26.09.07
15:52 Uhr

NGO-Werbung: Außen hui und Innen pfui?

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Es gibt Werbung, die ist so oder so unterstützenswert. Es ist ja nicht so, als ob die Werber ein Volk von dressierten Markenaffen wäre mit entsprechenden lobotomierten Gehirnpartien, die für das soziale Denken und Handeln zuständig sind. Nein, viele Mitarbeiter in der Werbebranche sind tatsächlich an einer sozialen Verantwortung interessiert, auch wenn ihnen sofort ein „Greenwashing“ unterstellt wird. Aber ist es nicht einfach nur wichtig, dass etwas getan wird, zunächst einmal völlig wertfrei betrachtet und ohne mögliche Hintergedanken? Soziale Verantwortung kann ein Unternehmen sowieso nicht reinwaschen, der Dreck kommt immer wieder durch, solange die eigentliche Einstellung dahinter nicht maßgeblich und ernsthaft mitverändert wird.

Lange Rede kurzer Sinn. NGO oder allgemein Non-Profit-Organisationen sind auf die Leistungen von großen (und kleinen) Agenturen angewiesen. Kommunikation ist die treibende Kraft, um am Ende Unterstützung und Spendengelder einzusammeln. Also geht es wie bei jeder werblichen Kommunikation letztendlich nur um das „Verkaufen“. Das ist okay und solange „money makes the world go round“ gilt, ist es ein nicht veränderbarer Faktor. Daher sollten auch NGOs wirklich ein Augenmerk auf die Gestaltung der Kommunikation legen. Es geht natürlich auch darum, Menschen auf ein Thema zu sensibilisieren, aber der zweite Schritt ist die Menschen zum Handeln zu bewegen. Keine leichte Aufgabe, wenn man das Thema wirklich ernsthaft angehen möchte. Das große Problem bei der ganzen Sache ist die teils sehr fragmentierte kommunikative Arbeitsweise. Klar können Agenturen mal zwischendrin eine Plakatkampagne pro bono abliefern, aber eine umfassende und konzentrierte Markenführung ist in den seltensten Fällen drin. So wie dieses Beispiel sehr anschaulich beweist:

Kamitei

Die Plakatkampagne ist bombig, sie spricht an, sensibilisiert und schafft Neugier, sich intensiver mit dem Thema zu befassen. (Gute Arbeit bis dahin von BBDO Stuttgart) Doch nun passiert ein ganz entscheidender Fehler. Wenn ich weitere Informationen über die Organsiation haben möchte, gelange ich zu dieser unendlich grottigen Website:

Kamitei

Und ab hier vollzieht sich der grobe Stil- und Kommunikationsbruch. Die Motive vermitteln mir das Gefühl von Seriösität, Größe, Relevanz und Sinnhaftigkeit und die wahrscheinlich mal schnell dahingerotzte Website erweckt bei mir den Eindruck von Zwielicht, Sperrigkeit und Unseriösität. Nichts gegen die Organisation. Ich weiß, wie leicht man der Versuchung erliegt, die Website mal schnell beim Neffen des Kassenwartes machen zu lassen. Viel schlimmer finde ich, dass die Agentur ihre Plakatmotive abliefert, ohne den Rest der Kommunikation zu hinterfragen. Es geht um die Themen Bildung, Wissen und Informationen. Da kann man doch nicht eine so schlecht strukturierte und kommunizierte Informationsplattform präsentieren. Sehr schade. Denn die anziehende Wirkung der Plakatkampagne verpufft innerhalb von einer Sekunde nach dem Seitenaufbau.

Daher finde ich es umso wichtiger, wenn wir demnächst das NGO-Camp (Barcamp für NGOs) ins Rollen bringen. Genau um solche Aufgabenstellungen soll es nämlich auch gehen. Wie kann man die Kommunikation im Internet stärker vernetzen und optimieren?! Welche Ansprechpartner gibt es dazu?! Wenn jemand aus Berlin mitliest und das Thema spannend findet, bitte bei uns melden. Wir brauchen noch dringend jemanden vor Ort, der uns hilft das NGO-Camp zu realisieren. Danke.

14 Kommentare

  1. Vroni

    Ich tipp mal ganz vordergründig darauf: Ab hier gab es kein Geld (vom Kunden)mehr.

    Ich kenn‘ das auch selber. Für manche wichtige Maßnahme fehlt auf Kundenseite Bewusstsein und/oder Geld. Bei Non-Profit-Organisationen gehe ich mal von letzterem aus, weil ich auch schon für welche gearbeitet habe (die mit der verknoteten Pistole).

    Viel Agenturen „benutzen“ Non-Profits, um sich einfach selber gut darzustellen, basta (indirekte Eigenwerbung). Gibt ja naturgemäß kein Riesen-Revenue auf sowas. Muss sich aber trotzdem lohnen^^.

    Optische Kritik: Ethno-Schick, Merian-Ästhetik
    (Über den Text red ich jetzt nicht.)

    Um auf das hier gezeigte Motiv zu kommen:
    Optisch einen Hauch zu viel Ethno-Schick für diese Art der Botschaft, die transportiert werden soll. Ein typisches Grafiker-Motiv, das hach den Art Direktoren gefällt *duck* (war ja selber einer und immer hinter dem Schönen, Megaschicken, Wahren und Gute her). Wie war das aber mit dem Angler und dem Wurm…

  2. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Sicherlich „Ethnoschick“, wobei das doch gerade auch im breiten Publikum Resonanz finden kann, oder?

  3. Patrick Breitenbach

    Wenn ich Budget verwalten könnte, würfde ich erst in den Netzauftritt investieren und dann in Plakate. Das eine zumindestens nicht ohne das andere, zumal die Website sicherlich globale Hauptanlaufstelle zum Engagieren ist.

  4. Vroni

    Resonanz bei denen, die Afrika am liebsten mit der Schönheitsbrille sehen. Afrikakenntnisse? Daktari-Diplom (schielender Löwe…)und Hochglanz-Bildungsbürgergazetten. Je länger ich mich mit Afrika beschäftige, umso mehr regt mich dieses vorgestrige koloniale Ethno-Zeugs auf. A bissi verlogen. So wird das nix mit dem Verständnis für diesen Kontinent.

    OT:
    Massai sind beliebtes Kamera- und Augenfutter. Passt aber hier dreimal nicht. Es geht, soviel ich gelesen habe, der Organisation um die Bildung von Kindern aus Tanzania .

    Beim Rest geb ich dir Recht. Für einen durchdachten und vernetzten Intenetauftritt (isja langweilig…) kriegt man halt nicht so schnell einen ADC-Nagel.

  5. Vroni

    Tanzania (Wiki):

    21 Prozent der Gesamtbevölkerung Sukuma und Nyamwezi, 9 Prozent Suaheli, 7 Prozent Hehe und Bena, 6 Prozent Haya, 6 Prozent Makonde, 2 Prozent Massai.

  6. werbetroll

    keine agentur der welt bekommt für sowas geld. BBDO reicht das ein und kriegt die preise dafür.

  7. Vroni

    So hart wollt ich’s halt nicht sagen.

  8. Reinhard Buschmann

    Manche NGOs sind sogar schon einen Schritt weiter. Zum goldenen Hirschen hat zum Beispiel gerade Ärzte ohne Grenzen gewonnen. In einem Verfahren, dass ich bei NGOs noch nie erlebt habe:

    1. Ärzte ohne Grenzen sichtet eine ganze Menge Agenturen nach ihren bisherigen Arbeiten, ihren aktuellen Kunden und ihrem kreativen Ouptput.

    2. Die Oberärzte treffen sich mit den Geschäftsführern von- ich schätze mal – 5 bis 10 Agenturen.

    3. Die Entscheider bei Ärzte ohne Grenzen schließlich, lernen die Kreativen von 2-3 Agenturen kennen. Wollen wirklich die Leute treffen, die dann für Sie arbeiten.

    Und dann diskutierenn die Ärzte untereinander. Nach 2 Stunden Interview und einem Tag Bedenkzeit schließlich die Entscheidung: Ja zum Hirschen.

    Danach erst Briefing, Kreation, Ideen entwickeln, präsentieren, fein justieren, auswählen etc.
    Und ja, die Ärzte zahlen auch. Sicher macht das niemand reich. Aber es macht die NGO auch nicht zur Medallienkuh, die sich gefälligst zu freuen hat, dass eine Agentur kreative Ideen für ihr Non-Profit-Projekt entwickelt hat.
    Klar, die Kampagne ist nicht auf Löwen gestrickt. Die Fotos werden nicht von den selben Leuten gemacht wie die nächste Vogue. Aber es wird eine Kampagne geben, die Ärzte ohne Grenzen wirklich hilft – und trotzdem unseren kreativen Anspruch erfüllt.

    Ganz nebenbei: So arbeitet man dann auf einer Augenhöhe und zusammen mit dem NGO, das macht auch den Kreativen mehr Spaß, als Gold-Ideen ausbrüten, die nur Werberkarrieren helfen und keinem Menschen in Not.

    PS: Barcamp für NGOs – sehr gute Idee!

  9. doctor_best

    einer meiner Stammgäste hat mich soeben auf eine andere interessante Frage aufmerksam gemacht:

    WARUM TRAGEN DIE ALLE DIESE DICKEN UHREN?

    Wehrte Patienten, seht bitte einmal auf die Kampagnenseite und Euch die Motive in groß an – entweder gehts denen gar nicht so schlecht, oder Wempe, Rolex, what so ever hat das Shooting gezahlt.

    MfG
    doctor_best

  10. Patrick Breitenbach

    @doctor_best:

    1. Gut dass du dich meldest, so kann ich dich gleich wieder in meinem abgestürzten Feedreader aufnehmen.

    2. Angeblich soll das ja den Modernisierungsdruck ausdrücken! :-)
    page-online.de/page/...

  11. doctor_best

    @Patrick Breitenbach

    Danke! Das war der dritte Anstoß heute – die Praxis wird wiedereröffnet. Punkt. Und ich diagnostiziere jetzt mal den 1.11. als Final-Release-Date. Das ist ein Donnerstag. Also wie im Kino.

  12. Action Branding | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Action Branding

    […] ziele Werbung ja letztlich immer auf das Portemonnaie des Verbrauchers. Übrigens auch bei NGO-Werbung, dann eben mit entsprechenden Spendenaufrufen oder geldwerten Eigenaktivitäten. Die […]

  13. sebastian

    @Patrick. NGO Camp, gerne. Bin in Berlin, lass uns gerne einmal Mailen und so etwas vorantreiben.

  14. “Like, Poor Wayne Here”: Spendenkampagnen und die Wirtschaftskrise | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » “Like, Poor Wayne Here”: Spendenkampagnen und die Wirtschaftskrise

    […] letzteres schrieb Patrick schon vor einer ganzen Weile hier und über ersteres in einem Beitrag über betterplace.org hier. Mit betterplace.org kam ich […]

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