06.09.07
13:33 Uhr

Brainware: Kreativität trainieren – Kommunikation begreifen II

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Brainware
— Fortsetzung von Teil I —

2. Das Arbeitsumfeld

Kennt ihr die Floating Tanks? Also dieser Tank ist im Grunde genommen so konstruiert worden, dass sich der Mensch darin absolut schwerelos in Dunkelheit und Stille entspannen kann. In kürzester Zeit beginnt unser Gehirn Bilder zu produzieren, da es so konstruiert ist, dass es ohne Reize eigentlich nicht „normal“ arbeitet. Also beginnt es damit, Reize selbst zu produzieren (vergleichbar mit Träumen). Diese Tagträume sind nicht nur hochgradig kreativ, sondern können nebenher auch therapeutisch genutzt werden. Zudem verfällt der Körper in einen Zustand extremer Entspannung, dessen Wirkung bei regelmäßiger Anwendung auch außerhalb des Tanks nachwirkt. Man erwirbt dadurch eine bessere Stressresistenz.

Jetzt fordere ich natürlich nicht, dass sich jede Agentur einen solchen Tank ins Konfi stellt, wobei der Gedanke durchaus reizvoll ist. Der Vergleich soll lediglich aufzeigen, wie wichtig das richtige Ambiente, die Umgebung, also mein Arbeitsplatz für den Kreativprozess ist. Da sich Kreativität natürlich nicht nur auf Werbeagenturen beschränkt, gilt dieser Ratschlag für jede Branche, die mit Köpfchen arbeiten muss. Fühlt man sich nämlich unwohl am Arbeitsplatz, so treten etliche Blockaden auf, die immense Auswirkungen auf die Arbeitsleistung haben. Wenn unser Kopf mehr damit beschäftigt ist, sich unbewusst mit der miesen Umgebung auseinanderzusetzen, als sich auf die Freude an der Arbeit zu konzentrieren, dann sollte dringend etwas verändert werden.

Parameter der Umgebung

1. Die Räumlichkeit
Ist es neonweiß gekachelt, großzügig, eng, bunt, grün oder urig-gemütlich? Es ist unendlich wichtig, an welchem Ort man einen großen Teil seiner täglichen Lebenszeit verbringt. Manche verbringen mehr Zeit in der Agentur als zu Hause (schlafen einmal ausgenommen). Die Agentur mit Kickerautomat, Pool und Massagestunden wurden zwar immer belächelt (natürlich aus Neid) und nach der New Economy Blase weitgehend abgeschafft (natürlich aus Scham). Leider. Denn abgesehen von dem Spaß, den die Mitarbeiter hatten (iieeh Spaß am Arbeitsplatz?!), verlieh es neben erhöhter Motivation auch eine erhöhte Kreativität. Spaß verbindet, Spaß baut Stress ab und Spaß macht den Kopf frei. Wer täglich 10 Stunden vor seinem Flachbildschirm hockt und außenherum nur stressende Kontakter wahrnimmt, kann gar nicht mehr richtig kreativ arbeiten. Tipp: Einfach mal die Angestellten fragen, was sie sich wünschen würden. Wie sie sich wohler fühlen könnten und ob man nicht irgendetwas verändern oder einführen kann, was vielen Spaß macht. Doch Vorsicht: nicht jeder ist gleich gepolt. Die einen stehen auf Bierzelt, die anderen auf ein abgeschiedenes Plätzchen im Garten.

2. Das Klima
Nicht das Raum- sondern das Arbeitsklima ist entscheidend für die Produktivität eines Unternehmens. Gibt es Mobbing, Unkommunikation oder gar unbewusste Sabotage? Häufiges Zeichen, wenn das Klima hinkt, sind etliche kleine Fehler, die sich immer wieder in Produktionsprozesse einschleichen. Sie sind das Resultat aus unbewusster Sabotage, Zerstreutheit (die Gedanken sind woanders, nämlich wie drücke ich dem Kollegen eins rein oder wie will der Kollege mich wieder mobben) oder schlichtweg internen Kommunikationsproblemen. Das größte Machtinstrument innerhalb von Agenturen (und anderen Unternehmen) ist die Kommunikation bzw. die Weitergabe und das Vorenthalten von Informationen. Wenn das Team nicht auf dem gleichen Kenntnisstand ist, sind Fehler vorprogrammiert. Und natürlich darf man in einem Klima, in dem Fehler tabu sind, nicht erwarten, dass Fehler nicht vertuscht werden. Tipp: Auch hier kann Spaß die Leute zusammenschweißen. Er darf aber nicht zur Zwangsveranstaltung à la Agenturausflug zum Münchener Oktoberfest werden. Mitarbeiter, die nicht an solchen Ausflügen teilnehmen möchten, sollten also auch nicht unter Druck gesetzt werden und entsprechende Gegenangebote erhalten. Gruppenaktivität lässt sich viel schöner auch innerhalb der Arbeitsumgebung umsetzen, dazu muss man nicht kilometerweit wegfahren. Wie wäre es mit Kreativspielen, Gemeinschaftsbrainstorming oder regelmäßiges (freiwilliges) Afterworkschwätzen. Das sind jedoch nur Maßnahmen zur Klimapflege. Wenn das Klima jedoch von vornherein „schlecht“ist, so sollte man sich professionelle Hilfe suchen. Externe Berater (systemische Organisationsberater zum Beispiel) decken interne Strukturen und Kommunikationskanäle auf und schlagen Verbesserungen vor, ohne gleich mit dem Finger auf einen Schuldigen zu zeigen, denn sie sind ja Systemiker und wissen, dass jede Verhaltensweise seinen derzeitigen Zweck erfüllt. Der erste Schritt ist also immer eine Veränderung, denn dadurch verändert sich immer auch das gesamte System.

3. Die Hierarchien
„Draußen“ predigen wir die Demokratie, „drinnen“ leben wir in Monarchien oder Diktaturen. Komischerweise arbeiten etliche Unternehmen immer noch nach dem alten Prinzip „l’état, c’est moi!“. Das mag durchaus wieder seinen Zweck erfüllen, doch darf man sich nicht wundern, wenn der Monarch erst einmal in Ungnade gefallen ist oder ein Thronfolger bereit steht, der nicht die nötige Geduld besitzt und bereits jetzt schon am Thron eifrig herumsägt. Diese Herrschaftssysteme bringen nämlich bei all dem scheinbaren Vorteilen auch Nachteile in Form von Intrigen, Verschwörungen oder schlichtweg Volksaufständen mit sich. Allein das System einer hierarchischen Struktur fördert Neid, Missgunst, Vetternwirtschaft und Mobbing. Man darf jedenfalls nicht von seinen Mitarbeitern erwarten, dass sie Eigenverantwortung übernehmen sollen, wenn ihnen die Verantwortung strukturell abgesprochen wird. Entweder Schafsherde oder Hirten. Was ich allein schon an verschwendeter Energie an mir habe vorbeiziehen sehen, nur weil es interne Rangeleien, Mauscheleien und Aufstände gab. Das ist nicht nur unproduktiv, ich habe auch viele getroffen, die davon richtig krank wurden. Tipp: Die Entweder-Oder-Stratgie. Entweder meine Mitarbeiter sind unterwürfig und befolgen meine Befehle, dann darf ich aber keine Eigenverantwortung oder ein dauerhaftes „mitdenken“ erwarten, oder ich informiere statt zu befehlen und gebe so Verantwortung ab. Die Abschaffung der Fantasietitel „Junior-Senior-CD“ wäre auch ein schöner Anfang, um Hierarchien abzuflachen. Jeder ist ein gleich wichtiger Bestandteil des Unternehmens.

4. Die Zeit
Stundenzettel nerven. Ich kenne niemanden (außer den Controllern), die eine Zeiterfassung in Agenturen mögen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Zeiterfassung ist Fessel der kreativen Leistung. Wenn wir kreative Momente haben sind wir im „Flow“, d.h. wir vergessen Zeit & Raum. Das ist ein Punkt warum es so schwer ist, kreative Leistung in Zeitfenster zu pressen, der zweite ist, dass wir kreative Leerläufe brauchen, also Zeiten wo wir Kickerspielen, spazieren, im Internet surfen, meditieren, schlafen oder irgendetwas anderes machen. Kreativität braucht diese Freiräume. Sie sind definitiv und nachgewisenermaßen notwendig um kreative Ideen zu entwickeln. Der Controller versteht das nicht, er muss schließlich alles in Minuten pressen. Zeit ist Geld. Die grauen Herren lassen grüßen. Man kann Kreativität leider nicht minutiös planen. Kreativität braucht Zeit und Freiraum. Ich sage nicht, dass es keine Deadlines mehr geben soll, nur sollte klar sein, dass es nach außen wahrnehmbare produktive (aktiv kreative) und unproduktive (passiv kreative) Tage oder Stunden gibt. Nicht zu vergessen: die biorythmischen Begebenheiten (Tiefpunkt 15 Uhr etc.). Kreative Arbeit in Zeit zu bemessen ist also absoluter Unfug und wird -je hartnäckiger man hinter der Zeiterfassung her ist- nur Unproduktivität ernten. Nicht zuletzt wird bei der Zeiterfassung geschummelt. Man saugt sich irgendwas aus den Fingern, weil man im moment der kreativen Phase zum Glück keinen Kopf dazu hatte, dauernd auf die Uhr zu schauen. Detaillierte Zeiterfassung ist für mich das erstaunlichste Paradoxon, was ich aus dem Agenturalltag heraus kenne. Tipp: Let it flow! Freiheit geben. Arbeit anders bewerten und bemessen. Wichtig ist das Ziel und die Teilziele. Manchmal ist eine Idee innerhalb einer Minute da, manchmal dauert es halt Jahre. Wichtig ist doch, dass die Idee stimmt.

5. Die Wertschätzung
Wertschätzung ist ein ganz merkwürdiges, fast schon tabubesetztes Thema in Deutschland. Das berühmte „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Gegenwartskultur. Wir sind weder in der Lage zu loben, noch Lob anzunehmen und das, obwohl sich jeder doch Anerkennung wünscht und braucht. Lob ist eng verknüpft mit Neid und damit auch mit falschem Lob – also Schleimerei – verbunden. Die meisten hierarchischen Systeme fördern und pflegen natürlich die Einstellung vom Lob. Wer nach oben kommen will, der schleimt (so jedenfalls das verbreitete Bild). Wer gelobt wird, ist auf dem Weg nach oben (also Konkurrenz) oder lässt gar seine Beziehungen spielen. Der Wertschätzungsbegriff ist von einem gedanklichen Virus befallen, kein Zweifel. Dabei ist gerade echte Wertschätzung der Motor (entspricht Motivation) für unser Denken, Fühlen, Handeln. Ohne positive Bestätigung gehen wir ein, stagnieren wir. Ohne Feedback wissen wir nicht, ob wir richtig liegen oder der andere falsch. Da wir uns aber eine Stagnation nicht erlauben können, greifen wir zum Gegenteil der Wertschätzung, der Kritik. Peitsche ohne Zuckerbrot. Die Peitsche treibt auch irgendwie an, nur ist sie eben das wesentlich gefährlichere Mittel der Motivation, gerade wenn es um Kreativität geht. Peitsche verbinde ich mit Fesseln, Sklaverei, Unfreiheit, also genau das Gegenteil von dem, was ich unter Kreativität verstehe, nämlich die sprudelnde Arbeit eines freien Geistes. Kritik ist also Droge und Gift zugleich. Wir neigen dazu, es überzudosieren ohne aber dabei das „Gegengift“ Lob zu verabreichen. Tipp: Langsam damit beginnen, Lob zu schenken, es aber auch anzunehmen. Ein kleines „Danke“ reicht für den Anfang. Oder wirklich versuchen, die eigene Wirklichkeit bei der Bewertung von kreativen Arbeiten zurückzustellen. Angenommen, der Vorschlag des Grafikers geht völlig am Briefing vorbei. Dann sollte man die Luft anhalten und erst einmal die getane Arbeit des Grafikers nicht miesmachen. Er hat grafisch gut gearbeitet, aber leider am Thema vorbei. Dann sollte man ihn einladen zur gemeinsamen Problemlösung. Also: „Okay, wie können wir deine grafische Grundidee näher an das Thema führen“. Lernen, Lob anzunehmen ist genauso wichtig. Worte wie „Nichts zu danken!“ wirken nunmal anders als „Habe ich doch gerne gemacht!“.

— Hier geht es zum dritten Teil —

29 Kommentare

  1. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Brainware: Kreativität trainieren - Kommunikation begreifen I

    […] – Hier geht es zum zweiten Teil – Tags: Agentur, Dialog, diskussion, idee, ideen, Internet, Kommunikation, Kreativität, kunde, long tail, Marke, Marken, medien, produkt, unternehmen, werber, Werbung, Zielgruppe Ähnliche Artikel: […]

  2. GIZA

    Spitzen Artikel! Den würd ich so unterschreiben. :)

  3. Senem

    @Patrick sehr gut !
    P.S in den USA ist es mit dem loben sehr gechillt. Man wird sehr oft gelobt, ohne das da Neid hinter steckt. Das finde ich hier sehr motivierend.

    Ich finde auch das man seine Energie nicht in interne Konkurrenzkaempfe stecken sollte, sondern in das Projekt. Von daher sind die ganz grossen Agenturen nicht fuer jederman.
    gehe nun in meinen withtheflowting tank…

  4. Vroni

    Kleine Anmerkung (wie immer)

    Lob und Tadel SIND in sich ebenfalls hierarchische Interaktionen. Wer lobt, stellt sich über den, den er lobt. Das ist versteckte Hierarchie.

    Flache Hierarchien sind nicht mein Wunschtraum.
    Halte ich persönlich für gefährdeter für Chaos, Gerangel und Ellenbogentaktiken. Es muss ein Mindestmaß von eigener Zuständigkeit geben, die nicht jeder Andere gleich überfahren und entwerten kann. Titelwust und Frühstücksdirektortitel müssen echt nicht sein, doch irgendein Naming muss Kollegen und Leuten aus andern Abteilungen rasch ausdrücken können, was der eine und der andere in dem Laden treibt. Es erleichtert und beschleunigt den fachlichen Umgang miteinander enorm. Ich will nicht bei jedem Agentur-Projekt, wo es meist leider zacka-zacka zugeht, vorher mühsam aushandeln müssen, wer jetzt was ist, wer der Smutje ist und wer der Maat.

  5. Senem

    @ Vroni
    „Lob und Tadel SIND in sich ebenfalls hierarchische Interaktionen. Wer lobt, stellt sich über den, den er lobt. Das ist versteckte Hierarchie.“

    Ich halte das fuer quatsch! Es gibt immer noch gute Menschen da draussen die einen loben weil sie die Arbeit wirklich schaetzen! Lob braucht ein Mensch! bisel mehr Herzlichkeit bitte…

  6. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Da hast du also genau die „virenverseuchte“ Auffassung von Lob, die ich da oben beschrieben habe. Also wenn man Lob mit einem „über den anderen stellen“ gleichsetzt ist für mich Hopfen und Malz im Arbeitsalltag verloren. Dann geht gar nix mehr. Weil man dann natürlich gar kein lob mehr annehmen kann. Dann fehlt jeder vernünftige Umgang miteinander und die Motivation wird ganz schnell in den Keller wandern und man schaltet in den „ich arbeite was ich arbeiten muss“ Modus.

    Sehr schade, dass du diese Erfahrung machen musstest, scheinbar bist du echt durch die Hölle gegangen.

  7. Vroni

    @ Senem

    Dann lob‘ mal deinen Chef. Oder einen Rivalen.
    Und guck, was passiert^^.

    Aber sag‘ nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.
    (Ich bin immer nett zu meinen Kritikern … :-) )
    ____________________________________________________
    Selbstverständlich bin ich auch für Herzlichkeit und Wertschätzung. Aber das Ding mit dem Lob ist tatsächlich ein zweischneidiges. Muss man Wahrnehmung dafür schärfen.

  8. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Es wird genau das Gegenteil von dem passieren, was du befürchtest, wenn das Lob tatsächlich ernst gemeint und gut begründet ist. Natürlich geht ein falsches Lob schwer nach hinten los. Gerade scheinbare Rivalen werden völlig überrumpelt oder gar überfordert sein, gerade weil sie den Kampfmodus erwarten.

  9. Vroni

    „Sehr schade, dass du …“

    Stop: argumentum ad personam. Unfair, was soll das und trifft nicht zu.

    Was Motivation und Lob betrifft:
    umsetzungsberatung.d...

  10. Vroni

    „was du befürchtest,“

    ICH befürchte gar nichts.
    Bitte mit dieser Du-Zuschreibungs-Kommunikation a weng kürzer treten, danke :-)

  11. Senem

    Habe meinen Boss schon oft gelobt, klar!
    „Respekt für Dich selbst
    Respekt für andere“
    Lob vom Boss sollte allerdings persoenlich kommen, nicht vor Kollegen da es als Kritik fuer das staff angesehen werden koennte…

  12. Patrick Breitenbach

    @Vroni: War eine Annahme, bzw. ein Erklärungsversuch für diese Einstellung. Habe mich wohl geirrt. Sorry.

    Zur „Zuschreibung“: Dann bitte einfach klarer ausdrücken, was denn die Konsequenz tatsächlich ist. Danke!

  13. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Ich zitiere aus deiner Quelle:

    „Erstens muss das Lob von einer Person kommen, auf deren Wertschätzung man Wert legt – oder würden Sie sich über ein Lob von jemanden freuen, den Sie persönlich ablehnen? Zweitens sollte es von jemanden kommen, den Sie für das jeweilige Gebiet für kompetent halten. Denn ein Lob von jemanden, dessen Sachverstand Sie bezweifeln, wird Ihnen nicht allzu viel wert sein. Drittens müssen Sie darauf vertrauen können, dass der andere sein Lob ehrlich meint. Ein ironischer Unterton beim Loben wirkt eher verunsichernd und führt daher meist direkt in ein Kommunikationsproblem. Und viertens werden Sie Lob nur akzeptieren, wenn es der lobenden Person nach ihrer Auffassung zusteht, Sie zu loben: Wenn Sie jemand lobt, den Sie als Konkurrenten oder Rivalen empfinden, werden Sie nicht erfreut reagieren, sondern eher verärgert oder irritiert („Was bildet der sich eigentlich ein?!“).“

    Lob in der Anwendung ist sehr komplex und eben in unserem Kulturkreis schwierig zu handhaben. Das heisst aber nicht, dass Lob per se daneben ist.

    Daher ist das Gedankenexperiment in der Quelle absurd, weil es genau dem zitierten Block hier widerspricht. Man lobt „falsch“ und findet es überraschend wenn die Reaktion Wut ist? Ich weiss nicht.

  14. ramses101

    Wenn ich jemanden lobe, stell ich mich doch nicht automatisch über ihn? Es ist doch immer die Frage, wie ich das Lob verpacke. Ein „Chapeau, Kollege“ ist schließlich etwas anderes als ein „hast Du fein gemacht“.

  15. Vroni

    Es geht doch dem Artikel darum, herauszustellen, dass es eher generell „positive Verstärkung“ ist, die den Menschen motiviert. Lob ist nur EINE Möglichkeit der positiven Verstärkung, und zwar eine, die sozial gut gehandhabt werden muss. Sonst geht’s nach hinten los.

    Es gibt noch andere positive Verstärkungen, die in einem Werbeunternehmen möglich sind, damit Kreative gut arbeiten können und sich wohlfühlen.

    „Man lobt “falsch” und findet es überraschend wenn die Reaktion Wut ist? Ich weiss nicht.“

    Das war wohl ein überdeutliches, überspitztes Beispiel des Autors für die „Doofen“ :-) Soll wohl abgehobene oder schmerzbefreite Leute geben im Management, die nicht kapieren, dass man mit überzogenem falsch platziertem Lob jemanden sauber beleidigen kann. (Der Autor wendet sich mit seiner Beratungsseite und solchen Texten eher ans Management, da sitzen seine Auftraggeber, nicht in der mittleren Ebene.)

    Für einen sozial gut eingebundenen Teammenschen mit normaler Empathie kommt eine wütende Reaktion auf falsches Lob sicher nicht überraschend, keine Frage.

  16. Chris

    Wenn man das hier so ließt, komme ich zu dem Schluss das Lob nur zwischen Kollegen funktioniert die auf einer hirarchischen Ebene stehen und die gleichen Kompetenzen aufweisen (ja ich weiß, Hirarchie und so). Zwischen solchen Kollegen wäre ein Lob dann also ehrlich und ohne Hintergedanken.

    Wenn das Lob vom Chef kommt, fragen sich doch viele „wie meint er das, muss ich was im Subtext lesen, usw.“. Gerade wenn ich an Arbeitszeugnisse denke wo dann drin steht: „er war ein geselliger Mitarbeiter“.

    Und mit der Kritik ist es genauso. Auch nicht besser. Kommt die Kritik vom Chef, sehen viele gleich Hartz IV aufblitzen und bekommen Panik. Und dann gibt es ja noch die fernöstliche Kritik. Wenn da ein Mitarbeiter zu spät kommt, heißt es nicht: „sie faules Schwe…, kommen sie früher!“ nein, es heißt: „wie kann Ihnen das Unternehmen helfen, morgens schneller in den Tag zu starten?“

    Fazit:
    Lob und Kritik können falsch eingesetzt mehr Schaden als Nutzen. Genau deshalb gibt es dieses „nicht gemault ist Anerkennung genug“. Und in hirarchischen Strukturen funktioniert das ohnehin schon schlecht.

  17. Patrick Breitenbach

    @Chris: RIchtig, solange es die klassischen Hierarchien gibt, wird es eben auch Intrigen, Mobbing, Schleimerei etc. geben. Da geht Lob/Kritik oft nach hinten los. Wobei ich trotzdem davon überzeugt bin, dass es auch anders geht. Was mir noch aufgefallen ist, nicht die hierarchische Struktur an sich ist so fatal, sondern die Menschen, die diese Positionen ausfüllen, obwohl sie es nicht können. Will meinen, so sollte ein Chef auch eine Autorität (ohne Zwang) sein und über entsprechende Führungsqualitäten verfügen. Wenn der Schäferhund nicht führt, gehen die Schafe verloren oder drehen ganz einfach durch.

  18. Vroni

    Motivation

    Mitarbeiter sind kaum von außen motivierbar (egal welche „Methode“, ob Zuckerbrot wie Lob oder mit Peitsche wie Kritik).

    Sie müssen aus sich heraus motiviert sein. Das einzige, was ein Chef oder eine Organisation tun kann, ist ein Umfeld zu schaffen, in dem motivierte Menschen weiterhin motiviert bleiben können. Daher bin ich nicht unbedingt gegen Lob, auch wenn das manchem so rüberkam. Ich bin aber gegen Lob als bewusstes Mittel oder Trick, die Motivation zu steigern. Das ist Mist.

    Wording:

    Der Begriff „Lob“ klingt in meinen Ohren tantig. Sicher nicht nur in meinen. Mit „Lob“ verbinden auch viele Menschen ein bewusstes Steuerungsmittel. Daher halte ich Misstrauen gegen dieses Wort durchaus für berechtigt. Und das ist nicht nur in unserem Kulturraum so (falls jemand darauf abheben will, dass nur „DIE Deutschen“ so miesepetrig seien und woanders sei es ganz toll).

    Ein besseres Wort scheint mir „Anerkennung“. Das wollen die Menschen. Anerkennung ist eine Haltung, man hat sie oder man hat sie nicht. Die muss man nicht gleich in wohlgewählten Worten ausdrücken, man spürt sie einfach. Anerkennung verhindert, dass die Motivation sich schleicht. Lob kann aufgesetzt sein, Anerkennung spürt man sofort, ob sie dauerhaft und echt ist. Und Anerkennung kann man auf so viele Arten (offene und subtile) zeigen, die die Gefahr des von oben herab wie beim „Lob“ erst gar nicht aufkommen lassen.

    Anerkennung ist, den Kollegen ausreden lassen, seine Meinung respektieren und hoch halten auch wenn es nicht die eigene ist, seine Ideen nicht gleich besserwesserisch killen, ihn in die Entscheidungen einbeziehen statt auszugrenzen, ihn spüren lassen, dass einem seine Arbeit einfach wichtig ist.

    Anerkennung und Wertschätzung der Mitarbeiter ist bereits, dass man ein Umfeld schafft, in dem sie vernünftig arbeiten können, einen vernünftigen Workflow hinkriegen. Das klingt unglaublich banal, aber wer es kennt, dass eine Firma es sich dauerhaft leistet, alte Rumpeln, die dauernd abstürzen, zur Verfügung zu stellen, statt gute leistungsfähige Rechner, oder Ural-Kopierer, die ständig kaputt sind… und Präsentationen müssten angeblich trotzdem raus, egal wie… Mit sowas fängt es jedenfalls an. Wer in einer solchen Firma als Chef glaubt, er würde die fehlende Motivation seiner Leute verbessern können, wenn er plötzlich mit Loben anfängt (aber sich immer noch den neuen Kopierer spart), greift halt nur noch ins Klo.

    Meine Abneigung gegen das Wort „Lob“ mag jetzt kniefieselig sein, aber so ist es halt. Über 12 Jahre in großen und kleinen Agenturen haben mich da wortsensibel (oder nennt es zickig) gemacht, so dass mein Mann schon fragt: „zum Kuckuck, wer von und beiden ist hier der Texter….?!!“

  19. derherold

    Die Frage nach der bedeutung extrinsischer und intrinsischer (?) Motivation wird man nicht so einfach beantworten können.

    Es ist natürlich auch leicht, jedes (eigene) berufliche Versagen auf den Mangel an Anerkennung durch den Chef zurückzuführen.:)

    … und das MbP – ManagementbyPeitsche nun gaaar nicht funktionieren soll, ist mir neu. ;)

  20. Vroni

    @ derherold

    Hallo? Wir reden hier vom Umgang mit Kreativen. Nicht von einer Schraubenfabrik.

    Ob da jemals bei Kreativen eine einzige gute Idee durch die Anwendung der Peitsche entstanden ist, wage ich zu bezweifeln.

    Druck löst ausschließlich Denkblockaden aus, aber keine einzige gute Idee. Denkblockaden mögen am Band nicht so viel ausmachen, wo es um 3-5 Handgriffe geht (dnnoch passieren dann vermutlich mehr Unfälle durch schlechte Konzentration), aber eine kreative Unit ist damit wirklich tot.

    So schaut Werbung auch oft dann aus: einfallslos, tot, austauschbar.

    _____________________________________________________
    Aus einem verkniffen Arsch kommt kein fröhlicher Furz. Oder so ähnlich heißt es.

  21. somiht

    druck löst ausschließlich denkblockaden aus?
    auweia, wenn dem tatsächlich so wäre dann gute nacht kreative werbebranche.
    ich denke, 85% aller projekte stehen unter zeitdruck, 70% unter einem zumindest oberflächlichen kostendruck und der druck, dass die idee beim kunden (und schlussendlich auch bei der „zielgruppe“) ankommen muss ist wohl immer vorhanden. dazu kommt noch der druck von den cheffes, die gute arbeiten sehen wollen und der druck ggü. den kollegen, denen die idee natürlich auch gefallen soll etc.

  22. Vroni

    @ somiht
    Du sagst es doch selber und beschreibst die ganze Misere wunderbrav.

    Die Frage ist (ganz ernsthaft jetzt):
    Wie soll, ohne sonderbare Dinge zu rauchen und ohne Koks auf Abo, denn überhaupt noch was aus diesen ausgelutschten Gehirnen kommen?

    ________________
    Viele Kreative stehen zumindest auf die angeblich tollen Effekte des Zeitdrucks und behaupten, sie bräuchten ihn, um auf gute Lösungen zu kommen.

    Was man von Psychologen hört, hört sich aber ganz anders an:
    Erst auf den letzten Drücker und auf Druck gearbeitet zu haben, gibt den Leuten eine prächtige Ausrede an die Hand, wenn es doch nicht ganz so toll ausging. Das gilt für Studenten, die unter Prokrastination leiden ebenso wie für Kreative, die wie unter Starkstrom den Zeitdruck den sie sowieso haben, noch mit Fleiß verschärfen.

    Der echte Flow amazon.de/Flow-Mihal...
    , unter dem wirklich gute Inspiration funktioniert, ist so nicht zu kriegen. In meinen Augen lebt eine ganze Branche, die den Druck als Allheilmittel sieht, unter einer Lebenslüge. Und zwar einer zutiefst masochistischen. Man sieht es an den Ergebnissen solcher Werbeagenturen: Ihre Werbung ist meist platt, schlecht, uninspiriert, in letzer Minute ausgespien, quick & dirty, neuerdings: geschmacklos.

    So sehr ich wegen des Begriffs Lob hier rumgetümpelt bin, im Großen und Ganzen gebe ich Patrick in jeder Zeile Recht: Es wird Zeit, dass erkannt wird, dass das Gehirn ganz anderes Futter und Zustände braucht, um wirklich Spannendes und Neues hervorzubringen. Diesen Peitschen-Druck aber garantiert nicht! Das bilden sich Agenturleute nur ein, weil sie nichts anderes kennen. Für mich gehört ihr Credo zu den Ideologien und Irrglauben eines auf vordergründige effectiveness getrimmten Wirtschaftssystems.

    Wer eine Klopperagentur nach Bundeswehrart haben will – obwohl, ich beleidige wahrscheinlich sogar die Bundeswehr mit diesem Vergleich – darf gern auf das Herold’sche System zurückgreifen. Wer aber eine Agentur führt, die ihren Kunden etwas Besonderes bieten will, weil sie sich als innovativ positioniert hat, wird auf diese Art wenig reüssieren.

  23. Vroni

    5 Mythen über Kreativität auf dem Prüfstand

    stellenmarkt-content...

    (Ausschnitt/Zitat):

    „Mythos 3: Zeitdruck fördert kreatives Denken. Eine der Mythen, denen sich Amabile und ihr Team gegenüber sah, war die Annahme, Zeitdruck fördere Kreativität. Die Ergebnisse der Studie sprechen eine ganz andere Sprache. „Mitarbeiter sind am unkreativsten in einem Wettlauf gegen die Zeit“, sagt Amabile. Sie sagt, extremer Zeitdruck behindere Kreativität, weil die Gelegenheit fehle, sich wirklich mit einem Thema auseinander zu setzen und Ideen reifen zu lassen. Schlimmer noch: Nicht nur am Tag, an dem der Zeitdruck herrscht, ist die Kreativität eingeschränkt – auch in den Tagen danach sind die Mitarbeiter weitaus weniger kreativ als gewöhnlich.“

    Auch interessant Mythos 4 und 5.

    Have fun.

  24. claude

    Hallo zusammen,

    spannende Diskussion.

    Nun, dass Druck das besagte – notwendige – gute Klima erheblich beeinträchtigen kann steht sicherlich ausser Frage.

    Im spezifischen Fall von Zeitdruck habe ich allerdings durchaus auch gute Erfahrungen bezüglich des „Flows“ gemacht.

    Klar kommt bei einem Projekt bei dem der Berater zwei Stunden nach dem Briefing zur Präsentation fliegt in der Regel keine Top-Idee bei raus.
    Ausser man hat genügend Vorwissen zum Thema, ein spitzes Briefing und n guten Tag ;-)

    Aber wenn das Briefing einige Zeit zurück liegt, und man, bevor man sich wieder dringenderen Projekten zuwendet, die Zeit hatte sich über das zu Grunde liegende Thema zu informieren, so sieht das meiner Erfahrung nach anders aus:

    Selbst wenn ich in der Zwischenzeit keinerlei (Arbeits-) Zeit hatte mich (bewusst) dem Thema zu widmen, so können da dann doch auch zwei hochkonzentrierte Stunden ausreichen um mehrere gute Ideen zu produzieren.
    Gerade der Zeitdruck sorgt bei mir für Adrenalin und konzentrierteres Arbeiten…

    By the way, ich möchte ein ehrliches Lob für diesen Artikel aussprechen ;-)
    Freu mich auf Teil III.

    Schönes WE,
    Claude

  25. somiht

    @vroni:
    ok, ich verstehe, was du meinst.
    allerdings sehe ich das nicht so. ich kann da auch keine misere erkennen, vielmehr gelebte realität.
    aber das ist eine persönliche meinung, u.a. auch weil ich selbst besser und auch lieber unter druck arbeite. und für die erklärung brauch ich keinen psychologen, das sind ziemlich pragmatische gründe..

  26. Vroni

    Klar ist das Realität.
    Wer klug ist, sorgt aber immer für genügend inneren geistigen Vorrat und kann im Zeitdruck dafür dennoch Brauchbares bis Gutes abliefern. Es ist unrealistisch, sich für Bild- oder Textideen jeden Pups, Nasenkleber oder Flyer auf eine griechische Insel zur Inspiration zurückziehen zu wollen – das Zeug muss raus- und auch gar nicht sinnvoll. Auch für manche halbtechnische Ausführung braucht man nicht das Flow-Weihebesteck herrichten. Da muss und kann es schnell gehen.

    Doch Sachen, die wirklich wichtig sind (was wichtig ist, definiere bitte jeder für sich), da sollte man sich den entschleunigten Freiraum gönnen. Er ist dafür die bessere Methode, wenn man ungewöhnliche Lösungen sucht, die einem nicht im Standard einfallen.

    Nebenbei kann man mit den geistigen Nebenprodukten, die dabei entstehen, prima den inneren Vorrat für Flyer- und Schnellschnellideen aufforsten. Noch besser als der innere Vorrat ist der echte. Ich kannte einen Texter, der machte das systematisch. Schon manchmal tauchte eine verworfene HL-Serie unerwartet – und vor allem schnell!!- und wundersam passend bei einer ganz anderen Kampagne als Vorschlag wieder auf. Das nenne ich effizient wirtschaften ^^, mein lieber Scholli..

  27. somiht

    jetzt verstehe ich dich UND stimme dir zu!

  28. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Brainware: Kreativität trainieren - Kommunikation begreifen III

    […] – Fortsetzung von Teil II – […]

  29. Vanessa Unnon

    Komm grad hier vorbei, schöne Idee find ich

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