14:24 Uhr
Barockhaus
Böser Titel? Ja, zugegeben. Und ganz so barock will die Marke “Brockhaus” auch nicht untergehen. Allerdings frage ich mich ernsthaft, welches Ertragsmodell für den Produktklassiker überhaupt noch bleibt.
Die Tatsache, dass man den gesamten Brockhaus-Inhalt nun werbefinanziert ins Web stellen will – bei gleichzeitiger Einstellung der Papierausgabe – lässt allerdings vermuten, dass die Erträge aus der gebundenen Ausgabe dramatisch zurückgegangen sein müssen. Die Entscheidung wirkt folglich wie eine Art Notverkauf und Liquidation der Markenwerte, für die der Brockhaus einst stand.
Letzlich entfallen zukünftig mit dieser Entscheidung auch bisherige Erträge im Bereich von “Paid Content” auf der aktuellen Website, wo man 6€ 7,95 Monatsbeitrag für den vollen Online-Zugang des digitalen Brockhaus-Archives bezahlen sollte. Die Frage ist nur, wieviele User denn tatsächlich diesen Service bisher genutzt haben. Ein Preis ohne Käufer ist eben wertlos und andere Ertragslinien müssen her. Und das schnell.
Werbepartner für die zukünftige Online-Ausgabe des Brockhaus werden sich voraussichtlich übrigens nicht mit einfachen Bannerplatzierungen oder Sponsoring zufriedengeben. Sie werden zielgruppenspezifischer und relevanter auf ihre potenziellen Kunden treffen wollen. Daher ist durchaus damit zu rechnen, dass beispielweise bei einem Nachschlage-Stichwort wie “Daimler” oder “Otto Motor” alsbald auch die “passenden” Produkt- und Markenplatzierungen folgen. Vorausgesetzt, das Online-Angebot hat überhaupt relevante Besucherzahlen zu verzeichnen. Alleine mir fehlt der Glaube.
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25 Kommentare
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Am 12. Februar 2008 um 14:51 Uhr
[...] Weitere Stimmen zum Thema: Robert Basic, Till Achinger, Wikipedistik, Werbeblogger [...]
Am 12. Februar 2008 um 15:06 Uhr
Hmmm. Wer war noch mal dieser Brockhaus?! Moment, ich guck mal bei wiki, das kostet nix…;)
Am 12. Februar 2008 um 15:59 Uhr
Na hier wird ja wieder kräftig mit den Wölfen geheult:
Wenn Brockhaus so eine dolle Marke ist, dann müsste es zumindest machbar sein sie als valides Nachschlagwerk neben Wikipedia online zu platzieren. Vorausgesetzt man macht es gut, d.h. mindestens so usable wie Wikipedia und natürlich inkl. User-Feedback (was nicht heißt das User die Einträge editieren dürften). Brockhaus hat mit der Online-Strategie doch zwei riesige Vorteile: 1. Die Marke ist sehr bekannt, 2. bei Wikipedia kann man nicht werben. Neben Wikipedia gibt es einfach noch eine Menge Positionierungsspielraum (ein paar andere Ideen zum Thema Online-Wissenskompendium hat man ja z.B. neulich bei Google Knol mal aufblitzen sehen).
Und noch eine Bemerkung zur süffisant kommentierten Option kontextsensitiver Werbung: Das Google mit den AdWords passende Werbung zur Suchanfrage ausspielt ist ja nu auch nicht mehr der Riesenaufreger. Weshalb sollte es das also beim nachschlagen von “Otto-Motoren” beim Brockhaus sein. Und außerdem tippe ich entgegen Deiner Annahme das die Werbekunden auf Sponsoring und Bannerbuchung gar nicht so sehr verzichten wollen werden, wie wir Internetjünger uns das so gleißend ausmalen. Oder womit verdienen StudiVZ und Facebook heute nochmal ihr Geld.
Fazit: Den Abgesang halte ich für verfrüht…
Am 12. Februar 2008 um 16:09 Uhr
Wir werden es “ganz unsüffisant” verfolgen.
Am 12. Februar 2008 um 16:32 Uhr
Wikipedia ist DIE Onlinemarke für Lexika. Brockhaus ist schön für das Regal und da würde ich anderen Stelle weitermachen oder eben ganz klare Unterscheidungsmerkmale zu Wikipedia definieren. Wer es ins netz geschafft hat, ist eben auch als erstes bei Wikipedia und nicht bei der Traditionsmarke Brockhaus. Sprich ein Onlineauftritt müsste von denen zunächst mühsam promotet werden, da ich vermute, dass man auf der Produktseite wenig innovatives erwarten kann, was sich von alleine rumspricht.
Ach ja, “Werbung” (in welcher Form auch immer) kann es ja wohl wirklich nicht sein, auch nicht das Payment-Modell wenn nicht wirklich der Zusatznutzen im Vgl. zu Wikipedia vorhanden ist.
Manchmal muss man einfach leise “Servus” sagen oder was ganz neues, innovatives anpacken…
Am 12. Februar 2008 um 17:04 Uhr
Wikipedia ist zwar extrem bekannt, ist aber eben KEIN Lexikon. Es ist ein Nachschlagewerk ohne jede Garantie. Und genau das ist die Lücke für den Online-Brockhaus. Ich ziehe Artikel vor, auf die ich mich weitgehend verlassen kann und die im Idealfall auch zitierfähig sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass es einer großen Anzahl an skeptischen Usern ebenso geht.
Wer mehr als einmal auf zweifelhafte, falsche oder unvollständige Wikipedia-Einträge gestoßen ist, weiß was ich meine.
Am 12. Februar 2008 um 17:08 Uhr
[...] Brockhaus gefällig? Dieses Relikt der Postmoderne wird bald eine Rarität sein. Die einmalige Gelegenheit zum Kauf eines der begehrten Exemplare des großen Brockhaus erhält man beim Lawblog. Sinnig titelt der Werbeblogger: Barockhaus. [...]
Am 12. Februar 2008 um 17:18 Uhr
@Arne: Ich weiß, was du meinst. Aber eben gerade diese Zielgruppe war offensichtlich quantitativ nicht hinreichend bereit, regelmäßig Exemplare nachzukaufen. Viele andere recherchieren in Kenntnis der Schwächen von Wikipedia weitere Quellen…
Und ganz vielen anderen reicht auch Google ;-), denn dort stoßen sie auf der ersten Seite relativ schnell wieder auf Wikipedia. Diese Relevanz ist nur ganz schwer zu erreichen als neuer Player, der erst beginnt und nicht über außerordentliche Mittel mehr verfügt.
deutscheblogcharts.d...
Am 12. Februar 2008 um 17:20 Uhr
@Arne Viehmeister: Naja die altbekannten Argumente.
Frage: Wer prüft die Brockhauseinträge? Der liebe Gott?
Frage: Wer hat mehr Themenvielfalt?
Nichtdestotrotz ist sicherlich Wikipedia lückenhaft und voller Tücken, ABER es wird immer auf den aktuellen Stand gehalten.
Achtung Brockhaus, das ist eure große Chance, allerdings müsst ihr da ein wenig Geld in die Hand nehmen. Also immer aktuelle Prüfung und Erweiterung eurer Inhalte. Sozusagen ein Wikipedia nur aus Experten gefüttert. Wenn ihr das hinbekommt, es zitierfähig ist und das noch kommunizieren könnt, dann habt ihr eure Positionierung.
Am 12. Februar 2008 um 17:30 Uhr
@Patrick Breitenbach
Brockhaus riskiert mit jedem eintrag seinen Namen. Größere Fehler wirken sich unmittelbar auf die Reputation aus und ruinieren im Extremfall den Markenwert. Daher ist es in deren ureigenstem Interesse, die Qualität weiterhin zu wahren.
Eine absolute Unfehlbarkeit ist natürlich trotzdem nicht gewährleistet. Dennoch ist der Brockhaus im Gegensatz zu Wikipedia zitierfähig.
Wikipedia ist eine tolle Ergänzung zu “herkömmlichen” Nachschlagewerken, bzw. deren Online-Version. Aber einen Ersatz würde ich es nie nennen und hoffe daher inständig, dass uns Brockhaus (u.a. hochwertige Konkurrenten) erhalten bleiben.
Am 12. Februar 2008 um 17:32 Uhr
@Patrick
Da stimme ich Dir voll zu. Es kann nur über die Qualität gehen. Wenn der Online-Brockhaus das schaffen sollte, ist was drin. Eine kostenpflichtige Variante von Wiki wäre dagegen allerdings Blödsinn.
Also Brockhaus: Stellt ein TOP Redaktionsteam zusammen, ladet “Gastschreiber” ein und kooperiert z.B. mit Hochschulen.
Am 12. Februar 2008 um 17:33 Uhr
@Arne Viehmeister: Klar riskiert Brockhaus das. Und dadurch, dass die digitale Vernetzung voranschreitet, werden solche Dinge eben auch intensiver geprüft. Wer hat sich denn sonst schon die Mühe gemacht, den Brockhaus durchzugehen?
Bei Wikipedia ist wenigstens Leben drin. Aber die Zitierfähigkeit ist ein Argument.
Steht im Brockhaus auch sowas drin? de.wikipedia.org/wik...
;-)
Am 12. Februar 2008 um 17:43 Uhr
Es wird nicht leichter für Brockhaus…
media.spiegel.de/int...
Leider hat es die Marke Brockhaus in den Presseerklärungen versäumt, die Frage, die wir uns nun hier alle stellen, aus Anbietersicht in den Mittelpunkt der eigenen Kommunikation zu rücken. Ich will als Kunde nicht wissen, womit der Brockhaus in Zukunft Geld verdienen will, sondern warum diese Chance überhaupt besteht, also warum das Produkt online besser sein wird.
So wirkt es wie ein Ausverkauf… sorry, just my 2 cents.
Am 12. Februar 2008 um 17:44 Uhr
Brockhaus ist ein brick house und damit sollten sie wuchern. Gerade jetzt, da die digitale Vernetzung voranschreitet.
Am 12. Februar 2008 um 17:47 Uhr
Oh wir haben mal wieder Trollbesuch. Don’t feed it!
Am 12. Februar 2008 um 20:27 Uhr
Ludmilla was macht du hier? Komm zu Hause. Iss besser, weil hier dich nix verstehen, die Leite.
Am 12. Februar 2008 um 21:43 Uhr
Tyler Durden!
Am 12. Februar 2008 um 21:54 Uhr
[...] Blogosphäre verhält sich eigenartig, hämisch und reserviert… so ganz kann es wohl niemand verstehen wollen, dass die Notbremse in dieser [...]
Am 13. Februar 2008 um 08:32 Uhr
Abstimmung mit dem Mausklick…
[german]Es war die Sensation des gestrigen Tages: Das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus verlagert sein Vorzeigeprodukt, die Bockhaus Enzyklopädie, komplett ins Internet. Nachdem im letzten Jahr die Zielmarke von 20.000 verkauften Einheite…
Am 13. Februar 2008 um 08:33 Uhr
Interessant wie schlau all die werten Co-Blogger diese Sache bewerten.
Wer sagt eigentlich, dass die Enzyklopädie das tragende Produkt des Verlags war? Offenbar hat keiner der Blogger Kinder. Für meine Töchter war jeweils der Buch “Mein erster Brockhaus” d a s Lieblingsbuch in einer bestimmten Lebenshpase. Heute sind der Brockhaus “Tiere im Wald und “Pferde” allabendlicher Begleiter ins Bett.
Soll heißen: Brockhaus hat es schon längst erfolgreich geschafft, die Marke zu erweitern. Es bleibt sicher die Frage in wie weit das schon wirtschaftlich tragfähig ist.
Am 13. Februar 2008 um 18:45 Uhr
@Jan Darf ich an deine Frage “in wie weit das schon wirtschaftlich tragfähig ist” ein “da die digitale Vernetzung voranschreitet” anhängen? Dann relativiert sich das ganze nähmlich.
Am 14. Februar 2008 um 10:06 Uhr
@Ludmilla: darfst Du. Ich bleibe dabei, zunehmende Digitalieierung heisst nicht gleichzeitig “Tod jedes Printprodukts”. Es gibt für Brockhaus definitiv einen Markt auch im Print. Die Marke ist so stark, dass sich da gerade im Bereich “Kinderbuch” weitere Chance ergeben.
Am 19. Februar 2008 um 21:14 Uhr
Es gibt immer einen Markt für was – auch für den unvermeidlichen BROCKHAUS, der in der neuesten Auflage covermäßig von Armin Müller-Stahl aufgemotzt wurde. In der vorvorherigen Ausgabe sogar war der Outfitkünstler Udo Lindenberg – und jedesmal war die Auflage verkauft. Es gab auch ngormalgestaltete Ausgaben. Sicher heute sind Abverkaufzahlen das A und O. Vielleicht hat sich der gute alte Brockhaus wirklich eine Pause verdient, aber erst wenn Wikipedia sich sachlich richtig entwickelt. Es sind immer noch massig Fehler zu finden, solange nehme ich IHN noch.
Am 2. April 2008 um 10:01 Uhr
[...] Brockhaus bleibt doch gedruckt Die Fortsetzung davon [...]
Am 7. Mai 2008 um 15:30 Uhr
[...] bei Brockhaus “alles gar nicht so gemeint war” und bereits die frische neue Ausgabe des [...]