20.08.07
16:27 Uhr

“Wer ist jung und braucht kein Geld?” oder “1x nackter AAL bitte”

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Das Thema Online-Identität wird zunehmend spannender und brisanter. Jedwede Aktivität wird mittlerweile in Bild, Schrift oder Ton nahezu auf Ewigkeit im Netz festgehalten. Scheinbare Jugensünden können den involvierten Personen in 5 oder 10 Jahren richtig zum Verhängnis werden, selbst wenn man durchweg die Einstellung vertritt “Ich stehe gerade zu allem was ich tue”. Das Thema wurde natürlich auch wieder im Zuge des Barcamps diskutiert und so entstand in einer Session, die eigentlich nur darum ging, wie man abseits des Mainstreams bloggt, das überaus spannende und einleuchtende Bild, welches eine Teilnehmerin skizzierte. Sie sagte sinngemäß: “Ein Blogeintrag kann wie eine Tätowierung sein. Die Möglichkeit besteht, dass man sie irgendwann nicht mehr haben will und dann wirds ärgerlich”.

Ich setze dem noch eins drauf und behaupte, dass das Social Web wie eine Ganzkörpertätowierung sein kann. So alte Hasen wie ich oder andere Netzjunkies können, so  denke ich, noch relativ gut abschätzen, was im Netz von einem auftaucht und was nicht. Beziehungsweise ich vertrete schon auch die Einstellung des “Ich stehe dazu, auch zu meinen Fehlern”. Allerdings bin ich auch keine 14-27 mehr und reflektiere noch die eine oder andere Spur, die ich im Netz hinterlasse. So würde ich beispielsweise auch nie auf die Idee kommen, an einem Pin-Up-Kalender teilzunehmen, den anschließen Millionen von Studenten, spätere Arbeitgeber und -nehmer, sämtliche Familienmitglieder etc. bewundern können. Gut, für viel viel Geld würde ich (als Mann) das vielleicht schon machen. Nur will das auch wieder niemand sehen.

Was ich sagen will, es geht mir gar nicht mehr darum die unsäglich dumpfen Marketingaktionen eines unsäglich dumpfen Unternehmens abzustrafen. Das gebe ich auf, ganz einfach weil ich der Affensprache nicht mächtig bin. Was ich möchte ist, dass ihr Studentinnen da draußen mal für eine Minute die Luft anhaltet und euch bitte mal kurz die möglichen Szenarien durchspielt, bevor ihr völlig überdreht auf Unterschriftenjagd an eurer Uni für eure Laszivfotos geht, die auf das größte deutsche Studentennetzwerk gestellt werden sollen. (Übrigens für umme, was sonst. Geld fehlt schließlich im Laden)

Stellt euch also vor, euer Foto ist dabei. Wie toll wird es wohl sein, wenn ihr von all euren Mitstudenten begafft und bepfiffen werdet. Wenn eure Mitstudentinnen euch für kleine Schlampen halten und ihr in kürzester Zeit zum Stadt-/Dorfgespräch werdet, auch außerhalb eures Studienortes. Stellt euch vor in der kleinen, stickigen 5qm Studentenbude eures Psychokommolitonen hängt euer Kalender und außenrum sind hunderte von kleinen Kerzen trappiert. Es muss sich mit der Lotion einreiben!
Ausziehen mag ja an und für sich eine freie, tolle Sache sein. Denkt aber bitte unbedingt darüber nach in welchem Kontext ihr euch nackich bzw. zum Objekt der sexuellen Begierde macht. Dabei war Mama und Papa doch so stolz, dass ihr eine akademische Ausbildung macht und keine Karriere als RTL2-Hupfdole. Und noch ein Tipp. Manche bekommen, wenn sie so etwas machen sogar richtiges Geld dafür.

via lanu 

20 Kommentare

  1. herrMartin

    Mein Senf als Fotograf:

    Ich finde die obige Argumentation, mit verlaub gesagt, unterirdisch bescheuert.
    Ok, die Wettbewerbsgeschichte und von wegen “für lau”, bei so einem großen Laden, finde ich auch armselig, eine marktübliche Gage würde die nicht in die Insolvenz treiben. Diese Umsonst Wettbewerbe, bei denen alle Rechte verschenkt werden, lassen mir auch die Galle hoch kommen – aber das ist ein anderes Thema.
    Was mich hier aber in Ihrem Artikel wirklich schäumen lässt ist dieses wirklich überholte gesellschaftliche Denken, einmal Titten in der Öffentlichkeit zeigen und das Ansehn ist für überall und immer versaut. Das ist Quatsch.
    Was aber leider auch oft bei solchen Aktionen rauskommt, nein eigentlich immer,und deswegen mach ich keine Aktfotos, sondern wenn nenne ich das direkt Tittenbilder, das AKT = diese typischen, langweiligen Spießer “Bodyscapes”, oder “schwarz-weiss” oder “ästhetische” Aktfotos meint – quasi das was man bei jedem 0815 Dorffotografen in der Auslage sieht …. Wenn es hochkommt noch FHM / Playboy – Galmourstyle. Ich find sowas unglaublich langweilig und unindividuell. Bodyscapes sind meine Diddlmäuse unter den Aktfotos. Ich liebe das ja, bei mir trudeln auch jede Woche Mails von gelangweilten Hausfrauen ein, die sich doch endlich mal trauen wollen und auch so schöne ästhetische Diddl-Akte wollen… selbiges passiert auch gerne auch Parties, wenn man erzählt man wäre Fotograf. Deswegen sag ich gleich immer “ne ich mach nur “Titten und Muschibilder von freizügigen Exhibitionistinnen”. Die Leute, die das nicht abschreckt, mit denen hat man dann auch evtl. die Chance bissel was spannenderes als Diddlerotik zu machen, gar Kunstscheisse™ :-)
    Und genau diese nicht Diddl Tittenbilder werden dann auch immer ganz stolz im Freundes und Bekanntenkreis rum gezeigt. Was soll man auch dagegen Sagen, wenn jemand Attraktiv ist und dabei wirklich interessante Fotos entstehen?
    Oder rührt das aus einer Logik: ” Die hat sich ausgezogen, naja wenn se sowas vor der Kamera macht, dann hat se bestimmt auch gleich mit dem Fotografen geferkelt, die Schlampe!” ??
    Also Bitte.

  2. Martin Peterdamm Photographie » Blog Archiv » Kommentar: studiVZ-Eleganz Kalender 2008

    [...] Werbeblogger: “Wer ist jung und braucht kein Geld?” oder “1x nackter AAL bitte” [...]

  3. Patrick Breitenbach

    Da hast du mich falsch verstanden, “herrmartin”. Ich habe nix gegen Diddlakt, Kunstscheisse oder Pornobildchen, warum auch? Dass es aber gewisse Effekte geben kann (auch in einer ultraaufgeklärten und lockerflockigen Gesellschaft), wenn ich bei über 1 Mio. vernetzten Studenten als digitales Foto rumgereicht werden kann, das dürftest du wohl nicht abstreiten.

    Wie gesagt, soll jeder machen was er will. Aber soll niemand sagen, er wurde nicht gewarnt.

    BTW: Ich find Sex immer noch geiler als Gewalt! ;-)

  4. herrMartin

    mist mein text ist jetzt weg. nochmal.

    Aber muss es denn immer diese Diddl-Erotik sein? Ok, das ist der große Konsens, jeder zweite Fotograf macht sowas oder würde es gern können, jede Wischtechnikliebhaberin findet das Ästhetisch. Und genau wegen diesen großen Konsens wird das bestimmt niemanden negativ angehaftet werden da mitgemacht zu haben. Ich orakel das jetzt einfach mal so.
    Beispiel Aktkalender der Bremer Sportstudenten. Würde in den Medien auch bejubelt und bis zum abwinken gefeatured. Alle fanden das total klasse. Ich kann mich nicht entsinnen jemals Kritik dazu gehört oder gelesen zu haben. Als Fotograf dagegen was zu sagen in der Öffentlichkeit, na ja da kann man auch gleich auf den Boden stampfen und sich hin schmeissen und heulend hin und her rollen. Weil bei so einer Medienpräsenz und Konsens würde das immer als Neid abgestritten werden. Ich fand das war genau diese 1A Diddlerotik. Klar auf den Medienhype bin ich auch neidisch – aber auf solche Bilder bestimmt nicht.

    AAber Studivz hat ja schon gezeigt gern zu polarisieren, hat einen bekannten Namen und einen Dicken Geldgeber im Nacken. Also könnten die in einer anderen Welt auch jemand anderen, einen “coolen” Fotografen, gar mit Namen, angagieren und was Spannendes machen.

    Ich würde aber fast meine rechte Klöte drauf verwetten das wir hinterher Diddlerotik oder Playboy Galmourstyle sehen werden.

  5. Patrick Breitenbach

    Da stecke ich nicht tief genug drin ;-)

  6. herrMartin

    ich schon :o)

  7. GIZA

    “Also. Das mit den Viral-Videos war ja wohl nichts.”
    “Stimmt.”
    “Und der Werbecontest ging auch eher in die Hose.”
    “Hör mir blos damit auf…”
    “Was machen wir jetzt? Na, ne idee?”
    “Brüste! Sowas kommt IMMER an!”
    “Super Idee. Aber nicht so schmuddelig. Nennen wir es doch eleganz!”

    Was kommt als nächstes? Cannoball durch Sachsen-Anhalt?

  8. Andreas Rodenheber

    @ herrMartin
    Meinst du tatsächlich, sie kommen an die unerreicht hohe künstlerische Qualität des Jungbäuereinnen-Kalenders
    jungbauernkalender.d...
    und des Siklehrerinnen-Kalenders
    skilehrerinnen.at/
    heran?

  9. herrMartin

    haha jetzt oute ich mich… hab mir grad die landmädels angeschaut und das ist doch nen netter style, also man sieht das der fotograf aus der werbung kommt. das styling der mädels ist teils unglücklich, ausgenommen das erste, dieses bdm mädel. mit bissel mehr photoshop würden die bilder sowas von rocken. also nen bissel witz haben die schon.

    ja der ski kalender is langweilig, ein zwei nette sachen sind da auch bei, aber viel zu laaangweilig.

  10. herrMartin

    und interessanter wäre sowas dann hier schon
    fc03.deviantart.com/...

  11. Patrick Breitenbach

    @herrMartin: Auf alle Fälle hast du ein spannendes Portfolio. Hab ich mir gerade mal angesehen. Lust auf einen Podcast über Fotografie?

  12. Studikalender 2008

    Wir möchten einen Studikalender von und für Studenten – und keinen Kalender, für den ein Profifotograf die Fotos macht und der Gewinner des “StudiVZ-Eleganz-Wettbewerbes” als Assistent nur den Reflektor halten darf.

    glossyart.com/studik...
    Gruppe im StudiVZ: “Studikalender – von Studenten für Studenten”

  13. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Studikalender 2008 / Tchibos feinste Ideenernte

    [...] Hand und reagieren kreativ mit eigener Gruppenbildung in StudiVZ um ein Zeichen gegen diktierte und wertfreie AAL-Marketingprojekte zu setzen. Von Studenten FÜR Studenten ist sicherlich eine Formel, die sich in Zukunft einige [...]

  14. Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz ||| Handelskraft |||

    [...] werbeglogger.de, marnem.de Hinzufügen: del.icio.us | digg | technorati | yahoo | yigg | wong | [...]

  15. r3ite

    Als Fotograf muss man, um sich zu bewerben, mindestens 5 Bilder hinschicken, die EIGENTUM von StudiVZ werden, dann ‘darf’ man einige Tage dem ‘Profi’ assistieren, der die Bilder macht. Ach ja: Ne eigene Kamera mitzubringen wird dem sich bewerbenden Fotografen strengstens untersagt :D… Wahnsinn.

  16. Kai

    @photograf:
    es ist nicht unbedingt die denkweise des autors. die ursache liegt in der schitzophränie der bedürfniserzeugenden gesellschaft und deren opfer.

  17. herrMartin

    r3lite: ne das stimmt nicht ganz, die räumen sich nur nutzungsrechte ein um im rahmen dieser aktion diese eingesanten bilder auch zeigen zu dürfen. macht irgendwie sinn, denk ich.
    naja es werden quasi die assi stellen ausgelost, die sogar mit 500 euro bezahlt werden.
    als assi bringt man eher selten die eigene kamera mit. man macht als assi auch mal making-of bilder… studivz will genau an diesen bildern die rechte… das is eigentlich auch nicht so ungewöhnlich. hab selber schon ganz ähnliche geschichten als fotograf gemacht.
    was ich blöd finde ist, wie es kommuniziert wird, das ist sehr mißverständlich. man könnte denken das es bei der verlosung darum geht, das man selber als fotograf ausgewählt wird.

    patrick: danke. och warum nicht. wenn du bestimmte vorstellungen hast oder ideen sollten wir mal mailen. wobei ich sehr untypisch arbeite …. vielleicht wäre eher was zum thema photoshop spannend.

  18. Bastian

    Manueller Trackback: gedankenstuecke.de/i...

    Aus “andere arbeiten lassen” machen die Jungs & Mädels vom StudiVZ kurzerhand “andere ausziehen lassen”. Linus hatte mich ja auf die Aktion ja schon in den Kommentaren aufmerksam gemacht.

    Um es kurz zu machen: StudiVZ sucht Studenten/Studentinnen die sich für Umme ausziehen….

  19. Andreas Rodenheber

    watch-berlin.net/vip...
    (ohne Worte)

  20. j :: Zu wenig Geld? Zuviel Geld ? Für wen? - Gläserner Arbeitsloser :: March :: 2008

    [...] die du zur Verfügung hast. Da du die Miete bezahlt kriegst (und die Heizung), musst du lediglich Strom, Kleidung, Lebensmittel usw. zahlen. Wenn du einmal die Woche für 50 Euro Lebensmittel, [...]

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