17.08.07
11:38 Uhr

Des Chinas Kern?

Platz schaffen durch Bleifarbe. Im Endeffekt sind die Langnasen ja selbst daran Schuld. Sie sind im Vergleich zum Großteil der chinesischen Bevölkerung stinkreich, aber eben auch so geizig, dass sie die meisten Produkte aus der Billig- und Sklavenproduktion beziehen wollen. Statt ein gutes und wertvolles Spielzeug müssen es gleich 10 Billige sein. Masse statt Klasse – auch wenns abgedroschen klingt. Abgedroschen deshalb, weil man meist “Klasse” predigt, aber dann eben aus Bequemlichkeit oder permanenter Unzufriedenheit nur “Masse” lebt.

Wohin diese sich (bald durch)drehende Preisschraube führt, erkennen wir am jüngsten Mattel-Skandal. (Kleiner Kalauer gefällig? Mattel hat tatsächlich einen “Giftguide” http://www.mattel.de/giftguide.php) Die Strategie der Billigproduktion wendet sich nun voll gegen den Konzern und das äußerst spürbar. Immense Imageverluste, Aktienkursstürze und millionenteure Rückrufaktionen werden den Spielzeugvertrieb (Hersteller darf man ja fast nicht mehr sagen) hoffentlich auch zu einem Umdenken bewegen.

Als elementar wichtiger sehe ich jedoch den Lernprozess für die Konsumenten. Erneut erteilt uns die Konsumpolitik rund um China eine wichtige Lektion in Sachen “bewussteres Kaufen”. Denn nicht die armen, in Chinas Fabriken schuftenden, Kinder – tausende von Kilometer entfernt – wecken unsere Sorge, sondern die unmittelbar nahe, heimische Panik vor Blei in den Mündern unserer eigenen lieben Kleinen lässt uns urplötzlich aufhorchen. Die Frage ist nur wie lange? Ob wir uns jedoch aus unserer Bequemlichkeit gespeist aus Preisbewusstsein, Unwissenheit und Vertrauen in turboprofitorientierte Handelskonzerne befreien können, das dürfte die große Frage der Zukunft sein. Zumal kein Land über so eine schnelle Inszenierungsbegabung verfügt wie China. Man kann es ja fast schon als eine Art staatliches Disneyland betrachten, dass seinen äußeren Schein um jeden Preis aufrechterhalten will. Vor allem wenn demnächst die Weltspiele anstehen. Solange wir alle also unseren Spaß möglichst schnell wieder bekommen ist doch alles gut, oder? Es steht also schnelle Konsumbefriedigung unsererseits gegen Menschenrechtsverletzung, Armutsschere, Umweltzerstörung und diktatorischem Regime auf Seiten Chinas. Wir bevorzugen also jederzeit lieber eine billige Actionfigur gegen das Leben echter Menschen.

Bevor jedoch wieder jemand ruft: Die Werbung sei an allem Schuld, sie manipuliere die Menschen und zwingt sie förmlich zum Konsum. Denkt mal lieber darüber nach, inwieweit ihr euch denn gerne zwingen lasst. Zu diesem Spiel gehören nämlich immer zwei. Geiz war geil, es kann und wird aber auch genauso gut in die andere Richtung fließen. Werbung ist weder gut noch böse. Werbung ist nichts anderes als der Kommunikationsspiegel der Gesellschaft, jedenfalls wenn es um die materiellen Bedürfnisse einer Gesellschaft geht. Nachfrage und Angebot in einem sich gegenseitig bedingenden Wechselspiel. Beide können wichtige Impulse setzen. Vergesst das bitte nicht.

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13 Kommentare

  1. Sebastian

    Angesichts bleivergifteten Kinderspielzeugs von “selber Schuld” und “Lernprozess” zu sprechen ist wirklich geschmacklos!

    Mal ganz davon abgesehen, dass, wenn überhaupt, dann nur die Eltern “Schuld” sind und diese wohl nicht mit der Krankheit ihrer Kinder bestraft werden sollten, oder?

  2. Patrick Breitenbach

    @Sebastian: Geschmacklos ist für mich was ganz anderes. Das habe ich beschrieben. Mir liegt nichts ferner als dass ich es gutheiße, dass unser Konsumverhalten auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen wird. Die alleinige Schuld spreche ich – schon allein aufgrund der Komplexität des Gesamtsystems – im Übrigen niemanden zu, da hast du zuviel hineininterpretiert. Das steht MIR nämlich überhaupt nicht zu. Im Übrigen bringt Schuld nicht ein Stück weiter, sondern löst dsas Problem in scheinbare Luft auf, denn so gibt man Verantwortung schön wieder ab.

    Habe lediglich meine Gedanken zu dem Thema in Worte und Sätze gepackt. Das ist schon mehr als manch andere tun und immer noch zu wenig.

  3. vroni

    Die Strate4gie des billig-Billig geht auf aus zwei Gründen:

    1. Die einen sind schnäppchengierig.

    Das hat die Werbung leider mit zu verantworten. Denn sie hat die Schnäppchengier in trauter und huriger Ko-Allianz zusammen mit dem Unternehmen angeheizt und (das ist der Punkt, jetzt kommts) salonfähig und “smart” gemacht. Vorher war es noch a bissi pfui, mit dem Pelzmantel durch den Aldi zu tigern, nach der Geiz ist geil-Kampagne war es kein Problem mehr, da geil und hui und wie smart man doch genau deswegen sei. Man musste sich nicht mehr schämen, es gab “Erlösung”.. Das war die Botschaft, und die kommt… von der Werbung.

    Werber sind perfekte Umdeuter. Und diese Umdeutung kommt nicht aus der Gesellschaft selber, sie ist nicht einfach nur gespiegelt. Sie war gezielt werbestrategisch gebaut. Muss dazu sagen, das ist ein geschichtliches Novum. Vorher war Werbung tatsächlich mehr oder weniger nur “Spiegel” oder Zerrspiegel.

    2. Und andere können sich wirklich nur billig-billig leisten.

    Und wenn es damit so weitergeht: haben nicht einmal Geld für Bleispielzeug (fast gottseidank). Und Geld nur für billig-billig-essen oder auch mal gar nichts essen. viele Kinder könne sich nicht merh das Essen in der Schukle leisten stern.de/politik/deu...

    Auch Punkt 2 (dass die Schereimmer weitr aufgeht) hat indirekt die Werbung mit zu verantworten durch das Anheizen der Gier und des Geizes. Derzeit brummt nur der Export, wenn überhaupt was “brummt”. Und der Billigimport. Wer genauer hinsieht, weiß, was los ist.

    Ich kann die Werbung nicht freisprechen, Patrick.

  4. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Ich spreche weder frei noch schuldig! :-)

    Wie gesagt beide tragen dazu bei aber beide können eben auch etwas verändern.

  5. vroni

    Wer ist beide.

    Ich sehe drei: Verbraucher, Hersteller, Werber.

  6. Patrick Breitenbach

    Jo. Die meine ich. “Beide” war falsch formuliert. Wobei das komplexe System sicherlich auch noch weitere “Teilnehmer” hat. Z.B die Regierungen anderer Staaten etc.

  7. Manuel

    Neben Geiz ist geil (wusste gar nicht, dass Mattel®™ billig wäre) ist es doch auch häufig die Unwissenheit der Konsumenten. Entweder wissen sie nicht, dass in China produziert wird, oder sie gehen davon aus, dass Markenhersteller schon auf die Standards achten. Pustekuchen!

    Schade, dass mittlerweile kaum noch in der EU produziert wird. Da muss man sich ja schon fast bedanken, dass z.B. Mammut®™ in Portugal zusammennähen lässt, während North®™Face®™ wie viele andere in China herstellen lässt. Aber die Preise, die sind absolut europäisch!

  8. Patrick Breitenbach

    @Manuel: Unwissenheit und ein Stück weit Bequemlichkeit, wobei ich mich nicht ausschließe. Möchte man also dem entgegenwirken, sollte man versuchen diese Art von Informationen zugänglicher zu machen. Bzw. auf der anderen Seite eine Art “Produkt-Whitelist” erstellen. Das Web böte da durchaus spannende Ansätze für solche Informationsanwendungen.

  9. Manuel

    Also eine Liste, ähnlich wie wikifood.eu, bloß eben für Hersteller-Orte und Produktionsbedingungen? Sicher, eine schöne Idee. Das könnte aber nur von einer Organisation gestemmt werden, die an die Informationen rankommen kann. Denn “made in China” und “made in China” sind ja häufig zwei Paar Schuhe, aber das Einzige, was auf den Labels draufsteht…

  10. Patrick Breitenbach

    @Manuel: Wikifood ist ein richtig schönes Beispiel. Nämlich ein negatives Beispiel. Jedenfalls was die Zugänglichkeit und die Kommunikation angeht. Ich muss als Nutzer unheimlich viel Zeit & Energie darauf verwenden, um an meine Information zu gelangen. SO darf es natürlich nicht gemacht sein, wobei es inhaltlich ja passt.

  11. Manuel

    Jupp, über die Usability habe ich mich auch schon mal ausgelassen:
    vital-genuss.de/unte...

    Liegt wahrscheinlich am Forschungs-Hintergrund, keine Ahnung.

    Wer könnte denn so eine Hersteller-Whitelist zusammenstellen?

    Es müsste eine Allianz aus Ökotest, Stiftung Warentest (für die Analysen), TÜV (die Funktion), Amnesty International, Transparancy International (für die politischen Hintergründe), Greenpeace und WWF sein (Umweltschutz am Herstellungsort) sein. Krieg die mal alle zusammen an einen Tisch ;-)

  12. Patrick Breitenbach

    @Manuel: Vielleicht kriegt man die schneller an einen Tisch, als man denkt: werbeblogger.de/2007...

  13. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Jetzt kommt das Wirtschaftsjeanswunder

    [...] Neuss in der Nachkriegszeit. Im Zuge von menschunwürdiger Produktion unserer Konsumgüter, Bleihaltigen Produktionsmittel und mangelnder Qualität hat sich die deutsche Jeansmarke “Wirtschaftswunder” unter [...]

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
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