01.08.07
12:06 Uhr

Meine Kreativität(en)

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Nun habe ich mich doch breitschlagen lassen bei so einem Karneval mitzumachen. Aber auch nur weil Olaf & Co. so nett sind. Das Thema lautet Kreativität und wie ich sehe sind schon zwei meiner Beiträge aus der Buenalogvergangenheit mit ins Rennen geschickt worden. Um aber noch einen frischen Werbebloggerbeitrag einzuspeisen, hier nun meine ganz persönliche Auffassung von Kreativität(en).

Für mich existieren nämlich zwei Kreativitätsbegriffe: Das eine ist das Kombinieren, Neuanordnen und Verknüpfen von bereits vorhandenen Ideen, Bildern, Gegenständen oder Funktionen jenseits der vorhandenen Muster. Dazu benötigen wir einen nie enden wollenden Input und die Fähigkeit von bereits vorhandenem loszulassen. Diese Art der Kreativität kann man mit verschiedenen Assoziationsspielen trainieren. Denn eigentlich ist diese Form der Kreativität nichts anderes als völlig frei zu assoziieren. Dazu muss ich aber zunächst meine Zutaten und deren jeweilige Funktion richtig begreifen. Desweiteren benötige ich eine Aufgabenstellung oder eine Frage. Erst dann kann ich loslegen und aus den mir bekannten Dingen, Begriffen etc. etwas Neues zusammenstellen. Im Web nennt man sowas „Mash-Up“. Diese Kreativitätsmethode dürfte die Bekannteste sein. Briefing (Aufgabe/Frage) -> Brainstorming (Stoffsammlung) -> Mash-Up (Ergebnis).

Die zweite Methode klingt ein wenig mystisch oder spirituell, ist aber ebenso denk- und erlebbar. Dabei gehe ich von einem kollektiven Unterbewusstsein aus, welches jeder Mensch durch gewisse Übung „anzapfen“ kann. Dazu bedient man sich beispielsweise einer Meditationstechnik. Künstler wie David Lynch schwören auf die tägliche Meditation und damit künstlerische Inspiration. Auch ohne Meditationstechnik haben wir sicherlich alle schon solch einen Moment erfahren. Der Geistesblitz, den wir plötzlich bei ganz anderen Gelegenheiten außerhalb unseres „kreativen Arbeitsraumes“ hatten. Egal ob auf Klo, beim Joggen oder beim Starren auf die Uhr, die scheinbar stehen bleibt. Genau dann haben wir einen Moment, in dem unser Verstand ausklinkt und wir einen kurzen Moment in das kollektive Bewusstsein eintauchen und einen entsprechenden Fetzen mit hinausnehmen können.

Michelangelo soll seinen David ja auch nach diesem Verfahren kreiert haben. Er hat einfach nur den überflüssigen Marmor weggemeisselt. Einstein soll übrigens in so einem Moment auf der Wiese seine Relativitätstheorie gefunden haben. Er hat sie komplett vor sich gesehen, musste sie aber trotzdem wochenlang durchrechnen und aufschreiben. Die intuitive Kreativität zeigt also immer nur das Endergebnis und nie den Prozess. Die Erstellung des Endergebnisses müssen wir schon selbst in die Hand nehmen und darin liegt wiederum eine schöpferische Herausforderung.

Egal welche Methode wir wählen, es gibt keine unkreativen Menschen! Nur weil manche die Berufsbezeichnung „Kreation“ auf ihrer Karte stehen haben, heißt das noch lange nicht, dass die Putzfrau, der Schaffner oder der Kontakter unkreativ sind. Sie haben vielleicht noch nicht die richtigen Methoden entdeckt, ihre Kreativität freizusetzen oder wurden noch nie das Richtige gefragt. Kreativität ist in erster Linie für mich immer ein lösungsorientiertes Arbeiten. Was will ich und warum? Erst das ist die Triebfeder für Kreativität.

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13 Kommentare

  1. vroni

    Einstein. Es geht die Sage, dass er die Relativitätstheorie nicht ganz allein geschafft hat, sondern seine erste Frau Mileva maßgeblich mitbeteiligt war: rli.at/Seiten/kooper...

    Die interessante Frage wäre daraus: Kann man nicht zu zweit noch kreativer sein als allein? Ist das traditionelle einsame Genie das bessere oder die kreative Gruppe? Bei Wissenschaftlern geht die Entwicklung eindeutig zur Gruppe, wie ist das bei Kreativen.

  2. Patrick Breitenbach

    Im Team ja, solange keine sozialen Nebenspiele ablaufen. Also Konkurrenzdenken, Neid etc. müssen ausgeblendet sein. Ich gehe mal davon aus, dass EInsteins Frau sich prächtig auf einer gewissen Ebene mit Albert verstandet hat, daher ist in so einem Fall das Team Gold wert. Sparring ist zum Boxen immer besser, aber der Sparringspartner muss eben auch passen. Zu kräftig (kein Selbstvertrauen) oder zu schwach (kein gescheiter Kampf).

    Am kreativsten bin ich auch noch gemeinsam mit meiner Frau, weil sie oft Gedanken einbringt, die so gar nicht aus meinem Trichter hätte stammen können. Tja und meine Arbeitsehefrau Roland, da passts ja sowieso mit dem Flow. ;-)

  3. ramses101

    @Patrick: Deine „zweite“ Kreativität ist eigentlich Teil der „ersten“. Wobei das natürlich wieder auf die Definition ankommt. Siehe „A technique for producing ideas“ (James Webb Young) Die „Heureka-Situation“ stellt sich nämlich nicht aus dem Nichts ein. Im Gegenteil. Erst nachdem man alle Fakten gesammelt hat, wenn man intensiv an dem Problem gearbeitet hat und irgendwann stecken bleibt und die Sache zur Seite legt, kann das Unterbewusstsein loslegen. Und dann kommt auch irgendwann der berühmte Blitzschlag auf dem Klo.

    @vroni: Ich weiß nicht, ob man das pauschal sagen kann. Es gibt schon Teams, die sich die Bälle dermaßen gut zuwerfen können, dass in nullkommanix großartige Sachen entstehen. Dann gibt es wieder Einzelkämpfer, die mit jedem Einwurf eines Teammitglieds wieder einen Gedanken verwerfen und bei null anfangen.

    Ich glaube, das Beste ist, wenn am Anfang alleine nachgedacht wird. Dann hat man nach einem oder zwei Tagen eine größere Bandbreite an verschiedenen Grundideen, die dann wiederum im Team bearbeitet werden können. Kann aber auch alles ganz anders sein.

  4. Patrick Breitenbach

    @ramses101: Nein, ich unterscheide da wirklich und ich glaube auch dass es den Geistesblitz ohne bewusst erlebte Situationen gibt. (natürlich auch mit) Aber wie gesagt, sehr mystische Ansicht, die unter anderem unseren Raum & Zeit Begriff komplett aufhebt. Die ienen nennen es das Göttliche, die anderen Muse, die dritten kollektives Unterbewusstsein. Verschiedene Namen für ein Phänomen.

  5. Sandra

    „Solo-kreativ sein“ braucht fast das Genialische um ständigen wertvollen Output zu gewährleisten – nur in soweit stimme ich der zweiten Beschreibung von Kreativität in Bezug auf Michelangelo zu. Der ist aber nicht ins „kollektive Bewußtsein“ getaucht, seine Leistungen sind singulär in der Kunstgeschichichte. Ein kollektives Bewußtsein würde ich demnach nicht als genuin „andere“ Kreativität voraussetzten, denn wenn dort „Fetzen“ gesammelt werden, setzt dass doch nur wieder die unter „Kreativität 1“ genannte Verwendung von Bekanntem voraus (wenn es denn in der Suppe des „Unterbewußten dahinschwimmt und man es sich nur angeln muss).
    Wir könen auch mit Hegel kommen: da hat Michelangelo halt die reine Idee geschaut und eben keinen echten Menschen abgebildet – sondern dessen Idee an sich. Dies wäre meine modifizierte Auffassung von „Kreativität 2“.
    Andere Künstler haben sich konkrete Modelle genommen = Kreativität 1
    Mei, jetzt genug davon!

  6. Frobin Jojo

    Also die zweite Methode klingt nicht nur ein wenig mystisch/spirituell – sie ist es auch!

    Ich bin der Überzeugung, dass diese 2. Methode der sagen wir „originären Kreativität“ schlicht nicht existiert. Nichts – aber auch schon gar nichts – entsteht aus dem Nichts. Es kann aber sein, dass vieles so scheint, als ob es aus dem Nichts kommt – auch weil es zu Bewusstseinsänderungen kommt (um wieder ein wenig mystisch zu werden)und die Dinge einfach ganz anderes wahrgenommen werden bzw. vorher nicht wahrgenommen wurden. Foucault kann ich da nur anführen.

    Diese verklärte, märchenhafte „originäre Kreativität“ ist meiner Ansicht nach nur die perfektionierte oder schlicht intuitive (weil Newbie, branchenfremd, was auch immer) Variante der ersten Methode – um genau zu sein wurde hier die angesprochene „Fähigkeit, von bereits vorhandenem loszulassen“ und den Input völlig neu zu denken und auch in völlig neue Bereiche und Anwendungen zu übertragen, perfektioniert. Dann entsteht wirklich Neues – aber nicht aus dem Nichts!

    Die größten Innovationen – auch die Ideen, Werke und Theorien von Michelangelo und Einstein – sind nie aus dem Nichts gekommen, sondern haben immer ein Geschichte! Immer!

  7. ramses101

    @Patrick: Mir ist schon klar geworden, dass Du da unterscheidest. Aber andere tun das eben nicht, wie gesagt, Definitionssache. Einerseits jedenfalls. Andererseits: Die Muse hat Ray Bradbury in „Zen in the Art of writing“ als etwas beschrieben, was eben nicht einfach so kommt und geht. Die Muse muss man füttern (seiner Meinung nach übrigens hauptsächlich mit Gedichten) –> ohne Input küsst sie Dich nicht. Im Prinzip ähnlich wie bei Young.

    „Kollektives Unterbewusstsein“ geht eigentlich in die gleiche Richtung. Wobei hier die Definition wohl noch unschärfer ist. Ohne den Part 1 Deiner Kreativität, den „nie enden wollenden Input“ gäbe es nichts, was sich im Kollektiv hätte ansammeln können.

    Dass Ideen aus dem Nichts entstehen können, halte ich zwar nicht für ausgeschlossen, aber doch für ziemlich unwahrscheinlich ;-)

    @Sandra: Aber haben nicht auch die Genialsten Künstler und Erfinder zunächst einmal Input gesammelt ohne Ende? Was musste Picasso alles malen, bevor er auf den Kubismus gekommen ist? Von Da Vinci, Goethe & Co ganz zu schweigen. Keiner von denen hat in der Sonne gesessen, die Stirn in Falten, bis endlich die Erleuchtung kam. Bzw: Vielleicht schon, aber vorher haben sie ihre Hausaufgaben gemacht.

  8. Patrick Breitenbach

    Na schön halb überredet. Vielleicht ist Unterbewusstsein der falsche Begriff und ich sehe das durchaus nicht als „Nichts“ sondern „alles vorhanden“. Vielleicht passt de.wikipedia.org/wik... das besser. Es sind Dinge die wir in uns unbewusst tragen aber nicht bewusst reingespachtelt haben. Daher bleibe ich beim kleinen aber feinen Unterschied. ;-)

  9. vroni

    ramses101

    Der schlaue und verkaufsstarke Picasso hat nicht selbst erfunden, sondern sich von afrikanischer Kunst der Jahrhundertwende anregen lassen.

    Er musste nicht erst unzählige Bilder malen, um sich dahin zu entwickeln. Man sieht das auch deutlich daran, dass die vorherige Periode so ganz anders war. Da ist ein Bruch.
    Er hat sich also von fremder Kunst anregen lassen (was die Sache wohl ungemein beschleunigt hat, denn es war vorher schon was da), war vielseitig interessiert und tätig (Töpferei, Skulpturen), das heißt, er hat sich gefüttert.

    Ein Kreativer, der sich heute füttern will, muss unter Leute gehen, mal was ganz anderes machen (1 Jahr Hawaii), oder statt wie gewohnt malen das Texten probieren oder gleich creative writing machen und umgekehrt und muss versuchen, die eigene Inzucht zu meiden. Mit Inzucht meine ich nur immer Werberkneipen, Künstlerdestillen und die gleichen Nasen um einen rum.

    Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass jeder in gleichem Maß kreativ ist. Damit werde ich wahrscheinlich anecken, doch es muss gesagt sein, dass erst das Wissen um 1.) wirklich brauchbare Kreativtechniken statt das öde Brainstorming und 2.) das Vermögen seine Ideen wirksam zu managen bis sie vom Ideenkeim, der von eigener Unvorsichtigkeit und von fremden Trotteln vernichtet werden kann, zur Big Idea (hoffentlich)werden.

    Zum Ideen Managen gehört auch das Wissen, wie man sie am Schluss auf Relevanz abklopft. Ich mache nie gleich Ideen mit der Zielsetzung „lösungsorientiert“. Ich mache immer erst divergierende Ideen. Bunt, in alle Richtungen, auch Stories. Danach erst wird eine gewisse Konvergenz (Zielrichtung) herbeigeführt durch Auswahl und wieder bunt weg.

    Wer gleich an eine vernünftige und brauchbare Zielrichtung denkt, spart keine Zeit, der blockiert sich. Der Grund: Er denkt immer nur an das Naheliegende. Und das ist sehr langweilig. Wild horses einfangen geht anders.

    Nur um mal von den Malern weg zu kommen, die als fürchterlich kreativ gelten, von Bildideen her aber gar nicht so kreativ und einfallsreich waren. Was ist bitte an immer den gleichen Sonnenblumenbildern (von Gogh hat irre viele davon gemalt) oder den kubistischen Frauenköpfen von der Idee her kreativ? Picasso hat seine vielen Weiber portraitiert, um sie zu besänftigen. so kommt man zu vielen Bildern und zu einer reichen Schaffensperiode :-)

    Als textender Werber oder Designer würde man mit sowas brutal einbrechen und nicht einmal als Praktikant genommen werden. Als Illustrator nur, wenn es einen Strich aufweist, den man so noch nirgends gesehen hat. Und selbst da erwartet man echte Ideen darin, kein zigstes Porträt. Eigentlich.

  10. ramses101

    Okay, dann vergiss Picasso und such Dir einen anderen aus. Spielt ja eigentlich keine Rolle. Wichtig war mir nur: Ohne Input (und viel, viel unbrauchbaren Output für die viel zitierte Tonne) keine Erleuchtung.

  11. Buenalog » Blog Archiv » Denk TV

    […] Sprüche zum Nachdenken. Zum Beispiel: “Ein Zyniker ist ein Mensch, der von jedem Ding den Preis und von keinem den Wert kennt.&#8221… Frage: “Ist ein Zyniker ein Dozent für […]

  12. Sandra

    @ramses101
    Du hast recht! Gerade in der Kunst kann man schön verfolgen, wie „Kunst aus Kunst entsteht“, sei es beim alten Michel oder beim Pablo – und gerade die ebeiden haben ihre Hausaufgaben wirklich gemacht! Aber warum sind gerade die zwei so herausragend? Weil sie etwas NEUES gemacht haben!
    Andere Künstler studieren ebenfalls fleissig ihre Vorbilder – und bei denen flammt die Größe denoch nicht auf.
    Ich finde es braucht demnach zwei Sachen: Vorbilder beherrschen (= Input) und sein Plus hinzutun (dieses Plus muss aber einen neuen Turn haben alles bisherige).
    Und woher kommt jetzt dieses Plus? Ein Geistesblitz? Synapsen spielen „Wir fahren nach Jerusalem“? Vielleicht doch Patrick Breitensbach Unterbewußtsein, wobei ich mich gegen diesen Begriff sehr arg streube! Das Genie?

  13. Osborn

    Hey, sehr spannende Diskussion. Lest zur Klärung mal das Buch „Das kollektive Genie“ von Ari Bosse. Ist mir zufällig in die Hände gefallen und betrachtet das Ganze mal wissenschaftlich. Gibt’s bei Amazon oder in Uni-Bibliotheken.

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