14:52 Uhr
Derangierter Nachwuchs
[inspic=82,left,fullscreen,200]Natürlich, die Kinder unserer Welt brauchen zu Essen und zu Trinken und medizinische Versorgung. Sie benötigen eine gute Schulbildung. Sie brauchen aber auch etwas, was durch Nahrung und -vor allem in den westlichen Gesellschaften- durch Konsum insgesamt niemals kompensiert werden kann: Zuwendung, Aufmerksamkeit und Nähe durch ihre Eltern. Kinder imitieren gerade in den ersten Lebensphasen, was die Eltern ihnen vorleben.
Das NYU Child Study Center in New York hat nun in den USA mit einer Aufklärungskampagne begonnen, unterstüzt durch kreative Pro Pono Arbeit von BBDO. Wie schon bei anderen Kampagnen dieser Art, wird auch diesesmal polarisiert. Die einzelnen Themenbereiche wie Hyperaktivität, Autismus, Bulimie, Depression und weitere psychische Störungen werden, ganz einem Erpresserbrief ähnlich, ohne Visuals aufgebaut. Dabei ist der Verfasser dieses Drohbriefs die Krankheit selbst.
So lautet der Text im Kontext des Autismus:
We have your son. We will make sure he will not be able to care for himself or interact socially as long as he lives. This is only the beginning.
Die Kampagne suggeriert allerdings auch, dass Autismus ein “hausgemachtes” Problem der Erziehung sei, wobei offensichtlich nicht jedes betroffene Elternteil zustimmen kann, den dieses Schicksal bei seinen eigenen Kindern trifft.
Was meint ihr? Ist es wirksam, bei diesen Krankheitsbildern in dieser Tonalität auf die alleinige Elternverantwortung zu setzen?
13 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 14. Dezember 2007 um 16:47 Uhr
Na ja. Ich denke nicht, dass es darum geht, Eltern für Krankheuten verantwortlich zu machen. Aber bei vielen psychischen Krankheiten hilft es, wenn sie früh entdeckt und behandelt werden.
Man kann die Kinder/Menschen vielleicht (noch?) nicht heilen, aber wenn man weiß, was es ist und worauf sie vielleicht extremer reagieren, als andere, kann man ihnen und ihren Angehörigen das Leben leichter machen.
Ich würde die Kampagne aus Aufruf zu mehr Aufmerksamkeit in diesen Beriechen werten. Und als Aufforderung, Hilfe zu suchen, wenn man das Gefühl hat, dass sein Kind krank ist, anstatt drauf zu warten, dass es wieder von selbst wird. (Bzw. die Krankheit das Kind von alleine aus der Geiselhaft entlässt, um bei den Anzeigen zu bleiben), was in diesen Fällen nicht wahrscheinlich ist.
Drum finde ich die Anzeigen gut.
Am 14. Dezember 2007 um 17:21 Uhr
Ich sehe nicht, dass die Anzeige suggeriert, dass Autismus hausgemacht sei (ist natürlich nicht, sondern eher angeboren).
Ich lese eher raus, dass sie dafür wirbt, dass man sich bei denen Unterstützung als betroffene Eltern holen soll.
(Ich weiß von einer Mutter mit einem autistischen Söhnchen, die sich privat aufgerieben hat, so dass sie selber krank wurde.
So rum (als Unterstützungsangebot, das auch wirklich hilft, den Autismus zu mildern – früher galt er fast als unheilbar…) wird eher ein Schuh draus. So lese ich die Anzeige.
Am 14. Dezember 2007 um 17:31 Uhr
Dann sind wir uns da einig. Ich denke auch, das ist, was dahinter steckt: Awareness für die Krankheit an sich zu schaffen, damit sie schneller entdeckt und richtig behandelt werden kann. Und die Botschaft, dass es da draußen Hilfe gibt.
Viele zählen psychische Krankheiten immer noch nicht zu den “richtigen” Krankheiten. Oder halten das seltsame Verhalten ihres Kindes vielleicht für eine vorübergehende Macke, die mit zunehmendem Alter verschwinden wird.
Und das das nicht so ist und, dass es für die betroffenen Menschen wirklich kein Spaß ist, wird durch die Erpresserbriefe meiner Meinung nach wirklich gut kommuniziert.
Am 14. Dezember 2007 um 20:05 Uhr
ich glaub das eine schocktherapie mit bildern der leidenden mehr bringen würde als so ein brief.
Am 14. Dezember 2007 um 20:19 Uhr
Schocktherapie?
Schocktherapie haben schon andere Hilfsorganisationen/NGOs versucht (Anti-Drogen, Anti-Kiffen neulich, Landminen etc.). Was jedesmal – aber jedesmal – dabei rauskam war, dass die wirklich Betroffenen und Änderungswilligen das nicht witzig fanden (da eh schon sensibilisiert) und die (noch-)Nichtbetroffenen und (noch-)Nichtänderungswilligen erst recht in einer Art Trotzreaktion keinen Deut drauf gaben. Motto: “Ach. Ich doch nicht.” und sich nur noch schärfer abgrenzten. Wirkung/Fazit: Verpufft und auch noch kontraproduktiv dazu.
Was mir nur hier bei der Autistensache seltsam vorkommt, ist der geharnischte und übertrieben-hysterische und übertrieben-pc Protest (wieder einmal?) amerikanischer Interessensverbände. Das kenn’ ich nun aber schon langsam von “überm Teich”. Wie war das noch bei den braun angemalten Kindern (Anzeigen Jung v. Matt): während es echte Afro-Schwarze kaum störte und sie mir in der Mehrzahl recht lässig erschienen, waren Afro-Amerikaner sehr empört. Und so ganz langsam kann ich mit so einer überkorrekten und überhysterischen, belehrenden Art nichts mehr anfangen. Egal, wo sie herkommt.
Am 14. Dezember 2007 um 20:52 Uhr
Soweit ich das verstanden habe regen sich die betroffenen Eltern über diese negative Beschreibung der Krankheiten auf. Die haben halt gelernt mit dem Autismus umzugehen, zu leben, sich damit abzufinden und das Beste daraus zu machen. Und da stoßen ihnen diese “Dein krankes Kind ist rettungslos verloren”-Aussagen natürlich auf. Die einen kämpfen für Gesellschaftliche Akzeptanz (wer kommt noch zu Besuch? Immer diese verstörten Blicke!) Die anderen erklären auf superkreative Weise, dass die Betroffenen nicht sozialisierbar – von der Welt entführt – sind.
Am 14. Dezember 2007 um 21:56 Uhr
@ Six
Ja, über das regen sich die betroffenen Eltern auf. So habe ich das auch aufgefasst.
Vermutlich wendet sich die Anzeige in ihrer Intention weniger an die Eltern, die bereits alles Mögliche tun und versuchen, ihr Kind mit oder ohne professionelle Hilfe möglichst normal aufwachsen zu lassen und zu fördern (das sind wohl die, die sich aufregen), sondern an die, die zwar merken, dass ihr Kind irgendwie anders ist, aber noch nicht informiert sind, um ihm das Beste zu ermöglichen.
Der Grund, warum dieses “misunderstood” so tief ist, ist sicher auch in der Enpfindlichkeit, manchmal Überempfindlichkeit von Betroffenen zu suchen, die eben versuchen, ein normales Leben zu führen und verständlicherweise eine ganz normale Familie sein wollen, deren Nerven aber – auch verständlicherweise – überstrapaziert sind.
Das ist doch genau das Dilemma auch von anderen “Aufrüttelungskampagnen”: Diejenigen, die man meint, erwischt man nicht. Egal mit welcher kreativen Idee. Und diejenigen, die man erwischt, meint man nicht und sie regen sich auf.
Lösung?
Statt die “Geiselnahme” (das was weh tut) zu betonen und Betroffenen zu stigmatisieren, leier die Prävention betonen und informieren. In D würde man vermutlich zuerst und eher die Ärzte ansprechen, das diese mit den Eltern reden, und man würde die U 1-8 Untersuchungen von Babies und Kleinkindern, die teilweise Pflicht sind und präventiv angelegt sind verbessern. Statt das ganze Land und alle Eltern aufzuscheuchen. In den US herrscht aber ein anderes Gesundheitssystem, also müssen sie es wohl anders anpacken.
NB: Trotz der U 1-8 Untersuchungen ist den Ärzten einer Freundin von mir entgangen, dass ihr Söhnchen schwerhörig ist. Erst als sie nach New Hampshire zog und er schon 4 1/2 war, erkannte man es dort und wusste fortan, warum seine Sprachentwicklung nicht stimmte und warum er so laut war. Also auf staatlich-medizinische Pflichtuntersuchungen würde ich mich mal nicht 100% verlassen. Die Aufmerksamkeit und selbstbewusste Hartnäckigkeit der Eltern Medizinern gegenüber ist schon wichtig.
Am 15. Dezember 2007 um 13:36 Uhr
Wichtig ist ja, wie die Botschaft beim Empfänger ankommt. Insofern ist das Projekt hier fehlgeschlagen. Andererseits, wenn es dadurch eine öffentliche Debatte gibt, hat es wieder funktioniert. Immerhin dürfte eine Gesprächsbasis bei den beteiligten Parteien vorhanden sein, ohne gegenseitige Verteufelung.
Und zur Qualität unserer Ärzte: Die ist halt unterschiedlich. Ich kenne auch genug Erwachsene, die jahrelang von einem Arzt zum nächsten Heiler laufen mussten und viel Geld ausgegeben haben, bis sie überhaupt eine Diagnose für ihre Leiden bekommen haben. Gesundheit ist halt der Eigenverantworung überlassen. Das nimmt uns niemand ab.
Am 15. Dezember 2007 um 17:48 Uhr
[...] Gateway writes about how the “ads anger parents of autistic children” with its Derangierter Nachwuchs—”deranged generation”—as Werbeblogger posts. In northern Ireland, Family [...]
Am 16. Dezember 2007 um 12:00 Uhr
Ich weiß nicht, ob es nicht doch bei den richtigen ankommt.
Vielleicht richtet es sich weniger an die Familien, bei denen die Diagnose bereits bekannt ist und die gelernt haben, damit zu leben und sich in erster Linie akzeptanz wünschen.
Ich hätte es eher an die gerichtet gesehen, die fast gar nichts über die Krankheiten wissen und für die Psychologen und psychische Krankheiten immer noch etwas sind, das in ihrer Familie “nie pasieren” würde.
Wenn da ein Kind krank wird/ist vergehen oft Jahre, bis es erkannt wird, weil die Eltern selbst die Tragweite nicht erkennen oder erkennen wollen.
Dass dann überspitzt durch eine Geiselnahme zu symbolisieren, also eine Situation, die sehr schlimm ist und in der alle, außer dem Geiselnehmer, nur Opfer sind, passt meiner Meinung nach sehr gut.
Es kommunizuiert die Message: Dein Kind leidet. Du kannst nichts dafür. Dein Kind kann nichts dafür. Hol professionelle Hilfe, wie Du es auch bei einer anderen Entführung machen würdest, denn Du alleine kannst nichts oder wenig tun um Deinem Kind zu helfen.
Am 18. Dezember 2007 um 00:49 Uhr
Ich halte es führ großen Schwachsinn, mangelnde Zuwendung in Verbindung mit Krankheiten zu bringen die eine körperliche Ursache haben. Auch dann wenn, eine mangelnde Zuwendung diese begünstigen würde. Aber bei uns im Land stelle ich auch immer wieder fest, das Finanzielles über der Zuwendung steht, gerade dann wenn einer Unterhalt zahlen soll, dazu verdonnert wird noch mehr zu arbeiten, auch dann wenn darunter der Umgang leiden würde. Da fragt man sich dann schon, was wichtiger ist.
Am 20. Dezember 2007 um 11:01 Uhr
[...] Probono-Kampagne von BBDO und dem Child Study Center ist eingestellt worden. Nachdem erheblicher Protest über den Stil [...]
Am 2. Februar 2008 um 02:38 Uhr
Also ich finds schlimm den Eltern, wenn auch nur Unterschwellig, “einzureden” das diese eine Schuld tragen. Man kan Eltern auch nicht (immer) vorwerfen falsch oder zu spät reagiert zu haben. Selbst Ärzte behandeln Jahrelang falsch weil sie nicht erkennen. Als Eltern gibt man sich doch eh meist die Schuld.. oder sucht sie bei sich selbst. Hat ein solches Kind eine “gute” Kindheit wenn die Familie an einer sochen “Schuld” zerbricht?