17:02 Uhr
Ausgrenzung ausgrenzen?
Der Spot aus Österreich zum Thema Rassismus und Zivilcourage (ZARA) ist auf den ersten Blick vielleicht ganz gut gemacht:
Link: www.youtube.com
Doch ähnlich wie der Werbewahn, möchte ich ein wenig unter die Haube blicken. Mag sein, dass man alles übertrieben “verkopft” wahrnimmt (wobei ich jetzt ja gelernt habe, dass wir sowieso zum überwiegenden Teilen völlig unbewusst bzw. aus der Emotion heraus handeln), aber irgendwie bleibt bei mir der Eindruck, als löse sich dadurch nicht wirklich das Grundproblem auf, welches der Spot eigentlich thematisieren will.
Das Grundproblem von Rassismus ist doch im Grunde genommen “Ab- oder Ausgrenzung” zu anderen Menschen. Durch besonders negative Gefühlsäußerungen grenzt man sich zu Menschen mit anderen äußeren Merkmalen (Genmarkern) und Gesinnungen (Kulturen) ab. Man ist nicht nur etwas Besseres als der Andere, sondern der Andere hat überhaupt keinerlei Daseinsberechtigung. Also “Aus- oder Abgrenzung” ist für mich das wichtigste Stichwort im Zusammenhang mit Rassismus.
Der Gegenpol zur Abgrenzung ist wiederum “Toleranz”. Also das bewusste Zusammenrücken und das Öffnen der eigenen Persönlichkeit für neue Dinge, neue Menschen, neue Kulturen. Und genau hier ist der Knackpunkt. Im Spot wird auf Ausgrenzung mit Ausgrenzung reagiert. Etwas, was den Anschein macht, als habe man den Kern des Problems nicht wirklich verstanden und somit die Symptomatik wiederum einfach nur verlagert. Ja ich bin so vermessen sogar zu behaupten, dass der Spot darstellt, wie sich Rassismus sogar verstärkt (nur auf die Protagonistin bezogen). Sie erhält doch die Bestätigung für ihren Rassismus, eben weil ihr Nachbar am Ende bevorzugt behandelt wird und sie wieder herabgestuft und ausgegrenzt wird. Rassismus entsteht sicherlich zum größten Teil aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus. Hier wird genau dieses meiner Meinung nach verstärkt, oder?
18 Kommentare
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- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...

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Am 15. Januar 2008 um 17:33 Uhr
dito…man begegnet ausgrenzung mit ausgrenzung … vollkommen unlogisch. der spot zeigt das heuschlerische an der heutigen gesellschaft. der schwarze könnte genau so intollerant sein. wenn man schon sagt, alle leute sind gleich, dann sollte man das auch kommunizieren.
was hier kommunizert wird ist …rassisten werden schlechter behandelt.
rassismus macht einsam..dann komm doch zu NPD hier bist du nicht mehr einsam…
gute wäre es doch ,
Am 15. Januar 2008 um 18:08 Uhr
EIN Riesen-Grundproblem des Rassismus ist, dass das Umfeld wegschaut. Nicht, dass es selber ausgrenzt.
In realiter wird man so eine engagierte Reaktion wie im Spot kaum bei Fluglinien oder Servicedienstleistern finden, meine Vermutung. Das Servicepersonal wird meist auf De-eskalation trainiert (was den Fluglinien und Dienstleistern geschäftsförderlicher erscheint und oft auch ist), nicht auf Zivilcourage. Zivilcourage (wie sie auch immer ausgeübt wird, ob ungeschickt oder logisch durchdacht) ist anscheinend was persönliches.
Im Fall dieses Spots hat der Steward immerhin – immerhin – irgendwie reagiert. Ich persönlich wäre froh, wenn nur annähernd irgend_jemand reagiert, statt so zu tun, als wäre alles kein Problem.)
Man kann gern klug rumargumentieren, ob das dann auch wieder Ausgrenzung war. Ja, klar war es eine.
In Sachen Rassimus geht es aber eh kaum um Logik. Und in Sachen, was dagegen gut ist und was nicht, auch nicht. Leider.
Am 15. Januar 2008 um 18:10 Uhr
Mann, ist der schlecht. Ich hatte mittendrin gedacht, dass der Mann dauernd furzt und die Frau
deshalb woanders sitzen will, oder dass es um irgend was anderes geht als seine Hautfarbe.
Aber so … ist es wirklich übel. Und in der Tat rassistisch.
Da hat die Frau hat ja auch tatsächlich erreicht, was sie wollte: Sie muss nicht mehr neben dem Neger sitzen.
Am 15. Januar 2008 um 18:16 Uhr
@ Vroni
Ja, in einer realen Situation wäre das eine coole reaktion auf so eine Unverschämtheit. Wobei ich bezweifle, dass selbst die größten Rassisten heutzutage so eine Chuzpe an den Tag legen würden.
Aber wenn man da sitzt und die Aufgabe hat, einen TV-Spot gegen Rassismus zu schreiben, und alles, was einem einfällt, ist so was … dann springt das doch ein wenig kurz.
Am 15. Januar 2008 um 18:24 Uhr
Und was mich auch noch aufregt:
Der Mann ist in dem Spot ein unmündiges Opfer. Kann zwar schon alleine fliegen, braucht aber die Unterstützung des weißen Mannes, um sich gegen eine alte Dame zur Wehr zu setzen. Kann mich gar cniht wieder abregen, so verlogen find ich das.
Am 15. Januar 2008 um 18:31 Uhr
Der Spot kann einfach gar nichts. Er macht Rassisten nicht klüger, hilft den Opfern nicht und um mit einer Oma anzuecken bedarf es keiner Courage. Außerdem ist er unerträglich vordergründig und dumm moralisierend.
Am 15. Januar 2008 um 19:05 Uhr
“… Der Gegenpol zur Abgrenzung ist wiederum “Toleranz”. …”
Integration ist der Gegenpol zur Abgrenzung, nicht Toleranz.
“Tolerare” heißt “etragen, und ertragen kann man so einiges.
Sogar einen schlechten Spot wie diesen.
Und der ist wirklich auf ganzer Linie schlecht.
Keine Idee, Stereotypen, schlechte Exekution, Pseudo-Moral.
Am 15. Januar 2008 um 19:11 Uhr
Der Spot ist uebrigens die Verfilmung einer “Urban Legend” die seit mindestens 1998 die Runde macht:
snopes.com/travel/ai...
(Ein bisschen runterscrollen, die dritte Geschichte).
Am 15. Januar 2008 um 19:36 Uhr
@Warren: Teilweise richtig. Wenn man die Grundbedeutung von Toleranz so versteht dann hast du vollkommen Recht. Allerdings mag ich den Begriff “Integration” auch nicht wirklich. Das ist für mich immer so geprägt als müsse sich eine Seite der anderen irgendwie unterordnen also in ein vorhandenes System einfügen und damit selbst ein Stück weit aufgeben. Wenn beide zu gleichen Teilen etwas aufgeben um aufeinander zuzugehen dann bin ich absolut d’accord.
Also generell “Integration” besser als “Toleranz”.
Danke für die Ergänzungen der anderen. Es tun sich also noch sehr viel mehr Kritikpunkte auf.
Am 15. Januar 2008 um 19:38 Uhr
“Die fressen unsere Fahrscheine, wenn ich Ihnen das sage!”
Find’ ich viel schöner.
Am 16. Januar 2008 um 10:06 Uhr
Die Mahnung “Rassismus macht einsam” verliert leider schon an Substanz durch einen ungünstig gewählten Schauplatz. Die Dame saß zwar im Endeffekt alleine, aber nicht- im Flugzeug, im Abteil, oder in der Sitzreihe, sondern nur in ihrer Sitzzelle. Es sitzen, was man in der herausgehenden Kamerafahrt sieht, einfach noch zu viele Flugäste um ihr herum- was dann visuell kein Einsamkeitsgefühl bei mir hervorruft.
Minderwertigkeitsgefühle = Neid- und die Damen war wohl ziemlich neidisch auf den Fensterplatz. Und den hat sie ja auch bekommen + mehr Komfort. Alles in allem sind doch beide Parteien besser als gut aus der Sache herausgekommen.
Am 16. Januar 2008 um 10:58 Uhr
Es gibt noch zwei weitere Spots aus der Reihe, die vielleicht auch einen Blick wert sind: filmproduktion.org/z...
Auch wenn die Idee nicht unbedingt eine geniale war ist das Ziel des Spots dennoch irgendwo erreicht: er rüttelt auf und das ist immerhin der erste Schritt.
Am 16. Januar 2008 um 11:06 Uhr
[...] Werbeblogger beteiligt sich an der Diskussion. Sehr lesenswert. Tell a [...]
Am 16. Januar 2008 um 11:27 Uhr
Wieder eine Aktion, die zeigt: Wenn’s um Rassismus geht, ist erstmal alles OK, weil wer will sich schon gegen so ein glorioses Ziel stellen? Weiteres Beispiel gefällig? Bitteschön – Schlagt den Glatzen die Köppe ein:
tina-andi.blogspot.c...
Ebenfalls auf den ersten Blick sympathisch, aber ebenfalls nicht zu Ende gedacht.
Am 16. Januar 2008 um 12:52 Uhr
[...] I’m not suggesting that the “Du bist Deutschland” campaign actually led to the current spout of violence, I’m suggesting that sometimes advertising – because of the breadth, depth and scope of the people involved in the communications – can get it so horribly wrong – and yes, make matters worse, even though the original intention was to make it better. [...]
Am 16. Januar 2008 um 16:42 Uhr
ich muss gestehen: Ich habe erst einmal nur gelacht. Und nicht halb so viel kritisch reflektiert wie all meine kompetenten Vorredner.
Ja, der Spot missversteht die Aussage “Rassismus macht einsam” gründlich. Aber sollte er das nicht?
Eine Diskussion hat er ja auch mehr als deutlich ausgelöst, was er wohl auch sollte.
Wer einen besseren Spot anmahnt: Bitte, macht ihn doch. Es kann davon gar nijct genug geben.
Am 20. Januar 2008 um 11:42 Uhr
…mh…vielleicht ist die idee des spots einfach unerkannt geblieben…da ich selber werber kenne und diese damen und herren gern mal mit zweimal um die ecke gedacht und von hinten ins herz denken könnte es auch so gemeint sein…
..das einsamkeit durch ausländerausgrenzung letztendlich die alte dame also die, die ausgrenzt trifft…..und ihr verdutztes gesicht zu ende zeigt doch das sie erwartet hätte selber in die businessklasse zu kommen anstatt “der böse schwarze mann”…
in meinen augen wirkt die verfehlung des kerns dadurch hier noch stärker….
Am 18. Mai 2008 um 03:43 Uhr
Ich mag den Spot. Allein schon, weil er ein lächeln auf meine Lippen zaubert, wenn ich ihn sehe. Die Lösung, die der Steward gefunden hat ist beeindruckend, weil ich sie nicht erwartet hätte und sie doch so einfach und wirkungsvoll ist.
Es ist vermutlich kein guter Weg um Rassismus zu bekämpfen, aber darum geht es ja in dem Spot auch nicht – zumindest verstehe ich ihn nicht so. Es geht um Zivilcourage.
Die Wikipedia definiert das so: “In westlich orientierten Gesellschaften zeigt derjenige Zivilcourage, der die Wertorientierungen der jeweiligen Gesellschaften, wie z. B. die ‘Allgemeine Erklärung der Menschenrechte’, offen und ohne Rücksicht auf eigene Nachteile vertritt.”
In dem Fall zeigt der Steward also offen, dass er der Meinung ist, dass alle Menschen gleich viel wert sind und er daher die Meinung der Frau ablehnt. Er nimmt dabei keine Rücksicht darauf, dass die Frau dadurch vielleicht beleidigt ist und die Fluglinie in Zukunft nicht mehr besucht.
Der besondere Kunstgriff daran ist, dass er das schafft, ohne die Frau direkt anzugreifen. Er gibt ihr keine Möglichkeit sich zu beschweren und macht sie damit Waffenlos.
Das ist ein erfrischend anderer Weg diese Situationen zu lösen.
Noch besser finde ich den ersten Clip: “Öffenlicher Bus” (record.at/spots/play...).
Das vortäuschen der Krankheit führt dazu, dass die Nazis, oder was auch immer sie sind, den Bus verlassen und das, ohne sie zu provozieren.
Ob das in der Realität so funktionieren würde, sei mal dahingestellt. In solchen Situationen sehen viele regungslos zu, weil sie angst haben selbst zum Opfer zu werden. Die Handlungen im Clip wären eine elegante Lösung dieses Problems, auch wenn es dann nichtmehr ganz den Begriff Zivilcourage trifft.
Womit ich nicht übereinstimme sind einige Kommentare:
@P: Der Mann ist ein “unmündiges Opfer”? Du stellst ihn wie ein kleines Kind dar, das sich nicht zu helfen weiß. Dabei hatte der Mann überhaupt kein Problem. Er wirkte auf mich eigentlich eher ungläubig und nachdenklich, nicht aber wütend oder entsetzt. Er war sicherlich mit seiner Sitznachbarin nicht sehr glücklich, aber was andere über einen erzählen muss man ja nicht immer zu ernst nehmen.
@mr.jay: Einsamkeit kann nicht nur Physisch existieren. Der Steward hat die Frau bloßgestellt. Er hat mehr als deutlich gemacht, dass er die rassistische Einstellung der Frau ablehnt. Da sicherlich ein Großteil der anderen Fluggäste genauso denkt, werden sie sich auch nicht gerade gerne mit ihr unterhalten wollen. Folglich: Niemand spricht mit ihr und sie ist einsam.