11.12.07
14:27 Uhr

Bloggen oder Facebooken?

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Einige Blogger in den USA haben sich offensichtlich von ihrem eigenen Blogbaby verabschiedet, um mehr Zeit für Facebook und Co. zur Verfügung zu haben und ihre aktive soziale Netzwerkarbeit auszuweiten. Sicher ist es nicht einfach, auf allen Parties zu tanzen und ggf. muss man angesichts der Informations- und Dialogvielfalt Entscheidungen treffen. Warum aber etablierte Blogger sich dazu entscheiden, in fremden Häusern ihre Zelte aufzuschlagen und die eigenen vier Wände zu verlassen, vermag ich nicht wirklich nachzuvollziehen.
Ein Problogger-Leser bereut gar schon seine Entscheidung und formuliert seine Facebook-Erkenntnisse mit entsprechendem Zynismus so:

I was offered a job through my blog….
I have 9000 ‘friends’ at facebook and myspace….
I used to know most of my readers by name and knew that they all knew mine – even though there were only 200 a day….
I know a lot more people see my profile on facebook – but most of them just are hunting for friend bait….
I used to spend hours writing things that meant something on my blog….
I now spend hours updating people on the lattes I drink and people I meet on Twitter….
I had a brand of my own on and on my own property on my blog….
I now have a brand on someone else’s property….

Treffender kann man es nicht beschreiben, was den Unterschied ausmacht.

8 Kommentare

  1. derherold

    Es ist sicherlich auch eine Frage, was man kann und will…
    Ich habe in bißchen Einblick in die “Corporate Blog”-Szene von US-Immobilienmaklern. Die *hoffen selbstverständlich*, daß sie via Blog auch ihr Business vergrößern.

    Das gelingt aber nur wenigen – ebenso wie “hierzulande” nicht jeder ein Bobert Rasic ist.

    Wenn “irgendwann” die Frage gestellt wird, wer den Kühlschrank füllt, sieht “man” sich nach Möglichkeiten um … und *facebook* wird derzeit unter US-Maklern diskutiert: als unverzichtbares socialising, das jeden Eigen-Blog an Bedeutung toppt.

  2. Julia

    Stimmt, es kommt darauf an, was man will und kann. Mir hat sich aber noch nicht ganz erschlossen (hab mir mit der Erschließung allerdings auch keine Mühe gegeben), welche Möglichkeiten Facebook bietet, die Bloggen nicht bietet.

    Mit meinem Blog bin ich Herrin im eigenen Haus – wenn es keiner liest, weil ich nicht oft genug oder interessant genug schreibe, kann ich natürlich nicht mein Profil schärfen oder mich als Expertin etablieren oder sonst etwas. Aber ich sehe nicht, wie ich das bei Facebook einfacher hinkriegen könnte – im Gegenteil.

    Für Programmierer, die diese ganzen komischen Facebook-Extras programmieren, mag Facebook eine gute Möglichkeit bieten, ihr Portfolio bekannt zu machen. Aber sonst?

    Ich fand ja den Vergleich vom Copyblogger (im oben verlinkten Beitrag) sehr zutreffend: In Facebook viel aufzubauen ist so, als würde man die Küche in einem Haus renovieren, das einem nicht gehört. Zumindest für die (noch) immobilienbesitzenden Amis eine merkwürdige Vorstellung.

    Und noch eine kleine Krittelei: Das Zitat im Artikel kommt nicht von “einem Problogger”, denn es gibt ja nur den einen, sondern von einem Problogger-Leser. Aber das nur am Rande.

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Julia: Genau muss sein. Du hast recht. Es ist ein Problogger-Leser, der selbst ein Blog betrieb. Geändert. Thx.

  4. derherold

    Ich will ja hier nicht den Ketzer spielen aber hecheln wir es doch einmal (für meine Branche) durch:
    * ich will “ran an den Fei…äh…Kunden”. Bis mein Blog von (ausreichend) vielen gelesen wird,die das potentiell sein könnten, ist die Nordsee bereits in Göttingen.
    * Facebook bietet die Möglichkeit, über *creating groups* und *social ads* auf mich aufmerksam zu machen – was mir bei “das unbekannte Blog” nicht so gut gelingt.

    Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich habe Blogs und bin nicht Face.., studi..,mysp…, etc.
    Doch habe ich den Eindruck, daß die meisten Blogs eben nicht die wirtschaftl. Bedeutung haben, die die Schreiber gerne hätten und aus diesem(!) Grund stellt sich die Frage, ob man nicht lieber facebook-orientiert ist.

  5. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Es ist zunächst die Frage, warum man ein Blog aufsetzen will. Geht´s um Kundenkommunikation, sollte man als Erstes prüfen, ob die potenzielle Klientel sich denn überhaupt im Internet tummelt. Und ich bleibe dabei: Wie im “wirklichen Leben” ist das Gewinnen von Vertrauen der Schlüssel zum Erfolg, und der stellt sich in einem dienstleistungsorientierten Geschäft nicht schnell und mal eben via Social Networks her. SN können ggf. eher das Blog unterstützen, mehr im Moment nicht. Vielleicht ist es auch einfach eine Frage von Geduld und Nachhaltigkeit, die den einen oder anderen Business-Blogger schnell aufgeben lässt. Eine gute digitale Reputation lässt sich jedenfalls deutlich schwieriger über SN erreichen, weil schlicht der Mittelpunkt auf Vernetzung steht und weniger auf Inhalten.
    Auch scheint mir bei z.B. gerade Xing eine große Anzahl an Salesprofis ihr gezieltes “Unwesen” zu treiben, die hoffen, aus dem Pool der Informationen was abgreifen zu können für ihr Geschäft. Das ist aus ihrer Sicht verständlich, nur für mich dann eben kein aktiver Tummelplatz mehr. Als Pull-Kontaktarchiv ist es hingegen gut nutzbar.

  6. Alex

    Sehr guter Beitrag. Ich wundere mich eh, wieso man so wenig Kritik an Facebook liest. Jeder regt sich über Google auf und darüber, dass Google zu viel Wissen über seine User hat. Dabei hat Facebook schon heute viel mehr Informationen über seine User und einige Beispiele in jüngster Zeit haben ja gezeigt, wie Facebook damit umgeht.
    Zurück zum Thema. Mir ist eben auch schon aufgefallen, dass sehr viele Freunde ihren eigenen blog aufgeben und die gleiche Zeit auf Facebook verbringen. Das Level and Kreativität ist dort jedoch um ein Vielfaches niedriger. Während man sich bei seinem eigenen blog um ein gutes Layout und spannende Themen kümmern muss, verbringen die gleichen Leute jetzt ihre Zeit damit bei Facebook dumme Kommentare zu schlechten Partyphotos zu machen. Ein klarer Trend weg von der Kreativität und Vielfalt.

  7. Joaquin

    Man sollte auch beachten, dass ein Blog i.d.R. öffentlich und damit jedem Internetnutzer zugänglich ist, wogegen Facebook nur den Mitgliedern offen steht. Das finde ich, ist schon einen sehr erheblichen Unterschied.

  8. Stefan Fischerländer

    Ich müsste hier noch irgendein schlaues Büchlein aus der Blase 1.0 rumliegen haben, das Online-Marketing-Tipps gab. Ein ganzes Unterkapitel war dabei AOL gewidmet, mit der tatsächlich ernst gemeinten Empfehlung, dass ein Engagement in AOL-Foren oftmals effektiver sei als eine eigene Homepage. Die Begründung lautete, dass die Firmen-Homepage ja auch niemand kenne, während in AOL so wahnsinnig viele Menschen online seien. Sicherlich mag es eine Zeit gegeben haben, in der man einige wenige Zielgruppen gut über die internen AOL-Bereiche erreichen konnte; so wie das heute für Facebook gelten mag. Was aber, wenn Facebook nicht die Weltherrschaft erreicht, sondern das Schicksal von AOL teilt? Dann hat man sein Blog aufgegeben, seine tolle Stellung in Facebook aber ist nichts mehr wert.

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  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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