29.08.07
14:49 Uhr

10 Marketingstrategien mit echtem Nutzen

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Marketing Strategien
Wenn wir schon in der misslichen Lage sind ein Produkt verkaufen zu müssen, das keinen offensichtlichen Nutzen oder Alleinstellungsmerkmal besitzt, so sollten wir es wenigstens hinbekommen, dass unsere Werbung, unsere Kommunikation rund um das Produkt oder die Marke einen Nutzen vermittelt. Ein sehr schönes Beispiel ist das kürzlich vorgestellte Voodoo-Set einer Agentur. So etwas hat die einmalige Chance, dauerhaft als permanenter Reminder auf dem Schreibtisch zu stehen. Ein weiteres Beispiel für so einen Nutzen stammt aus dem Marketing und den angeheuerten Agenturköpfen von Nike. Auch hier ein ähnlich nützlicher Effekt für Jogger und die Chance auf einen täglichen bzw. regulären Einsatz. Damit sind wir ganz schnell wieder bei sogenannten Werbegeschenken. Sicher denken wir da gleich wieder an Kugelschreiber und ähnliches. Aber in der Tat, ein Kugelschreiber kann wirkungsvoller sein als viele 30-Sekünder. Doch auch Kugelschreiber werden mit der Zeit langweilig und sie ereilt das gleiche Schicksal wie den Werbespots. Zu viel Konkurrenz verschlechtert die Wahrnehmung.

Doch gehen wir einmal weg von den materiellen Dingen. Viel wichtiger ist doch die Frage, ob wir durch Kommunikation einen ähnlichen Nutzen hinbekommen können. Dazu möchte ich einfach mal ein paar Strategien in den Raum werfen, wir können gerne darüber diskutieren. Achtung! Es kann durchaus Schwachsinn mit dabei sein, also bitte nicht wieder gleich alles auf die Goldwaage legen:

1. Cliffhanger-Kommunikation
Eine große Geschichte wird in kleinen Portionen so erzählt, dass der Zuschauer gar nicht anders kann, als sich die nächste Folge anzusehen. Was in 30 Minuten funktioniert, kann auch in 30-60 Sekunden drin sein. Gerade das Internet bietet für diese innovative Art von Werbespots das richtige Umfeld.

Nutzen: Spannende Geschichte im Serienformat. Hohes Involvement und Bindung.

Herausforderung: Gute Autoren. Die Handlung an sich ist völlig egal, da sie in einem Satz, ja in einem Wort dargebracht werden kann. Gefahr, dass Markenbotschaft untergeht.

Beispiele: Gefängnisausbruch, Mystery-Insel oder Welt- bzw. USA-Retter sind hervorragende Cliffhanger-Themen.

2. Wisdom-Marketing
Der Zuschauer muss das Gefühl bekommen, etwas Sinnvolles dazuzulernen.

Nutzen: Aha-Erlebnis in Kombination mit Marke/Produkt.

Herausforderung: Spannende Fakten bildhaft und einfach dargeboten.

Beispiele: Top10-Checklisten im Internet (hehe), kurze Tipps & Tricks, How-tos in Spotform, Kurioses Wissen, Mythenaufklärung, Unbekanntes Bekanntes (habe mal eine Wissensshow zum Thema Piraten gesehen. Dort hat man gefragt warum Piraten Augenklappen trugen. Nein, nicht weil ihnen ein Auge fehlte, sondern weil sie dadurch ihre Nachtsehfähigkeit trainiert haben. Das ist eine Aha-Geschichte, die man viral weitererzählt)

3. Soulfood-Marketing
Es gibt Filmszenen, die gehen ans Herz, es gibt Szenen, die einen berühren. Dazu gibt es ein schönes Buch: „Hühnersuppe für die Seele“.

Nutzen: Ein gutes Gefühl erzeugen. Ein Gefühl von „Ja, der versteht mich“ initiieren.

Herausforderung: Gute Autoren, gute visuelle Umsetzung.

Beispiele: Kleine ZEN-Geschichten, therapeutische Geschichten, Happy Endings.

4. Bipolares Dreckmarketing
Allein meine Betitelung ist bipolar, sprich die Kommunikation ist so stark polarisiert (inkl. Tabubrüchen), dass sie sofort Gegner und Fans auf den Plan ruft. Die Stimmung/Meinung wir gegenseitig so aufgeladen, dass es zu einer Awarenessexplosion führt.

Nutzen: Awareness und Rekrutierung von eingeschworenen Fans der Tabubrüche, die sich auch als bekennende Markenfans verpflichten.

Herausforderung: Wie gehe ich mit den Gegnern um? Kann ich mir als Marke diese Art des Marketings leisten? Bestehe ich den Eiertanz?

Beispiele: Da gibt es wohl genügend. Von StudiVZ Ekelvideos (haben sogar einen eigenen Namen bekommen) über den Polo-Bomber bis hin zum Benetton-Fotograf. Eine der größten deutschen Agenturen, die damit jahrelang erfolgreich arbeitet und den Eiertanz meist gut absolviert, dürfte sicherlich JvM sein.

5. Exclusives Community Marketing aka Tupperware-Marketing
Exklusive Informationen und Betreuung an die Multiplikatoren von Communities (meist Community Manager) erzeugen sogenannte Brand Evangelists. Diese tragen die frohe Botschaft an ihre Community weiter.

Nutzen: Natürliche Mundpropaganda, die aber initiierend gesteuert werden kann.

Herausforderung: Ist das Produkt oder die Marke schlecht oder langweilig etc. kann auch der größte Multiplikator predigen. Es wird nicht ankommen bzw. er wird gar seine Credibility verlieren.

Beispiele: TRND und natürlich der „Godfather of Community Managements“ TUPPERWARE.

UPDATE: 6. Hatte ich vergessen. Siehe jetzt hier.

7. Understatement-Marketing
Wenn das Produkt gigantisch ist, sollte auch das Produkt ins rechte Licht gerückt werden.

Nutzen: Stellt Marke und Produkt in den Vordergrund.

Herausforderung: Tja, gutes Produkt eben.

Beispiele: Auch wenn viele stöhnen werden, aber das iPhone hat es mit den Produktspots vorgeführt. Der Nachteil von Apple: Durch ihr bisheriges Evangelistenmarketing haben sie mittlerweile etliche Gegener, die dagegen kommunizieren und am Produkt ansetzen.

8. Goodwill-Marketing
Tue Gutes und sprich darüber. Sollte aber schon etwas mehr Substanz haben als „Saufen für den Regenwald“.

Nutzen: Verbindung von Ethik, sozialer Verantwortung und die Vermittlung eines guten Gefühls beim Verkauf.

Herausforderung: Glaubwürdigkeit (wenn die dahin ist, ist alles zu spät), einfallsreiches Projekt, sensible und transparente Kommunikation. Wer so etwas „plant“ um den Verkauf anzuheizen wird scheitern.

9. Icecream-Marketing aka Tryvertising
Den Begriff habe ich kürzlich von Trina Roach gehört. Es geht darum einen Vorgeschmack von etwas zu bekommen, bevor ich es kaufe. Also Produktproben, Vorabkommunikation, Ausschnitte, Trailer etc.

Nutzen: Der Konsument macht sich vertraut und fühlt sich frei in seiner Kaufentscheidung. Er kann unter Umständen häppchenweise kaufen.

Herausforderung: Man braucht das richtige Produkt, die richtige Marke, um das anzuwenden. Wichtig ist auch die Dosis. Nicht zu viel, nicht zu wenig verschenken.

Beispiele: Alles was mit Produktproben zu tun hat. Siehe dazu vielleicht unseren Artikel zu Tryvertising.


10. Die-Zehn-macht-ihr-mir-gefälligst-voll-Marketing aka UGA
Das Buzzword des Jahres: User generated Advertising. Die Konsumenten kümmern sich um Markenführung, Konzeption und Spotproduktion . (Wann gibt es eigentlich User generated Mediaplanung? )

Nutzen: Der Markenfan kreiiert eine Werbung, die ihn selbst und damit auch andere potenzielle Markenfans ansprechen könnte.

Herausforderung: Konsumenten sind in der Regel keine Kommunikationsprofis. Sie begreifen nicht die subjektive Wirklichkeit und das Prinzip des gemeinsamen Nenners. Hier sind alle generierten Werbeinhalte Nieten oder Glückstreffer. Ebenfalls sind solche Aktionen schwer zu kontrollieren aber vor allem schwer zu motivieren. Letztendlich bleibt wieder die Arbeit einer professionellen Agentur, die das Ganze moderieren muss.

Beispiele: Da gibt es derzeit jede Menge. Vielleicht mal nach AAL im Werbeblogger suchen! ;-)

11 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    Hehe ich habe die 6 unterschlagen. Das wäre dann 666-Marketing aka Stealth Marketing. Passt ja jetzt ganz gut. Fake Account und Fake Comments in Blogs und Social Networks um Brand Evangelists vorzutäuschen.

    Nutzen: Awareness im Onlinebereich und Nutzung des viralen Nährbodens Social Software.

    Herausforderung: Völlig schmerzfrei sein und Skandale a la CK am Hintern vorbeigehen lassen. Ähnlich wie beim bipolaren Dreckmarketing besteht hier die Gefahr mehr Unmut auf sich zu ziehen und so der Marke zu schaden. Spiel mit dem Feuer.

    Beispiele: Diverse Kommentar- und Forenspammer. Prominent wohl sicherlich Calvin Kleins Aktion.

  2. Markus Widmer

    Die Mercedes-Printkampagne, die hier in einer österreichischen Tageszeitung läuft, ist für mich perfektes Wisdom-Marketing. Witzig, aber nicht aufdringlich verpackte kleine Fakten über das Produkt, die Marke, die Legende Mercedes. Hier ein Beispiel: kreisrot.at/blog/lab...

  3. Pat Riot

    Interessante Übersicht.
    Danke!

  4. woobby Blog

    Flyerei – Offline-Marketing für woobby?…

    Wir haben Video. Und jetzt auch Flyer. Wir probieren halt aus. Einige ganz Verwegene von uns haben heute auch Direktvertrieb offline getestet. Wohl mit gutem Erfolg. Ist zwar nix für den BUZZ. Aber was für die Rockband. Nein, Plakate werdet I…

  5. Geordie Boy

    Thanks für die geniale Übersicht. Hat mir bei bei einer PP Präsentation in der Schule geholfen! ;)

  6. elkeroch

    Bitte

  7. Jan

    Hallo Patrick,

    diese Top 10 Übersicht gefällt mir sehr gut. Besonders wichtig ist für mich der Fokus auf den echten Nutzen.

    Viele Grüße
    Jan

  8. Diesen Artikel schreibe ich nur für Dich

    […] sind, aber die niemand findet? Um überhaupt gefunden zu werden, sind aus meiner Sicht verschiedene Marketingstrategien sehr hilfreich. Ob es sich dabei um Suchmaschinenoptimierung, Social Media Strategien oder PR […]

  9. M Dressler

    Hallo,
    danke für diese wirklich hilfreiche Top 10 Übersicht. Gefällt mir besser als so manches 500 Seiten Buch zu diesm Thema.

    Viele Grüße
    Michael

  10. 10 Marketing-Strategien mit echtem Nutzen | Benjamin Pahl

    […] UPDATE: 6. Hatte ich vergessen. Siehe jetzt hier. […]

  11. Nachrichten – Ich halte sie nicht mehr aus | CID-NEWS

    […] Auslegungspredigt. Soll ich darüber berichten? Die Leserschaft warnen? Die Klickrate erhöhen? „Bipolares Dreckmarketing“ nennt man das: „die Kommunikation ist so stark polarisiert, dass sie sofort Gegner und Fans […]

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  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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