06.12.07
13:05 Uhr

Wertvolle Manager

[inspic=71,,,0]Manager tragen eine schwere Last. Sie prägen das Image der Unternehmensführung und damit auch der Marke; sie verantworten den wirtschaftlichen Erfolg und damit auch die Beschäftigung ihrer Mitarbeiter, sie prägen eine Unternehmenskultur und leben idealerweise bestimmte “Werte” auch außerhalb der reinen Renditebetrachtung.
Diese Werte hat nun der “Verein Wertekommission” mit 6 Begriffen betitelt und beworben.

Integrität, Verantwortung, Mut, Nachhaltigkeit, Respekt und Vertrauen sind demnach die großen Worte, an denen sich die verantwortungsbewusste Managergeneration orientieren soll. Herr Zumwinkel, Chef der Deutschen Post, hat in diesen Wertekanon dann auch gleich wieder passend eingestimmt, indem er sich in Monopoly-Spiel-Taktik seine eigenen Bezüge etwas “aufpolsterte”, quasi als Entlohnung dafür, dass die Politik neue Rahmenbedingungen bezgl. eines Mindeslohns setzte. Das fehlender Gespür nicht weniger “Vorturner” straft die Idee der Wertekommission eben leider allzu oft Lügen. Und die viel zitierte “gefühlte” Ungerechtigkeit im Volk ist zunehmend faktisch messbar.

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16 Kommentare

  1. PatRiot

    Ich finde diese Aktion gut aber sinnlos. Ein guter Mittelständler (ok nennnen wir Ihn auch mal Manager) handelt meiner Meinung nach im Einklang dieser Werte – oder er wäre in naher Zukunft nicht mehr am Markt. Wie sehr diese Kampagne von den Managern wargenommen wird, die diese “nötig” hätte halte ich für gering. Ich könnte mir vorstellen, dass es hierbei wieder um einzelne Initiativen bundesnaher Verbände oder Instituionen handelt, die wieder Spendengelder oder Bundesmittel verjubeln. vgl. auch: “Die Gesellschafter” oder die tausenden Kampagnen gegen Rechts.
    Ich halte den Erfolg dieser aufgrund des differenzieren in Hunderstel und die Finanzierung der Infrakstruktur der jeweiligen Initiativen, Verbände, Stiftungen oftmals für fraglich. Vereinigt könnte ich mir mehr Erfolg erwarten.

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Richtig. Jedenfalls gibt es einen himmelweiten Unterschied zwischen angestellten Managern von großen Konzernen und dem Chef eines inhabergeführten Unternehmens. Letzterer kann sich eine deratige “Selbstbedienung” nicht leisten, oder fällt in einer ganz anderen Schadensdimension auf die Nase.

  3. xenon

    Der Unterschied ist hier wohl zwischen Managern und Unternehmern zu sehen… Und in Sachen Mittelständler: Man kann ja halten von ihm was man will…aber er ist ein Unikat mit einigen sehr nachhaltigen Werten:

    youtube.com/watch?v=...

    Wolfgang Grupp, Trigema

  4. Vroni

    Diese “Wertekommission” und ihre Website:
    Das ist einfach… beinharte Image-PR für die Raffkes der geschmähten Großunternehmen.

    Bezahlte vermutlich oder auch nicht (kann man das je prüfen…?.

    Für mehr Gewissheit, wohin die Reise in etwa geht, muss man sich die Initiatoren und Mitglieder anschauen:

    Ich paste einfach mal aus “Wer wir sind”:

    Mathias Bucksteeg
    selbständiger Berater im Bereich Public Agenda, Public Management, Zukunft der Regionen und Innovationsmanagement, Referat Politische Analyse in der Planungs- und Grundsatzabteilung des Bundeskanzleramtes.

    Kai Hattendorf
    Vice President Corporate Communikations (hehe, Schreibfehler: das Communications bitte mit c)
    Telekom/T-Online: die Public Affairs-Aktivitäten

    Sven H.Korndörffer
    Corporate Communications

    Susanna Nezmeskal-Berggötz
    Diversity und Code of Conduct
    Beschwerdemanagement

    Jens-Thorsten Rauer
    Beratung, dem Großkundenvertrieb und im Strategic Outsourcing

    Liane Scheinert
    Leiterin des Büros Unternehmenskultur des Volkswagen Konzerns
    strategische Werbung

    Immer wenn mir nicht klar ist, was das alles soll und taugt, schau ich neuerdings erst ins Impressum und auf die Leute, bevor ich mich zu ihren Werbeaktivitäten äußere, und in das who is. Dann weisse Bescheid. (Das WER ist verräterischer als das WAS)

    Von Anzeigenmotiven allein lass ich mich nicht mehr blenden.
    Alte Binse: Eine öffentlich agnestoßene Wertediskussion sollte zeitnah von Taten begleitet sein, sonst wird sie eben nicht angestoßen, sondern versickert unglaubwürdig (Das war das Problem der “Du-bist-Deutschland”-Kampagne). Aber erzähl das mal einem PR-ler mit seinem Corporate-, Agenda- und Spindoctoranspruch. Walk the talk, oder eben lassen, wäre besser.

    Das macht der Mittelstand einfach ganz gut. DER hat aber eben Inhaber und keine Topangestellten (Manager sind eben “nur” Angrstellte in einer Struktur, die kommen und gehen können und sich daher logischerweise weniger verantwortlich fühlen für das Gesamte), die sich manchmal benehmen wie die Wildsau an Baches Rand.

    Nein, ich schmeiß nicht alle in einen Topf, manche verdienen sich ihr teueres Brot durchaus hart und ehrlich, will aber klarstellen, dass persönliche Verantwortung, wenn die Bude einem selber gehört immer noch die besten “Werte” hervorbringen wird. Da braucht’s dann keine Image-PR.

  5. Thies

    Sensationell: Sechs tolle Werte anstatt der total verschnarchten zehn Gebote. Und dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass da wieder Weintrinker Wasser predigen…

  6. Six

    Eine öffentliche Wertediskussion ist überfällig. zB spricht man oft vom drohenden Verlust unserer gesellschaftlichen Werte – im Zusammenhang mit Einwanderung oder auch die Amerikanisierung der Wirtschaft. Aber was “unsere Werte” konkret sind, bleibt unausgesprochen.

    Diese 6 Begriffe sind allerdings verdächtig allgemein gehalten. Da geht mir der Mut ab, den die einfordern.

  7. Patrick Breitenbach

    Solange “Wert” und “Profit” für Unternehmen untrennbar miteinander verbunden ist, bleibt auch diese neue Werte-Forderung eine auf der derzeitigen “grünen Welle” reitende Farce.

    Es gibt nicht “unsere Werte”. Weil sich Unternehmen das Wirgefühl von vornherein durch den Konkurrenzdruck verbieten. Kapitalismus ist eben kein Kindergeburtstag und schon gar kein Win-Win. Wenn das mal welche begreifen würden, wäre man einen wesentlichen Schritt weiter. Damit will ich nicht sagen, dass der Kapitalismus per se ein böses System ist, nur sollten wir uns langsam an seine Spielregeln gewöhnen, wenn wir ihn denn schon behalten wollen.

  8. Patrick Breitenbach

    … oder wie Stefan Remmler einst so schön sang: Einer ist immer der Looser!

  9. Six

    Eben diese Spielregeln des Kapitalismus werden ja durch Werte bestimmt. Was ist erlaubt, was darf man tun? In den Antworten auf solche Fragen zeigt sich, nach welchen Werten man handelt. Und über die müssen sich alle einig sein, sonst gibt es gar keine Werte und damit Spielregeln mehr.

  10. Vroni

    @ Six

    “Eben diese Spielregeln des Kapitalismus werden ja durch Werte bestimmt. ”

    Werte entstehen aber auch nicht im luftleeren Raum. Sie entstehen durch Erfahrung. Auch Erfahrung mit alten Spielregeln, mit denen man nicht mehr zufrieden ist. Es ist eine Henne-Ei-Geschichte, Werte und das was ist entwickelt sich wechselseitig mit den Gegebenheiten weiter.

    Ein für heutige westliche Gesellschaften zentrales Wertgebäude ist z. B. die Entwicklung der Menschenrechte und unser Glaube an eine universale Menschenwürde. Das ist noch nicht allzulange her.

    Diese Werte gingen nicht nur aus positiven werterschaffenden Erfahrungen hervor, sondern auch aus der Konsequenz negativer Erfahrungen mit alten Spielregeln der blanken Macht: der Gewalt und Entwürdigung des Menschen.

    So betrachtet ist die ablehnende Reaktion von heute vieler Menschen auf extremen Kapitalismus auch wieder eine wertgenerierende Reaktion der Jetzt-Zeit, die sich wiederum gegen blanke, aber diesmal subtile, Machtausübung wendet. Und versucht, nue spielregeln zu etablieren.

    Die Frage ist nur, lässt der Kapitalismus sich neue ethisch gefärbte Spielregeln so einfach verpassen oder versucht er nicht eher, den Menschen zu ihm passend umzuformen, hinzutrainieren, indem er Maximalst-Renditen und Maximalst-Bezahlung mit implementierter Rücksichtslosigkeit von Top-Managern als evolutionäres Naturgesetz hinstellt, dem man sich zu fügen hat wie dem Wind und der Sonne.

    Ich glaube, der Kapitalismus wird sich neue ethische Spielregeln wie des Kaisers neu Kleider anziehen lassen, aber darunter noch genauso ticken: die Gesetze der Arithmetik und des Gewinnstrebens: 1 + 1 bleibt 2 und nicht 3, plus harter Wettbewerb, und wer nichts zu bieten hat oder sich zu wenig traut, wird abgehängt.

    Das geschieht aber jetzt unter neuem subtilem Mantel. Ethik-Whitewashing. Da ist mir lieber, ein System zeigt sein hartes Gesicht ehrlich.

  11. Patrick Breitenbach

    Von einem System, dessen oberstes Maxime die Gewinnmaximierung (aka fetteste Beute) ist, kann man eben nicht erwarten, dass sich alle Menschen in verantwortlichen Positionen nicht wie Raubtiere verhalten.

    Allerdings ist der Entwicklungsprozess in Richtung Menschenwürde (ich sehe es eher als menschliche Vereinigung) wichtig. Nur wird es am Ende eben nicht mehr der Kapitalismus sein, wie wir ihn kennen.

    Der nächste Schritt lautet also, das System Kapitalismus soweit kritisieren zu können, ohne dass man gleich in eine Post-McCarthy-Hetze gerät. Sprich, nicht alle Kapitalismuskritiker sind gleich spinnerte Hippies, verfassungsfeindliche Bolschewiken oder sonstige konstruierte querulierende Feindbilder des Systems. Kritiker sind die Anomalie im Gen des Kapitalismus, die Anomalie die für die Evolution eben notwendig ist.

  12. Six

    @ Patrick
    “Der nächste Schritt lautet also, das System Kapitalismus soweit kritisieren zu können, ohne dass man gleich in eine Post-McCarthy-Hetze gerät.”

    Also das geht mir zuweit. Bei allen Problemen, die wir bei uns heute haben – so schlimm , dass Kritiker verfolgt werden, ist es nicht. Das ist zum Glück kein nächster Schritt, sondern gegewärtige Realität.

    @ Vroni und Patrick
    Natürlich leben wir in einem System, das sich evolutionär entwickelt (hat). Und man kann auch nicht von heute auf morgen Regeln aufstellen, an die sich alle halten. (1+1=3 kann man nur durch Gewalt erzwingen)

    Ich meine, es gäbe in Europa bereits einen hoch entwickelten Konsens über unsere Werte (Christentum, Humanismus), der auf Kosten der Gewinnmaximierung einfach vergessen wird. Ich will ja jetzt nicht zu romantisch auftreten, aber es sollte Institutionen geben, die unsere lange und mühsam erlernten Werte hochhalten. Ich rede nicht von Vorschriften oder Zwang sondern wenigstens von Richtlinien, die glaubhaft vorgetragen werden. Die Kirche ist da nicht sehr hilfreich, die Politik leider genau so wenig.

  13. Vroni

    @ Six

    “…aber es sollte Institutionen geben, die unsere lange und mühsam erlernten Werte hochhalten.”

    Hm. Ich trau halt Institutionen nicht. Solchen wie dem “Verein Wertekommision” schon gar nicht, die da komische Schilder hochhalten. Da denke ich doch gleich an INSM in der Nacht und bin um meinen Schönheitsschlaf gebracht.

    Was Institutionen als Wert(e) ausgeben, muss nicht unbedingt im Volk so gesehen und mitgetragen werden. Ich denk da an top down Bemühungen zu einer (seltsamen) Leitkultur und ähnliche Dinge. Das war ein Graus. Gelebte Werte sind immer auch gleichzeitig bottom up und mittendrin, sonst sind sie tot.

    Die Krux ist, dass wir eine ziemlich festbetonierte Klassengesellschaft sind (die offene Gesellschaft war eine Fiktion). Und die einzelnen Klassen längst ihre jeweiligen eigenen Werte haben. Es gibt kaum Durchgängigkeit. Die Klasse der Topmanager lebt in ihrer eigenen Wertewelt, die hat mit der eines Lokführers oder einer Krankenschwester nichts mehr zu tun. Der Ruf nach Werten ist aber der Ruf nach gemeinsamen Werten, die alle betrifft.

    Mein Fazit daraus: Jeder babbelt von Werten, aber jede Schicht meint was ganz anderes darunter. Der Lokführer sieht Verantwortung ganz anders als der Firmenführer und über Vertrauen und Ehrlichkeit denkt der Lokführer viel konkreter. Anders viele Manager: sie halten sich für ehrlich und vertrauenswürdig, aber wundern sich, wie das Wort Ehrlichkeit und Vertrauen in ihrem Munde von einer Krankenschwester gesehen wird.

    Der Hauptblödsinn ist das Vage dieser Begriffe, wie ein Vorkommentator hübsch angemerkt hat. Jeder rhetorisch begabte Redner (und Werber) weiß: möglichst viel vage gehaltene Begriffe verwenden, zu denen jeder – aus verschiedensten Klassen und Schichten – zustimmt. So bekommt der Redner/Werber größtmöglichste Zustimmung zu seinen Thesen. Klingt banal, ist es aber nicht

    Der Trick ist, das jeder automatisch zu vagen Bildern und Begriffen wie etwa “Integrität” ein bildprächtiges Kino im Kopf laufen hat, er besetzt diese Dinge aber mit eigenen individuellen Bedeutungen. So stimmen alle zu, alle fühlen sich einig, obwohl sie etwas Verschiedenes meinten. Sie haben es nur nicht gemerkt.

  14. Patrick Breitenbach

    @Six: Habe ja nicht behauptet, dass wir VOR dem nächsten Schritt stehen, wir stecken ja gerade mittendrin.

  15. Six

    So abwägig ist dein McCarthy-Vergleich eigentlich nicht. Wenn ich dran denken, wie Kritiker in der Öffentlichkeit dargestellt und auf jeden Fall der politischen Linke zugeschrieben werden.
    naive Gutmenschen, verträumte Kommunisten, was auch immer….

  16. Vroni

    @ Six

    Dieses Diffamieren als ahnungslos-naiv-links ist Teil der uralten rhetorischen Propaganda und der Arroganz. McCarthy ist das noch nicht, zu der Zeit wurde man eingesperrt, wenn am kritisch war. So weit sind wir nicht.

    Wie weit wir aber durchaus schon sind:

    Beispiel:
    Annuitätendarlehen (Immobiliendarlehen) sind auch hier gefährdet.
    Bestimmte deutsche Kredithäuser, darunter auch die Sparkassen (ich kenne noch mehr ehrwürdige Namen), verkaufen sie an US-Renditegeier (Tschuldigung, ein anderes Wort fält mir für solche Unbanken nicht ein). Neuerdings auch Kredite, die durchaus regelmäßig und brav abgedient werden.

    Jemand, der hier das Pech hat, bei so einer Verscherbel-Bank zu sein, kann von heute auf morgen seine Existenz verlieren. Es handelt sich um eine Lücke in der Gesetzgebung , die nicht vorsieht, dass die Grundsicherung eigentlich auch mitverkauft werden muss und die nicht vorsieht, dass der abzahlende Immobilienbesitzer zumindest über das Abtreten seines Kredites INFORMIERT werden muss.

    Das Gesetz verbrochen hat die damalige SPD-Regierung (zumindest da muss ich sage: von Geld hat die Linke keine Ahnung, das hat sie damit bewiesen).

    Das ist der ungezügelte Turbokapitalismus, dem auch noch mit Fleiß Tür und Tor geöffnet wird. (Anderes Beispiel: Kommunen verkaufen ihre Wasserwerke an ausländische Investoren, das ist nicht in Ordnung).

    Da hilft auch keine von der Regierung gestützte PR-Kampagne mehr für die tolle Verantwortung der Manager udn wie schwer sie es haben und auch keine PR-Institution, die sich für “Werte” in Unternehmen stark macht. Das Ding ist längst als Schnack durch.

    Das Volk und der kleine Häuslesbauer (und der ist kein “Gutmensch”, sondern meist konservativ-rechts) merkt die Lügengebäude und hält sich ich fortan auch an nichts mehr. Er sieht dann auch nicht ein, weshalb er bei Versicherungsschäden nicht mogeln soll und weshalb er bei der Steuererklärung nicht tricksen dürfen soll. So ist das mit den konservativen Werten, wenn man mit ihnen Schindluder treibt.

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