04.10.07
13:58 Uhr

Noch ein Wort zur Moral und Verantwortung

Wer als Kommunikationsexperte meint, man könne sich von der Moral des Menschen völlig befreien, missachtet dabei die Anliegen eines sehr großen und stetig wachsenden Konsumentenkreises. Das Thema CSR (Corporate Social Responsibilty) gewinnt weiterhin an Bedeutung und wir brauchen uns hier nichts vorzumachen; wer verantwortlich denkt und handelt, mag zwar für viele Werbeagenturen in die Spießer- und Spaßverweigerer Ecke gestellt werden, aber gleichzeitig warne ich davor, sich mit Moral gar nicht zu beschäftigen oder sie als “Gutmenschentum” zu diffamieren. Wer sich nicht um das Thema Moral in der Werbung und in Unternehmen bemüht, bemüht sich keinen Deut um seine Zielgruppen. Wer selbst nihilistisch in den Tag hineinlebt, braucht nicht zu meinen, alle anderen würden es ihm nachahmen.

Also, genauso wenig wie man Nihlismus, Hedonismus und all die anderen oberflächlich geprägten Lebensentwürfe ausblenden sollte, sollte man auch nicht die moralisch denkenden und handelnden Menschen aus der Adressliste für Marketing und Kommunikation streichen. Wer jetzt von beiden den besseren Lebensentwurf hat, ist dabei völlig belanglos. Es geht darum, auch andere Sicht- und Denkweisen wahrzunehmen. Das zeichnet für mich einen großen Kommunikator aus. Alles andere ist nur selbstgefällige One-Man-Werbeshow ohne strategischen Ansatz.

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11 Kommentare

  1. scheibl

    um sich mit moral und verantwortung auseinander zu setzen, bedarf es aber eines direkten kontaktes zur gesellschaft, deren probleme, strömungen und eines erweiterten hintergrundes zu den themen. alleine das wortgebilde “Corporate Social Responsibilty” zeigt wie weit entfernt die branche von diesen themen ist.

  2. Patrick Breitenbach

    @scheibl: Richtig. Aber Schritt für Schritt müssen sich die Wirklichkeiten erst aneinander nähern.

    Zuhören AUF BEIDEN SEITEN ist da ganz entscheidend. Spielchen auf beiden Seiten sind da absolut tödlich Also auf der einen Seite “Wir schieben denen mal Geld rüber und alles wird gut.” und auf der anderen “Unternehmen führen immer Böses im Schilde”.

    Augenhöhe lautet wie immer das Stichwort. Gut für die, die es begreifen.

  3. scheibl

    ich glaube nicht, dass sich die menschen an die werbung annähern müssen. wenn, dann müßte das schon von uns kommen. das wird es aber nicht, oder nur sehr langsam geben. ich glaube der grund ist in den menschen zu suchen, die in der werbung arbeiten und den “flair” den werbung umgibt. habe ich etwas zu sagen, gehe ich mit sicherheit nicht in die werbung. man muss sich nur die kreativ-preise ansehen, also was die branche als ihre besten arbeiten definiert. was findet man dort? simple konzepte die oftmals mit sehr ähnlichen mechaniken jahr für jahr gewinnen. das ist alles sehr nett, aber auch sehr dünn.

    es gab mal von steve heyer (ehemals ceo von coca-cola) ein interessantes zitat: “Jede Werbeagentur, die denkt, ein Jingle löst bei den Menschen dasselbe aus wie ein wirkliches Musikstück oder ein starker Film, hat schon verloren.” (wahrscheinlich schon bekannt).

    bevor das aber nicht klar ist, muss man mit moral oder verantwortung nicht kommen, denn wir werden einfach nicht wahrgenommen werden und wenn, nicht ernstgenommen. doch dazu sind eben menschen notwendig, die nicht nur etwas erzählen wollen, sondern vorallem auch etwas zu erzählen haben. aber nur mit der lektüre von trend- und branchenmagazinen wird das schwierig:)

  4. Patrick Breitenbach

    @scheibl:
    Ich habe nicht vom letzten Glied in der Kette gesprochen! :-)

    Ich dachte eher an die Unternehmenskommunikation und nicht an manche Marktschreier.

  5. Patrick Breitenbach

    Also meinte ich Menschen Unternehmen zuhören (bevor sich sich EVENTUELL annähern), das setzt aber auch ein Zuhören der anderen Seite voraus.

  6. icke

    es kommt ja auch immer auf die kunden an. [...] wollte gerad ausholen, wird aber zuviel des guten ;).

    jedem kreativen sollte man auch mal nen kunden der pharmabranche vorwerfen. und dann, ja dann wird’s für die meisten schwer, wette ich…

  7. Martina

    Ich kenne ein Unternehmen, das eine Partnerschaft mit dem WFP der WHO eingegangen ist. Jedes Jahr werden Mitarbeiter freigestellt, um aktiv an Schulspeisungsprogrammen und anderen wichtigen Entwicklungshilfemaßnahmen teilnehmen zu können, und dies unter vollem Bezug ihrer Gehälter.

    Das Unternehmen wirbt nicht damit, initiiert aber immer wieder ähnlich gelagerte Aktionen, in die die Mitarbeiter aktiv miteinbezogen werden. Dabei vergisst das Unternehmen nicht seine gesellschaftliche Verantwortung vor Ort.

    Klar, die Dienstleistungen sind deshalb etwas teurer als die der Mitbewerber, aber dafür halten die Mitarbeiter zum Unternehmen, weil sie über diese Aktionen eigenverantwortlich gefordert werden.

  8. ThomasE

    Ich halte Moral für einen großen Begriff. Diverse Philosophen haben sich immer wieder daran probiert, ohne zu einem eindeutigen Ergebnis zu gelangen. Daher will ich den Begriff hier mal ausklammern, er ist mir zu verschwommen.
    Verantwortung ist da schon deutlicher. Die trage ich als Unternehmer für jemanden oder etwas. Für meine Mitarbeiter etwa, für die Umwelt oder für den Kunden (etc. pp.). Dies heißt also etwa, dafür zu sorgen, dass durch mein Verhalten keine dieser Stakeholder-Gruppen zu Schaden kommt. Utopie, ich weiß. Wäre aber vernünftig.

    Denn hier kommt nun die Unternehmenskommunikation ins Spiel. Eine banale und doch gültige Weisheit lautet: “Tue Gutes und rede darüber!” Korrektes, meint verantwortliches, Handeln lässt sich prima zur Reputationssteigerung nutzen. Grade in einer Zeit, wo es längst nicht mehr zum Standartrepertoire des Unternehmertums zählt. Nur liegt hier die Crux versteckt, denn was ich kommuniziere, sollte tunlichst auch der Realität entsprechen. Moralisches (hier bewusst) zu predigen und dann als Lügner ertappt zu werden ist eben nie besonders hilfreich. Hab auch mal was längeres über Verantwortung im Zusammenhang mit PR geschrieben. Da komme ich zu dem Schluss: Die beste ethische Kommunikation nutzt nichts, wenn sie anderes als Tatsachen behauptet.

  9. münchener freiheit

    ich verstehe nicht wie der autor erst daraufhinweisen muss dass man csr nicht vernachlässigen sollte – hat den nicht jeder mensch , ja auch werbemensch, den wunsch die welt etwas besser zu gestalten? gerade die werbung, die vor allem “lügt und betrügt” statt aufklärt und sozial verantwortung betreibt, SOLLTE doch sozusagen aus dem oben beschriebenen inneren sozialen bedürfniss csr betreiben. nicht weil es die zielgruppe fordert sondern die äh “gerechtigkeit”, “das gute”, “die moral” ???!!

  10. Vroni

    Werte.

    UNILEVERS Values:

    “Als multinationales und multi-lokales Unternehmen engagieren wir uns international und regional im Umweltschutz und in gesellschaftlichen Themen in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Organisationen.”

    Quelle: unilever.de/ourvalue...

    Werte und Moral müssen halt nur noch mit den vertickten Produkten zusammenpassen. Bassdscho.

    IKEA betont seine nachhaltigen Materialien und engagiert sich für Afrika. Irgendwas muss man ja machen, wenn man den Ruf einer polnischen Pressspan-Fabrik hat.

    Fazit: Wo ich hinschaue, es ist oft Ausdruck schlechten Gewissens (Bill Gates hat auch ein Riesending laufen mit Engagement und so). Das war schon immer so bei großen Geldschefflern. Neu ist, das man es als Vermarktungspotenzial erkannt hat. Sag ich ganz emotionslos.

    Der Ire würde sagen: “Could be worse!”
    Und liegt dabei fast immer richtig. (Which means: Sich aufregen ist sinnlos).

  11. Patrick Breitenbach

    @münchener freiheit: Das ist mal eine interessante Frage. Ich fürchte nur, die Antwort könnte ihr/dein Weltbild für immer erschüttern.

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  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
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