22:47 Uhr
Xing rudert ins kommunikative Bermuda Dreieck
Update: Mittlerweile hat Xing die Werbung auf Premium-Profilseiten komplett eingestellt.
Löcher stopfen, Deckel draufhalten, Augen zu und durch. Das derzeitige Kommunikationsgebaren (aka Community Management) des börsennotierten Unternehmens aus Hamburg macht derzeit keinen wirklich glänzenden Eindruck. Zwar ruderte Unternehmenschef Lars Hinrichs vor einigen Stunden (meiner Ansicht viel zu spät, denn der Protest zeichnete sich vor dem Jahreswechsel bereits ab, wurde aber noch nicht bei heise & Co. vermerkt) innerhalb des Xing-User-Forums kommunikativ zurück, jedoch mangelt es immer noch an der Verkündung derselben Botschaft auf breiter Ebene. Weder das Xing-Blog (wieso gibt es das eigentlich nochmal?) noch die plattforminterne Pressestelle verlieren ein Wort zu den auf Heise berichteten Nutzerprotesten oder der heute angekündigten Option, das eigene Profil auf “werbefrei” umzuswitchen. Hier ein Auszug aus Hinrichs Erklärung im Nutzerforum:
Wir nehmen die Bedenken sehr ernst und möchten unseren Premium-Mitgliedern deshalb die Möglichkeit geben, Werbeeinblendungen auf Ihrer Profilseite abzustellen.
Ab morgen am späten Nachmittag finden Sie als Premium-Mitglied die Option direkt in ihren Profil-Einstellungen: http://www.xing.com/app/user?op=profile_settings;edit_profil… Diese Einstellung ist nur für Premium-Mitglieder sichtbar.
Mir ist es sehr wichtig, an dieser Stelle noch einmal verständlich zu machen, warum wir Werbung auf XING eingeführt haben. Allein in den letzten drei Monaten haben wir 20 Neuheiten eingeführt (Moderatoren-Features noch nicht mitgerechnet). https://www.xing.com/app/forum?op=showforum;sort=;id=27594;o…
Die Erlöse aus Werbung und Premiummitgliedschaften bieten uns die Möglichkeit, die XING Plattform in noch höherem Tempo weiterzuentwickeln und Ihnen weitere Features und Services anzubieten, die Sie begeistern.
Auch für uns ist Werbung auf der Plattform eine neue Situation und Teil eines Lernprozesses mit vielen Herausforderungen. Ich möchte mich noch einmal herzlich für Ihr Feedback bedanken und freue mich auf den weiteren Dialog mit Ihnen in 2008.
Mag schon sein, dass man den Benutzern viele tolle neue Funktionen zur Verfügung stellen möchte, die Frage ist aber doch eher, brauchen die das überhaupt und wenn ja zu welchem Preis? Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie man den Kunden an der Nase herumführen will. Werbeeinblendungen dienen allein dem Wohle des Nutzers, nicht dem Wohle des Unternehmens, ist schon klar.
Von einem Dialog kann meines Erachtens übrigens mitnichten die Rede sein, jedenfalls nicht, wenn die Begründung nicht nur ein fadenscheiniges Argument ist, um die Proteste auf kleiner Flamme zu halten und den Börsenkurs nicht noch weiter sacken zu lassen. Ein echter Dialog beginnt zunächst mit einer Frage, nicht mit einem Protest nach dem Faustschlag ins Gesicht. Nur schade, dass diese echten Fragen auch meist nur von den Kunden und nicht vom Unternehmen selbst kommt.
Dann noch ein letztes Wort zu dem unterschwellig eingeforderten Welpenschutz für die schiefgelaufene Werbevermarktung: Werbung auf Internetplattformen mag vielleicht für ein junges Start-Up, vor einigen Jahren, eine neue Situation mit Lernprozessen sein, für ein mittlerweile scheinbar gestandenes, börsennotiertes Unternehmen mit gigantischem Kontaktnetzwerk zu sämtlichen Spezialisten, dürften solche Schnitzer “am offenen Herzen” wirklich nicht mehr passieren.
Bei den Protesten oder der teilweise recht bissigen Kritik handelt es sich nicht um irgendein Gelegenheitsbashing oder gar ewig maulende User. Die heftige Kritik der Xing-Kunden (also auch von mir) ist das Symbol für eine vorherige gut laufende Beziehung, die nun in einen Konflikt bzw in einer Enttäuschung geraten ist. Man merkt plötzlich, wie man sich auseinanderlebt. Eine Ehe kann man mit viel kommunikativer Arbeit flicken oder aber eben ratzfatz scheiden lassen. Bei solchen Aktionen und gerade bei Communityplattformen geht es immer in erster Linie um die Stake-, nicht um die Shareholder. Vielleicht auch das ein Grund, warum damals das große Seifenblasenplatzen an der Börse so unerträglich laut war.
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16 Kommentare
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- Roland Kühl-v.Puttkamer: Hey Boogie, ja Fourtrack wird auch noch gefeatured hier. Klar. Gehört zum Westentaschenstudio absolut dazu.
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Am 3. Januar 2008 um 23:02 Uhr
Ich verfolge da fasziniert den aktuellen Thread mit den mittlerweile 32 Seiten. Ganz grandioses Kino. Da demaskiert sich ein Web 2.0-Unternehmen auf breiter Front. Von der Führung bis zu den “kleinen” Mitgliedern. Herrliches Schauspiel.
Ich bin ja mal gespannt ob das alles Auswirkungen hat…
Am 3. Januar 2008 um 23:16 Uhr
@Chris: Ich dachte bis vor kurzem wirklich, sie hätten das mit dem Internetdinges und der Community begriffen. Ich fürchte das Ruder hält heute aber sowieso ein ganz anderer Kapitän in der Hand.
Das merkt man auch leicht an der Kommunikation im Thread: Nicht vomm Herzen, sondern aus der Kehle heraus. Absoluter Liebestöter! ;-)
Auswirkungen hat ein mögliches Scheitern der Werbevermarktung sicherlich. Die sind ja jetzt an einem Detektor angeschlossen, der nicht nur ausschlägt, sondern auch ganz schnell pleite machen kann. Börse ist immer Kacke, es sei denn du verkaufst Schweinehälften.
Am 3. Januar 2008 um 23:35 Uhr
Unter uns, hier liest ja keiner mit :D: Gerade bei Xing, beileibe nicht mehr profanes Startup, eine AG [sic!] hab ich eigentlich gedacht, da sind Profis am Werk. Falsch gedacht.
Doch der Herr Rendite und sein Bruder Herr Börsenkurs, deren Berater, ein paar Schlipsträger, haben da nun das Sagen. Tja, selbst schuld? Natürlich. Wer sich so feiern lässt, wie der Hinrichs da – ich erinnere emich da an so ein unsägliches Foto, wo er mit Bindfäden spielt, da hätte man schon hellhörig werden müssen, das sind schließlich personenbezogene Daten mit denen er spielt. Wer sich als der Held der Web 2.0-Szene in Deutschland feiern lässt, diese nicht verstanden hat, wie sich nun rausgestellt hat, der braucht auf Mitleid nicht zu hoffen.
Das ist alles sooo entlarvend… Ich glaub das alles fast gar nicht.
Am 3. Januar 2008 um 23:53 Uhr
Ich habe wirklich nichts gegen einen stabilen Börsenkurs oder gegen gute Rendite. Das gehört halt zum Spiel dazu. Doch das Problem dabei ist der völlig falsche Denkansatz. Statt nur auf das reine Geld zu starren, sollte man sich auf die Kunden konzentrieren, denn wenn die richtig zufrieden sind, kommt die Rendite schon von ganz alleine ins Haus. Macht doch auch als echter Unternehmer, der seine Arbeit liebt, auch viel mehr Laune.
Aber ich fürchte da schwimmt der eine oder andere Hai mit im 2.0-Becken, der ziemlich gierig und hungrig ist und ganz schnell eine prompte Bedürfnisbefriedigung braucht. Schade eigentlich, denn es hat mal so schön angefangen und ich habe die Plattform wirklich sehr sehr gemocht. (Auch wenn ich in deinen Augen demnach ein offiziell ausgewiesener Xing-Depp bin, Chris!) ;-)
Am 3. Januar 2008 um 23:58 Uhr
Genau das ist das Problem. Die Blickrichtung aus der die Entscheidungen getroffen werden, ist die falsche. Es wird nicht mehr auf die User und vielleicht der eigene Spaß geschaut. Es ist schlicht und ergreifend keine Community mehr. ;-)
P.S. Dafür bin ich in anderen Dingen der Depp… ;-)
Am 4. Januar 2008 um 00:09 Uhr
Hach ja, wer hört schon auf Deppen wie uns? ;-)
Am 4. Januar 2008 um 00:31 Uhr
[...] Blogosphäre und da auch gleich ganz nach oben. Der Werbeblogger schrieb (berechtigterweise) etwas grätzig und schob noch belustigendes hinterher und auch Robert Basic konnte es sich nicht verkneifen. [...]
Am 4. Januar 2008 um 00:31 Uhr
Niemand – aber damit können wir hervorragend leben. Ich bin gerne Depp. *g*
Am 4. Januar 2008 um 00:54 Uhr
Stimmt. Laut Wikipedia sind wir auch nicht ganz so dumm wie die Trottel. Das beruhigt ein bißchen. ;-)
Am 4. Januar 2008 um 09:08 Uhr
ich verstehe bis heute nicht, daß xing so dreist ist, den premium-usern weiszumachen, daß 5 euro im monat nicht ausreichen für anständige weiterentwicklungen und zwingend werbung her muss. andere dienste schaffen so etwas teilweise sogar werbefrei.
es ist einfach eine frechheit. ich plädiere für die kündigung der premium-accounts, wer braucht schon die paar zusatzservices und dann wird dem unternehmen mal in den arsch getreten. hossa!
Am 4. Januar 2008 um 11:47 Uhr
Xing: Das Kreuz mit der Werbung…
So hatte sich das Lars Hinrichs sicher nicht vorgestellt, als er Ende 2007 mit dem ihm eigenen Optimismus das neue Erlösmodell für Xing präsentierte. Werbung auf den Profilen der Nutzer. Denn nun sitzen Teile der Xing-Community vor dem R…
Am 4. Januar 2008 um 12:35 Uhr
Wenn ich zahle, sehe ich doch keine Werbung.
@icke: genau, wer zahlt der sieht keine Werbung. Wer nicht zahlt, sieht Werbung.
Das mein Profil mit Werbung bestückt ist, sehe ich auch unkritisch, verstehe aber Bedenken. Wer zahlt kann dies ja in Zukunft unterbinden. Bei allen anderen Netzwerken sehe ich ja schließlich auch Werbung auf den Profilen.
Also, wo ist das Problem?
Am 4. Januar 2008 um 15:14 Uhr
[...] Werbeblogger findet sich eine interessante Zusammenfassung des derzeitigen Werbegaus bei Xing. Wie im November [...]
Am 4. Januar 2008 um 19:30 Uhr
[...] habe ich übrigens noch mit Lars Hinrichs telefoniert. Er hat unsere beiden Beiträge gelesen und wollte noch einmal persönlich mit mir über die Dinge sprechen, ganz einfach [...]
Am 5. Januar 2008 um 01:53 Uhr
[...] Konzept am zahlenden (!) Mitglied ausprobiert wurde. Das grenzt an Publikumsverhöhnung. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Das führt [...]
Am 5. Januar 2008 um 02:10 Uhr
[...] gesagt sogar um zwei. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass in good old Germany auch Xing mächtig unter Druck geraten ist, nachdem ihre Art, Werbung zu machen, bei den Premiumkunden übel [...]