16.08.07
12:50 Uhr

Werbernachwuchs

{lang: 'de'}

Die Deutsche Fussball-Nationalmannschaft war vor gar nicht so langer Zeit ein müder Haufen von Senioren-Kickern, die den „Tante Käthe-Effekt“ auf dem Platz zunehmend als angegrautes Gekicke umsetzten und der 2004 seinen Tiefpunkt erreichte. Das Image der Nationalmannschaft war dahin; einen Aufschwung wollte man dem Nachwuchs nicht zutrauen. Mit Klinsmann kam der Blick und das Vertrauen in diesen Nachwuchs zurück, gepaart mit einem dritten Platz bei der WM 2006, der wie die Fussballkrone gefeiert wurde.
Auch im Vereinsfußball sind nur noch diejenigen Mannschaften international erfolgreich, die einen strategischen Fokus auf die eigene Nachwuchsarbeit setzen. Zum einen, weil jeder eigene Zögling „wirtschaftlicher“ ist, als fremd über den Transfermarkt zugekauftes Personal, zum anderen, weil die Loyalität, Bindung und Indentifikation zum Verein ungleich höher ist als bei Legionären und Fussball-Söldnern.
Was für den Vereinsfußball gilt, lässt sich durchaus auf die Werbebranche übertragen:

1. Speist den Nachwuchs nicht mit einem Dauerabo als Praktikant ab.

2. Gebt Anerkennung für geleistete Arbeit in der ersten Liga durch Lob, Förderung und entsprechende Vergütung.

3. Zeigt eurem Nachwuchs eine klare und erreichbare Perspektive auf und haltet euer Wort.

4. Legt die branchentypischen Attitüden ab. Eine Diva ist am Ende immer einsam, umgeben von eitlem Ungeziefer, das das Licht sucht.

5. Geht dahin, wo der Nachwuchs ist, auch wenn es der Web-Bolzplatz um die Ecke ist.

6. Nutzt alle Gesprächsplattformen, die der Nachwuchs euch bietet.

7. Hört dem Nachwuchs zu, sprecht auf Augenhöhe und ohne Branchen-Kauderwelsch.

8. Pinkelt nicht auf eben diesen Bolzplatz, bei dem ihr den Nachwuchs vermutet.

9. Verlangt nur das von eurem Nachwuchs, was ihr euch auch selbst abverlangt.

10. Helft denen, die sich nicht selbst helfen können, es aber Wert sind.

Bitte fortsetzen…

11 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    11. Lasst den Nachwuchs nicht knallhart im Tagesgeschäft verbrennen.

  2. Nils

    [12. nach diesem Beitrag] Sorry für den Unterbruch. Muss aber jetzt raus, da ich teil des Nachwuchses bin. Ich habe diesen Artikel mit großer Freude gelesen, weil ich ein umdenken (weg von der Generation Praktikum) für sehr wichtig halte. Ich bin gespannt auf die Liste, des Weiteren bitte ich um Beachtung dieser… ;-)

  3. ramses101

    12. Lass den Nachwuchs seine Fehler machen und stell dich vor ihn, wenn es darum geht, sie auszubaden. Danach klärst du es mit ihm.

  4. Alex Flockau

    13. Holt euren Nachwuchs nach dem Studium zurück in die Agentur, oder besser unterstützt ihn während des Studiums & bietet ihm eine inter. Netzwerk an!

  5. gordon euchler

    -4) teil dieser attitüden bedeutet auch dass wir grenzen ignorieren. wenn man dazu brüllen muss – von mir aus. besser als langeweile

  6. Christian Stuhlmann

    14. Jeder ist mal mit Kaffee kochen dran. Ausser Teetrinkern.

  7. C.

    eure worte in ehren – aber ist nicht auch die gegenfrage eine interessante?

    was muss der nachwuchs leisten? mir kommen immer häufiger bewerber vor den schreibtisch die horrende gehaltsvorstellungen verbinden mit nicht vorhandener erfahrung und ein durch die uni ziemlich versuates agenturbild. junge leute ohne feuer, die die agenturszene nicht kennen, die nicht hungrig sind nach guter kreation oder spannenden projekten, denen die plakatkampagne lieb aber der beipackzettel ein leid ist und und und…….

  8. Trina Roach

    Aus langjaehriger Erfahrung weiss ich, dass es in vielen Faellen reichen wurde, wenn die Agenturen – grosse wie kleine – (endlich) bereit waeren das sprichwortliche „talk the talk AND walk the walk“ zu praktizieren wenn’s um das eigene Nachwuchsprogramm geht. Denn auch wenn Lehrjahren keine Herrenjahre sind, sollen sie auch keinesweg zu Sklavenjahre mutieren, die nur mit viel Hoffnung auf „pie in the sky by and by“ durchzustehen sind.

    Image hin und Perception her: Am Ende des Monats ist die harte Realitaet des eigenen Kontostandes (und des individuellen Schlafbedarfs) langfristig kaum zu entrinnen.

    Selbstredend muesste es aber auch so eine Art Gefahrenmelder geben, der losgeht sobald ein Absolvent, der sein Wissen ueber das Leben in der Agentur von Vorabendserien bei den Privaten erhascht haben, die Agentur betritt.

  9. Mirco Hecker

    Wieder einmal geht es um die „Generation Praktikum“. Muss hierzu jeder Praktikant zählen? Wir denken nicht! Studenten müssen Praktika absolvieren um Erfahrungen zu sammeln. Daran führt kein Weg vorbei. Auf die Erfahrung aber können sie nach dem Studium aufbauen und durchstarten.
    In der Praxis sieht das natürlich oft anders aus! Es ist nämlich nicht immer leicht, die schwarzen Schafe unter den Praktikumsanbietern zu erkennen. Hier können wir helfen. Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen setzt sich seit langem für die faire Behandlung von Praktikanten ein. Unsere Standards sind den hier definierten 10. Geboten nicht unähnlich (wenn auch nicht ganz so spitz formuliert). 2/3 unserer Mitgliedsagenturen haben die Standards bereits anerkannt und zum Gegenstand ihrer Praktikumsausbildung gemacht.
    Wir wissen aber auch, dass die Studenten die GWA Praktikumszertifizierung oft nicht nachfragen! Warum? Ist Sie nicht bekannt? Bitteschön: gwa.de/Praktikum.217....
    Wir geben euch ein Druckmittel. Seid selbstbewusst und fragt beim nächsten Praktikum nach der GWA Zertifizierung oder zumindest danach, ob das Praktikum den GWA Standards entspricht. Aber denkt auch daran, dass ihr die Qualität, die ihr fordert, der Agentur auch zurückgebt. Nur dann bleibt ihr in guter Erinnerung und könnt nach eurem Studium durchstarten.
    Liebe Grüße aus Frankfurt
    Mirco Hecker
    Public Relations / Content Management
    Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA

  10. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Mirco
    Danke für die informativen Hinweise an unsere Leser. Ganz nebenbei freuen wir uns, dass auch der Gesamtverband unserer Branche einen Blick in den Werbeblogger wirft ;-)

  11. al

    gute leute werden (fast) immer übernommen. es ist ja nicht so, dass alle praktikanten was können.

Eure Kommentare

Feed
  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop