28.09.07
11:34 Uhr

Blogs sind mächtig – doch wohin mit der Macht?

Während in Deutschland Blogs lediglich wegen ihrer selbstreferentiellen Ader und des geringen Verbreitungsgrades belächelt werden und in einer materiell geprägten Gesellschaft meist auch nur über banale materielle Dinge gebloggt wird, wir uns streiten ob Werbung in Blogs allgemein als gut oder böse einzuordnen ist, werden Blogs an anderen Flecken der Erde zu ganz anderen Zielen eingesetzt. Eines dürfen wir nicht vergessen, Blogs sind …

… ein Spiegel der Gesellschaft. Blogs spiegeln Gesprächskultur, Meinung, Einstellung, Emotionen und Lebensentwürfe wieder. Natürlich ist das von Land zu Land, von Kultur zu Kultur völlig unterschiedlich.

… ein mächtiges Instrument, um totalitären Systemen zu trotzen und einen freien Informationsfluss herzustellen.

So banal die Technologie von Blogs sein mag, umso bahnbrechender ist deren Soziologie. Der frühere Konsument und Botschaftsempfänger wird urplötzlich zu einem wichtigen Teil eines Informationsnetzwerkes. Es werden Systeme transparenter. Nischenthemen erhalten nun eine Plattform und somit ebenfalls eine breite Daseinsberechtigung. Der mittlerweile teilweise korrumpierte Journalismus, der ursprünglich als Kontrollinstanz zur Regierung gedacht war, erhält nun in Form von Blogs eine zusätzliche, hinterfragende Kontrollinstanz. Insgesamt wird der Dialog, den ich persönlich als bewegend, fortschrittlich und gedanklich evolutionär betrachte (Fragen öffen, Antworten schließen) durch Blogs und die Kommentarkultur gefördert. Es werden wieder mehr Fragen gestellt, immer mehr Menschen erwachen aus einem lulligen von materiellen Gütern betäubenden Traum und merken plötzlich, dass es auch noch wichtigere Dinge im Leben gibt, als sich die neusten Klamotten, das fetteste Auto oder den teuersten Schmuck zu kaufen. Wir merken zusehends, dass uns Kaufen allein nicht befriedigt. Das erklärt den in letzter Zeit aufkeimenden Boom der Lebenshilfe (Fernsehsendungen wie Schuldnerberatung, Erziehungshilfe usw.). Obwohl wir uns scheinbar alles kaufen können, macht uns das nicht glücklicher, im Gegenteil, je mehr wir kaufen, desto höher steigt die Frustration. Mit materiellen Dingen versuchen wir unsere Unzufriedenheit zu kompensieren und wir haben – und das ist das Fatale – völlig aus den Augen verloren, warum wir eigentlich so unzufrieden sind.

Zwischen Terrormeldungen, Explosionen und Morden in Abendspielfilmen und Kinderzeichentrickfilmen, kommen Werbspots fast schon erholsam daher. Erst der Schock, dann die große Erlösung. Spots und Konsumversprechen haben uns eine heilsame Erholung von dem gesamten gezeigten Leid in dieser Welt versprochen. Aber können sie dieses Versprechen am Ende auch einhalten?

Zurück zu den Blogs. Anlass zu meinen Gedanken sind die aktuellen Vorfälle in Myanmar (Birma, Burma). Dort versuchen die buddhistischen Mönche (schonmal aufgefallen, dass der Buddhismus einer der wenigen NICHT kriegerischen und missionierenden Religionen ist?) durch friedlichen Protest und Herstellung eines freien Informationsflusses mit Hilfe von Internet und Blogs die dort herrschende und unterdrückende Militär-Junta abzuschaffen. Ein friedlicher Revolutionsversuch, der nur deshalb funktionieren kann, weil keine körperliche Gewalt ausgeübt wird und die Welt dank Vernetzung erfährt, was da eigentlich stattfindet. (Wenn ihr etwas tun wollt, ist es das Mindeste, darüber zu sprechen, also auch zu bloggen, egal welche Meinung ihr dazu habt).
Vor einiger Zeit habe ich zur Thematik “Informationsfreiheit” eine Grafik angefertigt, die vielleicht verdeutlicht, auf welchem hoffnungsvollen Weg sich die Menschheit befindet und dass wir eben nicht hilflose, auf dem Rücken zappelnde Insekten sind, die sich angesichts der großen Probleme in dieser Welt in künstliche und materielle Welten (Second Life ist nur ein Anzeichen für Weltenflucht) müssen.

Informationskurve

Je besser Informationen fließen und je weniger Informationen vorenthalten werden, desto größer wird die potenzielle Chancengleichheit weltweit. Information (Wissen) ist die eigentliche Währung auf der Welt. Wüssten die Afrikaner, wie man Unternehmen aufbaut, effektive Technologien entwickelt oder ganz einfach gute und auf ihre Geografie angepasste Landwirtschaft betreibt, dann würde das Land sich aus eigener Kraft entwickeln. Informationen sind keine materielle Währung. Doch unsere bisherige Entwicklungshilfe hat sich immer ausschließlich auf materielle Hilfe konzentriert, was ich für grundlegend falsch erachte. Wissen, lernen und freier Informationsfluss und der Zugang dazu sind die Schlüssel zur Weiterentwicklung.

Da das Bloggen also wesentlich zu einem Informationsfluss, einem Wissenstransfer beitragen KANN, sind Blogs (technisch) ein wichtiges Instrument, um unser aller Zusammenleben ein Stück freier, glücklicher und besser zu machen. Dazu ist es jedoch entscheidend, wer das Blog (soziologisch) mit welchen Inhalten füttert. Blogs sind also kein Punk! Nix “no future”!

Noch ein Wort zur Kommerzdebatte rund um Blogs. Ich verstehe beide Seiten sehr gut. Die Trigamis, Adicals, Adsenses und sonstigen kommerziell angehauchten Blogs wollen einfach ein paar Euros dazu verdienen. Allerdings meist aus der Annahme heraus, sie würden dadurch auch glücklicher werden oder sie könnten dadurch ihren sinnlos erscheinenden Job im Großraumbüro, in der Werkstatt oder der Fabrikhalle reduzieren bzw. ganz aufgeben. Daher wollen auch so viele Journalisten bloggen, weil sie es teilweise satt haben, auf Kommando und mehr oder weniger gesteuert zu schreiben. Das ist die eine Seite. Die andere Seite, da sitzen Menschen, die andere Ziele haben, als sich auf rein materielle Themen zu konzentrieren. Sie sehen Blogs als Instrumente, wie ich sie oben beschrieben habe und sie fürchten um eine Unterwanderung durch kommerzielle Interessen, denn dadurch verlieren Blogs zum Teil ihre Glaubwürdigkeit. Ihre Befürchtung ist es aber, dass das “Medium” Blog an sich unglaubwürdig wird.

Ich sehe das mittkerweile nicht mehr ganz so kritisch. Nur weil eine Mehrzahl von Bloggern unglaubwürdig wird, heisst das nicht, dass Blogs an sich (also als soziologisches Instrument) und per se unglaubwürdig sind. Blogs sind eben nicht in eine Verlagsstruktur eingebettet, Blogs sind virtuelle Stimmen von Individuen. Verlage und Publikationen sind Konstrukte und haben eben nicht diesen individuellen Touch. Kritischer wird es, wenn Einzelblogs sich zu zentral agierenden Netzwerken organisieren, dadurch verlieren sie tatsächlich ein Stück Unabhängigkeit und Schlagkraft. Die klassischen Medien in Birma kann man wunderbar kontrollieren, viele Medienhäuser gibt es ja nicht. Doch die zerstreuten Einzelberichterstatter in Form von Blogs, die sind wie die Pest für die Junta, denn sie werden sie niemals (auch nicht mit Kabelbrüchen) zum Schweigen bringen können.
Ich finde Birma zeigt uns deutlich auf, welches tatsächliches Potenzial in Blogs steckt, dass Blogs eben nicht irrelvant sind, sondern ein wichtiges und mächtiges Instrument, um diese Welt zu verändern und zwar gemeinsam. Blogs gestalten unsere Welt von morgen, mit dem Unterschied, dass der demokratische Grundgedanke nun tatsächlich umsetzbar ist. Die Frage lautet also immer, wie gehen wir persönlich mit so viel Macht um? Wofür setzen wir sie ein?

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33 Kommentare

  1. Jörg Weisner

    ich glaube Du meinstest dasss der Buddhismus einer der wenigen
    nicht kriegerischen und missionierenden Religionen ist – oder???
    ansonsten, vielen Dank für den ausgezeichneten Beitrag.
    Wie gesagt:
    team-success.de/blog...
    jeder Beitrag zählt!

  2. Patrick Breitenbach

    @Jörg: Ja das meinte ich. :-)
    Habe es korrigiert.

  3. saizew

    mmmh, Punk auf “no future”! zu verkürzen greift mir ein bisschen zu kurz. Lass Dir das nochmal von eurer Klofrau erklären… ;-) *g*

    Ansonsten, sehr lesenswerter Artikel, auch wenn ich einige Gedankengänge nicht nachvollziehen bzw. teilen kann, z.B. folgenden Satz: “Kritischer wird es, wenn Einzelblogs sich zu zentral agierenden Netzwerken organisieren, dadurch verlieren sie tatsächlich ein Stück Unabhängigkeit und Schlagkraft.”

  4. Patrick Breitenbach

    @saizew: Der Satz bezieht sich auf eine reine zentrale Kommerzialisierung von Blognetzwerken. Wenn ein Netzwerk etwas bewegen will und unabhängig berichten möchte, besteht die Gefahr bei einem zentral reguliertem Netzwerk (Verlag bei klassischen Medien), dass die Meinung durch Werbekunden bewusst oder unbewusst beeinflusst wird. Das soll sich nicht gegen die Kommerzialisierung von Blognetzwerken richten sondern nur verdeutlichen, was man dafür im Gegenzug erhält.

    Im Übrigen findet eine natürliche Blogbündelung schon lange statt aber eben mit dem Unterschied keiner zentralen Regulierung oder Steuerung. Ist auch gut so.

    Och, ich glaub ich kenn mich mit Punk schon ganz gut aus. Ist zwar sehr eingedampft die Aussage aber Punks waren noch nie das Sinnbild für konstruktive Veränderung. Das ist eher die rein destruktive Schiene. Sowohl selbst. wie fremdzerstörerisch und über den Aufbau danach macht man sich in diesem Kontext so gut wie keine GEdanken. Kaputtmachen ist da erstmal angesagt. Nicht mehr mein Ding.

  5. saizew

    @Patrick. Ok, mit dem Zusatz “besteht die Gefahr (…) dass die Meinung durch Werbekunden bewusst oder unbewusst beeinflusst wird.” wird es deutlicher.

    Mir ging in diesem Zusammenhang nur der SPON-Artikel über die Zunahme von Videos über dokumentierte Polizei-Gewalt/Brutalität in diversen Video-Portalen durch den Kopf, der das Dilemma einer Übersättigung bzw. der Gefahr des Untergangs von relevanten Inhalten darlegt.

  6. Patrick Breitenbach

    @saizew: Die Übersättigungsgefahr ist sicherlich gegeben, zumal wir uns ja noch zusätzlich mit künstlichen Leidensgeschichten zuballern (Horror-, Kriegsfilme etc.) Wir können leider nicht so viel auf einmal verarbeiten. Aber ich denke wenn sich jeder auf ein bestimmtes Thema konzentriert ist viel gewonnen. Man kann nicht an allen Fronten kämpfen. Irgendeinen gibt es immer, der Interesse zeigt und danach auch handelt.

    Ich glaube der Trend, den man im Moment beobachten kann ist die Darstellung von “kleiner Gewalt”. Gewalt an Orten und Situationen, die wir so nicht erwarten würden. Also zum Beispiel an einer Unidiskussion in Florida, wo plötzlich der Fragesteller mit Elektroschocks maltretiert wird. Gewalt aus dem nahen Osten kennen wir uns fürchten wir nicht. Es ist die Gewalt in unseren eigenen Systemen, die uns wirklich Angst macht. Die Gewalt ist da, war schon immer da, wird nun aber zusehens greif- und sichtbarer.

    Unsere große Chance die Probleme anzupacken. Wir sind eben nicht machtlos, wie wir uns selbst einreden und wie es uns oft eingeredet wurde.

  7. Alex F:

    Die Macht sei mit Euch!

  8. saizew

    @Patrick. Sorry, auch ich habe mich im vorherigen Kommentar zu verkürzt ausgedrückt: was fehlte war eben mein Gedanke, dass die neuen technischen Möglichkeiten auch neue Chancen bieten, wie Du ja ganz richtig selbst schreibst.

    Mich störte lediglich der (pessimistische) Satzteil im Artikel “dadurch verlieren sie tatsächlich ein Stück Unabhängigkeit und Schlagkraft.”

  9. Robert

    Moin Moin,

    du hattest geschrieben:
    ‘sie fürchten um eine Unterwanderung durch kommerzielle Interessen, denn dadurch verlieren Blogs zum Teil ihre Glaubwürdigkeit.’

    Ich denke, dass das zwei Paar Schuhe sind. Auch in Bezug auf den Absatz mit den kommerziell angehauchten Blogs (Trigamis, Adicals, Adsenses).

    Die Glaubwürdigkeit sinkt meiner Meinung nach nicht, wenn ich beispielsweise einen Trigami-Auftrag über Steckdose (war in letzter Zeit ein paar Mal zu lesen) annehme.

    Die Glaubwürdigkeit kann viele Facetten haben:
    KompetenzVertrauenswürdigkeitAuthentizitätAchtbarkeitPlausibilität

    Ich nehme mal an, dass man an den Punkten Kompetenz oder Achtbarkeit nicht zweifelt, sondern eher die Vertrauenswürdigkeit leicht in Frage stellt. Man fragt sich, ob der Trigami-Auftrag tatsächlich so positiv ausgefallen wäre, wenn man nur durch Zufall auf die Seite aufmerksam geworden wäre, oder ob der Blogger überhaupt berichtet hätte.

    Diesem Teilbereich könnte ich zustimmen, sonst bin ich der Meinung, dass der, überspitzt formuliert, ‘kommerzielle’ Blogger nicht an Glaubwürdigkeit verliert.

    Gruß,

    Robert

  10. Patrick Breitenbach

    @Robert: Klar, das ist deine Meinung.

    Dennoch solltest du den Menschen die Meinung nicht absprechen, dass sobald ein Blogger für Geld schreibt, er einer erhöhten Wahrscheinlichkeit ausgesetzt ist gegen Geld auch Meinung zu streuen, die nicht unbedingt seine eigene ist.

    Als fiktives Extrembeispiel wären das dann die digitalen Jubel-/Prügelperser

    Wir alle wissen doch was man mit Geld so alles anstellen kann.

  11. Robert

    @Patrick: Ja, aber…

    Ich finde, dass sich das Vertrauen von dem Du sprichst, über einen Zeitraum aufbaut und man so ein Gefühl dafür bekommt, ob der Blogger tatsächlich seine Meinung, oder die einer anderen Person darstellt.

    Nur beim erstmaligen Besuchen eines Blogs könnte der ‘Kommerz’ zuerst etwas abschreckend wirken. Das echte Vertrauen baut sich erst über einen Zeitraum auf.

    Folglich sehe ich deinen Punkt ‘Jeder ist käuflich’ teilweise ein.

  12. Patrick Breitenbach

    @Robert: Mir ist schon klar, dass man nicht schwarz/weiss denken sollte. Wir hätten (und haben sicherlich teilweise) demnach auch keine Glaubwürdigkeit, alleine weil wir uns mit kommerziellen Dingen beschäftigen.

    Mir ging es nur darum die beiden Meinungsfronten, die hierzulande vorhanden sind, darzustellen. Es ist somit ein Erklärungsversuch für die beiden kontroversen Haltungen. Diesmal also keine Verurteilung von irgendjemanden.

    Meine ganz persönliche Meinung speziell zu Trigami dürfte indes bekannt sein. ;-)

    Ich weiß nicht, ob wirklich jeder so käuflich ist. Ich hoffe nicht. Also ich würde für kein der Welt jemanden wissentlich direkten körperlichen Schaden zufügen, z.B.

  13. Vroni

    Ich glaube, wir dürfen unsere satte Situation nicht mit der in Burma vergleichen. Das ist ein ganz anderes Bloggen, saugefährlich, wirksam wie lange Nadeln im Arsch der Junta.

    Wir aber sind ungefährdet, babbeln als Ich-Ich-Blogger genervt vor uns hin. Daher haben unsere Blogs auch keine Macht. Gottseidank manchmal, wenn ich mir manche “Peterle in allen Suppen” Blogfiguren anschau.

  14. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Niemand hat uns mit Burma verglichen, wie kommst du darauf?

    Wie schon im Beitrag erwähnt, Blogs spiegeln die Gesellschaft. Satte Gesellschaft -> träge Blogs.

    Nichtsdestotrotz ist die Macht vorhanden, vielleicht wacht der eine oder andere ja aus seinem Verdauungsschlaf auf.

  15. Vroni

    Ich komme darauf, weil dein Text etwas vom Schiller’schem Sturm und Drang beseelt ist :-) und du aktuell die guten und bösen Flecken der Erde – und Burma erwähntest. Ist halt derzeit in den Nachrichten. Da darf ich doch einen klitzekleinen Zusammenhang vermuten? :-)

    Letzte Woche gab es noch den Bloggerblues, diese Woche möge die Macht mit uns sein…
    Was denn jetzt :-)

    *läster*
    und jetzt Fernsehn guck

  16. Patrick Breitenbach

    Ist Blues und Drang tatsächlich so widersprüchlich? Ich glaube nicht.

    Egal, Hauptsache sie bewegt sich doch! ;-)

  17. Pat Riot

    Wüssten die Afrikaner, wie man Unternehmen aufbaut, effektive Technologien entwickelt oder ganz einfach gute und auf ihre Geografie angepasste Landwirtschaft betreibt, dann würde das Land sich aus eigener Kraft entwickeln.

    Sofern die Kapitalisten in den nördlichen Industriestaaten das überhaupt zulassen ich glaube sogar, dass es jede Menge schlaue Afrikaner gibt die wissen wie man dies und jenes in Afrika verbessern könnte. Der Sinn hinter Deinen Zeilen ist aber angekommen auch wenn ich den Vergleich etwas zu “einfach” finde.

    Zum Thema Kommerz – so sehe ich einfach nur den Drang einiger Blogbetreiber oder ähnlich gearteter Informationsträger möglichst viele Leser auf die “Seite” zu bekommen und das möglichst täglich. Da es aber nicht immer berichtenswerte Themen gibt, wird aus einer Mücke ebend der sprichwörtliche Elefant gemacht. Ich habe kein Problem für guten und interessanten Inhalt Werbung in Kauf zu nehmen. Auch werden PR und Werbeagenturen in den nächsten Jahren die Blogs mehr und mehr kommerzialisieren ich glaube dieser Trend ist klar absehbar.

  18. Patrick Breitenbach

    @Pat Riot: SO einfach und doch so schwer. Mir ist das schon durchaus bewusst, umso schlimmer wenn einfache Lösungen einfach nicht umgesetzt werden (aus welchen Gründen auch immer, da heisst es eben selbst mal hinterfragen, nicht alles von dem Medien vorgekaut bekommen)

    Zum Theme Kommerz sehe ich das genauso. Ich stehe weder voll auf der einen Seite noch voll auf der anderen. Die Dosis bestimmt wie immer das Gift.

  19. Boogie

    @ Patrick: Ist zwar nur ein kleiner Teil deines Beitrags, aber du hast es in den Kommentaren ja noch einmal angesprochen: Blogs seien kein Punk, da Punk = No Future. Da siehst du Punk aber doch sehr reduziert. “No Future” war ein Teil der Vermarktungsstragie, aber entstanden ist Punk vor allem als Gegenbewegung zu einer unbeweglichen, monströsen Entwicklung namens Art-Rock. Das Monster hörte auf Namen wie Yes, Genesis, Pink Floyd. Wabernde Licht-und Nebelorgien und technischer Overkill sprach Teile der Kids einfach nicht mehr an. Im Gegensatz zum Rock’n'Roll, der inzwischen zum kuchenfressenden Glitzer-Elvis degeneriert war, ließ sich Art-Rock nicht mehr in den Kellern und Garagen nachmachen. Die Engländer hatten zwar das Ventil Pub-Rock, aber das war zum großen Teil von alten Säcken besetzt (die natürlich trotzdem unfassbar cool waren. Nicht umsonst speiste die Pub-Rock Szene auch die junge Punk Szene. Ich sag nur Joe Strummer, Elvis Costello, Ian Dury, Eddie & the Hot Rods…). Lustigerweise kamen die Urväter des Punks aber aus den USA. MC5, New York Dolls, Mütterchen Debbie Harry und Patty Smith, die ganze CBGBs Blase und natürlich die Ramones. Selber machen können, das war die Antriebsfeder. Und wer keine Zukunft sieht, macht nicht selber. Natürlich hatte Punk auch etwas Destruktives, aber darauf reduzieren ließ Punk sich nie.

  20. Vroni

    @ Parick

    “Zum Thema Kommerz sehe ich das genauso. Ich stehe weder voll auf der einen Seite noch voll auf der anderen. Die Dosis bestimmt wie immer das Gift.”

    Das war vor Jahren richtig. Da hätte ich das mit der Sokrat’schen Dosis (oder war es Paracelsus oder gar Hippokrates…) sofort unterschrieben.

    Mittlerweile ist es jedoch so, dass die Kommerzialisierung endgültig in unsere privaten Lebensbereiche eingedrungen ist. Zu erkennen an der Veränderung der Sprache. Wir “verkaufen” eine Idee der Freundin, wir “positionieren” uns in der Clique, wir checken in der Kneipe unser “Marktchancen” ab. Es gibt kein Entkommen mehr.

    Daher verstehe ich den verärgerten Gegenwid, der den sowohl-als-auch-Bloggern entgegenschlägt, voll und ganz. Er ist der Widerstand gegen das Vermischen. Wer im heutigen (im heutigen!) Kontext was von der Dosis erzählt, der gerät rasch in Verdacht, auch ein Vermischer zu sein.

    Natürlich bist du das nicht. Du bemühst dich ja gerade um Trennung von Redaktion und Werbung. Doch viele sind da nicht so differenziert unterwegs…

    Es ist lediglich ein Erklärungsversuch, warum es so geharnischten Widerstand gegen jegliche Geldverdienversuche in Blogs gibt. Es ist in meinen Augen der Ärger gegen die enervierende Übermacht der Ökonomie. Es herrscht seit dem Aufkommen der New Economy und des angebotsorienteierten Neoliberalismus eine Ökonomisierung in Staat und Gesellschaft vor, die das Menschliche, Private vergiftet. Und zwar manchmal schon in homöopathischer Potenz. “Dosis und Gift” bekommen da eine ganz andere Dimension. Um es medizisnich auszudrücken: Wir sind bereits mit Sozial-Giften (her: Ökonomisierung überall) belastet, da reicht oft eine minmale zusätzliche Dosis irgendwoher. Es kommt auf das Gesamtkontingent an, da sind wir manchmal schon laufende Sondermülldeponien ohne es zu wissen :-)

  21. Patrick Breitenbach

    @Boogie: Das sehe ich etwas anders. Es war nicht nur die spezielle Gegenbewegung des Artrocks, sondern vielmehr die Gegenbewegung der Hippies. Der Traum der FlowerPower-Bewegung von einer friedlichen und liebevollen Revolution war geplatzt und man hatte den Glauben an diese rosige Zukunft verloren. Rein musikalisch mag das schon so gewesen sein, wie du beschreibst, aber Punk ist noch mehr als bloß die Musik (genau wie bei FlowerPower). Punk war/ist auch ein Lebensgefühl, eine Subkultur, die nonkonformistisch, nihilistisch und gewaltfreudig agiert(e). Mag sein, dass nicht alle so drauf waren, aber die meisten teilten mindestens eine der Kennzeichen. Was ich mit dem Ausdruck eigentlich sagen wollte ist, dass ich Punk nicht verachte, sondern dass ich mich nicht mit dem rein zerstörerischen, ohne Zukunftsglauben, zufrieden gebe. Also bitte nicht ganz so viel da rein interpretieren. :-)

    @Vroni: Zum Glück kenne ich das “Wording” (ich tu es doch) eigentlich so nicht, wie du es beschreibst, aber du hast sicherlich Recht. Der Preis eines kapitalistischen Systems ist nunmal die Ausrichtung des Denkens, Fühlens und Handelns auf kommerzielle Themen. Die Gesellschaft wird dadurch aber zunehmend orientierungsloser. Statt besser, geht es uns immer schlechter. Daher verachten wir auch Spiritualität (die nicht vom Kommerz durchdrungen ist wie z.B. eine Religionsgemeinschaft, die Steuern einkassiert), “rückständige” Kulturen und Naturvölker. Das sind für uns “Wilde”, weil sie einfach nicht begreifen wollen, dass unser System so toll ist und man sich hier alles kaufen kann.

    Wir haben hier alles, können alles kaufen und doch hungern wir auf eine ganz bestimmte Art & Weise. Wir spüren, dass Geld nicht alles ist und trotzdem rennen wir wie im Hamsterrad rundherum. Wir gehen zum Psychiater, bezahlen viel Geld für Survivalerlebnisse oder kaufen uns das neue Buch vom Dalai Lama. Aber so leben wie ein Mönch? Wohl kaum, ich muss morgen ja wieder ins Büro.

    Das ist wohl der große Preis, den wir hier für unseren “Wohlstand” zahlen müssen. Eine reine Verdinglichung, ein rein materielles Dasein in einer reichen und doch so überaus verarmten Welt. Denn je reicher wir werden, desto nörgeliger, geiziger und unzufriedener werden wir. Diejenigen, die nichts haben, die sind meist sehr viel glücklicher im Leben, auch wenn wir das natürlich niemals zugeben würden. Denn sie haben ja keine Superstores, keine Cocktailbars oder einen iPod.

    Das Glück kommt immer von “innen”, nie von “außen”. Geld ist “außen”. Spaß an der Arbeit (Flow) ist zum Beispiel “innen”. Das Gefühl Vater zu sein ist “innen” (ich war noch nie glücklicher). Gute Gespräche sind “innen”. Verliebtheit ist “innen” usw. Materielle Dinge sind zum Ersatz für “innen” geworden. Wir verknüpfen ein gutes Gefühl im Spot mit einem Ding. Wenn wir es kaufen ist das gute Gefühl meist sofort verschwunden. Dann müssen wir das nächste kaufen um wieder das Gefühl zu bekommen.

    Wer mal kurz ausklinken will, es gibt da einen ganz guten Trick. Stell dir vor, du stirbst morgen (ja wir werden alle sterben, stellt euch vor, es gibt keine Ausnahmen und das ist einer der wenigen offensichtlichen Dinge die wir mit allen anderen Lebewesen teilen). Das normalerweise im Mittelpunkt stehende Geld wird plötzlich sowas von unwichtig.

    Oder vielleicht (um beim Punk zu bleiben) zitiere ich mal Rocko Schamoni:
    “Geld ist eine Droge
    und Ihr seid alle drauf.
    ich kann es Euch ja sagen,
    ich bin es manchmal auch.

    Die Stadt ist voller Dealer,
    sie stehen überall.
    Man kann sie leicht erkennen,
    sie wirken so normal.

    Und niemand kommt hier lebend raus.
    Und niemand kommt hier lebend raus.

    Reichtum heißt der Glaube,
    und Geld ist Euer Gott.
    Millionen wollen Millionen,
    ich erkläre den Bankrott.

    Die Stadt ist voller Priester,
    im Rathaus und in der Bank.
    Im Fernsehen läuft die Predigt
    und macht uns alle krank.

    Und niemand kommt hier lebend raus.
    Und niemand kommt hier lebend raus.”

    Wir sind hier eben alle drin und jeder spielt das Spiel auf seine Weise. Und ich weiß genau, wenn wir es schaffen würden endlich von innen heraus glücklicher zu werden, dann spielt das Geld eine ganz andere Rolle in unserem Leben, es wird schon noch da sein, aber es wird uns nicht mehr so intensiv einnehmen. Ich sage nicht, dass wir das Geld abschaffen müssen, ich sage nur, dass wir endlich Wege finden müssen unser wahres Glück wiederzuentdecken und einfach mal damit beginnen einen Gang runterzuschalten. Wir fahren viel zu lange auf Kosten anderer und auch auf Kosten von uns selbst im roten Bereich. Das letzte Hemd hat nunmal keine Taschen.

    Doch so eine “Entgiftung” kann nur langsam geschehen, sonst erlebt man den Schrecken des kalten Entzuges. Zu viele haben Angst davor und gehen daher entweder in den Kampf- oder Fluchtmodus.

    So das war aber jetzt wirklich das Wort zum Sonntag. Ich geh jetzt mal in mich und freu mich auf den morgigen Flohmarktbesuch mit meiner kleinen Familie. Oh nein, schon wieder kaufen… ;-)

  22. Patrick Breitenbach

    Kleiner Nachtrag. Das Glück kommt von innen nicht von außen ist natürlich nicht meine erfundene Weisheit. Ich habe sie von meinem heimlichen Mentor: youtube.com/watch?v=...

    Meditation ist sicherlich ein Weg des Glücks, aber nur wenn man dem gegenüber aufgeschlossen ist. Wenn man das für okkulten Humbug hält, Finger weg. Es gibt auch noch andere Wege.

  23. lokalreporter

    das problem mit dem bloggen ist seine immanente intelligenz! versucht mich jemand mit informationsmassen zu beeindrucken, blende ich ab. wirklich sinnvoll finde ich das weiterleiten selektiver informationen. meinungsdiskussionen unter seinesgleichen, sind selten ermüdend, und auch nicht überbordend textlastig.

  24. Vroni

    @ Patrick

    “Der Preis eines kapitalistischen Systems ist nunmal die Ausrichtung des Denkens, Fühlens und Handelns auf kommerzielle Themen.”

    Das war ein perfekter Glaubenssatz von dir, aber hat nicht viel damit zu tun, was gerade abgeht.
    Binse! Mem-Ansammlung! (verräterisch: “nunmal”)

    Derzeit geht die Einvernahme des Privaten, des ganzen menschlichen Denkens und Vergiftung der Beziehungen ab in der Sprache, hin zur kompletten Verökonomisierung der – ganzen! – Existenz.

    Das war in seiner ganzen unmenschlichen Art um die letzte Jahrhundertwende (Frühindustrialisierung) so, als die Menschen 16 Stunden schuften mussten und keine Zeit hatten für sich und ihre Familie/Freunde. Jetzt sind wir wieder soweit, nur anders, mit dem Unterschied, dass nach außen alles easy aussieht, innen alles verrottet ist. Der Einzige, der Zeit für andere hat, ist heutzutage der Arbeitslose und der wird dafür verachtet. Auch sicher dafür, dass er nicht clever genug ist, sofort irgendeine Hirnrissidee (aka Copycat-Internet-Startup, Geld-Bloggen, Adical, Trigami) in Geld zu verwandeln oder mit noch windigeren Dingen andere schlicht zu bescheißen (AAL). Perfide. Über diese Veränderung im Geist der Menschen solltest du mal bloggen anstatt alles in rosa Konstrux-Wolken zu hüllen.

    Beziehungen werden nur auf Nutzbarkeit hin geführt, Zeit für Sachen zu haben, die nicht pekuniär umsetzbar sind und nicht den Status eines elitären Hobbys haben (das ginge noch^^), wird belächelt.

    Wundert mich, dass du dies leugnest, bist doch psychologisch/soziologisch halbwegs auf dem laufenden.

    Da ist eine Veränderung zu früher wahrnehmbar, die nicht mehr hinnehmbar ist. Selbst wenn man geneigt ist, generell “kapitalistische Systeme” zu akzeptieren. Und jetzt komm mir bitte nicht mit “es gibt keine Realität”. Das Ding mit dem radikalen Konstruktivismus ist etwas in die Jahre gekommen, er war historisch mal eine Reaktion auf den “naiven Realismus”.

    “Daher verachten wir auch Spiritualität (die nicht vom Kommerz durchdrungen ist wie z.B. eine Religionsgemeinschaft, die Steuern einkassiert), “rückständige” Kulturen und Naturvölker.”

    Kann ich nicht feststellen.
    Komme manchmal mit dieser Argumentation nicht mehr mit.

    Es geht doch hier um die “Macht” von Blogs und um die Kommerzialisierungsfrage, die sich daraus ergibt. Und dass Werbegeld und wieviel und wo nur eine Patrick’sche Frage der Giftdosis sei.

    Und ich sage dazu, dass das nicht – mehr – stimmt, denn was giftig ist oder nicht wird nicht nur allein von der gegebenen Dosis bestimmt, sondern noch viel stärker davon, in welcher Verfassung das “bedoste” Wesen ist. Die Verfassung vieler bedoster Wesen in der Jetzt-Zeit ist einfach: es reicht.

    Zurück zu der von dir beobachteten “Verachtung” von Spiritualität:

    Im Gegenteil, es gibt immer mehr Suche, religiöse Suche. Als Gegenreaktion eben auf den kommerziellen Dreck. Die traditionellen Kirchen Ds bieten dummerweise keinen Diskurs darüber an. Warum auch, sie ziehen ihr Geld über das Finanzamt ein und profitieren vom System…

    Die Suche nach Sinn findet stärker denn je statt, sie wird nicht verachtet. Über den Kult um den Dalai Lama und über die vielen unglaublichen philosophisch-spirituellen Threads im Business-Xing kann man zwar den Kopf schütteln, aber es ist ein Indikator, dass Spiritualität diese “Geschäfts”-Menschen mehr beschäftigt als “gute” Werbung oder ein schickes Auto in den feuchten Phantasien der Werber es jemals könnte. Und in Xing lacht kein Mensch darüber, die outen sich und reden ganz offen.

    Spiritualität findet nur auf ganz anderem Terrain statt als es den Kirchen oder kommerziellen Religionsführern passt. Ernstgemeint, mal weniger ernst, mal kitschig als hilflose Pop-Selbermacher-Esoterik (über die darf man schon ab bissi grinsen, aber nicht zu sehr.) Manchmal fallen sie naiv auf Kommerz rein, aber es ist nicht ihre Absicht.

    “Rückständige” Kulturen sind verachtet, sondern oft die Sehnsucht des industriell geplagten Menschen, sie werden als ursprünglich verehrt und die Menschen darin als authentisch und in sich rund. Das Auswandern nach Shangri La, oder zumindest Italien, Griechenland oder Goa:-) ihr naiver Traum. Vielen stinkt ihr kompromisslerisches Leben, das sie hier führen, verachten tun sie höchstens sich selbst. Sie führen ein Schizzo-Leben, das sich ab und an in einem zynischen coolen Spruch äußert, wenn ihnen gefühlsmäßig was zu sehr an die Nieren geht.

    Was man fast als rückständige Kultur bezeichnen möchte, ist die Westens, der die kommerziell induzierte Beschleuingung, das Raffen und das über andere drüber weg gehen in einer Art Brain Wash schon als selbstverständlich verinnerlicht hat, obwohl es sie krankmacht – aber sie wie ein kleines Kind wimmern, wenn es ihnen mal dreckig deswegen geht weil sie ihre Mitte verloren haben. Dann muss ein mongolischer oder afrikanischer Schamane schnell helfen. Verachtet werden letztere nicht, höchstens halt als Vademedum missbraucht.

  25. Vroni

    Korrektur, soll heißen:
    “Rückständige Kulturen sind nicht verachtet, …

  26. Patrick Breitenbach

    @Vroni:

    “Derzeit geht die Einvernahme des Privaten, des ganzen menschlichen Denkens und Vergiftung der Beziehungen ab in der Sprache, hin zur kompletten Verökonomisierung der – ganzen! – Existenz”

    Die gleiche Aussage wie von mir nur eben negativer formuliert. Du wirst die Menschen nicht durch das permanente Aufzeigen des Schlechten zu einer Änderung aus sich selbst heraus bringen. Du musst Menschen Perspektiven geben, Alternativen, für die sie sich realistisch entscheiden können. Zu sagen alles ist schlecht, alles ist scheisse, tendiert stark zu “Es ist halt so!”, weil einfach kein “machen wir es also lieber so” folgt.

    “Über diese Veränderung im Geist der Menschen solltest du mal bloggen anstatt alles in rosa Konstrux-Wolken zu hüllen.”

    Ich blogge lieber über eine mögliche zukünfige Veränderung des Geistes. Manchmal blogge ich auch über Misstsände. In erster Linie blogge ich aus meiner Wirklichkeit heraus. Und wenn du noch so oft betonst, der radikale Konstruktivismus sei zeitlich überholt, es wird nicht meine Einstellung ändern. Die katholische Kirche ist teilweise auch zeitlich überholt und dennoch fordere ich die Menschen nicht dazu auf, aus ihr auszutreten.

    Veränderung geht nur von innen. Auch das ist ein wichtiger Ansatz des Konstruktivismus. Ich fürchte du dampfst diese Denkrichtung auch zu sehr ins reine “Dekonstruieren der Wirklichkeit” ein, mir geht es aber um die “Konstruktion einer glücklicheren Wirklichkeit”.

    Was nützt es dauernd aufzuzeigen, wie schlecht es den Leuten geht, dass sie keine Zeit für die Familie haben etc. Das wissen die schon selbst. Dadurch steigert man das schlechte GEwissen und die Menschen ziehen sich weiter zurück (vgl. mit Depression) Man muss doch gerade deshalb Wege aufzählen, wie man mehr Zeit hat, wie man besse zurechtkommt in dieser Welt. Das was du beschreibst ist wieder “der gute alte Punk”. Erstmal alles kaupttmachen, aufzählen was scheisse ist. Aber wo ist der konstruktive Ansatz es besser zu machen? Man muss den Menschen Lösungen bieten (das ist der Grund warum Religion & Co so beliebt sind)

    Zur Spiritualität: Sehe ich auch so, habe ich auch so gemeint. Allerdings tendiert die Masse zu Spiritualität, die eben fest in der Kultur verankert ist. Alles andere wird angefeindet (Islam, Sekten, Okkultismus, New Age, Esoterik) Gerade letzteres ist stark im Kommen wird aber dennoch in der Gesellschaft mit Naserümpfen betrachte. Also auch wieder ein blockierendes Mem: Esoterik ist Humbug. Sekten sind böse. Islam ist Terror und und.

    Und du hast Recht die Diskussion ist vom Thema abgeglitten.

  27. lokalreporter

    @vroni -> @patrick -> @vroni -> @ patrick -> @birkenbihl -> @esoterik -> @mir-kann-keiner -> @ich-meiner-mir-mich -> @ich-bild-mir-meine-meinung!

  28. Patrick Breitenbach

    Aha. Schön. Etwa beleidigt wiel niemand @lokalreporter geschrieben hat? :-)

  29. lokalreporter

    ja, amüsiert! weil so absichtlich nicht geschehen ))

  30. Vroni

    “…Esoterik) Gerade letzteres ist stark im Kommen wird aber dennoch in der Gesellschaft mit Naserümpfen betrachte.”

    Nicht von DER Gesellschaft. Das kommt dir vieleicht so vor, weil du in einer Werberbubble lebst(?)
    Werber tun das gern zynisch ab, das normale Bürovolk ist mehrheitlich soft-eso unterwegs. Noch nie diese massenhaft verschickten Erbauungs-Powerpoints gekriegt mit Sonnenuntergang-Slideshows und buddhistisch anmutenden Sprüchen?

    Aer nu is gut, der Lokalreporter meutert und babbelt meta.

  31. lokalreporter

    meta-babbler gefällt mir, meuterei auf der vroni, klingt schon wieder nicht so doll ,-)

  32. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Achso du bist nicht in der Bubble? :-)

    Die Powerpoint-Dinger sind mir durchaus bekannt auch der Drang nach Spiritualität (habe ich auch dauernd hier vermerkt) Nur wenn plötzlich das Wort “Esoterik” fällt (was ja eigentlich nur bedeutet, dass man sich nach innen wenden soll) dann klingeln bei vielen die Alarmglocken. Nicht zuletzt arbeiten da die Kirchen wunderbar mit daran. Also auch außerhalb meiner und deiner Bubble nehme ich in Mehrheit wahr, dass die Menschen entweder gar nix mit diesen Themen anfangen können (die klassischen RTL-Gucker) oder die bis zu einem gewissen Grad sich darauf einlassen können.

    Falls nicht, umso besser. Der Trend zur Spiritualität ist auf alle Fälle vorhanden. Das habe ich aber nie bezweifelt.

    Fine.

  33. Vroni

    Nein, ich bin nicht in der Bubble.
    Ich halte mich sogar bewusst von typischen Werbern fern. Zum Teil, weil sie mir wirklich auf die Eierstöcke gehen…
    :-)

    Was den anderen Kram angeht. Das wollte ich sagen, anscheinend kam es nicht rüber: Die Leute sind im hohen Maße schizzo, tough rumreden, aber im stillen Kämmerlein die Räucherstäbchen haben.

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