11:24 Uhr
Der Dove-Effect?

Wie schön, dass sich Dove so viel Sorgen um unsere Kinder macht:
Link: www.youtube.com
Endlich mal ein Unternehmen, das Farbe bekennt und frei heraus spricht, was Konsumenten sich all die Jahre so denken. Konsumenten, deren Kinder zum Teil magersüchtig sind, die trotz permanenter Benutzung einer ganz bestimmten Deomarke dennoch keine Schlampen abschleppen können und dadurch sexuell frustriert sind. Konsumenten, die selbst ganz gern mal ein zuckersüßes Eis schlecken und dann beim Anblick der Werbespots von diversen Schlankheitsmittelchen und Halbfettmargarinen dann doch wieder ein etwas frustriertes Gefühl bekommen und den Kopf noch tiefer in das Eisfach stecken aber bereits morgen schon kraftvoll losrennen, um sich diesen Diätjoghurt zu kaufen, der einen so satt macht und der einen von innen heraus schön macht.
Ja, Dove bringt es auf den Punkt. Dove erklärt uns, wie böse die Marken da draußen sind, die mit Models, Sexismus und pseudowissenschaftlichem Gehabe für Kosmetik-, Food- und Wellnessprodukte werben. BÖSE, BÖSE, BÖÖÖÖÖÖSE!
Wie gut, dass Dove die reine Unschuld repräsentiert. Dove tut etwas für Frauen. Für alle Frauen. Egal ob fett, alt oder verpickelt. Dove tut auch etwas für unsere Kinder. Ja, ich will fast behaupten, Dove schützt unsere Kinder vor dem Bösen. Kauft Dove und ihr macht die Kinder dieser Welt endlich wieder zu selbstbewussten und -bestimmten Individuen, die sich Gedanken über die wichtigen Dinge dieser Welt und nicht über den eigenen BMI machen.
Dove ist dufte!
Wie? Uni-was?
Unilever?
Ach ja, da war ja noch was. Hmm. Unilever. Ja, Dove gehört Unilever, das ist schon richtig, aber das hat ja überhaupt nichts zu bedeuten. Welche Produkte bringt Unilever auf den Markt? Axe? SlimFast? DuDarfst? Rexona? Lätta? Langnese? Ja, aber das hat ja rein gar nichts mit Dove zu tun. Dove ist ja was ganz anderes. Dove ist das reine Yang. Und wo ein Yang, da auch ein Yin. Aber stimmt. Ist schon merkwürdig, dass im Dove-Spot nicht ein einziges Produkt angeprangert wird, das aus dem Hause Unilever stammt. Darüber sollten wir mal nachdenken.
PS: Ich hoffe für diesen Un-Spot rollen Köpfe und Konsumenten!
39 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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Am 4. Oktober 2007 um 11:37 Uhr
Wer weiß denn bitte schon, dass Dove zu Unilever gehört? Wer von den Normal-Verbrauchern kennt denn schon groß Unilever? Und wen davon interessieren diese Zusammenhänge? Traurig aber war, die wenigsten. Und SlimFast oder DuDarsft sind doch tolle Produkte um gesund abzunehmen, es sind doch hochqualitative Produkte, frag die Leute von Unilever, die werden das bestimmt bestätigen!
Am 4. Oktober 2007 um 11:48 Uhr
Tja, hier stößt das Dachmarkenkonzept eindeutig mal wieder an seine Grenzen.
Und kein Wunder, dass der Kosnument das nicht weiß, schließlich würden die klassischen Medien, die abhängig vom Unilever-Etat sind, niemals über sowas berichten. Eigentlich ziemlich traurig.
Am 4. Oktober 2007 um 11:55 Uhr
Werbung lügt? Ich bin schockiert! ;-)
Am 4. Oktober 2007 um 12:00 Uhr
Nein der Unterschied ist: Werbung lügt doppelt dadurch, dass sie andere Werbung als alleinige Lügner bezichtigt. Ist mal eine neue Variante.
Am 4. Oktober 2007 um 12:12 Uhr
Und trotz der Dachmarkenmeckerei und dem ganzen fragwürdigen Marketinghintergrund kritisiert Dove eben DOCH die kranke und dürre Sichtweise unserer Gesellschaft. Das bringt es auch auf den Punkt.
Ist es nicht gut, dass sie das mit den Mitteln derer tun die das auch noch unterstützen? Welcher Konsument wird denn bitteschön die ganzen Schnipsel, die dort gezeigt worden sind zu den entsprechenden Marken (und ihren Dachmarken) so zuordnen das er alles andere vergisst? Es geht meines Erachtens nach um die zentrale Aussage im Spot – und die ist richtig und gut. Wenn Dove darüber ein paar Produkte mehr Absetzt dann ist das vollkommen ok. Die verantwortlichen Werber werden auch tunlichst nicht die Hand beißen die sie füttert. Nur allzu verständlich, oder? Wir leben in einem riesen großen Getriebe und keiner (wirklich keiner!) kann den schimmernden moralisch einwandfreien Helden mimen, der alles ins Lot bringt.
Für mich ziehe ich bei Dove das Fazit: Wenn sich jemand traut endlich mal Werbung mit gesellschaftlicher Verantwortung zu machen – trotz Marken wie Axe, SlimFast, DuDarfst, Rexona, Lätta und Langnese im eigenen Haus – dann ist das einen Applaus wert und hat meine volle Unterstützung. Zumal sie diese Schiene nun scheinbar nicht aus einer kurzfristigen Werbelaune heraus fahren, sondern schon seit ein paar Jahren.
Am 4. Oktober 2007 um 12:18 Uhr
@medienvirus: Auch eine Art die Dinge zu deuten.
Die Konsumenten sind also selbst daran Schuld, wenn sie auf Werbung und andere Vorbilder hereinfallen.
Das ist ungefähr so als wenn ein Dieb meint, dass Diebstahl an sich böse ist, aber im Grunde die Leute auch selbst daran Schuld sind, wenn sie die Geldbörse nicht richtig verstauen.
So sehe ich das jedenfalls.
Mit einem bin ich konform: Es ist ein großes Getriebe.
Am 4. Oktober 2007 um 12:21 Uhr
“die trotz permanenter Benutzung einer ganz bestimmten Deomarke trotzdem keine Schlampen abschleppen können und dadurch sexuell frustriert sind.”
ist jede frau, die mal lust auf einen one-night-stand hat eine schlampe, patrick? find ich ziemlich unangebracht, an dieser stelle.
Am 4. Oktober 2007 um 12:21 Uhr
Noch ein Bild: Der Dealer regt sich über diese “Drecksjunkies” und ihre widerliche Drogensucht auf.
Am 4. Oktober 2007 um 12:23 Uhr
meine güte. werbung ist werbung. der kosument da draussen weiss das schon sehr gut einzustufen. nicht umsonst interessiert er sich so gut wie nicht mehr dafür. immerhin liefert dove noch eine nette botschaft, die so verkehrt nicht ist und mit einem sympathiebonus die verkäufe anregt. dass werbung nicht der richtige ort ist, sinnvolle dinge anzusprechen, ist leider die entwicklung der zeit und der massgeblich gestaltenden personen zu verdanken.
Am 4. Oktober 2007 um 12:24 Uhr
@peterchen: Wer spricht vom One-Night-Stand, “Peterchen”?
Am 4. Oktober 2007 um 12:35 Uhr
egal, wann oder wo, wieso bezeichnest du frauen an dieser stelle als schlampen?
Am 4. Oktober 2007 um 12:36 Uhr
wenn man abschleppt, oder abgeschleppt wird, handelt es sich erst einmal um einen one-night-stand, oder nicht?
Am 4. Oktober 2007 um 12:44 Uhr
Die Markenverantwortlichen bei DOVE könnten ihren Laden im Prinzip dicht machen, wenn sie für das zur Rechenschaft gezogen würden, was der Mutterkonzern (nicht die “Dachmarke”) sonst noch so im Portfolio hat.
Die Marke Dove hat eine Positionierung, für die sie ziemlich konsequent einsteht. Genau wie die Marke Axe. Oder Du darfst. Was ist daran falsch?
Ob es schlau/richtig/dum/falsch ist, Kinder als moralisches Aushängeschild zu benutzen, kann man durchaus diskutieren. Ob eine Marke werben darf wie sie wirbt, obwohl die Konzernmutter anders positionierte Marken anbietet, dürfte hingegen recht schnell mit “ja natürlich darf sie das” beantwortet sein.
Am 4. Oktober 2007 um 12:48 Uhr
@ Patrick:
Ich finde Du gehst mit Deinen vergleichen einen Schritt zu weit. Natürlich sind die Konsumenten nicht “maßgeblich” daran Schuld das sie auf den Schlankheitswahn (wenn wir mal dabei bleiben) hereinfallen. Doch Beispiele wie “Diebe” und “Dealer” treffen es ja nun auch nicht gerade. Sind Konzerne die in dem großen Getriebe agieren alles defakto Verbrecher? In gewisser weise magst Du damit ja sogar recht haben – trotzdem hinkt mir das zu sehr. So funktioniert das “Getriebe” nun einmal. An dieser Stelle finde ich funktioniert es mit außergewöhnlich wenig Dreck. Das die unmittelbaren Nachbarn die eben dieses Rädchen (langsam wünschte ich, ich hätte ein besseres Beispiel zur Hand;)) mit antreiben deutlich mehr Dreck am moralischen “Stecken” haben – was kann jemand dafür der es eben besser machen möchte? Ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen das eine Agentur – ob intern, oder extern – eine derartige Kampagne (langfristig!) nur und ausschließlich mit starrem Blick auf die Gewinne und Umsätze entwirft und umsetzt. Würden sie dann nicht eher eine andere Kampagne gestalten? Und was ist mit den Verantwortlichen im Konzern die eine derartige Kampagne auch abnehmen müssen und ihr ok für die Produktion geben? So Redegewand kann kein Art- bzw. Creative Director sein, wenn bei den Verantwortlichen nicht vorher schon der starke Wunsch vorhanden ist, es eben “anders” zu machen und etwas zu verändern!
Nein, ehrlich: Bis zu einem gewissen Grad kaufe ich denen die moralischen Wertevorstellungen ab und finde sie unabhängig davon sowieso gut. (Wobei ich das mit meinem Astralkörper nicht mal bräuchte ;) )
Am 4. Oktober 2007 um 12:54 Uhr
[...] kann man einen solchen Spot moralisch bis zurück zur Dachmarke hinterfragen. Ich bin da aber einfacher gestrickt und finde ihn einfach nur [...]
Am 4. Oktober 2007 um 13:26 Uhr
Ich liebe schlanke Leute und hasse es, wenn dicke alles auf die Werbung schieben. Sie selbst sind es, die sich den Frust anfressen.
Am 4. Oktober 2007 um 13:37 Uhr
@medienvirus&ramses101:
“So funktioniert das “Getriebe” nun einmal.” ist mir auch einfach zu wenig. Ich sage auch nicht, dass Unilever nicht Werbung für Schlankmacher mit dürren Models oder für Deos mit knapp bekleideten Frauen machen soll. Im Gegenteil. Sollen sie machen, wie sie denken und wie sie meinen damit zu verkaufen. Ist Werbung ist so okay, sie machen ihren Job, solange die Konsumenten es abkaufen. Aber sich jetzt hinzustellen und mit dem Finger auf andere Marken zu zeigen (mir geht es in erster Linie darum, dass Dove die Werbung der anderen Proukte – ich habe kein Unileverprodukt gesehen – anprangert und behauptet, das diese die Jugend versaut) finde ich gelinde gesagt völlig absurd. Ich hätte mich übrigens nicht so darüber aufgeregt, wenn Dove die Produkte von Unilever mit in die Kritik einbezogen hätte. DAS wäre konsequent und glaubwürdig gewesen. Abser so? Einfach nur eine verlogene Tour, die auch noch völlig mutlos daherkommt. Das hätten sich die Strategen doch an einer Hand abzählen können. Da hätte ich das lieber gelassen und hätte mit der bisherigen Erfolgsreihe “Campaign for real beauty” weitergemacht.
@Daniel: Solange du dich selbst ganz doll lieb hast ist alles im grünen Bereich.
Am 4. Oktober 2007 um 14:30 Uhr
Sag’ mal Patrick.. ich mach’ mir langsam ein wenig Sorgen um Dich. Bist Du von einer fundamentalistisch-christlichen Sekte rekrutiert worden :)?
Ganz im Ernst: Werbung soll verführen und verkaufen. Solange sie dabei keine Fakten falsch reportet oder uneinlösbare Versprechungen macht, darf sie auch die Realität selektiv darstellen – sprich: Lügen. Es ist ihr Job.
Im vorliegenden Fall spricht der Dove-Clip keine Anklage gegen anderen Marken aus, sondern warnt Eltern nur, dass wir in einer KULTUR leben, die von Äusserlichkeiten geprägt ist – in vielerlei Iteration. Und fordert die “parental units” dazu auf, mit den Sprößlingen drüber zu reden. Dabei kreiert sie ein “Dove steht auf Eurer Seite”-Gefühl mit dem neuropsychologischen Trigger der “Künstlichen Stammenszugehörigkeit”. Gut gemacht. Dass es im gleichen Konzern noch andere Marken gibt, die andere “Stämme” ansprechen, ist dabei doch völlig unerheblich und hat mit der Ehrlichkeit der Kampagnenaussage nicht das geringste zu tun.
Im übrigen ist die oben geschilderte Kernaussage des Clips doch durchaus löblich – und das sage ich nicht nur, weil wir (indesem Falle ist wir=DSG) die Kampagne viral seeden.
Am 4. Oktober 2007 um 14:44 Uhr
@Markus Roder:
Glaubst du eigentlich selbst das alles, was du deinen Kunden da erzählst? Bzw. was gibt dir den echten Kick an deiner Arbeit als “Lügner” (deine eigenen Worte)? Geld? Macht der Manipulation? Stammeszugehörigkeit?
Na Markus? Was ist DEIN neuropsychologischer Trigger?
Am 4. Oktober 2007 um 15:00 Uhr
@Patrick: Ich hab, ehrlich gesagt, nicht eine einzige Marke entziffern können. Das ist aber m.E. auch gar nicht nötig, denn es werden ja keine Produkte vorgeführt sondern eine bestimmte Einstellung.
Und da hätte man Dove von Anfang an den Vorwurf machen können, latent heuchlerisch daher zu kommen, denn letztlich wollen die auch nur das, was alle Beauty-Firmen wollen: Cremes und Lotionen verkaufen.
@Markus: Werbung darf lügen? Das halte ich aber für ein Gerücht. Werbung darf übertreiben, ja. Unbewiesenes Wissenschaftszeug verbreiten (wie bei Sauerstoff-Cremes und Wässerchen), von mir aus, das raffen die Leute schon (und wenn nicht, sind sie in diesem Fall einfach selbst schuld). Aber explizit und nachweislich lügen?
Am 4. Oktober 2007 um 15:10 Uhr
Mein Trigger? Oder fragst Du eigentlich nach meiner Philosophie? Ich antworte mal auf Beides:
Ich finde, der oben von Dir zitierte Satz war eigentlich relativ klar, wenn man ihn im richtigen Zusammenhang sieht – “Werbung” um den Kunden (wie eine Marke sie unter dem Stichwort “Kommunikation im Marketing-Mix betreibt), ist genau wie Dein Werben um Deine Frau (mal angenommen, Du hast es schon gleich mit ihr Ernst gemeint und wolltest sie nicht nur ins Bett bekommen:
Du erzählst ihr beim ersten Date eher von Deinem Interesse an klassizistischer Architektur, angelsächsischen Autoren und Weltgeschichte als davon, dass es Dich fasziniert, die Zeit zu messen, die deine Fürze brauchen um imi Raum zu diffundieren. Auch wenn letzteres AUCH zu Dir gehört. Insofern “lügst” Du, indem Du einen Teil Deiner persönlichkeit absichtlich weglässt, um zu verführen.
Allerdings erzählst Du ihr nicht, dass Du Doktor der Theologie bist, nur weil sie Interesse an Religion bekundet hat.
Und hier siehst Du genau das, was ich vorhin als “zwei Arten von Lügen” darstellen wollte, weil mir Dein Zitat vom “Doppel-Lügen” so hysterisch vorkam: Man stellt sich in günstigem Licht dar (wie ich vorhin sagte: stellt die Realität selektiv dar), behauptet aber nichts, was definitiv falsch ist (wie z.B. wenn Dove jetzt behaupten würde, es schütze die Kinder durch Markenverwendung vor der bösen, bösen, BÖSEN Realität).
Und genau diesen Spagat zu schaffen, also meine Aufgabe als Werber (und damit Verführer) zu erfüllen, ohne FAKTISCH zu lügen (denn das kann schliesslich jeder ;) und jemandem durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen oder nicht-einlösbarer Versprechen zu schaden ist das, was an der Aufgabe spannend ist. Und übrigens auch das, was mich meiner Selbsteinschätzung nach von den Vertickern homöopathsicher Mittel, Wunderkuren, Energieheiler etc. unterscheidet.
Mein neuropsychologischer Trigger ist demenstsprechend “Wettbewerb”, im schönen Testosteron-Klischee. Sehe ich nix verwerfliches dran, aber ein Urteil möge sich jeder selbst bilden.
So, und wie isses nun mit Dir? Auf meine implizite Frage “Was ist vdas Verwerfliche an der Dove-Aussage im Clip” hast Du nämlich nicht geantwortet.
Am 4. Oktober 2007 um 15:16 Uhr
Hi Ramses,
Darf ich mich zunächst mal als Fan Deiner üblicherweise gut überlegten Kommentare outen ;)?
Wenn Du Dir mein Posting mit dem “Lügen” durchliest, merkst Du hoffentlich schnell, dass ich SPEZIFISCH qualifiziert habe, dass Falschaussagen eben NICHT erlaubt sind.
“Lügen” bezieht sich auf die von PATRICK bereits als verwerflichen befundenen Techniken der Verführung durch das Hervorrufen eines EINDRUCKS, der faktisch nicht mit der Produktpolitik des Mutterkonzerns in Einklang zu bringen ist.
Es ist etwas, das ich mit “selektiver Darstellung der Realität” umschrieben habe. McCann nennt es im Firmenmotto “Truth well told”.
Es ist ausserdem etwas, das Du selbst bereits in Deinem Kommentar von 12:44 angesprochen hattest.
Am 4. Oktober 2007 um 15:25 Uhr
@Markus:
An der Aussage des Spots ist nichts aber auch gar nichts verwerflich. Meine Interpretation, meine Wirklichkeit signalisiert mir im Kontext einer Untermarke von Unilever “Achtung, Scheinheiligkeit!”.
Ganz sachlich, also meta, muss ich es sogar gutheißen, dass Werbung dieses Thema in dieser Form aufgreift. Ich hätte mir in diesem Zusammenhang einen Schritt mehr Mut gewünscht. Wenn Dove bewusst die Marken aus der Unilever-Familie aufgegriffen hätte, dann wäre aus meinem Munde ein “Chapeau!” vernommen worden.
Mein Anliegen in diesem Beitrag (vornhemlich als Konsument, wir vergessen, dass wir ständig in den Rollen switschen) war es auf die Scheinheiligkeit hinzuweisen, denn auch dieses Meinungsbild gibt es (nicht nur bei fundamentalen Christen). Mein Anliegen ist darauf hinzuweisen, wo noch Kommunikationslöcher zu stopfen sind.
Zu deinem “Werbebeispiel bei Frauen”: Das ist der Grund warum viele Ehen scheitern oder man Eheberatung in Anspruch nehmen muss. Zu viel Beschönigung fordert am Ende die große Enttäuschung heraus. Ich bin für dauerhafte Unternehmenskommunikation, du für den werberischen One-Night-Stand (um wieder darauf zurückzukommen). Das ist uns beiden aber nicht wirklich neu, oder?
Am 4. Oktober 2007 um 15:29 Uhr
Irrtum MARKUS, an keiner Stelle habe ich über Lügen in der Werbung gesprochen – geschweige denn von der Verwerflichkeit der Verführungskunst von Werbung. Da legst du mir aber ganz merkwürdige Sachen in den Mund. Gehört das auch zur hohen Kunst der Verdrehung?
Am 4. Oktober 2007 um 15:33 Uhr
@ Markus
Ist ja alles richtig, für sich betrachtet, vor allem die Stelle mit den Fürzen ist sehr lustig und sehr wahr.
Nur: Ist es im Falle von Dove nicht eher so, um im von dir gewählten Bild zu bleiben, als käme man als Mann mit einem Riesensteifen in der Hose zum ersten Date, und erzählt der Frau aber den ganzen Abend lang, was für verachtenswerte notgeile Schweine man im erweiterten Bekanntenkreis hat?
Am 4. Oktober 2007 um 16:06 Uhr
@Markus: Im Prinzip sehen wir das glaub ich ganz ähnlich. Mir ging es lediglich um die Begriffe “Lüge” und “selektive Darstellung der Realität”, denn letzteres ist, siehe McCann, eben weit entfernt davon, Lüge zu sein. “Truth well told” ist und bleibt “the truth” und eben keine Lüge.
Und auch das Verschweigen von Dingen würde ich nicht als “Lügen” bezeichnen. Manchmal ist es eigentlich nur hilfloses “triggern” (wenn man das so sagt;-) à la “Ohne Zuckerzusatz” (Weil: Ohne Zusatz vielleicht, aber dafür mit jeder Menge natürlichen Zuckers). Aber “lügen” geht anders. “Sie haben gewonnen, holen Sie sich jetzt Ihre 100.000 Euro unter hallo-vollidioten.de ab. DAS ist Lügen.
Und danke für die Blumen, ich tu mein Bestes ;-)
Am 5. Oktober 2007 um 09:23 Uhr
dove stellt sich hier als “die guten” dar, und das villeicht sehr clever, aber wenn man genau darüber nachdenkt schneiden die sich echt irgendwann ins eigene fleisch.
Am 5. Oktober 2007 um 14:39 Uhr
@Ping:
Nein, weil Dove ja nicht erzählt wie mies andere Leute sind. Es wäre eher so, also würde man mit der Dame über die Probleme mit der männlichen Geilheit generell reden. Durchaus legitim, finde ich – und ein interessantes Thema ;).
@Patrick I:
ich bin keineswegs für den werberischen One-Night-Stand, es sei denn, die marke ist von vornherein als Eintagsfliege ausgereichtet – genauso im realen leben übrigens, wo ich an einem One-Night-Stand nichts verwerfliches finde, es sei denn, man ist verheiratet oder spiegelt der gewählten Partnerin vor, man wäre an etwas langfristigem interessiert. In BEIDEN FÄLLEN wird man aber beim ersten Date nicht gleich mit den peinlichkeiten herausrücken, sondern erst, wenn man sich besser kennt. Insofern bin ich auch in der Werbung für “Nackige Offenheit” z.B. im Magazin, das die Stammkunden und Fans der Marke bekommen – aber sicher nicht im potenziellen First-Contact-Viral. Da geht’s darum, schnell und knackig den Eindruck zu vermitteln, den man vermitteln will – ohne FAKTISCH zu lügen. Dinge verschweigen, die auch noch den Konzern (nicht mal die werbende marke!) betreffen ist mehr als erlaubt.
@Patrick II:
“Verdreht” habe ich gar nichts. Du nennst doch Dove selbst sowohl in Deinem KOmmentar vom 4.Oktober, 12:00 (als auch implizit in der Post selbst, wo Du “Köpfe” für den Un-Spot forderst) “Lügner”.
@ramses101:
Wir sehen das tatsächlich ähnlich. Wie gesagt, mit dem Wort “Lüge” habe ich versucht, die Nomenklatur aufzugreifen, die Patrick (meiner interpretation nach..) benutzt hat. ich verstehe unter Lüge auch etwas anderes, nämlich aktiv die unwahrheit sagen.
Fakten verschweigen und selektive Darstellung der Realität gehören nur dann dazu, wenn sie den ganzen Act darstellen (vgl. Kreationisten in US-School-Boards) und nicht nur dazu dienen, einen guten Eindruck zu machen, der nicht von den Fakten wiederlegt wird.
Am 5. Oktober 2007 um 14:46 Uhr
@Markus: Ja Lügen schon, aber nicht in Verbindung mit “Verführung”. Das ist definitiv nicht meine Aussage. Und Verführung bedeutet auch nicht, dass man den Gegenübe belügen muss, es bedeutet auch nicht, dass man andere Konkurrenten schlecht machen muss usw.
Ich finde es übrigens hochamüsant, dass man mir indirekt den Moralapostel vorwirft und Dove das einfach so mit großem Applaus abkauft. Sorry, da muss ich mich einfach ausklinken, das ist mir zu bizarr.
Am 6. Oktober 2007 um 01:07 Uhr
Kleine Bemerkung am Rande:
Patrick, ich finde, du gehst da sehr gewagt in die Diskussion. Ein bisschen mehr als ich es für anständig halte. Provozieren schön und gut, aber bitte auch ein wenig Wert auf ein höfliches Miteinander legen, anstatt die Aussagen anderer einfach “abzuschmettern”.
Zum Thema selbst:
Mir fällt spontan die Diskussion ein, die aufkam, nachdem Günther Grass’ Mitgliedschaft in der HJ/SS. Auch da kamen “plötzlich” Dinge auf, die (bei Günther Grass mMn nur scheinbar) die glaubwürdigkeit der Person infrage stellten.
Habe ich nie verstanden, denn die Aussagen die er gemacht hat, verlieren doch nicht ihre Richtigkeit – und derer waren sich alle bis zu diesem Zeitpunkt einig – ,nur weil die Person selbst unter dem “bösen” Einfluss stand.
Genauso sehe ich das bei Dove. Ich finde es super, wie sie ihre Werbung gestalten. Ich finde die Aussage, die darin steckt klasse und freue mich, dass endlich einmal weg von dem Modell der ultraschlanken Frau weggegangen wird. Ich stimme mit dem, was ihre Werbung ausdrückt überein.
Nur weil Dove jetzt einem größeren Firmenverbund angehört, der gleichzeitig Produkt hervorbringt, die dem Schlankeitswahn förderlich sind, ändert sich doch nicht die Aussage der Dove-Werbung.
Am 6. Oktober 2007 um 10:26 Uhr
Wen “schmetter” ich denn ab? Das würde mich interessieren.
Am 8. Oktober 2007 um 17:23 Uhr
Oh, ganz schöner Artikel dazu übrigens hier:
adage.com/garfield/a...
Am 8. Oktober 2007 um 21:32 Uhr
Ich möchte trotzdem und verspätet nochmal anmerken, dass die Dove-Girls definitiv zu den ganz wenig, wirklich gutaussehenden Models gehören und zwar fast alle. Gut geht mirs mit der Tatsache, dass das eigentlich dann doch alles nur Heuchlerei ist, aber auch nicht.
Am 9. Oktober 2007 um 12:41 Uhr
[...] (via Werbeblogger) Tags: Dove, Kampagne, Schönheitswahn, viral, Werbung Trackback setzen [...]
Am 11. Oktober 2007 um 11:42 Uhr
Sex sells – immer noch, und wohl auch in Zukunft. Siehe auch die aktuelle Migros Kampagne in der Schweiz…
Am 29. Oktober 2007 um 11:24 Uhr
[...] liebe ich am Web 2.0. Die direkte Antwort auf den Dove-Spot, der die Schönheitsindustrie so stark kritisiert hat. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sowas hier [...]
Am 24. April 2008 um 15:56 Uhr
[...] weiterer kritischer Spot zur Dove Kampagne “Onslaught” macht gerade die Runde. So genannte “Spoofs”, also satirische, kritische oder [...]
Am 24. April 2008 um 16:04 Uhr
[...] werbeblogger.de Nummer1, Nummer2 und [...]
Am 10. September 2008 um 12:44 Uhr
[...] die richtige Richtung” von Unilever und ihrer Marke Dove überhaupt wahr? Interessiert es den westlichen Hautpflegekunden wirklich, welchen Raubbau Palmölprodukte in “irgendeinem ziemlich entfernten Land” [...]