbeit der Kommunikationsabteilungen und das gemeinsame Ziel, welches euch eigentlich -mindestens über euren Arbeit- und Brötchengeber- verbinden sollte.

Corporate-Blogs sind insoweit eine spannende Messlatte für diese Art der „gelebten“ konvergenten Kommunikation über veschiedene Kanäle und interne Verantwortungsbereiche mit vor allem in Deutschland noch großem Gestaltungsfreiraum und Chancen. Ansonsten sind Unternehmens-Blogs vor allem eines:
ein überschätztes Medium, welches ganz sicher nicht geeignet ist, als Spielwiese und Übungsfeld der modernen, digitalen Unternehmenskommunikation für „PR-Klimmzüge am Brotkasten“ herzuhalten. Da ich gelegentlich auch gefragt werde, wie man denn ein Corporate Blog aufziehen könnte, ist meine erste Gegenfrage vor allem:
Wie bereit seid ihr wirklich, Mehrwert und Mehrinformation abseits üblicher PR-Kommunikation für den Leser zu schaffen und euch -unabhängig von einzelnen internen Verantwortungsbereichen- über einen direkten Kanal mit euren Kunden, Fans UND Gegnern zeitnah und selbstkritisch auseinanderzusetzen…

7 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    Jedes Unternehmen kann sich ganz praktisch selbst blogberaten, denn die zweite wichtige Frage lautet: Was habt ihr als Unternehmen zu erzählen, was zu eurem Markenkern passt, interessant für Kunden ist und das Potenzial für einen Pulleffekt hat?

    Da diese Antwort nur selten ausreichend beantwortet werden kann, sind Blogs natürlich völlig überschätzt für den Einsatz eines Unternehmens.

  2. Patrick Breitenbach

    Wobei das mittlerweile für alle Kommunikationsmaßnahmen gilt, denn wenn das Unternehmen keinen Blog hat, auf dem Menschen über die Marke positiv wie negativ sprechen, gibt es da draußen genügend andere Blogs und Foren wo sie das tun können.

  3. Rainer

    Schon in der Geschichte gibt es das Gesetz der ungleichmäßigen Entwicklung und auch wenn man einen Sachverhalt durchschaut, so gaukelt das Verständnis einem eine Gesetzmäßigkeit vor, die es in der Wirklichkeit nicht gibt. Wer hätte angesichts der Franzosen im Mittelalter gedacht, dass die paar zurückgebliebenen Engländer sich zur Industrie- und Weltmacht aufschwingen könnten.
    Hinterher hat es jeder schön erklären können.
    Genauso ist das mit den Bloggern. Die Entwicklung wird hinterher erklärt, nicht vorher. Also warten wir doch mal in Ruhe ab, ob Blogger ewig vom Trafficaufkommen hinter den noch gar nicht so alten Foren herhängen werden.

  4. Markus

    Ich denke, dass die Unternehmen die sich mit den neuen Medien identifizieren bereits Blogs betreiben oder zumindest in Blogs aktiv sind.

    Die Unternehmen, die den Weg aus einem Zwang heraus beschreiten wollen werden sowieso keinen erfolgreichen Blog auf die Beine stellen und somit früher oder später das Projekt einstellen. Ein erfolgreicher Blog braucht mehr als nur ein O.K. des Abteilungsleiters und ein bereitgestelltes Budget.

  5. Torsten

    Als Unternehmen welches kurz vor der Umsetzung eines Corporate Blogs steht, hatten und haben wir auch intensive Diskussionen zum Thema „Blog bringt das was?“. Da wir sehr stark auf diversen Plattformen diskutiert werden, fiel uns die Entscheidung diese Kommunikation zu uns zu holen, teils schwer und teils leicht. Klar, positive Kommentierungen wünschen wir uns natürlich aber wie gehen wir mit negativen Kommentierungen zu uns und unseren Partnerunternehem um? Natürlich findet diese Art der Meinungsäußerung ohnehin statt aber will ein Unternehmen seine Plattform dafür öffnen?

    Darf ein Corporate Blog Produkte promoten und empfehlen oder ist dies platte Werbung und „totlangweilig“. Mit welchen Inhalten soll der Blog gefüllt werden, ist das Unternhemen überhaupt in der Lage regelmässig interessanten Content zu generieren? Kein einfaches Thema, denn wie sich ein Blog dann entwickelt ist schwer abzuschätzen und wie hoch kann die Motivation der (unternehmnesinternen) Blogger sein den Blog nachhaltig zu entwickeln, da dies ja auch Kreativität, Menschenkenntnis und Freude an Kommunikation und vor allem viel Arbeit erfordert. Irgendwie ist ein Corporate Blog also ein sehr emotionales Thema und ob jedes Unternehmen in der Lage ist Mitarbeiter für diese emotionale Auseinandersetzen mit dem eignen Unternehmen und dessen Kunden deren Wünsche, Befürfnissen, Beschwerden und Unzufriedenheiten zu finden und zu begeistern? Die wenigsten Unternehmen werden einen Profi, einen Community Manager einsetzten und entwicklen, obwohl so ein Mitarbeiter wahrscheinlich sehr sinnvoll wäre.
    Interessant finde ich den Ansatz den Corporate Blog im Laufe der Entwicklung aus der „Hand“ zu geben. Also den Brand Evangelists den Blog zu übergeben und als Unternehmen die Rolle eines Teilnehmers aber eben nicht die des „Chefs“ zu übernehmen.

  6. Frank Neuhaus

    Hallo Thorsten,
    interessanter Kommentar und ich habe auch bei manchen meiner Kunden gemerkt, dass ein Blog für die anfangs zwar eine gute Idee war, aber der Kunde wenig Spaß am schreiben und auch den Sinn letztlich nicht so richtig verstanden hatte, was auch zeigt, dass ein Blog nicht für jedes Unternehmen geeignet ist.
    Eine positive Erfahrung habe ich mit dem Nürnberger High-End Hifi und TV-Geschäft „Audiovideum“ gemacht, welches ich in allen Bereichen der Unternehmens-Kommunikation betreue und die mindestens so offen für dieses Thema waren und sind, dass sie das mal ausprobiert haben und seit ca. anderthalb Jahren das komplette Blog, inkl. Themen-Recherche, schreiben der Artikel und erstellen passender Bilder an mich outsorcen, wobei es hier noch einigen Optimierungs-Bedarf gibt und „wir“ noch etwas „persönlicher“ werden müssen.
    Schau‘ doch mal rein: audiovideum.de
    Gruß vom Frank

  7. Telstra Social Media Guidelines: Respect, Responsibilty & Representation | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Telstra Social Media Guidelines: Respect, Responsibilty & Representation

    […] Regeln verstoßen lassen oder ob sie die Zukunft und den Wandel hin zu einem offenen Unternehmen gehen wollen, in dem Mitarbeiter auch Botschafter der Kultur, Philosophie und Marke des […]

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  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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