18.09.07
08:08 Uhr

Die Macht des Verbrauchers

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Erinnert sich noch jemand an sogenannte Pop-Up Werbung, also Hinweise, die eigenständig in einem kleinen oder größeren Fenster aufgingen, um z.B. Werbung einzublenden?! Nachdem offensichtlich immer mehr Internet-Nutzer verärgert waren über diese Form penetrant gepushter Werbung und sogenannte Pop-Up Blocker im Web kursierten, wurde diese Funktion innerhalb kürzester Zeit in alle gängigen Browser integriert. Der Markt hatte somit sein erstes Werbeformat im WEB weltweit zu Grabe getragen.
Als Nebeneffekt richtete sich natürlich auch der Entwicklungsstandard beim Webdesign darauf aus und so findet man heute kaum noch Seitenarchtekturen, die eigenständig neue Fenster öffnen wollen, unabhängig davon, ob Werbung darin gezeigt werden sollte.

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Die Entwicklung geht weiter. Einerseits haben wir Verbraucher, die immer weniger auf Werbung reagieren, ja geradezu immun werden, andererseits vollziehen sich die Abwehrversuche werbemüder Verbraucher auch proaktiv. Wer als Browser den Firefox nutzt, kann sich seit einiger Zeit ein Zusatzprogramm (Plugin) installieren, welches ziemlich effektiv und auf einen Schlag das Internet werbefrei macht. Der Entwicker sagt dazu:

„There is only one reliable way to make sure your ads aren’t blocked — make sure the users don’t want to block them.“

Plastischer kann es wohl nicht ausgedrückt werden, auch wenn die verständliche Subjektivität des Entwicklers durchschlägt. Was ist es nun für ein Gefühl, plötzlich ohne das ganze Gebimmel und Gebammel unpassender Werbeeinbettungen im Netz zu surfen?! Auch hier gibt es ein schönes Zitat von Nicolas Carr von Rough Type:

“Imagine that somebody has been yelling into your ear for so long that it’s come to seem normal. Now imagine that the person suddenly shuts up. That’s the effect of ad-blocking.”

Der Werbeblogger empfiehlt also Werbe-Blocking?! Die Frage stellt sich so gar nicht. Laut Angaben des Entwicklers sind bereits rund 2,5 Millionen Menschen mit dieser Erweiterung unterwegs und monatlich kommen rund 350.000 Nutzer hinzu. Auch hier wieder ein Zitat, welches die Entwicklung gut beschreibt:

„Adblock, and its counterpart, Filterset.G, did not come from a vacuum. They responded to demand and solved a problem.“

Die freien marktwirtschaftlichen Prinzipien finden also auch dort ihre Anwendung, wo manche sie gerne per Dekret verbieten würden. Als Werber muss uns das erheblich zu denken geben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich hier eine Entwicklung vollzieht, die mit der einleitend geschilderten Entwicklung und dem Begräbnis der Pop-Up Werbeform Parallelen zieht. Wenn es immer mehr Menschen gibt, die sich proaktiv der Werbung entziehen können, wenn diese Entwicklung sich durchaus nicht nur im Web vollzieht, sondern auch in klassischen Streumedien wie TV oder Radio, wenn also Menschen Werbung nicht mehr als eine Einladung zum Tanz empfinden sondern nur noch als Belästigung, dann ist höchste Alarmstufe angesagt. Viele der Zahlen- und Abrechnungsgerüste, nach denen heute Werbung bezahlt wird, sind dem faktischen Exitus nahe.
Die Online-Werbung und vor allem die Werbeformen müssen neu gedacht werden. Wir laden als Werbeblogger dazu ein, denn alle Versuche, über Zugangsverbote und Zwangsmaßnahmen diese Entwicklungen zu behindern, zeigen nichts anderes als die schöpferische Hilflosigkeit einer Branche, die geradezu zwanghaft mechanisch an alten Mustern festhalten will. Und Werbung braucht die Menschen vermutlich mehr, als die Menschen die Werbung brauchen, oder?

46 Kommentare

  1. burkhard

    Your welcome! Genau darüber denken wir nach und arbeiten daran: Alle fliehen vor der Werbung! Wer wünscht sich das Maß an Werbung aus dem klassischen Fernsehen in die Videowelt des Internets? Ich jedenfalls nicht. Und wenn dann technische Möglichkeiten entwickelt werden, dies zu unterdrücken – warum sollte die „andere“ Seite nicht genauso kreativ sein, wie die Werbetreibenden? Ich greife gerne diese Diskussion auf. Es gibt dazu schon formulierte Gedanken aus dem letzten Jahr, z. B. hier: einfallsreich.net/pr... . Ja, Werbung muß die Sinnfrage stellen. Sie soll tatsächlich nicht belästigen, sondern nützlich und gewünscht sein. Klingt ersteinmal widersinnig, aber ich denke wir müssen uns bei der Entwicklung diesen Fragen stellen. Also: ich stehe zur Diskussion bereit.

  2. Martin Hiegl

    Viele Werber sehen das leider nicht ein und so werden die PopUps durch Flash-Overlayer und ähnlichem ersetzt, obwohl sie inzwischen begriffen haben sollten, dass alles was im normalen Lesefluß stört auch belästigt.

  3. Patrick Breitenbach

    @Martin Hiegl: Ja, aber auch das ist ja mittlerweile zwecklos, eben weil es Anwendungen wie AdBlock gibt. Übrigens besitzt unser Gehirn auch eine Art AdBlocker.

    Die Frage lautet also, was sind die Alternativen? Gar nicht so leicht zu beantworten, wir bleiben dran und sind für jeden Impuls dankbar.

  4. Stefan

    Firefox mit Adblock Plus blockiert effektiv Google AdSense (und Flash-Overlayer und eigentlich alles andere). Die Kooperation zwischen Google und Firefox ist mir deswegen ein Stück weit unverständlich.

    Die Zukunft der Internet-Werbung? Eventuell bezahlte Blog-Beiträge? Natürlich ungekennzeichnet… ;)

  5. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Ja, Stefan. Das ist Wasser auf die Mühlen für Trigami und Co., wird doch ein Trigami Beitrag immer angezeigt, solange es nicht auch dafür einen (machbaren) Filter gibt.

  6. Johannes

    Mich hat Werbung im INet (wenn sie nicht aus Flash oder animierten Gifs bestand) nie sonderlich gestört. Da ich Opera benutze packe ich immer nur die Werbung (Server) auf die schwarze Liste, die mich entweder wirklich nervt (Sound, blinkend, Layer) oder bei der ich das Gefühl habe, meine Anonymität zu verlieren (Google).
    Udn würden sich die Werbetreibenden im Netz intelligenter anstellen, könnte man ihren Content auch nicht so leicht blocken :)

  7. Armin

    Dass Pop-up ads kaum noch benutzt werden halte ich fuer ein Geruecht. Stell mal einfach probehalber den Pop-up Blocker fuer einen oder zwei Tage ab und Du wirst ueberrascht sein wie oft da noch was kommt. Gerade die verschiedenen Nachrichtenseiten (auch und gerade serioese Seiten) knallen einen nach wie vor mit den Dingern voll. Vorzugsweise als Pop-under ganz nach hinten, hinter alle Fenster die man offen hat.

  8. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Ok. Popup Blocker abstellen. Auf die Idee bin ich schon lange nicht mehr gekommen ;-)

  9. Armin

    Na ja, freiwillig lasse ich die Dinger auch nicht ueber mich ergehen. Aber manchmal kann man sich nicht aussuchen womit man in diesem Interwebdings unterwegs ist.

    Und was man da so teilweise mitmachen muss wenn man besseres gewohnt ist…

  10. ramses101

    Bevor die „Werbeformen“ überdacht werden, schlage ich vor, sich einfach mal um die Inhalte zu kümmern. Gute Werbung ist auch und gerade im Netz erwünscht. Immer nach dem Motto: Informiere mich und/oder unterhalte mich. Aber quatsch mich nicht voll und verkauf mich nicht für blöd. Wer sich daran hält, braucht sich über neue Formen wenig Gedanken machen.

  11. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @ramses: Mit Form ist natürlich auch der Inhalt zu überdenken. Klar. Auch der Inhalt der Produkte, übrigens und die 2+2=5 Theorie.

  12. tobe

    macht der verbraucher? warum bekomme ich dann immernoch spam?

  13. Patrick Breitenbach

    @tobe: Das ist wie mit Viren. Mittlerweile eine symbiotische Beziehung zwischen Antivirenscanner und Virenprogrammierer. Beide sind existenziell voneinander abhängig. Ähnliches gilt wohl auch für Spambetreiber und Spamfilterentwickler. Und scheinbar bezahlen noch Firmen dafür richtig Asche, aus welchen Gründen auch immer (gute Verkäufer, Reiz des Verbotenen) Daher sind auch meist die Tabuthemen auch Themen von Spam: Viagra, Penis, Poker und riskante Spekulationsgeschäfte.

  14. Oliver Twardowski

    Ich persönlich bin ein großer Freund von der (relativ) neuen Fash-Werbeform, die in der oberen rechten Ecke der Websie ein PageCurl erzeugt, welches beim MouseOver aufklappt und die vollständige Werbung zeigt.

    Ich schaue bei dieser Form eigentlich immer drunter, um zu wissen um welchen Werbepartner und welches -angebot es sich handelt.
    Diese Form ist nicht zu penetrant und doch plakativ.

    Meiner Meinung nach um Welten werbewirksamer als die klassischen Pop-Ups und Overlays!

  15. Andreas

    Das „Macht der Verbraucher“ könnte sich ganz einfach und mit einem Mausklick zeigen, in dem Webseiten mit störender oder unerwünschter Werbung einfach weggeklickt und nicht mehr besucht werden. Das ist wesentlich einfacher, als sich an der technischen Aufrüstungsspirale zwischen Ad und Adblocker zu beteiligen.

    In meinem Umfeld stelle ich verstärkt die Strategie fest, Flash und Javascript komplett im Browser zu deaktivieren – schützt auch vor den besonders störenden Werbevarianten (OK, einige schlecht gemachte Websites, also solche die nur mit Javascript/Flash genutzt werden können), besuchen jene dann auch nicht mehr.

    Die Alternative (für die Werbenden die mitdenken und nicht gemäß „viel hilft viel“ handeln) kann lauten: Die Werbung soll vom Inhalt nicht ablenken, soll nicht störend sein, soll aber so sichtbar sein, dass der Besucher diese bei einem Interesse erkennen und aufrufen kann.

  16. Patrick Breitenbach

    @Andreas: Das wäre eine konsequente Handlung, aber eben nicht unbedingt alltagstauglich. Wo bekommt man denn noch Inhalte ohne Werbung? Also jetzt nicht Bücher oder sowas. Sondern im Netz. Ich spreche auch von klassischen News.

    Deinem Fazit stimme ich uneingeschränkt zu und gehe noch einen Schritt weiter. Werbung soll Nutzen haben, also unser Leben begleiten, aber eben nicht einschränken. Das ist zwar im Moment schwer vorstellbar, aber möglich.

  17. ThomasE

    Werbung, grade im Internet, muss verstärkt sinnvollen Content bieten, also relevant und interessant für den Rezipienten sein. Wie schon im Artikel erwähnt werden herkömmliche Banner sehr oft einfach ausgeblendet – vom Userhirn. Außerdem stellt die Werbung idealer Weise eine gewisse Form von Dialog her. Das Internet ist eben ein pures Kommunikationsmedium und der übliche User will nicht berieselt werden, wie im TV, sondern ist in einer aktiven Situation. Toll finde ich etwa die (beispielsweise auf Süddeutsche.de zu findenden) Minispiele einer bekannten Browserspiel-Seite, die als Microsite zum Dart-, Fußball- oder Bowlingspielen einladen.

    Das schaffen von Relevanz ist übrigens durchaus auch im Bereich von Fast Moving Consumer Goods zu realisieren. Gestern gab es auf diversen Blogs, etwa bei uns (Medienwesen.de), Kommentare zur neuen Axe Kampagne für Axe Vice.
    Dort besteht die persönliche Relevanz einfach im Entertainment-Faktor. Und, Stichwort virales Marketing, sowas empfiehlt man auch durchaus mal weiter – was ich von herkömmlicher Bannerwerbung nicht unbedingt behaupten kann.

  18. vroni

    Banner und Flimmer-Ads und das Schimpfen darüber (bringt intessanterweise immer noch Traffic wie 1998 auf Blogs und Foren, weil einfach gern geschimpft wird *duck*) interessieren doch gar nicht mehr. Will ich nur mal ablaichen hier.

    Video

    Video-Ads haben im Vergleich (zu üblichen online-Varianten) eine vergleichsweise „hohe“ Durchklickrate (4,5% gegenüber 1%). Es wird schon allein deswegen immer mehr… Videos geben. Die Bandbreiten der Nutzer werden ja auch immer besser.

    Da die meisten sich auch gern Youtube-Hokuspokus anschauen oder die SPON-Videos, wird sich kaum jemand einen Video-Blocker drauftun, der das beliebteste Video-Format Flash blockt. Isse Konflikt!

    Leute, die prinzipiell Flash und Javascript* blocken, gehören – obwohl gefühlt ein wachsende Gemeinde – in meinen Augen zu Hardcore-Usern, die keinen Spass oder aufbereitete Information (geht sehr gut mit Flash, sieh auch SPON-Flashdiagramme) mögen oder brauchen. Ich will denen nicht ihre Motivation nehmen, so vorzugehen oder sie in ihrem Tun angreifen, aber sie werden im Internet in der Minderheit bleiben. Die „Spassgemeinde“ ist laut Studien im Vormarsch.

    (Javascript haben angeblich um die 98% der User an_geschaltet)

    Meine Glaskugel-Voraussage:
    Die Zukunft geht in Richtung Video-Streaming und Video-Ads, und es bleibt spannend, ob da die Werbung inhaltlich besser/schlechter oder interessanter oder quälender wird. Und wer von den Usern sich Videoformate generell ausknipsen wird^^.

  19. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Vroni: Meinste wirklich, Banner und Flimmer Ads interessieren nicht mehr und Videos ersetzen gar die Chose in Zukunft?! Überall toben Videos und embedded ads herum?
    Klar ist: Videos sind in der Tat das Medium mit der höchsten CTR, aber das kann´s doch nicht wirklich gewesen sein…

  20. vroni

    Roland, was meine persönliche Meinung ist, steht doch gar nicht zur Debatte.^^

    Um was es dem Werbeblogger geht, habe ich schon verstanden: wirklich ansprechende Kundenansprache, kein Müll mehr. Inhalt rules. DER Konsument hat Macht.

    Man kann das natürlich auch als (verzweifelten?) Versuch sehen, den versauten Ruf der Werbung zu retten, das ehrt natürlich irgendwie. (Probier‘ ich auch ab und an, so eine Art unbezahlte Öffentlichkeitsarbeit, um das Image der Kommunikationsbranche zu retten…, aber ich versteh mich mit der Zeit immer weniger als Mutter Teresa…. Mei, bin ich heut wieder zynisch^^)

    Ich stell halt nur fest, dass an guten oder gut aufbereiteten, wirklich fesselnden Inhalten dennoch kein gesteigertes Interesse von Seiten der Anbieter und werbeteibenden Kunden bestehen wird. Solange es einfach einfacher ist, lediglich in ein technisch anderes, leicht erfolgreicheres Format zu wechseln, anstatt auf eine idealistischere Schiene einzuschwenken (Müsste man ja auch mehr und bessere Grafiker, Texter und Drehbuchschreiber beschäftigen, nene..). So ist der Mensch: immer der einfachste Mittelweg :-)

    Und lieber Internet-User:
    Was hast du erwartet? Das da? „Wasch mir den Pelz und mach mich nicht nass“? (Übersetzt: „Ich will – bis auf den leider noch unverzichtbaren Billigprovider – kostenlos ins Internet und supergute Inhalte haben, aber auch keinen Cent dafür bezahlen!“) Geht halt auch nicht. Das muss jedem trotz aller Infobrühe verschwommenem Gehirn klar sein: Wat nix kost, dat is auch nix.
    :-)

    Just my 2 Cents

  21. tobe

    @patrick: ok, also wir verbraucher, wollen in wahrheit spam bekommen?

    @oliver: finde das pagepeel auch gelungen. meine experimente auf meinem alten blog beweisen auch eine hohe CTR. allerdings kaum leads :-/

  22. ThomasE

    Kurzfristig gedacht mögen ja Videoads durchaus eine gute Möglichkeit darstellen um eine überdurchschnittliche Resonanz zu bekommen. Aber wenn erstmal an jeder Internet-Ecke soviele Videos lauern wie heute Banner, dann werden die 4,5% Klickrate ganz schnell in den Keller gehen.

    Sicher ist: Videos werden eine wichtigere Rolle spielen, aber sie müssen besser sein als klassische Fernsehspots. Spannende Geschichten erzählen (dank der wesentlichen günstigeren Distribution sind ja auch lange Videos kein Problem) wie etwa Pirelli es mit Uma Thurman tat oder sonstwie einen spürbaren Mehrwert haben. Einfach die Existenz eines Produkts oder einer Marke zu kommunizieren wird nicht mehr ausreichen. Stattdessen wird es um die Erlebniswelt rund um das Produkt gehen.

    Meine zwo Eurozent

  23. vroni

    @ ThomasE

    Wenn Video-Ads überlaufen sind und nicht mehr gehen, dann gibt’s eben wieder_was_technisch_Neues^^, was eine Zeitlang geht.

    Gerne möchte auch ich erleben, dass mal mehr auf Qualität und spannende Geschichten geschaut wird, aber man wird erfindungsreich Auswege finden :-), nur ja kein spannender Inhalt. Warum?

    Man sollte auch mal an die ganz armen Produkte, Me-Toos denken, die kein Mensch braucht :-). Die haben in sich keine echte spannnende Geschichte und werden auch keine haben. Man muss asl Werber die „Stories“ dazu regelrecht böswillig erfinden oder rumschwammeln. Das ist doch das Problem. Aufgabe und Tagesjob des Werbers/Texters ist traditionell, solche Nonperformer (mehr oder weniger gut) für den Abverkauf und das Image aufzupimpen. Mehr ist nicht. 80% aller Werber und Ad-Vermarkter leben DAVON (Henne-Ei), und nicht von den guten Pirellireifen.

    Die wirklich wahren und guten Produkte und Dienstleistungen sind dünn gesät, wollnmer doch mal an der Realität bleiben^^^.

  24. ramses101

    @vroni: So siehts aus. Die Mär vom USP ist doch in der Regel reine Werber-Romantik. Was eigentlich bedeuten müsste, dass die Werbung besser würde. (Das wäre jedenfalls das Einfachste und für alle Beteiligten auch das angenehmste). Stattdessen wird in die Trickkiste gegriffen mit Begründungen, die einen nur noch mit dem Kopf schütteln lassen. Ich muss mich kurz selbst zitieren:

    Da wird also in Wien eine Agentur gegründet, die sich auf Neuromarketing spezialisiert hat. Und warum? Als

    „Antwort auf die Unzufriedenheit von Unternehmen über die zunehmend wirkungslose Markenkommunikation in Zeiten der Reizüberflutung“

    blindtextblog.blogsp...

  25. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Spannend ist das Ganze auch unter dem Aspekt der Aktivitäten großer Ad-Networks, denn grade diese geraten unter Druck (und nicht zuletzt Google mit Adsense+-Words), weil technisch gesehen der Adblocker mit Filtern arbeitet, die grade die großen Affiliate-Programme berücksichtigen. Wer also ohne Ad-Server arbeitet, wird auch seine Werbung unter Adblocker Plus sichtbar machen können (und hat sich im besten Fall genau Gedanken gemacht, wen er da als Werbekunden wie und mit welchem Format auf seine Seite lässt.)
    Interessant auch ein Einblick des Entwicklers in diese Diskussion. Er scheint übrigens nach Köln gezogen zu sein, nach eigenen Angaben auf seinem Blog.
    adblockplus.org/blog...

  26. ThomasE

    @Vroni:

    Das der Löwenanteil an Produkten und Dienstleistungen da draußen austauschbar ist, da sind wir uns denke ich alle einig. Aber was ich nicht einsehe ist, warum es deshalb keine guten Stories dazu geben kann!?

    Beispiel BiFi – Zomtec: BiFi ist alles andere als die Erfindung, auf die die Menschheit gewartet hat. Bifi ist eine Wurst aus der Packung. Mit Zomtec hat es diese Wurst aber trotzdem geschafft, eine unglaublich geile Kampgane zu machen, die auch auf den ersten Blick gar nichts mit dem Produkt zu tun hatte. (Ich hab jetzt keine Zahlen und keine Zeit welche zu suchen, aber weil die Kampagne so lange lief, denke ich mal, sie war auch erfolgreich!?)

    Zomtec würde auch viral wunderbar funktionieren, weil es einfach Kultpotential hat. Im Internet gab es dann etwa die Zewa Geschichte mit dem Fußballportal für Frauen. Man mag das Ding gut oder schlecht finden, aber die Richtung stimmt: Interaktion, Erlebniswelt bauen und auch der Schnelldreher wird interessant.

  27. Andreas

    @ThomasE: Ich hatte die Bifi/Zomtec Kampagne für einen ziemlich dämlichen Fehlgriff gehalten (bin aber kein professioneller Werber), deshalb mal meine ernstgemeinte Nachfrage, ob es wirklich Belege dafür gibt, dass die Kampagne einen tatsächlichen (d.h. nachmessbaren, finanziellen) Erfolg hatte?

  28. Vroni

    @ Ramses101

    Schonschon, genau genommen eine lächerliche und unlogische Formulierung „In Zeiten der Reizüberflutung…“, um dann selber auch noch welche zusätzlich zu generieren, harhar…

    Nur^^: Den textsensiblen Konsumenten verdrießt so eine Formulierung zwar, wie wahr, aber Myriaden von Werbeleitern (denen womöglich eben nix mehr einfällt )fahren drauf ab wie Schmidts Katze…

    Wir lernen daraus, dass – wie in der Steinzeit der Reklame auch – der Wurm dem Fisch schmecken muss…, wie immer halt. Dann bassds scho. Diesmal ist der Fisch der Werbeleiter/Marketingleiter, der händeringend…

    ___________________
    OT: Und überhaupt, wer ist denn heut‘ schon textsensibel, wir sind alle abgestumpft:-) Sobnst müsstma sich über Briefeinleitungen wie diese da (habe heut gekriegt, ging um eine Aufnahme bei einem werblich-marketingmäßig orientierten Interessenclub e.V. , mehr sog i net…) auch fürchterlich echauffieren:

    “ Sehr geehrte Frau Vroni… bla,

    als geschäftsführender… [xxxx] habe ich die angenehme Aufgabe, Ihnen mitzuteilen, daß nach der satzungsgemäß vorgeschriebenen Prüfung Ihres Aufnameantrags Ihrer Mitgliedschaft beim xxx-Club xxx… nichts mehr im Wege steht.“

    Na, alles klar. Der kleine Verbrecher und Aufnahme begehrende Werber Vroni wurde 6 Wochen wie ein Gangsta geröntgt und endlich gnädig aufgenommen. Das sind Texte, niederknie. Übers Klo aufhäng.

  29. ThomasE

    @Andreas

    Ich habe grade auf die Schnelle nur im Unilever Geschäftsbericht von 2002 gelesen, dass die Zomtec-Kampagne wohl erfolgreich war und der BiFi-Umsatz in dem Jahr um 20% gestiegen ist.

  30. Thomas

    Schuld tragen die Webmaster, die ihre Seiten so mit Werbung vollklatschen oder extrem nervige Werbeformen wählen, dass man das eben auf technische Weise umgeht.

    Übrigens, ich blocke sehr viel Werbung – Googles AdWords allerdings nicht. Die sind dezent, oft inhaltlich auch interessant. So kann Werbung sein, aber nicht als Overlay mit lauten Soundeffekten.

  31. burkhard

    Suuper! Dann habe alle ja schön diskutiert. Ich habe übrigens heute gearbeitet und Content erstellt für einen Videobeitrag. Der eventuell meinungsbildend und kommunikationsfördernd sein wird. Also Werbung? Die Lösung besteht nicht aus technischen Fragestellungen, in welcher Form die „Werbeeinblendung“ auftauchen wird. Auch nicht gut gemeinte Aufforderungen, daß die Werbung „besser“ werden muß. Die Zukunft: niemand wird Werbung wollen. Die Reaktion: die Umwelt noch mit mehr Werbung zuballern. Was bleibt: ich will schon bestimmte Dinge wissen und davon erfahren. Dies zu kanalisieren, Kommunikationsstrukturen aufbauen, bedürfnisorientierte Informationen zu organisieren im Angesicht eines Konsumenten, der wiederum die Strukturen hat, zu vergleichen und zu überprüfen und zu verifizieren. Unternehmen werden die Bedeutung einer solchen werteorientierten Infrakstruktur zu schätzen wissen.

  32. Werbefluch(t)! at PROVOAKTION

    […] Werbeblogger hat sich Gedanken zum Thema so wie zu den Auswirkungen für die Werbeindustrie gemacht. Kreative Ideen sind gefragt um ein Mit-dem-Kunden und nicht ein Gegen-den-Kunden zu erreichen. […]

  33. Andreas

    > Ich habe übrigens heute gearbeitet und Content erstellt
    > für einen Videobeitrag

    Brav. Denn irgendwer muss halt arbeiten, damit wir auch in Zukunft auf der faulen Haut liegen und schön diskutieren können.

  34. ramses101

    Die Zukunft: niemand wird Werbung wollen. (…) Was bleibt: ich will schon bestimmte Dinge wissen

    Was denn nun? Das fällt doch eindeutig in die Kategorie „informier mich“.

  35. Patrick Breitenbach

    Wie wäre es mit Kommunikation statt Werbung? Dialog statt Monolog. Pull statt Push. Reduktion statt Redundanz. Einatmen statt Ausatmen.

    Aber das predigen wir ja schon seit Jahren.

  36. burkhard

    Zu: „Aber das predigen wir ja schon seit Jahren.“ Habe ich nicht irgendwo gelesen: …Richtig schlimm wird es allerdings erst wenn im Laufe der Zeit dann so Kommentare folgen wie “das war schon immer so” oder “kann man halt nix ändern, ist halt so”… Fazit der Reaktionen meines Statements: Ich bin brav. Ich werde aufgeklärt über das, was ich schreibe und alles ist irrelevant, da ich offensichtlich nicht aufmerksam genug war und als einziger nicht mitbekommen habe, daß alle anderen das schon seit Jahren sagen. Wäre mein Vorname Marius, würde ich jetzt frustiert meinen Blog vom Netz nehmen. Aber nein, so bin ich nicht. Ich versuche es mal anders: Wir haben zwar kein Bier im Büro, aber guten Kaffee. Ich lade Euch auf einen Kaffee bei uns ein. Wiesbaden, Kaiser-Friedrich-Ring 29.

  37. Jasper

    Also neben der Diskussion, das alle Welt sich über die Werbung aufregt…uss sich die Werbung auch wieder ihrer Macht bewusst werden , die sie besitzt und das gerade im Internet.
    Viele Angebote sind dort nämlich kostenlos verfügbar und nicht aufgrund des Idealismus der Macher, sondern durch Finazierung mit Werbung.
    Werbung muss also quasi für sich erstmal werben um seine Bedeutung und Rolle im Internet /oder auch Fernsehen und seine gute Berechtigung wieder darzustellen. Nach diesen Image-Spots (da gibts viele lustige Ideen… ) und der erhofften mehr Aktzeptanz kann man das ganze neu angehen…

  38. Online-Werbung und die Macht des Verbrauchers

    […]Wir brauchen eben noch was Anfassbares, um der Welt vertrauen zu können. Und diesen alten archaischen Effekt unserer angeborenen Bedürfnisse kriegt man nicht so schnell aus der Welt.[…]

  39. Andrea

    „Was bleibt: ich will schon bestimmte Dinge wissen und davon erfahren. Dies zu kanalisieren, Kommunikationsstrukturen aufbauen, bedürfnisorientierte Informationen zu organisieren im Angesicht eines Konsumenten, der wiederum die Strukturen hat, zu vergleichen und zu überprüfen und zu verifizieren. Unternehmen werden die Bedeutung einer solchen werteorientierten Infrakstruktur zu schätzen wissen.“
    Das ist zumindest ein wichtiger Teil der Antwort: ich möchte nicht zugeballert werden mit Werbung die für mich völlig irrelevant ist. Aber natürlich lese ich in der Fachzeitschrift zur Fotografie nicht nur die Artikel, dort interessiert mich auch die Nikon-Werbung zu den neuen Objektiven…. Google geht schon den richtigen Weg mit Werbung die immer zielgenauer auf meine Interessen abgestimmt ist. Dann werde ich sie auch nicht blocken, weil sie nämlich ein Bedürfnis erfüllt: Sie gibt mir die Informationen, die ich haben möchte!

  40. burkhard

    Liebe Andrea, solltest Du mal in Wiesbaden sein, dann stell ich nicht nur eine Tasse Kaffee auf den Tisch, dann fülle ich meine Etagère mit einer Auswahl von besten Pralinés des traditionsreichen Cafe Maldaner hier aus Wiesbaden!

  41. Andrea

    Burkhard, das klingt sehr verlockend und das obwohl ich aus dem Land der Sprüngli-Schoggi komme!
    Aber bei der Tasse Kaffee erzähle ich Dir auch, dass das alles mir längst bekannt vorkommt: Es war einmal ein kluger Wurstverkäufer, zu dem immer mehr Kunden kamen, weil er in der Ecke seines Marktes lauthals brüllte, wie wunderbar seine Wurst sei. Nach einigen Jahren hatte jeder auf dem Markt verstanden wie das funktionierte und so schrien sie alle um die Wette. Nicht alle Kunden wollten gerne mit Ohrstöpseln einkaufen gehen, manche vermissten auch die Beratung, die sie nun nicht mehr hören konnten. So zogen viele vom Markt in den Feinkostladen, in dem sie sich halblaut über die Prise Thymian und das Quentchen Buchenrauch in der Wurst unterhalten konnten und niemand brüllen durfte.

    Im Internet wird nur noch gebrüllt, also habe ich längst alle mentalen und technischen Pop-up-Blocker aufgefahren und versuche meine Informationen anderswo zu besorgen: Blogs, Printmedien, Mister Wong…..

    Und noch etwas: Ich lasse es zu dass Werbung mich erreicht, wenn das eines meiner Bedürfnisse erfüllt: das Bedürfnis mich an der Haltestelle morgens nicht zu langweilen (also lese ich das Plakat das da hängt), das Bedürfnis mich über die Entwicklungen auf dem Fotomarkt zu informieren, (also lese ich die Werbung in der Fachzeitschrift), das Bedürfnis mich zu unterhalten (also liebe ich Philipp Morris Plakate, schaue auf Youtube uralte Flens-Werbungen und fülle Bob Dylan Clips aus und schicke sie weiter)
    Ich glaube gute Werbung geht vom Empfänger aus, macht sich Gedanken, warum gerade der diese Information in diesem Moment eigentlich haben will. Und blinkende Banner über Hauptgewinne will ich einfach niemals und gar nicht auch wenn mir 10 Leute erzählen, dass ohne die das Internet nicht zu finanzieren sei…..

  42. burkhard

    Uneingeschränktes Ja! Und: meine Einladung bleibt bestehen.

  43. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Gefährliche Werbung

    […] bei großen Dienstleistern erheblich. Daher gibt es dann wohl noch mehr gute Gründe, einen Adblocker zu nutzen. Andere würden gar sagen: “Ich habe immer gewusst, dass Werbung […]

  44. Ohren zu und durch | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Ohren zu und durch

    […] Werbeformen und Programme gibt vielen Leuten wieder einen weiteren Grund dafür, sich mit Adblockern näher zu beschäftigen. Ich behaupte sogar: Wer Sound nicht als […]

  45. Sabine Christiansen der Kommunikationsbranche | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Sabine Christiansen der Kommunikationsbranche

    […] Branchenmagazin W&V macht nun auch Fernsehen…oder so ähnlich. (Achtung: bitte Popup-Blocker ausschalten…) Verlagsintern, so der Moderator und Chefredakteur Stefan Krüger in der […]

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