21.08.07
09:00 Uhr

Studikalender 2008 / Tchibos feinste Ideenernte

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Wieder nehmen Studenten das Heft in die Hand und reagieren kreativ mit eigener Gruppenbildung in StudiVZ, um ein Zeichen gegen diktierte und wertfreie AAL-Marketingprojekte zu setzen. Von Studenten FÜR Studenten ist sicherlich eine Formel, die sich in Zukunft einige verinnerlichen sollten, wenn sie denn Studenten zu Kreativ- oder Ideenwettbewerben einladen sollten.

Tchibo ist da leider etwas spät dran und auch sie lassen sich auf das fröhliche „Dynamitfischen der Ideen“ ein:

Studentinnen und Studenten entwickeln im Team neue Produkt-, Vertriebs- und Geschäftsideen. Anschließend präsentieren die besten Teams ihre Ergebnisse einer hochkarätigen Jury aus Tchibo Vorstandsmitgliedern und Marketingexperten. Wer gut ist, kommt bei Tchibo groß raus. (…) Die besten Ideen werden, sofern sie genügend Potenzial haben, realisiert. Ihre Erfinder dürfen sich die Hände reiben: Dem Gewinner-Team winkt ein Honorar von 6.000 €.

Also zusammengefasst: Ein Unternehmen (welches übrigens in diesem Zusammenhang köstlicherweise bald maxingvest ag heißen wird) mit 4 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2005 und ca. 13.000 Mitarbeitern, mit ethisch eh schon umstrittenem Image (Menschrechte, Datenschutz etc.), Empfänger des Plagiarius-Preises für Ideenklau, möchte für 6.000 Euro eine Strategie zur Verbesserung ihres Unternehmens entwickelt haben. Ich glaube für 6.000 Euro bekommt man gerade mal einen Unternehmensberater der oberen Klasse am Tag. Wir reden hier auch von Ideen, die Tchibos Umsatz um mehr als 6.000 Euro im Jahr steigern sollen. Die Generation Praktikum wird also derzeit immer stärker durch die Generation AAL ersetzt. Fantastische Karriereperspektiven versprechen fantastische Rationalisierungsperspektiven!

Doch zum Abschluss noch ein PR-textliches Schmankerl aus der Ausschreibung:

Am dritten Tag wird es für die Gewinner der ersten Runde spannend. Sie präsentieren das Ergebnis ihrer Arbeit vor der großen Jury aus Vorstandsmitgliedern und anerkannten Experten. Die lassen sich übrigens sehr gerne bestechen – und zwar durch Einfallsreichtum und Kreativität im Vortrag.

Auch hier wiederhole ich mich. Nichts gegen die Einbindung von Studenten in Karrierehubs oder Ideenwettbewerbe. Aber die Wertschätzung muss doch am Ende stimmen. Nur allein mit Hoffnung auf Kontakte oder einem Praktikumsplatz zu locken, ist unseriös und armselig. Es ist eine Meta-Unternehmenskommunikation, die auch außerhalb der Nachwuchsszene wirken wird.

13 Kommentare

  1. Steven

    Blöde Frage, aber kann mir mal bitte jemand AAL definieren? Ist die Abkürzung für was?

    Danke!

  2. Patrick Breitenbach

    Sorry, manchmal stecken wir zu tief drin: AAL heißt „Andere für sich arbeiten lassen“.

  3. Studikalender 2008

    @Patrick, super, dass du uns erwähnst,
    Ich weiß nicht ob du mitgekriegt hast, aber unsere Gruppe auf StudiVZ wurde zensiert…
    Und muss bis morgen inhalt und logo geändert sein, sonst wird sie vom StudiVZ gelöscht!

    Unsere Seite bleibt weiterhin glossyart.com/studik...

  4. Patrick Breitenbach

    @Studikalender 2008: Zensur? Na ihr lasst aber auch alles mit euch machen! (mehr oder weniger) Ist jetzt wenigstens die Zeit zum Austritt gekommen? Ich glaube nicht… ihr kleinen StudiVZ-Junkies ihr! ;-)

  5. Studikalender 2008

    Naja, auf StudiVZ gilt ihr gesetz, aber wir haben jetzt ein unabhängiges Forum erstellt, und diskutieren dort weiter.
    StudiVZ hat gemeint, die Idee wäre am Original zu „nah“…

    Also, nee, von Austritt ist nicht die frage, und nur das es klar ist, es wird kein „StudiVZ kalender“ sondern ein Studikalender! ;)

  6. Patrick Breitenbach

    Hmm. Dann bin ich mal gespannt, wann Facebook StudiVZ zensiert. Die sind auch am Original zu „nah“ ;-)

  7. Steffen

    Tchibo ist nicht spät dran, sondern hat solche Aktionen schon 2005 gestartet. Hab erst kürzlich meinen tollen Warengutschein als Dankeschön fürs Mitmachen eingelöst – nach 2 Jahren :-) … und trotzdem nix Gescheites im Laden gefunden.

  8. Joki

    StudiVZ entdeckt das Urheberrecht!
    Zumindest dann, wenns zu ihrem Gunsten ist. Gruppen die das Eleganz Logo/Bild verwenden und nicht systemkonformer Meinung sind, werden nun kriminalisiert und auf das Urheberrecht hingewiesen.

  9. Die Abzocke geht weiter at PROVOAKTION

    […] Nachdem Mister-Wong und Holtzbrinck die Notbremse gezogen haben hat sich das nächste Marketing-Genie in den Reigen der Abzocker eingereiht… Tchibo bietet diesmal 6.000€ für die Rettung der Marke… […]

  10. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Der Auszug der Communities

    […] für diese Art der “Auswanderung” sind vielfältig: zu penetrante Werbung, formal fragwürdige Mitmach-Aktionen, fehlende Markenbindung an das Social-Network an sich, träge und orientierungslose Moderation […]

  11. Die quasi gekaperte “Tchibo Ideas” Kampagne | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Die quasi gekaperte “Tchibo Ideas” Kampagne

    […] Es war also jede Menge los in Deutschlands Blogs. Das übliche bipolare System wurde hochgefahren und lief bereits auf vollen Touren, als dann plötzlich heute die echte Auflösung ins Haus zwitscherte. Siehe da, der Kaffeeröster und mehrfach ertappte Ideendieb Tchibo hat sich den lustigen Bloggerspaß ausgeheckt und zwar nicht um für ihre neue Themenwelt zu werben, sondern für ihr neues Web 2.0 Portal Tchibo Ideas. Am Mitmach-Web, um vor allem an günstige und rechtlich reibungsfreiere Ideen zu kommen, hat der Konzern offensichtlich einen Narren gefressen. […]

  12. Bloggen heißt: Geschenke bekommen - StyleSpion

    […] Es war Tchibo. Ziemlich langweilig, ziemlich mau, und die Seite um die es ging, ist etwas was Tchibo zwar neu gelauncht hat, das es aber schon längst gibt. Auch Don Choleriker lag genau so daneben, wie seine Wortwahl und Verleumdungen. Tags: Allgemein […]

  13. Björn

    Eben war ich auf dem Vortrag der Tchibo Ideas-Leute auf dem Community Camp Berlin, und ich muss sagen, es hörte sich doch erstaunlich fair an. Alle Konditionen kenne ich nicht, aber man kann wohl bei Einreichung seiner Idee ankreuzen, dass man an einer Zusammenarbeit mit Tchibo interessiert ist, und dann wird die Idee auch intern begutachtet, automatisch schon mal für den Einreicher geschützt, und der Erfinder kann dann auch am Gewinn beteiligt werden (und zwar nicht am rechnerischen Gewinn, sondern pro von Tchibo abenommener Einheit, also es klingt wirklich fair). Ob es diese Möglichkeit auch noch nachträglich gibt, weiss ich nicht. Ansonsten muss man sich halt darauf beschränken, nur Ideen einzureichen, die nicht mehr als ein paar tausend Euro wert sind…

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