03.01.08
14:29 Uhr

Computer aus. Augen auf.

An anderer Stelle wurde bereits ausreichend über Trends für das Jahr 2008 geschrieben und in die Glaskugel geschaut. Ich möchte mich hier auf ein einziges Thema beschränken, welches nach meiner Beobachtung des Web-Business ein entscheidendes “Bereinigungskriterium” in 2008 sein wird: Nutzbarkeit und Nützlichkeit.
Das Web 2.0 ermöglicht viele Funktionalitäten; ob diese hingegen einen echten Nutzen für den Besucher bedeuten, wurde viel zu wenig hinterfragt, auch von den Gründern und Betreibern selbst. “Web 2.0 kann gefährlich sein” weiß denn auch Jakob Nielsen zu berichten:

“Instead of adding Facebook-like features that let users “bite” other users and turn them into zombies, the B2B site would get more sales by offering clear prices, good product photos, detailed specs, convincing whitepapers, an easily navigable information architecture, and an email newsletter.”

Warum nur die B2B Seite?! Auch der Privatverbraucher sucht nach klarer Orientierung und praktischem Nutzen. Vieles, was uns heute in neuen Schläuchen als “consumer generated content” präsentiert wird, ist Ergebnis eines lange existenten Reifeprozesses: Die Rezensionsmöglichkeit von Büchern bei Amazon wurde bereits 1996! eingeführt, weit bevor das “WEB 2.0″ in aller Munde war. Communities sind wahrlich nicht Neues, nur die Erscheinungsformen sind durch die großen Anbieter wie “myspace” oder “facebook” scheinbar defragmentiert worden, denn vieles kann sich nun unter einem Dach begegnen. Was den Betreiber unter rein quantitativen Traffic-Aspekten freuen könnte, weil es ihm vielleicht Werbeumsätze beschert, bedeutet aber noch lange keinen praktischen Nutzen für den Verbraucher. Eher irritiert wenden sich durchaus Anwender wieder ab, denn der irrelevante soziale Informationsmüll, den die Seitenbetreiber funktionell auch noch unterstützen, nimmt ständig zu und nervt spürbar.
Und selbst wenn es gelingt, einen echten Nutzen für den User herzustellen, bedeutet dieser “Erfolg” noch lange nicht, dass man damit auch Geld verdienen könnte.

Eigentlich reduziert sich nach wie vor das “Monetarisieren” auf wenige -unter Web-Dimensionen betrachtet- uralte Modelle: Werbeerträge, elektronischer Handel und -seltener- Premium-Dienste, bei welchen die Nutzer einen regelmäßigen Obolus leisten. Nicht von ungefähr wird “Social Commerce” zunehmend als eines der aussichtsreichen Geschäftsmodelle im elektronischen Handel genannt. Das ist sicher nicht falsch, aber wo ist die echte Innovation?! Empfehlungsmechanismen für Produkte sind fast so alt wie die Urgesteine des E-Commerce und es verwundert eigentlich eher, dass erst jetzt darüber so intensiv gesprochen wird…

Also: “Where´s the money in web-business?!” Gibt es überhaupt eigenständige Ertragsmodelle im Web, die nicht schon zuvor im klassischen Wirtschaftskreislauf eine ähnliche Rolle spielen und sich bewährt haben?! Oder konstruktiv gefragt: Welche Ertragsfelder im Leben des “real life” lassen sich aussichtsreich via Internet abbilden?!
Erstaunlicherweise gibt es bei der Beantwortung dieser Frage noch erheblichen Nachholbedarf, wenn man sich die Vielzahl an Web-Startups anschaut. Manchmal liegt die gute Idee viel näher, als wir glauben. Gerade als Web-Worker ist es sinnvoll, die Offline-Ökonomie genau unter die Lupe zu nehmen, ganz so, wie wir es umgekehrt von den betriebsblinden “Offlinern” fordern.
Also: Computer aus, Augen auf! ;-)

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5 Kommentare

  1. Christian

    Es würde schon ausreichen, wenn wir web 2.0 nerds uns öfter mal mit normalen Menschen unterhalten würden.

    Dann würden wir z.B. merken, dass viele Facebook Nutzer auf Dauer von den Widgets genervt sind, weil niemand versteht, wieso man mit jemandem ein virtuelles Bier trinken soll – geschweige denn ihm einen Vampirbiss zuzufügen. Das ist wie vor einigen Jahren als die Leute massenhaft irgendwelche Scherzmails durch die Gegend geschickt haben. Das hat zumindest in meinem Umfeld auch stark angenommen. Der einzige Vorteil gegenüber StudiVZ ist der Datenschutz – ob das reicht. Ich hoffe ja, ich bin mir nicht sicher.

    Ebenfalls zum Realitätscheck sollten die Twitter-Jünger gehen. Ein tolles Nischenprodukt. Aber für die Breite Masse habe ich da große Zweifel. Man braucht nämlich nicht nur ein Medium, sondern auch den entsprechenden Inhalt…

    Wie gesagt: Vielleicht hat es ja nicht nur mir gut getan, über die Feiertage mal wieder mit normalen Menschen zu sprechen…

  2. Kai Wachholder

    Es lohnt sich immer, die Offline-Ökonomie genau unter die Lupe nehmen. Auf diesem Wege merkt man dann auch, dass es noch mehr als Adsense und Affiliate gibt.

    Wie aber verkauft man Information, wenn die Kunden gewohnt sind, dafür nichts zu bezahlen? Ganz einfach: Man bringt Anbieter und Kunden zusammen und kassiert dafür Provition oder Werbeeintrag. Modelle, die auch den Kunden verdienen lassen, gibt es inzwischen einige. Z.B. kommen Kunden-werben-Kunden-Programme immer mehr in Mode.

    Neu dagegen ist das Nutzer-werben-Kunden-Modell. Hier erhält der Nutzer eine Provision für jeden neuen Werbekunde, den er bringt. Das spart Redaktion und Vertriebsteam und ist deshalb auch sein Geld wert. Google nutzt dieses Prinzip bereits sehr erfolgreich in Amerika.

    Ein weiteres Beispiel ist die vor kurzem gestartete Internetseite http://www.luunaa.de. Dort erhält jeder Nutzer, der einen Werbeeintrag bei “Luunaa | das Ausgeh- und Freizeitportal” vermittelt eine Provision ausgezahlt.

  3. Pavel

    solange man als gründer noch für bunte webseitchen mit schattenwürfen und spiegelungen um eine breite userbase herum geld kassieren kann – und nicht für geschäftsmodelle – wird sich vermutlich nichts an der misere ändern. wozu innovation, man kann einfach eine “web2.0″-plattform aus den usa kopieren, irgendwelche konzerndeppen kaufen’s schon auf. oder wenn man schon in den usa ist und sich tatsächlich etwas überlegt hat, allerdings auf eher technikbegeisterter als ökonomischer argumentationsbasis, dann kann man immer noch hoffen, von einem der großen fische geschluckt zu werden, präventiv sozusagen.

    @Christian

  4. Pavel

    @Christian

    zumindest unter studenten sind vampirbisse anscheinend sehr beliebt – man wird fast täglich mit neuen invitations überhäuft.

  5. Christian

    @ Pavel: Was aber daran liegen könnte, dass man von diesen Widgets dauernd aufgefordert wird, seine Kontakte einzuladen – was viele anscheinend auch machen. Erinnert mich an “Leite diese E-Mail an 50 Personen weiter und Du wirst für immer glücklich sein.”

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
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