24.10.07
23:01 Uhr

Web 2.0 und Unternehmenskommunikation

Am Dienstag hielt ich in Dresden im Rahmen einer Veranstaltung des Bildungswerkes der sächsischen Wirtschaft einen Vortrag mit dem leicht langen Titel “Web 2.0 und die Auswirkungen auf Innovations-, Marketing- und Kommunikationsmanagement”. Wen das Thema interessiert, ich habe die Präsentation per Slideshare – einem von vielen nützlichen Web 2.0 Tools – nachvertont (also nicht die Originalvortragstonspur):

Ich bitte zu bedenken, dass ich vor Unternehmensentscheidern gesprochen habe, die zum Teil noch gar nicht wissen was es eigentlich mit dieser merkwürdigen 2.0 auf sich hat. Mir ist auch zu Ohren gekommen, dass einige vorab abgesagt haben, mit der Begründung, sie bräuchten die zweite Version derzeit nicht, so als ob man sich ein Softwareupgrade zulegen müsse. Daher hat sich meine Präsentation bewusst auf den Spagat zwischen Nullkenntnis und einigem Vorwissen eingelassen.

Leider musste ich die Veranstaltung aufgrund von terminlichen Gründen bereits gegen Mittag verlassen, so konnte ich nicht mehr den weiteren Vorträgen und Workshops lauschen und auch den Vortrag von Kirstin Walther habe ich leider verpasst. Auch konnte ich leider nicht viel mit ihr schnacken.

Besonders positiv überrascht hat mich übrigens der Beitrag von Michael Kahr (Chief Operating Officer bei T-Systems Multimedia Solution, Dresden). Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass das Unternehmen die Nase in Sachen “New Marketing” so weit vorne hat und so aufgeschlossen ist für die neuen Kommunikationsansätze. T-Systems ist übrigens verantwortlich für das kürzlich gestartete Daimler-Blog.

Nicht weniger interessant der Vortrag von Mario Oßwald, Referatsleiter beim sächsischen Datenschutzbeauftragten. Ihm wurde schier übel bei all dem naiven Umgang der Konsumenten mit ihren eigenen hochpersönlichen Daten. Die meisten Web 2.0 Portale scheren sich einen Pfifferling um die Datenschutzrichtlinien und er kann immer wieder nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, wie hoch die Diskrepanz zwischen den damaligen Protesten zur Volkszählung und dem heutigen, leichtfertigen Umgang mit wesentlich sensibeleren Daten ist. Damals wurde “lediglich” Familienstand und ähnliches abgefragt. Heute geben viele Internetnutzer ausführliche Auskünfte über politische, philosophische und religiöse Ausrichtung und ihre sexuellen Neigungen preis. Völlig offen und ohne Verwendung von Pseudonymen oder sonstigen schützenden Anonymitätsmaßnahmen wandern die Daten durch die Hände von diversen Unternehmen und Privatleuten.

Ich selbst stehe dem Thema sehr zwiegespalten gegenüber. Da wo man große Chancen ausmachen kann, ist auch die Gefahr des Mißbrauchs nicht weit entfernt. Sicherlich kann eine transparentere und offenere Kommunikation auch zu einer wesentlich freieren Kultur beitragen, allerdings sehe ich auf der anderen Seite auch schon gleich die drohenden Paranoia-Szenarien, bei denen Stichworte wie Berufsverbot oder Rasterfahndung aufblitzen. Oßwald rief die Zuhörer übrigens aktiv dazu auf, gegen die drohende Vorratsdatenpeicherung aktiv zu protestieren. Es dürfe sich nicht die Normalität in der Gesetzgebung einschleichen, die besagt, dass diejenigen, die sich im Internet bewegen, selbst Schuld daran seien, dass sie ihre Daten nach außen kehrten. Es muss weiterhin der Grundsatz gelten, dass die eigenen Daten zunächst einmal geschützt werden müssen. Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit das noch konform geht mit dem derzeitigen Bewusstsein der heranwachsenden YoutubeStudiVZ-Generation. Wie immer muss scheinbar erst der persönliche Super-GAU geschehen, um aus der bequemen Schlummerphase zu erwachen.

Ein herzliches Dankeschön an Axel Heinrich für die tolle Organisation und die perfekte Rundum-Betreuung.

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4 Kommentare

  1. The Kaiser and a Blue Monster « | The Kaiser | dissoziative fugue

    [...] *Für die Deutschen: Sehe auch Patricks “Konsequente Fortsetzung der Grundidee des Internets – Upgrade.” [...]

  2. Ulrich E. Hinsen

    Einfach! Gut!
    Danke für den Beitrag. Ulrich E. Hinsen

  3. The Kaiser and a Blue Monster

    [...] *Für die Deutschen: Sehe auch Patricks “Konsequente Fortsetzung der Grundidee des Internets – Upgrade.” [...]

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