22:37 Uhr
Vorträge: Monolog, Dialog oder Improvisation?
Wieder etwas gelernt. Auf dem Communication Day vergangenen Donnerstag sollten wir eigentlich drei identische Vorträge zur Themenwelt “Blogging” halten bzw. wir hatten es uns so vorgenommen. Nachdem das Feedback nach zwei Vorträgen bei Nullkommanull lag (weder Fragen, Anmerkungen oder heftige Proteste; nur der Applaus am Ende – immerhin) hatten wir uns dazu entschlossen, den dritten Vortrag komplett aufzulösen und eine offene Dialogrunde zu initiieren. Natürlich war die Teilnehmerzahl zu diesem Zeitpunkt perfekt, nämlich 5-7 Leute. Daher baten wir die Anwesenden von Anfang an mit Fragen zu unserem Thema “Blogging” einzusteigen. Siehe da, es waren die konstruktivsten, tiefsten und spannendsten 60 Minuten (zuvor 30 Minuten Vortrag, der zwar auch immer etwas anders war, weil ich einfach keinen Spaß am ablesen, ablaiern oder ständigem Wiederholen habe), die ich an diesem Tag erleben durfte. Das Feedback und die Lerndichte waren gigantisch, man verabschiedete sich anschließend mit strahlendem Gesicht und dankenden Shakehands. Das Feedback war also authentisch und sehr positiv.
Wieso ist das so?
Wer keine Fragen hat, kann auf Antworten eigentlich getrost verzichten. Klassische Vorträge sind im Grunde genommen ein Glücksspiel für alle Beteiligten. Der Referent weiß in der Regel nicht, wen er vor sich sitzen hat, wie der Wissenststand der jeweiligen Teilnehmer ist und für welche speziellen Dinge er sich eigentlich wirklich interessiert und damit entsprechend aufnahmefähig ist. Er weiß auch nicht, ob der betreffende Zuhörer freiwillig hier ist um etwas zu lernen, um am Buffet zu klönen oder weil ihn sein Chef auf die Veranstaltung abkommandiert hat, obwohl es ihn gar nicht interessiert. Auf der anderen Seite wissen die Teilnehmer nur selten, was der Referent heute denn so vortragen wird und ob er dies anschaulich, leicht verständlich rüberbringt und ob er denn tatsächlich auch etwas Wertvolles und Neues zu sagen hat. Das Matching zwischen Referent und Publikum ist also in der Regel mehr als verbesserungsfähig. Nichts gegen den monologisierten Vortrag, er hat eine Daseinsberechtigung und auch so seine bequemen Vorteile. In einer offenen, spontanen Dialogrunde muss der Referent nämlich absolut tief im Thema drin sein, so dass er den Fragen überhaupt standhalten kann, oberflächliches Wissen wird dabei umgehend bestraft, allerdings bedeutet das auch für ihn (für mich jedenfalls) viel mehr Freude an der Arbeit und wiederum neue Impulse für die Zukunft, ganz einfach, weil Fragen auch neue Einblicke in das Thema bringen und man so teilweise in Echtzeit gezwungen wird, Antworten neu zu kombinieren, sie live im Web zu recherchieren und sie wieder an den Fragenden weiterzuleiten. Dazu ist das sogenannte Web 2.0 mehr als genial. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, denn man verlässt das sichere Terrain des vorgeschriebenen Manuskripts. Es ist Improvisation pur. Wer sich aber für diese Dinge interessiert und mehr erreichen will als das oben beschriebene Top-Down-Vortragsszenario, dem rate ich dringend, das einmal auszuprobieren. Habt Mut, es macht sehr viel Spaß und vor allem bringt es allen Beteiligten einen wesentlich besseren Input, denn die Teilnehmer erhalten dadurch genau die Antworten, die sie erhalten wollen. Wenn die Antworten denn auch da sind.
PS: Natürlich funktioniert sowas nicht so einfach bei einem großen Publikum, trotzdem kann man dort durch einige Kniffe versuchen, das Publikum aktiver in das Geschehen einzubinden.
Ein Kommentar
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
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Am 7. November 2007 um 07:29 Uhr
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