02.11.07
23:20 Uhr

Werbung wird zum Zielschießen

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Es klingt ja auch wirklich attraktiv für die Werbung: ein Internet-User hat eine Vielzahl von persönlichen Informationen teilweise mehrfach in unterschiedlichsten Social Networks und Communities hinterlegt. Zusammen mit der digitalen Identität via Google ergibt sich ein Profil eines Menschen, welches der Betroffene selbst gar nicht so verdichtet wiedergeben könnte. Und wir allesamt haben zum freundlichen „Werbe-Bulleye“-Contest eingeladen, denn wir waren es, die doch sagten: Werbung gefällt uns vor allem deswegen nicht, weil sie uns nicht wirklich interessiert. Sie schoss einfach viel zu oft am Ziel vorbei. Nur im Promille-Bereich gab es die Zufallstreffer aus der abgesägten Schrotflinte, logischerweise auch bei blinden Schützen.

Werbung sollte also „relevanter“ werden, sie sollte uns als Verbraucher dort begegnen, wo wir auf „Werbeempfang“ geschaltet sind und uns bestenfalls als charmanter Freund ansprechen, dem wir vertrauensvoll die Produkthinweise abnehmen.
Jetzt haben wir den Salat. Werbung und damit unsere alten Bekannten wie zum Beispiel Google und Microsoft wollen sich strategisch und monopolisiert in das gigantische Beziehungsnetz des Internet einschalten. Soziale Interaktion im Web hat nunmehr eine „Chance“, über einige wenige „global player“ nahezu vollständig überwacht zu werden und endlich wird uns innerhalb der privaten oder Business-Beziehungsintimität der Werbebanner dargeboten, der uns wirklich interessiert. Ob Blume 2000, Condomi oder Hotelreservierungsservice; das Bett ist scheinbar schon gemacht; wir brauchen bloß zu klicken. Praktisch von Zauberhand fliegt uns das Angebot entgegen, welches wir erwarten.
Targeted Ads lautet also das Zauberwort der Stunde…

Enttäuschend ist aber dennoch das Ergebnis für die Werbenden. Trotz vermeindlicher Justierung über das Zielfernrohr will die Werbeeffinzienz nicht richtig anziehen. Im Gegenteil. Die Konversionsrate nimmt weiterhin ab, besonders im Umfeld der Social Networks. Wer kuschelt, gruschelt, muschelt oder poked, ist eben nicht auf Empfang für Werbung geschaltet. Wer Beziehungen pflegt, will eben nicht den Vertreter, der das Gespräch stört und Visitenkarten verteilt.
Eigentlich nur deutlich gekennzeichnete Marktplätze bieten das relevante Umfeld für diese Chance, aber auch dort gilt: eine dezente, passende und charmante Einladung ist wesentlich effektiver als der heimlich lauschende und dann aufdringliche Promoter, der die bunten Plakate in die Luft wirft.

6 Kommentare

  1. r3lite

    „Wer kuschelt, gruschelt, muschelt oder poked, ist eben nicht auf Empfang für Werbung geschaltet. Wer Beziehungen pflegt, will eben nicht den Vertreter, der das Gespräch stört und Visitenkarten verteilt.“

    Irgendwie glaube ich, dass Du hier die Grundidee von Werbung in sozialen Netzwerken komplett missverstehst. Imho geht es eben drum, den von Dir sogenannten „Vertreter“ rauszuoptimieren und stattdessen die Funktion „Dein Freund XY hat sich folgende Filme zuletzt gekauft: …“ einzubauen. Quasi automatisierte Mundpropaganda.

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Irgendwie glaube ich bei Deinem Kommentar, dass Du klassische Social Networks mit Social Commerce Plattformen verwechselt, wo in der Tat solche Mechanismen eine gute Rolle spielen können. Im Beziehungsumfeld der SN wie Facebook oder Xing oder auch StudiVZ ist die Effizienz und Konversionsrate von traditionellen Bannerformen tatsächlich mau – trotz vermeindlicher Kontextrelevanz.

  3. PatRiot

    „…Facebook oder Xing oder auch StudiVZ ist die Effizienz und Konversionsrate von traditionellen Bannerformen tatsächlich mau – trotz vermeindlicher Kontextrelevanz.“

    Quelle?
    Danke.

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @PatRiot: siehe links im Beitrag. Hier aber gerne noch einmal im Bezug auf das weltweit größte SN:
    businessweek.com/mag...
    Die Ableitung auf Xing und StudiVZ entspricht meiner persönlichen Einschätzung und ist daher reine Vermutung ;-).

  5. Rollende Steinchen | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Rollende Steinchen

    […] als Internet-Hub dafür, dass die Diskussion um “Social-Network-Strategien” von Google und Facebook um eine weitere Facette erweitert wird. Wie kann “sozial” zugleich […]

  6. Digital Advertising Managment | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Digital Advertising Managment

    […] in der Verwertungskette von Musik. Denn auch Musik kann ein Medium sein, um gezielt nach den Prinizpien von “Targeted Advertising” zu werben, allerdings sollte man Kunden, die mobil mit z.B. ihrem iPOd unterwegs sind, nicht […]

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