12.12.07
22:10 Uhr

World of Warcraft (Gastbeitrag)

Anm. d. Redaktion: Der folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag unseres Lesers Mo, der uns einen kleinen Einblick in seine praktischen Erfahrungen mit dem Online-Rollenspiel “World of Warcraft” anlässlich der Diskussion bei diesem Artikel direkt schildert. Besonders interessant erschien mir dabei seine Aussage, dass dieses Spiel offensichtlich auch eine nicht zu unterschätzende soziale Komponente in sich trägt, die auch vor der Business-Welt nicht Halt macht.

Zu World of Warcraft bin ich durch einen Geschäftspartner gekommen, ein Unternehmensberater mit dem ich vor 3 Jahren recht eng zusammen gearbeitet habe. Natürlich hatte ich vorher schon von WoW gehört und gelesen und die Warcraft Serie steht fein säuberlich komplett in meinem Regal. Ich war allerdings immer davon überzeugt, nie einen monatlichen Beitrag für ein Spiel zahlen zu wollen. So gut konnte ein Spiel nicht sein.
Durch die Arbeit an einigen gemeinsamen Projekten hingen wir natürlich viel zusammen und eines Tages erzählte er mir, dass er als Beta-Tester akzeptiert worden wäre…von da an gab es dann kein anderes Thema mehr.

Neugierig geworden, habe ich mich dann als Beta-Tester beworben und wurde auch genommen. So fing das mit WoW bei mir an. Der private Kontakt zu diesem Geschäftpartner ist mittlerweile abgebrochen, aber im Spiel treffen wir uns schon noch immer mal wieder, reden im TeamSpeak oder dem VoiceChat über alte Zeiten und neue Projekte. Hin und wieder vermitteln wir uns gegenseitig auch neue Geschäftspartner.

Ich habe mittlerweile eine relativ große Gilde mit einem imho recht eigenen Konzept. Wir richten uns speziell an Leute die keine geregelten Arbeitszeiten oder Familie haben und deshalb nicht unbedingt zuverlässig einen Termin zusagen können oder bei denen es passieren kann, dass sie kurzfristig absagen oder auch einen Raid verlassen.

So haben wir neben einer kompletten Schicht einer freiwilligen Feuerwehr, Krankenschwestern, alleinerziehende Mütter oder Väter, “ganze” Familien (Mutter, Vater mit Kind(ern), Manager, eine Kunsthistorikerin, eine Autorin, Netzwerkadministratoren, Programmierer, diverse IT-ler, Berufssoldaten aber natürlich auch Studenten, Schüler, Arbeitslose, Hartz IV- oder Sozialhilfeempfänger in der Gilde. Der Altersschnitt liegt bei über 25 Jahren. Ich selber bin mit fast 32 Jahren oberes Mittelfeld. Und der jüngster Spieler ist 14, die älteste über 50.

Natürlich tauscht man sich innnerhalb der Gilde auch über die Probleme des Alltags aus und als eines Tages das Gespräch darauf kam, dass ich die Leitung für ein Projekt übernommen hatte, bei dem es darum ging, SAP in ein Unternehmen einzuführen und noch keinen Geschäftspartner dafür hatte, stelle sich eben heraus, dass eines der Gildenmitglieder genau der richtige Mann für diese Sache war. Nun arbeiten wir gemeinsam seit ca. 6 Monaten an diesem Projekt.

Ein anderes Beispiel: Meine Frau hat ein Pferd, das in letzter Zeit ein wenig kränkelt. Bei einem Gespräch in der Gilde stellte sich dann heraus, dass eine unserer Priesterinnen eine Heilpraktikerin ganz aus der Nähe ist. Jetzt wird das Pferd von ihr mit betreut.

Allerdings gibt es auch die umgekehrten Fälle, in denen ich als Auftragnehmer zum Zuge komme. So habe ich z.B. schon für einige Firmen Webseiten oder ein Corporate Design erstellt. Sämtliche Kontakte kamen zufällig beim Spielen (z.B. auf Raids mit nicht Gildenmitgliedern) oder bei Diskussionen in den offiziellen oder anderen Foren zu Stande.

Über Xing hingegen habe ich bisher noch nicht einen Auftrag abgewickelt. :)

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4 Kommentare

  1. Thomas Euler

    MMORPG aber auch Browsergames sind in Punkto Socialising vielen Social Networks einen Schritt vorraus, weil Sie bereits im Spielprinzip die Interaktion vorraussetzen. Und zwar ziemlich intensive, zeitaufwendige Kommunikation.

    Dadurch ergeben sich dann natürlich auch Kontakte zu den Menschen hinter den Avataren – ein normales, menschliches Bedürfnis nach Austausch eben.

    Eine interessante Frage wäre ja: Warum leisten SNs das bis dato nicht in der Form? Sie regen zwar zum Vernetzen an, aber noch viel zu wenig zur Interaktion. Facebook geht da sicherlich einen sehr richtigen Weg, weil es mit verschiedenen Elementen mehr Anreize zum Austausch schafft. Andere Beispiele, etwa StudiVZ, können ausser Nachrichten und Gruppen kaum Funktionen aufweisen.

    Momentan verwaltet man über SNs zwar seine bestehenden Kontakte, schließt aber kaum neue. Denn außer in Gruppen/Foren/whatever stoße ich ja nicht auf neue Menschen. Und die werden oft kaum genutzt und wenn oft nur plakativ(50 Gruppen in einem StudiVZ-Profil sind keine Seltenheit, Leute die darin disuktieren schon… kein Wunder bei Gruppen wie: “Wir trinken Bier an allen Tagen die mit ‘g’ enden. Und Mittwochs”).

    Im Spiel ist das anders: Man spielt und will dies möglichst erfolgreich tun. Erfolg aber hat man nur im Team, also muss man neue Kontakte knüpfen. Daraus ergeben sich dann eben auch interessante Kontakte im echten Leben. Der Mensch braucht eben einen kleinen Push, um zu kommunizieren. Im Bus redet schließlich auch nicht jeder mit jedem, außer es gibt einen akuten Anlass. Den bieten MMORPGs, SNs bis dato kaum.

    In die richtige Richtung gehen in meinen Augen alle Ansätze, die beispielsweise in einem Newsfeed a la FB, Artikel die man bookmarked automatisch im Netzwerk verbreiten. Dass schafft einen solchen Ansatz. Aber auch hier das Problem: Ich sehe natürlich nur Artikel aus meinem Netzwerk. Was in meinen Gruppen passiert sehe ich hingegen nicht. Dadurch enden viele mit der Zeit in Vergessenheit.

  2. Warcraft-Welt » Blog Archive » Re: *lach* - Zweite Erweiterung für World of Warcraft…

    [...] dann verallgemeinert er und wirft alle in einen Topf. Das tut er nicht. > Nur weil er nicht einen 70(g)er hat sind alle [...]

  3. ben_

    Auch wenn ich ein Jahr zuspät komme: Danke für den tollen Gastbeitrag.

    Und als Antwort auf Thomas Euler: Es gibt auch Spieler, die nicht wegen des Erfolges spielen. World of Warcraft hat viel mehr von den Eigenschaften, die Second Life zugesprochen wurden, als man meinen mag. Viel vertreiben sich dort einfach auf nette Weise die Zeit in einer netten 3D-Umgebung voller netter Ideen.

  4. Ebbys

    Leider übertreiben es viele Leute.
    Ich spiele selber WoW und habe das eine ganze Zeitauch intensiv getan.
    So lange man das Ganze in einem “gesunden” Maß betreibt ist es ja in Ordnung, doch wenn man anfängt mehr mit Leuten in der virtuellen Welt zu kommunizieren als in der Realen, glaube ich das irgendwas nicht richtig läuft. ?!

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
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