08:15 Uhr
ARS Berlin beweist Loyalität
Als Agentur muss man schmerzbefreit sein, wenn man in der kleinen Welt der großen Kunden mitmischen möchte. Es gibt unausgesprochene Gesetze, jeder kennt jeden und überhaupt, wer drin ist …
… ist erstmal drin.
Doch fast die wichtigste Regel, die eine Agentur im harten Big Brand Brimborium befolgen sollte lautet:
Du sollst stets der Puffer deines Kunden sein.
Ist Werbung schlecht, hat der Verkauf nicht angezogen oder gibt es gar richtig schwerwiegende PR- und Imageprobleme, so MUSS die Agentur sich zwischen den wuchtigen Körper des Kunden und der herannahenden Silberkugel einiger widerlicher, stets nörgelnden Moralisten und Werbeethiker werfen. Abfangen und Schlucken, heißt die Devise. Passt ja dann auch irgendwie zum Bild und Klischee des Gunstgewerbes, in dem sich viele Werber andauernd selbst sehen.
Daher ist das Verhalten von Aimaq Rapp Stolle in Berlin hoch anzurechnen. Sie springen ohne mit der Wimper zu zucken über die geschärfte und eiskalte Klinge ihres Kunden StudiVZ (Holtzbrinck), der nun zwischenzeitlich schön auf Abstand geht und plötzlich nichts mehr von einer Freigabe der viralen Clips wissen will. So werden nun statt Vegetarier, Werber den Schweinen zum Frass vorgeworfen.
Don hat in der Blogbar ebenfalls die Szenen einer Ehe zusammengefasst.
19 Kommentare
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- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
- Brian: Der Titel ist genial. Danke :).
- PlaceY: @Tobias Mandelartz : “..denn er bewahrt einen davor, für einen Kandidaten anzurufen , der sowieso schon haushoch überlegen...
- Gerry K.: Der hat sich das nicht beim Sport sondern bei den Call-In Sendungen abgeschaut. Nichts anderes ist das. Schon das Anheizen der...
- Herr Bergauer: Bei den Problemen, die Mercedes (besonders mit Rost und Elektrik) in den letzten Jahren gehabt hat, würde ich den aufdringlichen,...
- peekaboo321: Sicher ist es möglich von der anderen Seite anzuschauen und hahaped wird damit helfen.

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Am 14. August 2007 um 10:00 Uhr
[...] des StudiVZ haben sich inzwischen mit fadenscheinigen Argumenten von der Kampagne abgewendet und die Agentur alleine [...]
Am 14. August 2007 um 10:32 Uhr
das war doch die ganze zeit bekannt, dass die veröffentlichung ein “versehen” war. das wollte auch ars nicht. man weiß noch nicht einmal, wer schuld ist. da hat eine einzelne person gehandelt und das zeug ins netz gestellt.
Am 14. August 2007 um 10:39 Uhr
nee, klar die agentur macht das ja nur aus jux und dallerei auf eigene kosten ohne das mit dem kunden abzusprechen. immer schön den schwarzen peter weiterreichen.
Am 14. August 2007 um 10:47 Uhr
Also Mal ernsthaft, die hier stattgefunden Diskussionen waren superinteressant (z.B. Thema “Viral”) und hatten auch Ihre Berechtigung (Niveaulos usw.).
Aber das eine Agentur Ideen produziert, und diese dann geprüft werden, dass ist ja nun nicht so unwahrscheinlich, oder?
Und was jetzt passiert, dass ist doch auch nur stinknormale Krisen-PR, wenn die Karre durch welche Gründe auch immer ins Klo gefahren ist.
Am 14. August 2007 um 11:39 Uhr
hatte ars die spots nicht damals dem horizont-blog zugespielt? oder hat da jemand aus versehen auf “senden” geklickt?
Am 14. August 2007 um 12:33 Uhr
nein, jemand hatte die bei youtube eingestellt. der rest war eine lawine. und ich weiß von jemandem, der bei ars arbeitet, dass es keine absicht war. (der, der da arbeitet mag die spots übrigens nicht so gern. schlimm findet er sie aber auch nicht)
Am 14. August 2007 um 12:39 Uhr
@al
na ja, bei off the record klang das noch ein bisschen anders. zitat:
“… Angesichts der Produktionszyklen der Printausgabe bekommt Horizont, ebenso wie andere Blätter, hin und wieder Kampagnen-Material (TV oder Online) zeitig genug, damit die Artikel es möglichst zeitgleich mit der Kampagne ins Blatt schaffen. Wahlweise von den Unternehmen oder den Agenturen. Ein völlig normaler Vorgang.
Nach einem kurzen Gespräch zwischen Tür und Angel mit dem betreuenden Printkollegen bin ich nachlässigerweise davon ausgegangen, dass die Kampagne schon irgendwo platziert ist und schon angelaufen ist …”
Am 14. August 2007 um 12:44 Uhr
[...] konstruktiven Elemente einer Mundpropaganda impliziert. Was nun allerdings im Zusammenhang mit den unsäglichen Videos einer Werbeagentur aus Berlin im Auftrag des umstrittenen Studentenportals StudiVZ geschieht, hat mit Empfehlungs-Marketing [...]
Am 14. August 2007 um 13:04 Uhr
Also, jetzt mal Butter bei die Fische!
ARS hat laut blogbar.de/archiv/20... eine Pressemitteilung an Horizont geschickt. Die Meldung ging allerdings zuerst in das Blog von OTR, dann in die spätere Printausgabe. Parallel hat OTR die Videos auf Youtube hochgeladen und damit als einziger unabsichtlich, vor offiziellem Seeding, die Videos unter die Leute gebracht.
Keine Absicht? Ja, keine Absicht, dass die Videos früher und auf anderen Kanälen erschienen sind, als geplant war.
Dass hier angeblich keine Freigabe des Kunden vorlag erscheint mir nach Versand der Pressemitteilung entweder selbstmörderisch oder eben völlig unglaubwürdig von Seiten StudiVZ.
Am 14. August 2007 um 14:10 Uhr
Ich hab’s auch beim Don drüben gesagt:
Keine Agentur lässt was drucken oder geht mit etwas on air, wenn es vom Kunden noch nicht freigegeben ist. Sie gibt auch keinen Film aus der Hand, der noch nicht frei ist. Außer es ist eine Küchenagentur, die von nix eine Ahnung hat, denn das ist hochgradig unprofessionell und gefährlich.
Aber was wissen wir schon außer dass es aktuelle Pressesprecher-Stunts gibt. Wer nicht weiß, was wirklich war, muss glauben (glauben heißt nicht wissen) oder die Klappe halten.
Wenn ich überhaupt irgendetwas glauben soll, dann nehme ich lieber an oder untersuche die Wahrscheinlichkeit, weil ich es mit Religion im Geschäft nicht so habe:
Das ist ein Pressesprecher-Stunt, was wir da sehen. Die Wahrscheinlichkeit ist einfach größer.
Nächstes Beispiel, ähnliche Ecke:
Glos und seine Agentur (Flaskamp). Die nimmt jetzt auch alle Schuld auf sich und hat angeblich intern ausversehen oder schuldhaft Redaktion und Werbung vermischt…
Für den Kunden die Silberkugel in Empfang nehmen: Ist das “ordentliche” Agenturhonorar so exorbitant hoch, dafür, dass man als Agentur Imageschaden (inkl. zukünftigen Kundenverlust) so locker wegstecken kann? Oder gibt es für solche Fälle gerne “außerordentliche” Lösungen.
In Sizilien nennt man das Schweigegeld.
Aber ich bin schon ruhig.
Am 14. August 2007 um 14:20 Uhr
@Vroni: Schweigen ist Gold! ;-)
Am 14. August 2007 um 14:35 Uhr
Reden ist in dem Fall Gold, wie Paartherapeuten wissen
Vor allem, wenn es langsam sizilianisch wird.
Aber es müssen die reden, die es betrifft (nicht die anderen).
Und da tut sich nichts. – Holtzbrinck schweigt, – der Pressesprecher erzählt Kamellen, – die Agentur schweigt.
Da kann man lange rumdiskutieren, was wirklich war oder was sein soll, es bringt nix. Für Verschwörungstheoretiker und Trafficfans in der Blogsphäre zwar wunderbar… Und genau da hätte ich es mal gerne, wenn einer wirklich investigativ unterwegs wäre, statt öffentlich Vermutungen anzustellen. Ich wünsche mir endlich eine Art Blog-Wallraff, der inkognito bei Werbers oder bei StudiVZs oder Holtzbrincks arbeitet und dann über den Sumpf auspackt.
Auch Lanu schient derzeit wenig zu wissen.
Am 14. August 2007 um 14:38 Uhr
“…Für den Kunden die Silberkugel in Empfang nehmen: Ist das “ordentliche” Agenturhonorar so exorbitant hoch, dafür, dass man als Agentur Imageschaden (inkl. zukünftigen Kundenverlust) so locker wegstecken kann? Oder gibt es für solche Fälle gerne “außerordentliche” Lösungen.
In Sizilien nennt man das Schweigegeld. ”
Da stellt sich die Frage, was einem eher Kunden davontreibt und den Ruf ruiniert: Aus der Schusslinie zu gehen und den Kunden die Wucht des Aufpralls selbst abfangen zu lassen, indem man nachweist, dass er davon wusste oder still zulassen, dass es der Kunde auf die Agentur abwälzt, die Gentelagentur spielen und hoffen, dass der Rest der Welt schon ahnen wird, dass man hier aus reiner Loyalität Stossdämpfer spielt.
Ich kann mir vorstellen, dass es da keine Entscheidung gibt, die alle Kunden glücklich macht. Und das Ursprungshonorar ist bei Schadensbegrenzung wohl eher nebensächlich.
Am 14. August 2007 um 15:52 Uhr
@ Annette
Gut gegeben.
In der Welt der “Großen” wird eine gewisse Fähigkeit zu Pufferdiensten anscheinend schlicht mit eingekauft. Teil des Jobs. Wer sich “unklugerweise” dagegenstemmt und einen auf Transparenz macht, kommt so nie nach “oben”.
Was mich leider daran ärgert (könnt mir echt wurscht sein, denn solche Big Games sind seit Pharaonenzeiten so, und ein Kleiner hat daran noch nie etwas geändert), dass turnusgemäß in der etwas unreflektierteren Öffentlichkeit hängen bleibt: DIE Werber waren’s.
Große Agenturen können Imageschaden draußen vielleicht wegstecken, es ist womöglich unausgesprochener Teil ihrer Dienste und der auserwählte innere Kreis aus Agenturen und Auftraggebern weiß das und arbeitet von vornherein damit (In Bayern sagt man: “Oa Hund kennt den andern.”).
Aber so kommt diese Branche nie aus dem Sumpf des schlechten Images und aus ihrer selbstgemachten Existenz- und Beweisführungskrise heraus, die sie ebenfalls wortreich (scheinheilig?) in Fachpublikationen beklagt.
Nicht nur Zumüllen und Nerven, sondern auch auch Mitschicheln und sich künstlich shanghaien lassen. Na toll, wie wenig Rückgrat geht noch. Oder ist es das: Ist der Ruf erstmal ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert. Ich habe keine Antwort auf sowas. Habe fertig :-)
Am 14. August 2007 um 16:23 Uhr
Ich habe schon ne Antwort. Erwartet ihr, dass eine Agentur erstens Spots macht die scheiße sind (ob von StudiVZ akzeptiert/ autorisiert oder nicht) und zweitens danach sagt “Hey die wollten es doch so, was können wir dafür”? Die Logik verstehe ich nicht, da hätte man sich doch doppelt ins Knie geschossen. Und seit wann schlägt man die Hand ab, die einen ernährt?
Am 14. August 2007 um 17:06 Uhr
@Nils:
Wenn die Hand einen in den Abgrund reißt, kann das schon mal nötig sein. Wie gesagt. Ich halte beide Entscheidungen, das stille Ertragen und die Schuld auf sich nehmen und die klare Verantwortungsabgabe, wenn es denn so war, für plausible Lösungen aus Sicht der Noch- und potenziellen Kunden.
Generell gesprochen.
Es gibt Szenarien, in denen sich eine Agentur meiner Meinung nach gegen Schuldzuweisungen des Kunden wehren muss, um noch als Partner für Unternehmen glaubwürdig zu sein.
Da in diesem speziellen Fall die “kreative” Idee ja wohl so oder so bei ARS liegt, können Sie sich aber gar nicht rein waschen, der Geruch von Blut und Schweinen hängt eh an ihnen. ;-) Insofern fällt Variante B eh weg. Und da noch die Schuld dem Kunden zuschieben macht keinen Sinn. Da stimme ich Dir zu
Am 14. August 2007 um 18:25 Uhr
Hm, Annette, die UMSETZUNG war von ARS, das ist 90% sicher :-)
Die “kreative Idee”, weiß ich nicht, ist zumindest mir unklar, ob die von ARS originär kam (wenn darauf hingewiesen wurde, dass man passend zu den krausen Gruppen-Themen was gemacht habe.)
Manche tollen oder auch abartigen “Ideen” kommen vom Kunden, ist gar nicht so selten. Eine Agentur hat dennoch immer die Möglichkeit zu sagen, ja, machen wir oder nein, machen wir so nicht. Nennt man Arsch in der Hose.
Auch die Art der UMSETZUNG und ein besseres Drehbuch hätte noch geschmacksverbesserndes Glutamat in das verpanschte Menue reinbringen können, was derzeit nicht drin ist. Manche Execution (Models , Drehort, geniale Umsetzungstechnik) kann eine mäßige, billige Idee retten. Meist bleibt die Idee aber was sie ist = mäßig oder grottig. Wenn das Drehbuch nicht stimmt, stimmts nie.
Am 15. August 2007 um 00:09 Uhr
Stimmt. Mein Fehler.
Du hast völlig Recht. Die Umsetzung machts. Wie schon in den Kommentaren zum Ursprungs-SVZ-Thread hier gesagt wurde, hätte man mit einer guten Umsetzung und vielleicht einer anderen SVZ-Gruppe als Thema mit der Idee echt was nettes anfangen können.
Eigentlich Schade drum, oder?
Am 15. August 2007 um 07:35 Uhr
Die Umsetzung macht’s nicht, nein, die Idee selber muss grosartig sein. Wenn die Idee schwächelt und keinen einzigen sauberen Plot außer den der Grausamkeit hat, kann eine geschickte Umsetzung ein bisschen retten, aber kein großartige Idee draus machen. Das meinte ich mit Glutamat rein in die geschmacklose Suppe. Die Frage ist natürlich auch, ob man so einen Mist unbedingt “retten” muss.
Ich wollte nur darauf hinweisen, was Ironie ist und wo welche ist, und wie man welche hineinbringen kann. Mir fiel in Diskussionen über diese Filme auf, dass manche Leute vom Gehirn so gestrickt oder schmerzbefreit sind, dass sie schon keinen Unterschied mehr merken. Das sollen Neurologen klären bei den hoffnungslosen Fällen, ich probier’ es mal mit Gemütlichkeit mit/ohne Zwangsjacke:
Naja, die Umsetzung hät’s vielleicht clever ironisieren können, was im Moment recht laut, ungeschickt und dumpf daherkommt. Dazu gehören filmische Stilmittel wie gegen den Strich besetzen (statt Schlägerglatzköpfen eben grad leptosome Zigarettenbürschchen nehmen, die keinen Nagel grad einschlagen können). Dann ist’s keine Provokation mehr, sonder eben Ironie. (Man kann aber auch mit Ironie bestens provozieren, wie Dauerstichler und Zyniker wissen…, aber das sind dann Nadelstiche und keine Hammerschläge…)
Man hätte auch die Musik gegen den Strich einsetzen können (eben grad keinen “Rammstein”, das ist blöd und redundant, wenn alle Ebenen das Gleiche sagen). In Pat Garett & Billy the Kid wurde Grausamkeit gezeigt, aber ganz fies mit behutsamer langsamer Gitarrenmusik (Bob Dylan) unterlegt. Auch Tarantino macht sowas, er nahm für Pulp Fiction ausgerechnet den Saturday Night Fever Stenz Travolta als einen der Killer. Wenn das keine Ironie ist. Und der andere Killer zitierte ständig die Bibel… undsoweiter. Dass ist zumindest im Ansatz sympathisch (auch wenn man die Gewalt da drin nicht mag), weil es Klischees konterkariert, statt unreflektiert zu bedienen.
Die “Idee” “Vegetarier essen meinem Futter das Futter weg”, wäre jedoch in irgendeiner Form geblieben. Und wenn man die Idee nicht mag, mag man bekanntlich den Rest trotzdem nicht recht. Egal wie geschickt man ironisiert, übertreibt oder abschwächt.
1:0 für die gute Idee. Aber immer.
Der Rest ist Film- und Stilhandwerk. Aber man wollte sicher gar nichts Intelligentes machen. Das war schon Absicht so.