13:32 Uhr
Die Qual der Wahl
“Wettbewerb” ist eines der elementaren Prinzipien unserer Wirtschaftsordung. Ohne Wettbewerb keine Alternativen, kein Angebot, keine Auswahl. Wettbewerb sorgt zusätzlich dafür, dass die Qualität eines Produktes und sein Preis nicht nach Belieben gestaltet werden können, sofern wirtschaftliches Überleben zum Urinstinkt des Anbieters zählt. Angestrebte Monopolstellungen von oder Absprachen zwischen Unternehmen werden (so ist es jedenfalls vorgesehen…) zusätzlich durch das Kartellamt beobachtet und ggf. von “höchster Stelle” verhindert.
Wettbewerb gewährleistet eine natürliche Auslese, wer auf dem Markt überleben kann. Wer nicht “wettbewerbsfähig” ist, stirbt.
Weiterhin steht Wettbewerb für Auswahl und Vielfalt, die Freiheit bedeuten, Freiheit, nach Belieben seinen individuellen Neigungen und Vorlieben auch über den Kauf von Produkten Ausdruck zu verleihen. Diese Vielfalt finden besonders im Internet einen vitalen Ausdruck und Markt. Plötzlich hat jede noch so kleine Nische ihre spezialisierten Angebote, die ohne große Lagerbindung und -Fläche einem weltweiten Publikum via E-Commerce angeboten werden kann. Der “Longtail” lässt grüßen.
Nicht alle Menschen werden allerdings unbedingt “glücklicher”, je mehr Vielfalt ihnen geboten wird. In seinem Buch “The Paradox of Choice” schildert der Psychologe Barry Schwartz seine Theorie, dass zu viele Optionen und Wahlmöglichkeiten die Menschen in laufende Entscheidungskonflikte führen könne und diese oft tägliche Herausforderung nicht gerade zur Lebensfreude beitrage.
Menschen lieben die Auswahl aber hassen die Entscheidung…
Diese sehr spannende Sichtweise spielt auch bei Mundpropaganda eine große Rolle. Je größer und spezialisierter das Angebot, desto eher nimmt der Mensch einen Tipp, Hinweis oder eine Empfehlung von anderen Menschen auf, denen er vertraut.
Der Vortrag ist schon etwas älter (2005), aber mehr als aktuell und inspirierend, auch wenn ich nicht allen Argumenten des Redners folge. Sein Dress ist allerdings uneingeschränkt fabelhaft. Direkt vom Strand ins Auditorium…
4 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 22. Februar 2008 um 16:02 Uhr
Das Buch ist übrigens auch sehr lesenswert und gehört eigentlich in jeden Marketingbücherschrank.
Am 25. Februar 2008 um 16:01 Uhr
Ich habe schon lange für mich den Begriff der Multi-Optionalität geprägt… und letztens in einer Radiolesung mit Manuel Hartung (Der Uni-Roman) wurde auch über die daraus resulierenden Schwierigkeiten der nachrückenden Generationen diskutiert. Weil mich das Thema Entscheidungsfindung bei zuviel Wahlmöglichkeit also sehr interessiert, vielen Dank für dieses Video!!
Aber unter uns: Haben wir nicht zumindest in Änsätzen gelernt, dass unsere Chancen beim Verbraucher steigen, wenn wir ihm möglichst viele Optionen anbieten (Baukasten, Customization, whatever you like…)? Um seine Wahl zu treffen, versucht er natürlich schon abzuwägen, was das Beste für ihn ist… um dann, so die conclusio, zur Salzsäule zu erstarren und sich nicht entscheiden zu können… Gibt es denn einen Ausweg aus diesem Teufelskreis??
Am 18. Februar 2009 um 12:44 Uhr
[...] Barry Schwartz hält ein Plädoyer für die “gute Seite” des Menschen. Er erklärt auf Basis von konkreten Beispielen, dass die Menschen zu durchaus mehr Eigeninitiative, natürlicher Freundlichkeit, sozialer Fürsorge und Empathie in der Lage sind, als wir es ihnen üblicherweise im Zuge überzogener Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen als Bürger und Beschäftigte zutrauen. [...]
Am 23. August 2010 um 16:39 Uhr
[...] beobachten Anderson und Wolff exakt das, was auch ich in verschiedenen Artikeln im Werbeblogger feststelle: As much as we love the open, unfettered Web, we’re abandoning it for simpler, sleeker [...]