14:44 Uhr
Was sind Meme? Was ist Memetik?
Das Thema Memetik ist gerade für Kommunikations- und Medienwissenschaftler hochspannend, da es erstmals ein Modell gibt, das uns helfen kann uns als Menschen besser wahrzunehmen, zu verstehen und somit auch die zwischenmenschliche Kommunikation entsprechend optimaler zu gestalten. Damit zusammenhängend hat der Mensch auch die Möglichkeit sein Denken neu auszurichten, es somit zu “evolutionieren” und damit auch Kreativität und Denkfortschritt zu ermöglichen. Doch eins nach dem anderen. Was sind überhaupt “Meme”?
Der Begriff wurde ursprünglich vom britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins geprägt. Witzigerweise ist Dawkins nicht nur thematisch und beruflich, sondern auch sehr phonetisch nahe am großen Evolutionstheoretiker Darwin dran, so dass es nicht weiter verwundert, dass das “Mem” auch phonetisch sehr nahe am Begriff “Gen” liegt.
Ein Mem ist laut Dawkins nichts anderes als eine replizierbare Informationseinheit (Melodie, Gedanke, Meinung, Weltanschauung, Trends, Tags) die von Mensch zu Mensch (wenn wir beim Menschen bleiben) übertragen wird und übergeordnet maßgeblich unser kulturelles Zusammenleben formt und regelt. Vielleicht hilft dieses Schaubild weiter:

Im Gegensatz zur Genetik spielt sich Memetik nicht minder eindrucksvoll und lebensbeinflussend in der Kopfwelt ab. Unser Bewusstsein ist aus Memen zusammengesetzt. Meme, die uns sagen ob wir jetzt ausflippen, lachen, weinen oder wie auch immer mit unserer Umwelt interagieren sollen. Meme oder Memplexe (also die Kombination aus mehreren Memen, wie zum Beispiel eine Religion, Philosophie oder wissenschaftliche Strömung) definieren unser Bewusstsein.
Meme können sowohl unser Bewusstsein einengen (“Das war schon immer so.” oder “Kann man halt nix machen” oder “Alle Werber sind Lügner”), d.h. Vorurteile bilden, die unser Denken uns Handeln entsprechend blockieren. (Wenn wir Personengruppen allgemein als doof einstufen, werden wir sie meiden, uns nicht mit ihnen austauschen und somit uns selbst neue Meme, also Informationen verwehren). Meme können aber unser Bewusstsein auch erweitern, in dem wir den Mempool entsprechend vergrößern und Tabus, Vorurteile, Konditionierungen etc. entsprechend aus dem Weg gehen oder sie bewusst aushebeln, um unseren Input und damit gleichzeitig unseren kreativen Output zu steigern.
Die Genetik war evolutionstheoretisch bis vor kurzem treibende Kraft in der Entwicklung des Menschen. Heute, da wir die Genetik nahezu entschlüsselt haben, tritt eine neue evolutionäre Einheit auf den Plan. Gene lassen sich ausschließlich unter zwei fruchtbaren Geschlechtern austauschen, meist nur in sehr begrenzter Form. Im Gegensatz dazu lassen sich Meme – gerade im Zeitalter der digitalen Informationsvernetzung – geschlechter- und fruchtbarkeitsunabhängig sehr breit streuen und somit replizieren. Das Bewusstsein hat sich also ein Stück weit von der reinen sterblichen (genetischen) Hülle losgelöst und somit haben die Ideen oder Meme von Menschen die einmalige Chance unsterblich zu werden (solange sie fleissig weiter repliziert werden).
Heute kann also auch ein abstraktes Konstrukt, ein “Medium”, eine Art Superbewusstsein, Meme in die Welt tragen. Meist begnügt sich ein Medium auf die reine Replikation vorhandener Meme. So kann beispielsweise das Mem “Klimaschutz” aus dem Munde von Frau Merkel per Kommuniaktion blitzschnell in unsere Köpfe und rund um wie Welt getragen werden. Doch nicht nur die Verbreitung der Information ist entscheidend, viel spannender ist die Wirkung, die es auslöst. Das Mem “Klimaschutz” kann nämlich auch eine explizite Denkens- und Verhaltensänderung bewirken. Das ist sehr interessant.
In meinem Schaubild habe ich die “Gene” als die Hardware des Menschen bezeichnet. Darin wird alles biologische festgelegt (Haut- und Haarfarbe, Figur, Gesundheit, Alterung usw.) was natürlich auch teilweise Auswirkungen auf die Software, also die Meme hat. Wenn die Hardware nicht richtig konfiguriert ist, kann die Software eben nur halbe Arbeit verrichten. Damit meine ich natürlich nicht Äußerlichkeiten wie Hautfarbe (also Gehäusefarbe), die zur eigentlichen Leistung der Hardware nichts beiträgt, sondern ich spreche von den inneren Organen wie Gehirn (CPU, Memory etc.) und Sinnesorganen (Peripherie). Funktionierende Hardware ist also Voraussetzung für die optimale Funktion der Software. Wer krank ist oder einen Gehirnschaden erleidet, kann eben schlechter oder mühsamer denken.
Meme und Gene interagieren bzw. sind miteinander eng verknüpft. So kann ein Mem einen Organismus krank oder auch gesund machen (Placebo, psychosomatische Krankheiten etc.) und ein Gen kann wiederum Einfluss auf die Meme haben (Rassismus, Behinderung, Geschlechterkampf etc.).
Was finde ich so spannend an der Thematik?
Nun, mit dieser Methode lerne ich nicht nur Meme bewusster zu erkennen und somit mein Denken ein Stück weit mehr zu befreien (hilft unheimlich bei der Kreativitätsförderung) und somit Zusammenhänge besser analysieren zu können, es hilft mir auch die zwischenmenschliche Kommunikation ein Stück weit besser zu verstehen. Wenn ich weiß, “AHA, der hat einen anderen Mempool als ich”, so kann ich mich in Dialogen entsprechend darauf einstellen und meine Kommunikation bewusster danach ausrichten und insgesamt ein harmonischeres Zusammenleben gestalten.
Jeder von uns lebt in seiner eigen von ihm geschaffenen Wirklichkeit. Die Memetik hilft uns nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Gegenüber viel besser zu verstehen. Für mich jedenfalls ein Grund, weiterhin in diese Richtung zu “forschen”.
Zum Abschluss noch einige Meme und ihre Zuordnung in Blocker, Booster oder Memparadox (also eine doppeldeutige Wirkung):
“Streeeeeber!” (Blocker), “Alle Lehrer sind doof!” (Blocker), “Wissen ist macht. Nix wissen macht auch nix” (Memparadox), “Kommt Zeit , kommt Rat!” (Booster), “Sie sind der Kreative!” (Booster), “Die Polizisten befolgen nur das Gesetz!” (Blocker), “Die Grünen haben von Wirtschaft keine Ahnung!” (Blocker), “Die Schwarzen machen keine soziale Politik” (Blocker), “Die Gelben machen Politik für Unternehmer” (Memparadox), “Bullenschweine” (Blocker), “Werber sind Lügner” (Blocker), “Werbung nervt!” (Memparadox), “Geniale Idee!” (Booster) usw.
Achtet mal darauf, ob ihr mehr Blocker oder Booster begegnet. Übrigens ist dieser Beitrag wiederum ein Mem. Beurteilt doch mal, ob es euer Denken weiterhilft oder eher blockiert. Würde mich interessieren.
24 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
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Am 25. September 2007 um 15:21 Uhr
hast du nen literaturtipp?
Am 25. September 2007 um 15:36 Uhr
@Alexander: Ja, jede Menge (Achtung, Amazon-Affiliate-Links!):
amazon.de/egoistisch...
amazon.de/Vera-F-Bir...
amazon.de/Virus-Mind...
amazon.de/Macht-Meme...
Siehe auch der Wikipedia-Eintrag, da gibt es noch mehr Literatur, die kenne ich aber noch nicht.
Am 25. September 2007 um 15:38 Uhr
Wow, viel Stoff für Diskussion – soll ich dazu bei Dir mal einen Gastbeitrag schreiben :)?
Habe auch in letzter Zeit Deine Trigger-Geschichten gelesen und aus zeitmangel leider nicht kommentieren können. Leider, denn ich bin damit nicht ganz glücklich, so vom rein akademischen Standpunkt her…
Also, Lust mal dazu eine öffentliche Diskussion zu führen? Wäre sicher ein Riesenspass. Vielleicht auch als Podcast, dann muss ich nicht so viel schreiben :).
Am 25. September 2007 um 15:42 Uhr
Die Memetik ist vor allem ein Ansatz um die alte Rassentheorie neu aufkochen zu können.
duckhome.de/tb/archi...
“Nach dem Vorbild der Genetik ist die “Memetik” ein Erklärungsansatz für die Entstehung, Assoziierung, Ausbreitung oder Auflösung von “Memen”, von kulturellen Grundbausteinen also, die sich durch Nachahmung zeitlich und räumlich ausbreiten. Das Internet schafft neue Umweltbedingungen, unter denen diese Übertragungsprozesse stattfinden.
Das Referat bemüht sich darum, die Relevanz der Memetik auch für die Islamwissenschaften (und ihre philologischen Nachbargebiete) aufzuzeigen.”
Um es in der mir eigenen groben Form zu sagen. Im Gegensatz zur Genetik ist Memetik nichts anderes als eine rassistische Spinnerei. Man kann ebenso gut Schädel vermessen. Es ist Quatsch.
Am 25. September 2007 um 15:42 Uhr
@Markus Roder: Gastbeiträge gerne. Schick mir doch mal was. Podcast braucht noch ein wenig, sollten wir aber bei Gelegenheit machen.
Bin gespannt was du als “viraler Werber” dazu sagt und welche Knöpfe du bei uns drücken möchtest. ;-)
Am 25. September 2007 um 15:46 Uhr
@Jochen Hoff: Das würde ich an deiner Stelle allerdings nochmal genauer anschauen und überdenken. Der verlinkte Artikel schmeisst jede Menge durcheinander. Mit Rassismus hat das Thema Memetik nämlich überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil, mit dem memetischen Ansatz kann man ein Phänomen oder Vorurteil wie Rassimus erklären.
Oder glaubst du daran, dass Rassismus böse angeboren wurde?
Am 25. September 2007 um 15:52 Uhr
Dann schreibe ich mal was zusammen – ansonsten freue ich mich mal auf eine offene memetik-Diskussionsrunde. Ganz unrassistisch versteht sich ;).
Am 25. September 2007 um 16:06 Uhr
Rassismus ist ein Mem und zwar ein ziemlich blockierendes, wie man hier schon merkt. Es wird eine Diskussion abgeblockt, also zum Tabu gemacht, unter dem Vorwand es handele sich bei Memetik um rassistisches Gedankengut. Auch sehr interessant.
Rassismus engt ein. Rassismus beruht auf Gedanken und Vorurteilen, die vom Menschen selbst geschaffen wurden.
Am 25. September 2007 um 16:26 Uhr
Hi Patrick,
Ich teile Deine Abneigung gegen Rassismus. Aber wie Du z.B. bei Michael Shermer oder in den Werken von Boyd & Richerson zum Thema “Gruppenselektion” sehr schön nachlesen kannst, ist Rassismus auch evolutions- und neuropschologisch “vorprogrammiert”.
Unser Hirn ist danke genetischer (nicht memetischer ;) Evolution darauf optimiert, Meme zu bevorzugen, die Gruppen-Zusammenhalt und Gruppen-Kooperation fördern – das beinhaltet tolle Sachen wie Altruismus und spieltheoretisch belegbares “Tit-for-Tat-Verhalten”, aber leider auch den Ausschluss scheinbar fremder Gruppen, wie im Rassismus oder in Religionskriegen praktiziert.
Am 25. September 2007 um 16:31 Uhr
Stopp! Dadurch, dass wir eben diese Mechanismen so sachlich aufdecken (beispielsweise mit Hilfe der Memetik-Theorie), können wir uns auch von den “evolutions- und neuropschologischen Programmen” befreien. Die Umwelt ist eben nicht mehr so gegeben, dass wir diese alten Programme noch genauso benötigen wie früher.
Und wir lernen zu unterscheiden ob das Programm unser Zusammenleben fördert oder behindert. Also “fügt es Schaden zu” anstatt “böse” und fügt es keinen Schaden zu” anstatt “gut. Diesen tollen Ansatz habe ich übrigens beim Max gelesen: revolverblog.de/963....
“Deprogrammerinos!” wurde Ned Flanders sagen.
Am 25. September 2007 um 18:18 Uhr
Nee, befreien könen wir uns nicht, ode rnur sehr langsam im Laufe von Tausenden von Jahren. Denn viele neuropsychologische Programme sind hart in die “Hirnhardware” verdrahtet.
Aber mit dem kortikalen “Piloten” könne wir gegen das (unbewusst) ablaufende Programm des limbischen “Autopiloten” entgegensteuern.
Damit ergibt sich zwar statistisch immer noch eine Präferenz für das automatische Programm – aber im Einzelfall kann ein “Kooperationsmem” dann schon mal den Ausschlag für das unschädliche Programm geben. Manch ein Wissenschaftler (vgl. z.B. David Sloan Wilson) glaubt auch, dass auf diese Weise Memplexe wie “Religionen” entstanden sind… weil sie einen Gruppenselektionsvorteil gebracht haben.
Am 25. September 2007 um 18:54 Uhr
Hi,
ich finde den Beitrag sehr interessant. Ich habe mir früher mal autodidaktisch ein ähnliches Modell erdacht. Allerdings bin ich mehr von einer Person ausgegangen, die dann diese Meme (oder “Erfahrungen”, wie ich sie genannt habe) benutz, um seine Entscheidungen zu treffen. Außerdem habe ich den Memen eine Wichtigkeit zugeordnet, heißt bestimmte “Information” werden von unserem Bewusstsein oder Unterbewusstsein schneller wieder “entfernt” als andere.
Ich finde auch, dass du bei deinen Beispielen wesentliche Meme vergessen hast, die wir in der Regel als Kleinkinder machen. Beispielsweise spielt “Hinfallen Tud weh” für unser leben eine große Rolle, denn wir werden es vermeiden hinzufallen. Andere Beispiele sind: “Messer können einen verletzen”, “Hitze tud weh” aber auch “Toben macht spaß” => Sport, “Es macht Spaß Dinge zu entdecken” …
Am 25. September 2007 um 21:17 Uhr
Sehr interessant. Werd ich mich auch nochmal vertiefen. Aber vor allem muss ich loswerden, dass der Name “Dawkins” nicht nur an “Darwin” recht nahe dran ist sondern auch am Wissenschaftlerkollegen “Hawkin”. Eigentlich eine Mischung, um genau zu sein! :)
Am 25. September 2007 um 21:19 Uhr
“Hawking” war natürlich gemeint.
Am 26. September 2007 um 08:42 Uhr
Hallo Nico,
Die von Dir genannten Beispiele sind dewegen keine “Meme”, weil man sie nicht weitergeben kann. Die Erfahrung “Hinfallen tut weh” muss jeder selbst machen ;).
Am 26. September 2007 um 08:51 Uhr
[...] btw, muss mich endlich mit Memetik auseinandersetzen, via Werbeblogger. [...]
Am 26. September 2007 um 08:56 Uhr
Nicht ganz. Meme sind da durchaus im Spiel, nämlich wenn die Umwelt auf das “Hinfallen” reagiert. Man kann als Außenstehender ein Drama daraus machen oder es entspannt trösten. Da sind dann wieder mehrere Meme im Spiel.
Nicos letzte beiden Beispiele sind definitiv Meme und klar werden wir von Kindheit an mit Memen konfrontiert. (“iieh eine Spinne”, “Bähh! Das ist ekelhaft” “Das macht man nicht!” usw.)
Erfahrungen müssen zunächst keine Meme sein.
Am 26. September 2007 um 12:10 Uhr
@Patrick Breitenbach & Markus Roder
Wenn solche Erfahrungen keine Meme sind, sie aber sehr wichtig für unsere Entwicklung sind, gehören sie dann zu einer Werteren Ebene? Ist das dann nicht ein Fehler in der Theorie?
Oder muss ich die Theorie so verstehen, dass sie nur das beschreibt, was auf uns einwirkt. Das Gene und Meme nicht als Personszugehörig betrachtet werden, sondern als dinge, die andere uns zutragen?
Am 26. September 2007 um 12:20 Uhr
Hallo Nico,
Du musst Dir bewusst sein, dass Du der Phenotyp (das “Bauresultat”) Deiner Gene (plus weiterer Umwelteinflüsse) bist. GENE sind also “personszugehörig”, aber EIGENTLICH sind Personen gen-zugehörig ;). Kann man auch in Aktion sehen: Eineiige Zwillinge z.B. sind zwei Iterationen des gleichen Gensets.
Meme hingegen sind explizit NICHT personenzugehörig – das ist ja der ganze Trick daran, dass sie übertragen werden können zwischen verschiedenen Personen und damit eine eigene (virtuelle) Entität darstellen. natürlich üben sie auf die Psyche des Wirtsorganismus dabei einen Einfluss aus bzw. BILDEN diese – zusammen mit den Instinkten, nicht-übertragbaren Erfahrungen usw.
Am 20. Mai 2008 um 08:33 Uhr
[...] gedanklich in Einklang bringen können. So gehörten eher folgende Meme zum Standardprogramm heute denkresistenter Menschen: Wissen ist Macht – nix wissen macht auch nix! [...]
Am 12. November 2008 um 00:10 Uhr
[...] ist geil” ist wohl einer der fatalsten Meme unserer Gegenwart. Dicht gefolgt vom “Zeit ist Geld”-Mem. Wo Geiz ist, kann auch die [...]
Am 30. März 2009 um 17:01 Uhr
Hier werden “Meme” als “geistige Viren” bezeichnet:
i-bux.com/Geistige_V...
Und das sind ja wohl auch.
Gruss
Benno
Am 30. März 2009 um 19:59 Uhr
Hallo Benno,
Dein Link ist leider eine klassische Fehldarstellung memetischer Theorien – in esoterisch verbrämter Form ;). Ich empfehle dringend die Lektüre des Buches “The Meme Machine” von Dr. Susan Blackmore, ironischerweise im linken Seitenbereich in der deutschen Version beworben. Dort wird das Ganze wissenschaftlich, falsifizierbar und untermauert dargestellt.
Meme sind keineswegs geistige Viren – sondern in Form von “Memplexen” vielmehr die Bausteine unseres “Gefühl von Selbst”. Insofern ist es auch nur eingeschränkt möglich (streng betrachtet sogar gar nicht), “frei zu entscheiden”, welche wir in uns aufnehmen oder nicht. Das “entscheiden” nämlich die in unserem Gehirn bereits VORHANDENEN Meme ;).
Am 17. Juni 2011 um 08:41 Uhr
Meme, sind so etwas Ähnliches wie der verarbeit- und speicherbare „Output von Gedanken“ („Datenstrom“), ausgehend von der Eigentlichen, mitunter hoch komplexen und in den synaptischen „Verknüpfungen“ gespeicherten Information im Gehirn („Denkobjekte“). Der lineare Datenstrom ist vergleichbar mit dem linearen Strom der „Boten RNA“, allenfalls auch mit der „linearen“ (allerdings statischen) Anordnung der einzelnen Codes auf den Genen. Die hoch assoziativ, baumartig im Gehirn gespeicherte Info entspricht ungefähr der Abbildung von Objekten (bzw. deren vielen Objektkomponenten) auf Speichermedien, wie in der Informatik. Man sollte weiters eine Strukturierung der Meme gemäß ihrer Funktion in Ideologie-, Sachverhalte-, in Verhalten steuernde, in mehr oder weniger bedeutende Meme … vornehmen, so wie auch den Genen Funktionen zugeordnet werden. Bemerkenswert ist, dass „Wissenskomponenten“ übertragen werden die auf der „Empfängerseite“ Wissen (auch “Handlungswissen”)erweitern können (aber nicht müssen). Kaum eine wesentliche Wissens- (=Strukturerweiterung) durch Bildung neuer (synaptischer) Verknüpfungen im Gehirn erfolgt, wenn das Wissen bereits vorhanden ist, oder überhaupt keine „Wissensbasis“ besteht auf die aufgebaut werden könnte. Meme bzw. deren Repräsentation im Datenstrom kommen im Denkprozess zur inneren (auf „Bewusstseinsmonitoren“ (als Schaltaktivitäten bei der Parameterübergabe in „Zeitschlitzen“)) und an den Outputorganen (z.B. zur Erzeugung von Sprache) zur äußeren Abbildung. Mehr oder weniger bedeutende Meme nutzten ursprünglich als Übertragungsmedium nur Schall- oder Lichtwellen, auch eine Art von „Zeichensprache“ um von Gehirn zu Gehirn zu gelangen, dabei können sie mutieren und neuen Output erzeugen. Der „Transportstrom“ der „Memdaten“ ist abgrenzbar, nicht aber das individuell erzeugte hoch assoziativ gespeicherte Wissen. Meme nutzen als Transportmedium Papier, Radiowellen … sind replikativ und können sich extrem verbreiten. „Bewusstseinsmonitoren“ kann man sich vorstellen als oberflächenartige Schnittstellen zwischen Hirnorganen oder der Außenwelt (z.B. Netzhaut).