11.09.07
17:47 Uhr

Remember the 11th of september

911 MTV

6 nach 911. Manchmal habe ich das Gefühl, man lebt in einem neuen Zeitalter. Nur ist es nicht goldglänzend. Der Krieg gegen den Terror wurde medial und hochoffiziell genau an diesem Datum deklariert. Er trat damit in die großen Fußstapfen des gerade beendeten kalten Krieges. Mein erster Gedanke, der mir damals vor 6 Jahren, durch den Kopf schoss, lautete: “Das gibt Krieg”. Die westliche Zivilisation stand unter Schock und ich bin mir sicher, der Rest der Welt auch. Sie, die Welt, ist eben nicht so fein säuberlich in “gut” und “böse” aufgeteilt, wie es uns viele fanatische Führer heute so vehement einbläuen möchten.

Ich selbst ging traumatisiert nach Hause und schaltete den Fernseher ein. Gemeinsam mit meiner Frau verfolgte ich gebannt das mediale Ereignis. Keine Katastrophe wurde jemals so ausführlich und in so vielen Kameraperspektiven übertragen. Die Tage darauf zappte ich immer mal wieder auf CNN und mir lief dabei stets ein kalter Schauer über den Rücken. Die US-Medien- und Kriegsmaschinerie lief auf Hochtouren. Ergreifende Bilder, ergreifender Soundtrack – “wag the dog!”, dachte ich manches Mal. So schlimm diese Katastrophe für die Opfer und ihre Angehörigen auch gewesen sein mag, so heftig wie die Schockwellen die ganze Erde auch erschüttern mochte, die Ereignisse vom 11. September haben uns auf eine ganz bestimmte Art auch blind, taub und stumm gemacht.

Der 11. September war gleichzeitig der Beginn eines großen Tabus und einer riesigen Angstwelle, die uns heute noch mehr beinflusst, als wir alle wahrhaben wollen. Doch eines dürfen wir nie vergessen, es gibt Menschen auf der Erde, die erleben tagtäglich diese Art Schockmomente, hautnah, nicht in der Glotze, nicht im eigenen Wohnzimmer. Es gibt Menschen, die verlieren Stunde um Stunde einen ihrer lieben Angehörigen, ihre Väter, Mütter oder gar die eigenen Kinder.

Der 11. September war also auch gleichzeitig der Beginn eines großen Watteballs, der unser Denken sanft umschlossen hat. Uns, denen es so gut geht, die wir so dankbar sein müssten für Gesundheit, Wohlstand und Gerechtigkeit, werden gelähmt und geblendet durch die künstliche Angstmaschinerie, die der 11.9.2001 mit sich brachte. Wir haben hier keine täglichen Anschläge zu betrauern, keine Splitterbomben, die in unseren Cafés oder in unseren Schulen Menschen zerfetzen. Hier wird niemand einfach so auf offener Straße erschossen – jedenfalls nicht als alltägliche Handlung. Und doch tun wir so, als ob der Terror hier bei uns auf der Tagesordnung stände. Wir sind bereit unser komplettes Leben, Denken, Handeln und unsere Freiheit in die Hände einiger Politiker zu legen, die meinen, wir befänden uns in unmittelbarer Lebensgefahr. Das große Über-Ich, das die schützenden Hände über uns allen hält. An Gott glauben hier viele schon lange nicht mehr, aber wir glauben an die Macht des Staates und die Allwissenheit der Geheimdienste und unserer Medien. An irgendetwas müssen wir ja innerhalb unseres Watteballs glauben. Wir wissen doch nicht weiter.

Doch was ist mit den Menschen, die sich tatsächlich täglich in Lebensgefahr befinden? Sie haben nichts mehr zu verlieren, sie haben bereits alles verloren. Unsere Angst macht sie noch stärker. Je mehr Angst wir haben, desto angreifbarer werden wir. Sie entwickeln, mit Hilfe ihrer fanatischen Führer, das einzig konsequente was ihnen noch bleibt: HASS. Hass auf uns und unsere erbärmliche nicht erklärbare und unwirkliche Angst. Sie haben ihre Angst vor dem Tod überwunden. Wer täglich so intensiv vom Tod umgeben ist, gewöhnt sich sehr schnell an ihn. Man lernt ihn zu lieben, ihn als “normal” anzusehen. Der Tod ist nichts besonderes, dadurch wird das Leben ebenfalls zu etwas wertlosem. Das ist ihre stärkste Waffe. Das macht uns so machtlos. Das zieht uns allesamt in den Abgrund. Wir befinden uns auf dem gefährlichen Weg einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Je mehr unsere Angst künstlich geschürt wird, desto eher wird sie sich auch in die Realität manifestieren.

Ich wünsche meinem lieben Sohn, dass er diese Welt angstfrei erforschen und entdecken kann. Dass er ohne Angst auf Menschen anderer Kulturen und Religionen zugehen kann. Dass er Länder bereisen kann, in denen wir mittlerweile keinen Fuß mehr setzen würden. Dass er stets die Dinge hinterfragt und sich seinen von Geburt an freien Geist bewahrt und ihn nicht zum Spielball irgendwelcher Politiker, Medien oder religiösen Fanatikern machen lässt. Ich wünsche ihm eine Welt ganz ohne Hass und Angst, eine Welt, die ich so leider nie kennenlernen durfte.

Ach ja noch etwas. Wenn man Angst hat, hilft es die Angst zum Thema zu machen, darüber zu sprechen, zu schreiben oder sie sonstwie sichtbar zu machen. Tabus fördern die Angst, offene Kommunikation fördert die (Angst-)Freiheit.

Anzeige oben: Schrift am World Trade Center lautet “2863 Tote”, Schrift beim Kind lautet “630 Millionen Notleidende auf der Welt”. Alle Motive der provokanten MTV-Kampagne kann man hier ansehen.

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8 Kommentare

  1. Kim

    Wow, ich bin beeindruckt, solch eine Werbung gerade von MTv. Gefällt mir sehr gut. Wird Zeit, dass sich die Welt mal wieder mehr darum kümmert, dass es den ärmsten besser geht als mit Billionen irgendwelche Spinner zu jagen.

  2. medienvirus

    Sehr beeindruckende Worte. Ich hatte erst vor wenigen Stunden eine heftige Diskussion mit meinem Vater über Schwarz/Weißseherei und die oft propagierte Achse des Bösen, den Terror und das Unwort des Jahres: Islamisten. Auch wenn ich mein Vater wirklich sehr liebe, hoffe ich niemals so stur und engstirnig zu werden. Leider ist nicht nur mein Vater so. Aber das wirklich schlimme daran ist, das die Angstdoktrin, welche sich über den Globus wie ein nicht mehr löschbares Bushfeuer (ACHTUNG WORTSPIEL!)verbreitet, mehr als hervorragend funktioniert. Mein Vater ließ sich zumindest nicht im mindesten von seinem Standpunkt abbringen und möchte viel lieber weiterhin die Welt in Gut und Böse aufgeteilt sehen. Ich finde für solch eine Einstellung kann man sich nicht mal mit seinem ach so hohen Alter entschuldigen…

  3. Patrick Breitenbach

    @Medienvirus: Danke.

    Also deinem Vater würde ich das nicht übel nehmen. Die Kategorisierung in Gut/Böse hat ja eine mehr oder weniger berechtigte Funktion. Sie vereinfacht unser komplexes Leben. Schwarz/Weiss ist eben wesentlich einfacher als alle Grautöne zu bedenken. Deshalb funktioniert es ja so gut. Wichtig ist vielmehr dass du es anders machst und vielleicht auch an deine Kinder oder anderen Menschen, den du begegnest weitergibst. Dann kann aus dem Virus vielleicht ein nützliches Mem (Auflösung von Vorurteilen) werden.

  4. faby

    @Patrick, sehr schöne Worte, danke dafür! Ich würd sie gern verlinken auf meine Page, die sollten von noch mehr Menschen gelesen werden.

  5. werbetroll

    katastrophenbilder zur aufmerksamkeitsgenerierung in der werbung zu verwenden ist einfallslos, plump und einfach nur heuchlerisch. was bitte soll das? und dann auch noch mtv als absender. sollen sie doch die kohle von den mtv awards einfach mal spenden. das ist wie klimaschutzkonzerte veranstalten die tonnenweise co2 in die atmosphäre blasen.
    nichts gegen schockbilder. nichts gegen social advertising, die uns auf die wirklichen probleme der welt aufmerksam macht. aber bitte mit hirn.

  6. 9/11 - We will never be the same! at PROVOAKTION

    [...] Dem ist nichts mehr hinzuzufügen! [...]

  7. pipmen

    Präsident Bush ist wirklich ein machtvoller Präsident. Warum? Naja er sagte: Wenn man den 11. September bezweifle, sei man auf Seiten der Terroristen. Was macht die so intelligente, moderne und demokratische Menschheit dieser Erde? Sie gehorchen ihm. Das ist Macht!

    Ich möchte nur ein paar Schlagwörter nennen, damit sich jeder Gedanken über den 11.September machen kann…

    - Das kleine Loch im Pentagon (Wo ist der Flieger?)
    - Am 11. September sind in der Geschichte des modernen Stahlbetonbaus das erste mal 3 Gebäude aufgrund von Feuer eingestürzt. Ja 3! WTC 1, 2 und 7…
    - WTC 7 wurde weder von einem Flugzeug getroffen, noch hatte es größere Trümmerschäden
    - Explosionshöcker sind auf Videos und Bildern deutlich erkennbar
    - Überlebende Zeugen reden alle von Explosionen
    - Feuerwehr und Rettungshelfer reden von Explosionen
    - Operations Northwood, MASCAL usw…

  8. Siggi

    Kann mir jemand sagen, wo ich mir die komplette Werbung anschauen bzw. daunlohden kann? ^^

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
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