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Was sind eigentlich Communities?
Da der Begriff im Moment arg strapaziert durch die Presse huscht und als Heilmittel schrumpfender Leserschaften von Verlagen gepriesen wird, ist es vielleicht einmal ganz sinnvoll, genauer nachzufragen. Der Begriff “Community” ist zunächst -einmal mehr- ein Anglizismus, den wir fest in unseren Sprachgebrauch übernommen haben. Es wäre ja auch nach unserem Sprachgefühl höchst merkwürdig, von einer “Gemeinschaft” zu sprechen, oder gar von “Gemeinde” oder “Allgemeinheit“. Vor allem wäre es unpräzise, assoziiert man doch den Begriff “Community” im Online-Bereich mit einer Gemeinschaft von Menschen, die sich via Internet begegnet und austauscht.
Welche Arten von Communities gibt es denn nun? Sind Leser eines Blogs auch automatisch eine Community? Oder die Summe an Menschen, die bei Xing, StudiVZ oder Facebook registriert sind? Ist das Web selbst nicht eine Riesencommunity?
Und warum sollten solche “Communities” (nicht nur) für Verlage so sexy sein?
Communities eines “horizontalen” Social Networks
Soziale Netzwerke wie Xing, StudiVZ oder Facebook sind strukturell eher Plattform-Anbieter, sie sind nicht die Community selbst. Das Bindeglied für eine echte Gemeinschaft entsteht eben nicht alleine durch eine Registrierung und passive Teilnahme sondern durch die Aktivität der Mitglieder. Sie formieren sich mittels der angebotenen Werkzeuge zu verschiedensten Interessengruppen (Gruppenfunktion) und betreiben eine mehr oder weniger aktive “Subcommunity” innerhalb der Gesamtmenge aller registrierten Nutzer. Die Interessen der User eines horizontalen Social Networks “flüchten” also in die Nische, in welcher sie ggf. eine Heimat finden.
Communities eines “vertikalen” Social Networks
Diese Art der WEB 2.0 Plattformen sprießt seit einiger Zeit wuchernd aus dem digitalen Boden. Jede noch so spezielle Art von Interessenbereichen und Spezialthemen wird in einem Social-Network umgesetzt. Strukturell ist die potenzielle Zielgruppe natürlich um ein Vielfaches kleiner, andererseits sind die Nutzer deutlich involvierter, weil sie das Thema inhaltlich interessiert. Der Anteil an Prosumenten, also denjenigen Nutzern, die zugleich Konsument und Produzent von Inhalten sind, steigt überproportional, damit auch insgesamt der Anteil des “user generated content”.
Eine Sonderform von “vertikalen” Netzwerken ist z.B. Ning oder -frisch aus Deutschland- Mixxt. Sie stellen jedem bei Bedarf sein eigenen “Nischennetzwerk” zur Verfügung und verknüpfen die Summe dieser Einzelteilnehmer dann über eine einzige Registrierung zu ggf. anderen Nischennetzwerken innerhalb ihrer Plattform.
Foren- und Boardgemeinschaften
Oft unterschätzt, bilden Internet-Foren den klassischen Pool unterschiedlichster Communities in einer “many to many”-Kommunikation. Sie sind im Gegensatz zu ihren WEB 2.0 Pendants schon wesentlich länger im Web existent und haben sich einen treuen Stamm an aktiven Nutzerschaften aufgebaut. Typischerweise wird in erfolgreichen Foren zudem ein wesentliches Merkmal erfolgreicher Gemeinschaftspflege aktiv praktiziert: Das Community Management. Nachteil: Viele sinnvolle Funktionen eines Social-Networks sieht ein Forum technisch gar nicht erst nicht vor, womit sich der Funktionsumfang in erster Linie auf den schriftlichen Austausch von Meinungen und Gedanken der Aktiven beschränkt.
Blogs
Blogs sind im Gegensatz zu Foren ein Medium, welches eher über eine “one to many” Kommunikation funktioniert. Der Blogbetreiber ist also in der Regel alleine oder mit einem Team der Impulsgeber für Themen und verantwortet redaktionelle Inhalte, die dann von einer Leser-Community begleitet werden. Das interaktive Element ist der Leserkommentar. Eine offizielle “Registrierung” der Leser hingegen findet mehrheitlich nicht statt.
Newsseiten, Magazine und Fachzeitschriften (online)
Verlage habe schon relativ früh damit begonnen, ihre Print-Angebote in das Web zu “transportieren”. Durch eine über Jahrzehnte gewachsene klassisch geprägte Monolog-Informationskultur konnte aber kaum ein Verlag die dialogorientierten und web-spezifischen Interaktionselemente mit seinen Online-Lesern spürbar umsetzen und leben. Der Versuch, Inhalte nur gegen “Bezahlmodelle” oder kombinierte Print-Online-Abonnements zur Verfügung zu stellen, um darüber Nutzerprofile aufzubauen und Bindung herzustellen, wurde vielfach wieder verworfen, da die Besucherzahlen insgesamt unbefriedigend waren oder der Wettbewerber die gleichen Informationen kostenlos anbietet.
Messenger- Kommunikations-, Bild- und Videodienste
ICQ, MSN, Lycos, Yahoo und andere bieten den Online-Nutzern die Möglichkeit, sich in Echtzeit via Chat auszutauschen. Skype, groß geworden als Internet-Telefonie-Dienst, vereint alle Kommunikationsmöglichkeiten, während andere klassische “Textmessenger” ihr Angebot auf Telefonie und Video-Chat ausweiten. Hinzu kommen eine Vielzahl an “Upload”-Portalen für alle Medienformen (Bild, Ton, Bewegtbild) , die häufig auch eigene “Foren” im Kontext der eigenen Angebote vorhalten. Allen gemeinsam ist eine Pflichtregistrierung, womit auch diese Dienste im Kontext von “Communities” immer wieder genannt werden.
Fazit:
Communities als Wunderwaffe eines validen Business-Modells zu bezeichnen, ist ungefähr genauso banal, wie zu postulieren, dass viele Kunden der Schlüssel zu unternehmerischem Erfolg seien. Entscheidend ist vielmehr, wie es einem Unternehmen gelingt, aus einer abstrakten Community im Web tatsächlich involvierte und aktive Nutzer zu entwickeln, die sich auch der Marke verbunden fühlen. Über den Weg eines nachhaltigen Community-Managements und interessante Mehrwert-Inhalte jenseits eines reinen PR-Recyclings kann dies gelingen. Vollkommen abwägig ist allerdings die Vorstellung, dass diese Aufgabe für eine “Handvoll Dollar” realisierbar wäre. Wer es ernst meint, investiert nicht nur in technische Features und hofft auf eine Selbstbefruchtung der Massen, sondern führt seine Mitglieder in konkrete Nutzenfelder seiner Angebote, die die Menschen praktisch nachvollziehen und erleben können. Dann kann auch “Targeted Advertising” als Opt-In-Modell funktionieren. Dabei sollte man die Kraft der Communities auch außerhalb des eigenen Angebotes nicht unterschätzen, wie es kürzlich Facebook und StudiVZ erleben mussten. Vieles im Web läuft zwar automatisch, wer aber im “Community-Geschäft” Fuß fassen will, muss mehr tun, als irgendwelche Social Software Gerüste in die Landschaft zu setzen. Er muss auf den Menschen setzen, vor und hinter den Kulissen.
Nachtrag
Nachdem ich es auch in den Kommentaren geschrieben habe, hier zur direkten Übersicht meine Einschätzung darüber, ab wann man von einer “vitalen” Gemeinschaft sprechen kann:
Für mich persönlich ist es eine Gemeinschaft, wenn die Menschen innerhalb dieser Gruppe etwas “gemein” haben, also inhaltlich und(oder) emotional und(oder) persönlich das Bedürfnis spüren, als Konsument, Produzent oder beides (Prosument) mitzuwirken. Dabei ist nicht zwingend ein Konsens aller Beteiligten in der Sache erforderlich, im Gegenteil.
Zusätzlich ist es sehr hilfreich und Community-fördernd, wenn die Menschen sich nicht nur online, sondern auch direkt und persönlich begegnen können – wenn sie es wollen.
Idealtypische Mitglieder einer Gemeinschaft wirken zudem als Fans, Botschafter und Multiplikatoren, womit eine eigendynamische Ausweitung der Community erfolgen kann. Wenn dann noch das “Community-Management” stimmt, also Moderatoren engagiert und moderierend auf die Themen einwirken bzw. auch inhaltliche Impulse geben, dann sind schon wichtige Elemente einer vitalen Gemeinschaft realisiert.
15 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
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Am 17. Dezember 2007 um 13:04 Uhr
Bei den Blogs wuerde ich vielleicht noch hinzufuegen dass sich dort teilwisse “virtuelle bzw informelle Communities” bilden, und zwar insbesondere bei Nischen- bzw Themenblogs. Da wird dann schon recht intensiv zwischen diesen Blogs (z.B. den beruechtigten Strickblogs) verlinkt und es werden Gedanken oder Informationen ausgetauscht und/oder ergaenzt. Da sind natuerlich die Grenzen fliessend und es gibt keinen zentralen Anlauf- bzw Mittelpunkt, aber passieren tut es doch.
Am 17. Dezember 2007 um 13:18 Uhr
Jepp. Seh ich auch so. Auch wenn Blogs per se keine klassische Registrierung etc. fordern, sind sie durch ihre besonders “offene” Struktur gut geeignet, auf anderen Wegen Communities zu bilden, die sich auch gerne offline treffen :-)
Am 17. Dezember 2007 um 14:50 Uhr
Sehr schöner Text (der mir auch noch zu einer treffenden Zeit kommt!)
Hier meine 2 Cents:
Ich denke “Communities” kann man abstrakt als eine art Abbildung realer Gemeinschaften(Menge an Personen mit gemeinsamen Interessen) verstehen, die durch das Internet mehr Leute vereinen kann. Ich habe bisher keine Community gesehen, die in sich – aus sich heraus – neue Gemeinsamkeitsfelder schaffen konnte.
Durch unterschiedliche technische Strukturen bilden sich Communities auf unterschiedliche Weise – wobei bei den “Web20″ Communities eher gezogen und gebunden wird. Bei Weblogs könnte man es eher mit einer Kristallisation vergleichen.
Ich denke Communities sind alles andere als ein Businessmodell! Eher anders herum: communities sind in der Lage eigene angepasste Business-modelle zu etablieren und damit neue Business-Systeme zu schaffen.
* Bei Messenger habe ich das IRC vermisst.
Am 18. Dezember 2007 um 08:52 Uhr
Eine exzellente Kurzzusammenfassung! Kann mich dem 100% anschließen.
Finde es gut, das du die guten alten Foren so hervorhebst. Denn sie sind der Ursprung von Communitys aus meiner Sicht.
Und: ja. Die Menschen – vor und hinter einem Projekt – sind das Entscheidende. Nicht die vorhandenen Dollar oder Euro.
Am 18. Dezember 2007 um 09:03 Uhr
Kurzübersicht: Was sind Communities…
Roland Kühl-v.Puttkamer hat auf dem Werbeblogger eine exzellente Zusammenfassung gepostet zum Thema “Was sind eigentlich Communities?“. Er reißt kurz und vollkommen richtig an, das Projekte wie Facebook oder Xing ja “nur” die …
Am 18. Dezember 2007 um 11:43 Uhr
Sehr verdienstvoll erscheint mit dieser Beitrag, weil er dazu beiträgt, subtiler-reflexiver mit dem Einsatz dieser Begriffe umzugehen. Dabei ist es durchaus verständlich, wenn zu jeder Zeit behauptet wird, das Kernziel einer eCommerce-Unternehmung sei der Aufbau einer “Community”, bisweilen auch schon längst erreicht, weil so-und-so-viele Besucher auf einer bestimmten Site sind – aber aussagekräftig ist dies allenfalls über den solcherart Beobachtenden, nicht über das Beobachtete.
Freilich bleibt noch viel zu tun. Dies hat zum einen mit der eigentlichen Frage dieses Beitrags zu tun: Was sind Communities eigentlich? Diese Frage erscheint mir weiterhin noch unbeantwortet, trotz der Aufzählung und Differenzierung verschiedener Optionen. Bloß weil vielerlei Art Kommunikation im Netz beobachtet werden kann, ist die Gegebenheit von Communties damit noch keineswegs gewiß. Und dann darf ich nochmals an den Wert unseres Sprachgefühls appellieren, weil selbst in diesem Blogbeitrag eine gewisse Leichtfertigkeit mit dem Gebrauch des Begriffs der Gemeinschaft vorkommt. Zu sagen “Das Bindeglied für eine echte Gemeinschaft entsteht eben nicht alleine durch eine Registrierung und passive Teilnahme, sondern durch die Aktivität der Mitglieder.”, reicht mitnichten aus, um schon von Gemeinschaft zu reden. “Aktivität der Mitglieder”: Jede Organisation besteht nur durch die Aktivität ihrer Mitglieder, selbst für Märkte gilt dies uneingeschränkt – aber handelt es sich deshalb schon um Gemeinschaften? Wenn nur dies das entscheidende Kriterium wäre, würde als zur Gemeinschaft werden, doch ein Begriff ohne Differenz ist nutzlos. Also erneut: Was sind eigentlich Communities – und mehr noch: Ab wann wird eine Community zur Gemeinschaft?
Am 18. Dezember 2007 um 11:45 Uhr
Uups, ein Tippfehler
Am 18. Dezember 2007 um 11:58 Uhr
@Kai-Uwe:
Passt schon…
Zu deinen Ausführungen:
Für mich persönlich ist es eine Gemeinschaft, wenn die Menschen innerhalb dieser Gruppe etwas “gemein” haben, also inhaltlich und(oder) emotional und(oder) persönlich das Bedürfnis spüren, als Konsument, Produzent oder beides (Prosument) mitzuwirken. Dabei ist nicht zwingend ein Konsens aller Beteiligten in der Sache erforderlich, im Gegenteil.
Zusätzlich ist es sehr hilfreich und Community-fördernd, wenn die Menschen sich nicht nur online, sondern auch direkt und persönlich begegnen können – wenn sie es wollen.
Idealtypische Mitglieder einer Gemeinschaft wirken zudem als Fans, Botschafter und Multiplikatoren, womit eine eigendynamische Ausweitung der Community erfolgen kann. Wenn dann noch das “Community-Management” stimmt, also Moderatoren engagiert und moderierend auf die Themen einwirken bzw. auch inhaltliche Impulse geben, dann sind schon wichtige Elemente einer vitalen Gemeinschaft realisiert.
Am 18. Dezember 2007 um 12:37 Uhr
Der Tippfehler bezog sich auf die korrekte Websiteadresse markeninstitut.wordpress.com…
Aber zur Sache, d.h. zum “Gemein”-Haben: Das ist eine schöne, so vielleicht nur im Deutschen mögliche Formulierung – nur: Gemein-haben wir prinzipiell mit allen etwas, und sei es nur das Mensch-Sein, was aber keineswegs dazu führt, sich mit ihnen gemein-zu-machen, sich einer Weltgemeinschaft zugehörig zu fühlen. Ist die Zugehörigkeit des Schülers zur Schule und den dort Tätigen ausreichend, um von einer Schul- oder auch nur Schülergemeinschaft zu sprechen? Und das betrifft sicher sachlich, emotional, persönlich gleichermaßen. Ist unsere Abhängigkeit vom Markt , weil dieser Abhängigkeit alle unterworfen sind, ausreichend, von einer Marktgemeinschaft zu sprechen? Ist das leidige Festsitzen im Nachmittagsstau, in den Tausende Tag für Tag einbezogen sind, ausreichend, um von einer Staugemeinschaft zu sprechen? Und es ist sicher, daß bei vielen hinreichend viele sachliche, emotionale und persönliche Gründe vorliegen, um die Tatsache, mit und wegen der anderen im Stau zu stehen, als ein Gemein-haben zu empfinden…
Die andere Geschichte ist interessant, aber noch weitgehend ununtersucht: Welche Interdependenz stellt sich zwischen Online- und Offline-Kontakten dar? Meine Erfahrungen auf den Barcamps war bislang: Es gibt selbst dort ein unstillbares Bedürfnis back to the roots, zur Wiederaufnahme archaischer face-to-face-Begegnungen, obgleich doch das gemeinsame Thema dort ausschließlich Online-Aktivitäten sind; bei “brand communities” stellt sich der Fall ganz anders dar.
Ferner finde ich die Rede von der Eigendynamik sehr passend, hierzu gibt es einen ausgezeichneten Aufsatz von Renate Mayntz und Brigitta Nedelmann aus dem Jahre 1987: “Eigendynamische soziale Prozesse. Anmerkungen zu einem analytischen Paradigma” (in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 39, 648-668). Nur gibt es dafür ja schon den Begriff des Netzwerkeffekts mit dem legendären Beispiels des Faxgeräts: Wie unterscheidet sich demnach aber die Eigendynamik einer Community von der Eigendynamik eines sozialen Netzwerks? Oder ist beides das Gleiche?
Und schließlich halte ich die Rolle der Moderatoren für absolut zentral (diese Woche stelle ich noch ein entsprechendes Interview mit Patrick Gruban hierzu online). Nur: Die Online-Debatte konzentriert sich momentan vorwiegend auf Fragen der adäquaten Technologie, doch braucht es außer technischer Kompetenz auch soziale Kompetenz, um eine Community ins Laufen zu bringen und am Laufen zu halten. Was und wie viel wissen wir darüber?
Am 18. Dezember 2007 um 13:06 Uhr
Gemein haben vs. gemein(sam) machen:
Das ist wohl DER entscheidende Unterschied zwischen der quantitativen und qualitativen Betrachtung von Gemeinschaften. Sie sind in erster Linie eine soziologische und memetisch verankerte, gelernte Erscheinung, angefangen bei Freundschaften, Paargemeinschaften über die Familie etc. Die von dir erwähnten quantitativen Gruppen (Weltgemeinsachaft, Staugemeinschaft) sind faktisch reine Euphemismen, aus denen allerdings “qualitative Gemeinschaften” entstehen können und auch entstehen. Beispiel: Schulgemeinschaft= abstrakt und quantitativ = Summe aller Schüler und Lehrer
Schul-Projekte wie Musikband, Foto AG etc. = konkret und qualitativ = engagierte Lehrer und Schüler mit “Involvement”
Aus vielen zunächst abstrakten Gemeinschaften entstehen also Abspaltungen oder Spin-Offs, die -sofern es Initiatoren, Meinungsfüher oder Moderatoren gibt- zu echten sozialen Gemeinschaften werden können. Das technische Netz bzw. die Kommunikations- und Austauschwege können wunderbar über das WEB abgebildet werden.
Am 18. Dezember 2007 um 14:40 Uhr
Ich würde nicht sagen, der Unterschied zwischen (Noch)Nicht-Gemeinschaft und (Schon)Gemeinschaft ist analog der Unterscheidung von Quantität und Qualität – nur ist die Existenz großer Zahlen allein kein hinreichender Grund, deshalb auch auf die Existenz einer Gemeinschaft zu schließen, da sind wir uns wohl einig.
Und was “echte soziale Gemeinschaften” betrifft, bin ich sehr skeptisch, ob so etwas heutzutage überhaupt noch bestandsfähig ist, wenn nicht in Form von Sekten. Echte soziale Gemeinschaften waren bislang exklusiv, kollektivistisch, holistisch, interaktiv, lebenslang, präreflexiv (um hier keine Soziobiologie zu treiben) und dezidiert nicht-kommerziell: Welche “Community”, von der wir hier reden, erfüllt auch nur ein einziges dieser Kriterien?
Am 2. Januar 2008 um 15:54 Uhr
Kann mich dem Kommentar von Matias Roskos nur anschließen. Auch mich freut es, dass du die guten alten Foren so hervorhebst.
Trotz neuer Begrifflichkeiten wie Blog, Community, usw. bin ich der Meinung, dass auch heute noch das “klassische” Forum eine klare Existenzberechtigung hat.
Bei manchen Angeboten die man im Web findet sollte sich der Betreiber sogar die Frage stellen ob ein einfaches Forum nicht besser gewesen wäre, als eine (meist unübersichtliche) Community-Software.
Am 2. Februar 2008 um 02:29 Uhr
das macht dumme schlau. Der Vergleich und die Beschreibungen sind kurz aber treffend. Da sieht man mal wieder was es doch alles gibt.
Am 14. Mai 2008 um 12:14 Uhr
[...] Sicher wird das Thema uns noch intensiv weiter begleiten, aber zumindest was die großen horizontalen Netzwerke betrifft, wird es ein neuer Anbieter sehr schwer haben, sich gegen die Marktführer wie [...]
Am 28. Juni 2008 um 12:07 Uhr
[...] Werbeblogger [...]