19.11.07
01:49 Uhr

MAZ ab!

[inspic=48,left,,250]Web 2.0 IPTV ist kein TV. Noch nicht. Und solange es keine “Blackboxes” gibt, die Internet-Inhalte massenkompatibel auf die heimischen Fernseher projezieren, wird das ganze Video-Gedöns nicht weit davon entfernt sein, was Jean Remy als” Friedhof der Kuscheltiere” bezeichnet – oder so ähnlich. Aber was würde heute einem “Youtube” die Öffnung in TV-artige Kanäle Richtung Wohnzimmer bringen? Oder einem “Sevenload”?
Viele Content-Anbieter verlinken regelmäßig Videos im Web und damit haben Youtube und Konsorten ihren Erfolg begründet, denn Internet-User, Video-Hoster und ggf. Video-Werber erfreuen sich eines multimedial vervielfältigten Angebotes ohne Medienbruch. Natürlich existiert das Argument, dass diese Verbreitungsform der Hauptzweck der Video-Portale sei, aber wer will sich schon als visionärer Video-Hoster auf Dauer mit Mäusekino auf Web-Sites begnügen?

Das strategische Ziel der Video-Hoster geht in eine andere Richtung. Sie verstehen sich als das TV der Zukunft. Sie unterstellen zu Recht, dass das Internet das Transportmedium von morgen sei. Sie spekulieren auf den Transportweg, um im Zuge der Übertragung von diesem neu definierten Distributionsangebot zu profitieren. Sie wollen TV revolutionieren und ihre Angebote frühzeitig in den Milliardenmarkt werfen.
Schauen wir uns aber mal diesen Markt an…
In Deutschland gehört der Internet-Videodienst “Myvideo” ganzheitlich der ProSieben/Sat1 Gruppe; der Wettbewerber “Clipfish” ist das RTL Baby.
Und Burda sichert sich die Dienste von Sevenload. Die großen Verlage wettern gerade mächtig gegen die öffentlich-rechtlichen Sender, die gebührenfinanziert nicht nur im “Mainstream” sondern auch in den speziellen Interessengebieten der Verlage hausieren. Youtube als Video-Godfather macht sich zudem in Deutschland breit und findet u.a. in den öffentlich-rechtlichen Sendern einen Partner.
Seien wir ehrlich: Alle Video-Hoster im Internet sind entweder sogenannte “line extensions” der TV-Macher und/oder verfolgen die Nische der Nischen, entweder als Terziär-Verwerter oder als Anbieter sehr partikularer Kanäle im Kontext des “user generated content“.
Das Profil der Video-Hoster verwässert zunehmend, weil die Dienste keine originären Inhalte anbieten, die mehr als den verlängerten Online-Arm der TV-Anbieter darstellen können, insbesondere weil der Wettbewerb frühzeitig seine eigenen Kinder gefressen hat. Sie fallen mehr und mehr zurück auf die rein technologische Plattform und versäumen es, ihren inhaltlichen Chancen gerecht zu werden. Sie können keinen inhaltlichen Wettbewerb mehr aufbauen.
Les jeux sont faits. Schade.

Keine Tags vorhanden

6 Kommentare

  1. icke

    wo mir vor allem die verknüpfung zwischen TV und web-videos fehlt, ist die qualität der videos. offline schreit alles nach HD-TV, online jedoch gammelt der user vor teils augenkrebs-erzeugenden bunten sammelsorien quadratischer puzzlespiele, die das hirn des geübten users mit ein wenig glück zu einem filmchen zusammensetzen kann.
    wo ist denn da der fortschritt? oder liegt es an den “großen” hinter den portalen, die doch lieber das niveau klein halten wollen, um die werbeinnahmen im TV (bei abwanderung der zuschauerschaft gen web) nicht zu gefährden?

  2. Josi

    Die Qualität wird doch immer besser.
    Mehr Bandbriete, bessere Video Codecs, mehr legale Inhalte (sogar einige öffentlich rechtliche Anbieter).

  3. Mathias

    Na ja, auf den ganzen großen platformen ist die Videoqualität immer noch so beischeiden wie seit eh und je, die einzigen Ausnahmen sind Stage6, die ihr eigenes Format etablieren wollen (=wird höchstwahrscheinlich nie auf irgendeiner anderen Plattform offiziell verwendet werden) und das ZDF, welches es sich dank Gebühren leisten kann Multi-Mbit-Streams anzubieten. Youtube hat immer noch seine 350kbit/320×240/10min Beschränkung drin und wird zumindest die Minutenbeschränkung sicher nicht wieder rausnehmen, weil dann wieder tonnenweise Fernsehserien/Filme ohne Zustimmung der Rechteinhaber hochgeladen werden (werden sie natürlich jetzt auch, nur gesplittet).
    Worum es Roland meiner Meinung nach allerdings ging ist, dass das Potential solcher Platformen/Video im Internet eben nicht genutzt wird. Privatpersonen laden nur ihre “lustigen” Karaoke/Unfall/Bong rauchen Videos hoch (oder eben illegales Zeug), und von professioneller Seite aus besteht kein Interesse, Inhalte speziell für’s web zu produzieren. Schau dir einfach nur mal an, was die ARD mit Polylux veranstaltet. Da holt man sich extra jemanden, der Internet-Video gemacht hat und zeigt dann im “Vlog”, wie sich Frau Bauernfeind Döner kauft. Wie ja oben verlinkt, wird das Internet als Drittverwertungsmedium gesehen, nicht als Möglichkeit, neues zu Präsentieren.

    In den USA fällt mir z.B. ein, dass NBC mal bei CSI:Miami eine extra Endszene exklusiv im Internet hatte. Das war mehr ein Hummer-Werbespot mit den CSI Schauspielern als eine wirkliche Extension der Story, aber immerhin.

    Ich denke, es liegt auch daran, dass eben noch keiner richtig rausgefunden hat, wie ein Geschäftsmodell aussehen kann. Das einzige was den Leuten bis jetzt eingefallen ist “normale” Banner/Text-Werbung. Dem gegenüber dann die Traffickosten stehen, die ja gerade bei youtube nicht gering sein dürften (und wenn die Anfangen, Videos in bessere Qualität zu erlauben, wird sich das noch vervielfachen).

    Man kann das ja auch sehr schön bei Myspace beobachten. Es gibt/gab Bands, die hunderttausend Visits haben und denen myspace sicher bei der Entwicklung ihrer Popularität geholfen hat (hauptsächlich im emo-Bereich, aber laut wikipedia auch Arctic Monkeys), aber die Kohle machen die auch erst, nachdem sie Verträge bei major Labeln unterschrieben haben.

  4. Boogie

    Noch vor den technischen Problemen der Hoster, sehe ich die inhaltlich/handwerklichen Probleme bei der Erstellung von Videos. Es ist schon schwer genug Blogs zu finden, deren Texte flüssig lesbar sind. Bewegtes Bild ist nun nochmal eine ganz andere Baustelle. Klar, mit der Kamera vom mobilen Sprechknochen draufhalten kann jeder. Ob man’s sehen möchte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Um in hervorragender Qualität zu produzieren, wie z.B. die Interview Videos des Folge Magazins, gehört einfach ein profundes handwerkliches Können dazu.

  5. Olaf

    Also ich persönlich glaube, dass die “Webosphäre” auch in Zukunft vom TV im gewohnten Sinne getrennt bleibt. Mit anderen Worten: Kommerzielle IPTV-Angebote a la “t-home entertain” werden qualitativ hochwertige Inhalte per Breitband auf den Fernseher zaubern. WebTV-Inhalte wie Youtube & Co hingegen auf den PC beschränkt bleiben. Oder?

  6. VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog

    IPTV, Videoportale und die vermaledeite Werbung – Wo geht die Reise hin?…

    Willkommen in der surrealen Grafik-Welt von Marzena Czyzewski.
    Sie kombiniert auf ganz wunderbare Weise eigene Illustrationen mit Fotoausschnitten und Typografie, so das faszinierende Kollagen entstehen. Wunderbar.

    ……

Einen Kommentar schreiben

Eure Kommentare

Feed
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
  • InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
  • Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop