10:50 Uhr
Ich bin, du bist, wir sind …
Ein Silicon-Valley-Geschäftsführer, der öffentlich zugibt, er könne “Programm-Code nicht von Zeitungsschrift unterscheiden”? Dass das nicht unbedingt seriös wirkt, merkt Hawk noch während dieser Debatte.
Dabei kann Seriosität eigentlich gar nicht “wirken”, sie kann im Grunde nur “sein”. Denn Seriosität ist nichts anderes als Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit. Mr. Hawk IST in diesem Moment Mr. Hawk. Die Frage lautet also, was erwartet man in Zukunft von den Menschen? Wollen wir weiterhin auf den zwei großen Ebenen spielen. Die Businessebene, bei der man teilweise nicht nur uniformiert in Anzug und Krawatte auf der Matte steht, sondern bei der irgendwie erwartet wird, dass man zwar “echt”, “vertrauensselig” und “glaubwürdig” ist, auf der anderen Seite sich aber dann doch bitte den allgemein festgesetzen Etiketten des Geschäftslebens zu unterwerfen hat.
Diese Schubladen haben sich jedoch meiner Meinung nach verquer entwickelt bzw. sind zum Teil völlig überflüssig geworden. Was früher sicherlich die Funktion einer künstlichen Herstellung der Augenhöhe erzielen sollte, ist heute zu einem absurden Schauspiel mit enormen Effizenzverlust verkommen. Die Produktionsgesellschaft wandelt sich zur Wissensgesellschaft und damit einhergehend wird die Beziehungsebene in der Geschäftswelt immer wichtiger. Gerade unser Business ist doch People-Business. Will meinen, ein Auftrag steht und fällt mit der vorangegangenen Beziehungsebene. Anders als beim Handwerksmeister, der durch sein Zertifikat der Industrie- und Handelskammer fähig ist den Job umzusetzen. Mit ihm braucht man im Grunde auf Geschäftsebene kein Vertrauen mehr aufzubauen. Das Zertifikat ersetzt den Prozess in der Regel. Doch was ist, wenn Zertifikate nicht reichen? Dann geht es an den Vertrauensbildungsprozess.
Das sind dann so Fragen wie “Wer sitzt mir da gegenüber?”, “Kann der was oder schmarrt der nur?”, “Ist das ein Blender?”, “Will der mich über das Ohr hauen?”, “Will der mir einfach nur seinen Müll verkaufen?”, “Nimmt der mich ernst?” oder “Liegen wir überhaupt auf einer Wellenlänge?”. Im Grunde läuft alles auf die letzte Frage hinaus. Versteht er mich und meine Bedürfnisse und kann er sie am Ende auch erfüllen? Zähe Preisverhandlungen beispielsweise sind nichts anderes als ein Symbol für “Ich kann dir noch nicht trauen. Wir sind noch nicht auf einer Wellenlänge”. Wer langwierig über den Preis verhandelt, handelt eigentlich um das Vertrauen. Man gerät in eine Dauerschleife und versucht sich solange im Kreis zu drehen, bis man sich entweder durchringt das Vertrauen zu schenken oder völlig zu entziehen. Wichtig dabei ist der eigentliche Handlungsschritt; denn befindet man sich erst einmal in dieser Dauerschleife, wird jede weitere Umdrehung ein weiteres Stück Vertrauen auf beiden Seiten absaugen.
Zurück zu Mr. Hawk im SpOn-Artikel. Klar ist sein Gebahren in der Öffentlichkeit so noch nicht in der konservativen Gesellschaft angekommen. Hinter den Kulissen der scheinbaren Political Correctness wird so ein Verhalten eher geschätzt, denn es sind äußerst wichtige Meta-Informationen, die Mr. Hawk – abseits der steifen Geschäftskonversation und den immer wieder gleichen auswendig gelerntem witzigen Anekdötchen die beim Erstkontakt erzählt werden um das Eis zu brechen – seinem Gegenüber übermittelt. Je mehr Meta-Informationen man von Mr. Hawk erhält, desto schneller kann man entscheiden, ob sich eine Zusammenarbeit positiv gestaltet oder völlig unmöglich wird.
Ein strikter Antialkoholiker, der an Perfektionismus und Allwissenheit glaubt, dürfte demnach mit Mr. Hawk als Geschäftspartner ein sehr großes Problem haben. Sie werden sicherlich keine Geschäfte miteinander machen. Ein anderer, trinkfreudigerer Gegenüber, der Fehler auch mal als menschlich sieht und Unwissenheit als böllig normal empfindet, wird diese Offen- und Ehrlichkeit (er kennt ja ähnliche Situationen) zu schätzen wissen. Beide können mit dieser Meta-Information sehr schnell entscheiden ob das “matching” da ist oder eben nicht. Ich behaupte mal dreist, dass es immer irgendjemand gibt, der gerade aufgrund dieser Meta-Information Vertrauen zu Mr. Hawk entwickeln wird.
Keine Frage, mit unserer Identität im Netz sollten wir immer vorsichtig umgehen. Wenn man sich unsicher ist, was die eigene Person, das eigene Verhalten oder Denkmuster angeht, so sollte man am Besten ganz die Klappe halten. Jeder Text, wenn auch noch so sachlich verfasst, beinhaltet Meta-Informationen über den Autor. Wenn man also zu sich selbst und seinen Gedanken im Hier und Jetzt steht, dann kann man auch in Zukunft noch zu den eigenen Fehlern von vor 10 Jahren stehen. Im Laufe der fast 5 Jahren, in denen ich jetzt öffentlich blogge und damit eigentlich in jedem Post ein Stück Meta-Information über mich als Mensch preisgebe, konnte ich gleich mehrere erstaunliche Phänomene beobachten:
1. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich geradlinig und direkt kommunizieren.
2. Meine Einstellung immer offen & ehrlich im Blog zu sein und die Kommentare zur Reflexion zu nutzen ist sehr schnell gewachsen und hat sich bis heute unglaublich gefestigt.
3. Dadurch entstanden Konflikte mit der Offline-Welt, denn dort hatte ich bisher noch nicht gelernt so zu kommunizieren, ganz einfach weil es bis dato unangebracht schien.
4. Je länger ich blogge, desto tiefer dringen auch die einhergehenden Prinzipien in die Offline-Welt. Meine Kommunikation verändert sich meine Persönlichkeit und Identität festigen sich.
5. Ich kann Blendertum weniger ertragen, besser entlarven, aber damit natürlich auch selbst weniger anwenden.
6. Durch meine Offenlegung von Gedanken und Meta-Informationen habe ich unheimlich viele interessante und nette Leute kennengelernt, bei denen es jeweils Überschneidungen von Wellenlängen gibt. Es entsteht also niemals ein peinliches Schweigen. Soviel auch zum Thema, wer im Netz lebt, hat keine persönlichen Kontakte.
Je ausführlicher und transparenter also diese obenbeschriebenen Meta-Informationen vona llen zugänglich sind, desto schneller verläuft der Vertrauensbildungsprozess. Dazu habe ich mal eine Grafik erstellt:

Vielleicht kann man anhand der Grafik erkennen, was ich versucht habe in Worte zu beschreiben. Person A und Person B sind sich absolut grün, d.h. sie haben etliche Interessensüberschneidungen. In ihren wichtigsten Themen sind sie konform und können im Fluss gemeinsam agieren. Es gibt sicherlich etliche Ansichten und Interessen die über Kreuz sind, aber das hat keine Auswirkung auf die grundlegende Vertrauensebene. Im Gegenteil, es besteht sogar die Möglichkeit Ansichten, Gedanken oder Interessen dem anderen zu vermitteln und somit den beiderseitigen Horizont zu erweitern. Person C hat so gut wie keine Überschneidungen mit A und B, dort entsteht eine ziemlich große Blockade. Weder A, B oder C sehen es ein, wieso man Meinungen, Interessen etc. austauschen sollte, wenn es bisher so gar keine Überschneidung gibt. Man fühlt sich so als ob der Gegenüber von einem anderen Planeten kommt und je nach Einstellung und Verhaltensmuster wird alles Fremde mit Misstrauen und Missachtung gestraft. Hier ist die Chance zur Bildung einer Vertrauensbeziehung so gut wie unmöglich. Es sei denn sowohl A, B und C springen permanent über ihre Schatten.
Man sieht auch je mehr Personen in das System eintreten, desto komplizierter wird es. Natürlich steigt zwar die Chance der Interessensüberschneidungen durch Einzelne, andererseits können sich dadurch auch wieder Koalitionen bilden, die eine Vertrauensbeziehung zwischen anderen Personen stören kann. Gerade in einer Triade (also einer 3er Konstellation) ist die dauerhafte Vetrauensbildung am schwierigsten, weil dort immer nur 3:0 oder 2:1 möglich ist. Entweder man ist sich von Anfang an immer grün oder einer ist immer gegen zwei “Gegner” aufgestellt.
Fazit
Im täglichen Umgang mit anderen Menschen sollten wir uns bewusst machen, dass es verschiedene Interessensebenen gibt, die sich mit unseren entweder überschneiden, übergehen oder überwerfen. Metainformationen sind wichtig um Interessensgebiete abzustecken, um die Vertrauensbildung voranzutreiben. Je mehr Metainformationen desto schneller der Vetrauensbildungsprozess. Je authentischer die Metainformationen, desto geringer die Enttäuschungswahrscheinlichkeit im Laufe einer Vertrauensbeziehung.
Kann man eine Vertrauensbildung “professionalisieren”? In gewisser Hinsicht ja. Das ist allerdings ein sehr langwieriges Geben und Nehmen und kann nie einseitig erfolgen.
Was haben Blogs mit Vertrauensbildung zu tun? Sie haben das Potenzial (also nicht Blogs als technisches Instrument sondern als soziales Phänomen) die notwendigen Metainformationen zu liefern, so dass spätere Gesprächspartner sich vorab ein Bild über die Interessenslage machen können um somit den Vertrauensprozess signifikant zu beschleunigen.
17 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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Am 26. Juli 2007 um 11:17 Uhr
Als erstes ein Lob, wirklich guter Artikel. Jetzt zu meinen Gedanken während ich den Artikel gelesen habe. Natürlich Stimmt die Grafik, aber genau in einer Situation wo es keine Überschneidungen gibt, zeigt sich doch wer über social skills verfügt. Vertrauen kann man nicht nur über gemeinsame Themen aufbauen. Man muss sein gegenüber richtig Einschätzen können, dann kann es auch über ein sehr professionellen/ distanzierten und/ oder einen kumpelhaften Umgang entstehen. Was m.E. nach auch auf finanzielle Verhandlungen zu übertragen ist. Gerade in einer Situation wo es nicht um Ideen sondern um Kosten geht, liegt viel potential durch richtiges Verhalten vertrauen aufzubauen.
Ich will damit aber nicht dem Artikel widersprechen, vielmehr soll es als weiterer Input dienen. Keine Ahnung ob es gelungen ist ;-)
Am 26. Juli 2007 um 11:28 Uhr
@Nils: Es widerspricht in keinster Weise dem Artikel und es ist dir gelungen.
Ein professioneller Umgang ist natürlich möglich (hab das lediglich in einem Satz anklingen lassen, weil die gesamte Thematik sehr komplex ist und ich als Onliner in Häppchen kommunizieren muss), er ist nur sehr sehr schwer. Voraussetzung ist, dass alle Teilnehmer professionell agieren, d.h. sich alle in die Metaebene über ihre Eigeninteressen hieven können. Das setzt erst einmal voraus, dass sie das von mir skizzierte Bild verinnerlicht und durchschaut haben. Der Social Skill ist also tatsächlich die Eigenschaft sich über Eigeninteressen hinwegzusetzen und sich auf den anderen einzuschwingen. Nur auf Dauer wird ein einseitiges Geben ohne gegenüberliegendes Geben nicht lange aufrecht erhalten werden.
Wenn man in der Kostenphase das Vertrauen “ausfechten” will, ist es meist auch schon zu spät. Kosten werden dann als Maske für “Ich trau dir nicht” verwendet, ganz einfach weil sie im Geschäftsleben das beste Vehikel für solche Konflikte sind.
Am 26. Juli 2007 um 11:38 Uhr
d’accord, mon capitaine
Am 26. Juli 2007 um 12:29 Uhr
“…Kosten werden dann als Maske für “Ich trau dir nichtâ€? verwendet, ganz einfach weil sie im Geschäftsleben das beste Vehikel für solche Konflikte sind…”
Wow, ein Werber mit einer realistischen Erkenntnis. ;)
Es gibt immer 2 Gründe, warum ein Kunde nicht klauft: ein Grund, der gut aussieht und von ihm benannt wird und ein Grund, der wirklich stimmt.
Ansonsten glaube ich, daß hier die “Authentizität” überbetont wird… man vergleiche das GAP-Modell von Parasuraman, zeithaml, Berry über DL-Marketing …
… im Artikel wird das Phänomen der Blogs genutzt, um eine verschwurbelte unrealistische Sicht der Kundenloyalität zu transportieren. Blogs sind (derzeit) nahezu unbeduetend – und das aus gutem Grund. ;)
P.S. Ich finde die (US-)Trennung zwischen Präsi und CEO sehr gelungen.
Am 26. Juli 2007 um 13:29 Uhr
@derherold: Klar sind Blogs in Bezug auf Unternehmenskommunikation derzeit unbedeutend weil niemand das tatsächliche Potenzial begreift, welches dahinter steckt. Oder würdest du die Grundthese komplett ablehnen, dass Blogs (nicht nur die sondern jegliche Art von User generated Content) Metainformationen liefern KÖNNTEN um somit den Vertrauensbildungsprozess zu beschleunigen?
Die Trennung Präsi/CEO ist tasächlich durchaus sinnvoll. Aber auch nur wenn der CEO entsprechend authentisch (oder glaubwürdig) kommuniziert. Sonst bringt das nüschts.
Am 26. Juli 2007 um 13:45 Uhr
Ich will mal die Worte eines russischen Anthropologen (dort: Alkohol) abwandeln: Das Internet stärkt den Schwachen und schwächt den Starken.
Blogs können sicherlich eine Meta-Diskussion anstoßen, wobei ich *immer* einen “Untergeordneten” als Blog-gisten wählen würde. Darüberhinaus sind Blogs eine Maßnahme des (Guerilla-)Marketing: der Nicht-Etablierte versucht, auf sich aufmerksam zu machen.
Blogs heißen: ich will auch an den Tisch und mit den großen mitessen. Wenn ich schon *oben* bin, brauche ich keine Blogs.
Am 26. Juli 2007 um 14:00 Uhr
Gerade im Bereich eCommerce kann m.E. ein Blog viel in der Hinsicht SEO bringen (Verlinkungen usw.). So kann man sich in der organischen Suche einen weiteren/ besseren Listenplatz ergattern als die Konkurrenz (auch wenn man schon zu den Top-Playern zählt). Dies ist im Besonderen für Unternehmen interessant, die weniger auf Branding setzen, sondern vertriebsorientiert arbeiten. Dort kann man sich auch seinen Markennamen nicht so schnell kaputt machen. Jemand anderer Meinung?
Das dies die Grundidee von Blog’s untergräbt ist mir übrigens bewusst. Ist jetzt auch eher ein vertriebsorientierter Ansatz.
Am 26. Juli 2007 um 15:42 Uhr
@derherold:
“Wenn ich schon *oben* bin, brauche ich keine Blogs.”
Blogs sind sicher “nur” ein kleines Rädchen im Kommunikationskonzept eines Unternehmens. Wenn Corporate Blogs allerdings nach reinen “SEO” -nicht CEO ;-) – Aspekten und als “viral hub” betrieben werden, dann sollte man es besser gleich bleiben lassen.
Und -leider- wird bei vielen Unternehmen noch darüber nachgedacht, WIE man denn authentisch schreiben kann….in der Tat. Wer es dann versucht, wird definitiv eine “verschwurbelte unrealistische Sicht der Kundenloyalität transportieren”.
Authentizität hat man und dann schreibt man auch so…oder eben nicht. Ob man das wirklich “lernen” kann – ich weiß nicht…
Am 26. Juli 2007 um 18:28 Uhr
Neuer Werbespruch: “Seperate the Authentische from the Nicht-Authentische” ;)
Das glaube ich nicht. “Jeder” Unternehmer kann(!) authentisch sein – und auch so schreiben (wenn er überhaupt schreiben kann).
Ich hatte mal *hüstel, hüstel* einen Geschäftskontakt, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit sehr authentisch wirkend seinen “Ehrenmann”-Status vermittelte… daß er auch die Bürotür hätte aushängen können, um der StA den häufigen Bürozutritt zu erleichtern und auf einigen geschäftl. Feldern ein gnadenlos inkompetenter Patron war, wurde davon nicht betroffen. :))
Blogs sind Instrumente der Verhaltens-, Bewußtseins- und Loyalitätsbeeinflussung.
Ansonsten verweise ich auf Thomas Hobbes: Bloggen ist Macht, weil es den Anschein von Authentizität verleiht. :)
Am 26. Juli 2007 um 20:14 Uhr
“Zeitungen sind Macht, weil sie den Anschein von Vertrauen verleihen.” ;-)
Am 26. Juli 2007 um 21:02 Uhr
@derherold: Dann war er ein fantastischer Blender bzw. hat tatsächlich an seinen Ehrenmannstatus geglaubt. Im Übrigen kann man auch ein authentisches Arschloch sein. Wem das gefällt, der wird auch bei dem Kunde.
Im Übrigen rutscht die Diksussion viel zu sehr in Blog oder Nicht-Blog ab. Das wichtige ist doch der Inhalt, ob der jetzt per WordPress, Video oder Singsang transportiert wird ist eigentlich schnurz. Es geh tmir um den regen Austausch von Metainformationen.
Große Unternehmen werden sicherlich schwächer, daher sollten sie überlegen, wie sie “oben” bleiben. Viele große Konzerne (allen voran Telekom) sind gesichtslose GIganten die durch ihr unperösnliches Gebahren bereits Millionen von Kunden verloren haben. Hätten sie nicht noch das halbstaatliche Quasimonopol, wäre der Laden unter den BEdingungen schon lange dichtgemacht worden.
Am 26. Juli 2007 um 21:04 Uhr
Noch was: Authentizität kann man nicht über einen langen Zeitraum vortäuschen. Das funktioniert nicht. Bin ich von überzeugt.
Am 26. Juli 2007 um 21:06 Uhr
@Nils: SEO-Nutzen sicherlich aufgrund der Linkstrukturen und Technik. Kann aber auch ohne Blogs gezaubert werden. Auch hier ist man mit sinnvollen Inhalten grundsätzlich auf der sicheren Seite. AUch ohne Keywordspamming.
Am 26. Juli 2007 um 22:36 Uhr
Als es diese nachstudio-Ausgabe mit PR-Kocks gab, fand ich einen Gedanken interessant: man müsse *Geschichten* erzählen/anbieten.
Ich glaube, daß DAS die Metainformationen sind: eine Geschichte, die im jeweiligen Umfeld, im Zeitraum “authentisch” erzählt wird. Und die (vllt.) alle paar Jahre in einem Unternehmen neu erzählt werden muß.
Trotzdem wird sie “gestyled”. ;)
Am 26. Juli 2007 um 23:22 Uhr
Ich glaube nicht, dass man in einem virtuellen Medium, ob Blog oder guter Webauftritt, Authentizität komplett haben und Vertrauen nach dem Motto “bird of the same feathers fly together” komplett herstellen kann.
Der negative und zwanghaft realitätsorientierte Franke sagt :-) hart aber herzlich: “Man kann viel schreiben, wenn der Tag lang ist”. “Writers are liars, my dear” stammt zwar aus der Literatur, es ist jedoch was dran :-)
Es gibt perfekte Lügner, die ihr Lügengebäude deswegen so lange und glaubhaft aufrecht erhalten könne, weil sie so sehr daran glauben, dass es für sie selbst REALITÄT sei (siehe Konstruktivismus). Daher wirkt es perfekt authentisch.
Zeitgeist: Wir haben eine Zunahme von histrionischen Persönlichkeitsveränderungen in real life und erst recht im Internet zu verzeichnen. Es ist die wahre Heimat der Blender, da fühlen sie sich wohl. Histrio: = griechisch für Schauspieler. Der echte, wahre Histrioniker glaubt innigst an seine Blendereien. Er hält sie für wahr, daher kommt er auch damit wahr rüber. Ein Lügendetektor würde nichts finden :-)
Patrick hat schon Recht, wenn er sagt, dass man einen aufgepropften Zungenschlag blogschreibend (und in echt noch viel weniger) nicht allzulange durchhalten wird. Nur, wem fällt das bei Blogs oder andern Durchlauferhitzermedien schon recht groß auf, glauben doch viele Schreiber innigst, was sie daherreden und werden doch meist nur die oberen Artikel gelesen und Eintagsfliegenmeldungen verkonsumiert. Vergangenes von letzer Woche wird kaum erinnert. Es braucht viel stammlesen und viel Konzentration auf das Gebaren des Autors/des Unternehmens um Unstimmigkeiten oder Änderungen rauszulesen. Die wenigsten medienkonsumierenden Menschen machen das, sondern sie hüpfen von lustiger oder von der einen “was hat der sich zum Affen gemacht”-Quelle Quelle zur nächsten, weil die Aufmerksamkeitsspanne eine immer kürzere wird.
(Eine Anregung für Patrick, denn dieser Effekt des extrem kurzen Zeitfensters der Aufmerksamkeit hat Einfluss darauf, wie ich etwas wahrnehme und wie ich es verarbeite. Tendenz: Das Gerede von gestern einer Person/eines Unternehmes wird überlagert und ausgetauscht und ersetzt vom Gerede von heute, es findet gar kein echtes Abgleichen und “Lesen” der “historischen” Persönlichkeit an einem roten Faden entlang mehr statt. Effekt: Man tut sich als Beobachter, Interessent, Kunde immer schwerer, zu entscheiden, war das jetzt ein “authentischer” Ausrutscher, schimmerte da die echte Persönlichkeit durch, oder was das ein Schlehmiel’scher PR-Trick, um Aufmerksamkeit zu generieren? Nichts ist so interessant, wie anderen dabei zuzuschauen, wie sie sich echt oder künstlich “zum Affen” machen, und ich behaupte, dass das PR-mäßig clever genutzt werden kann und längst genutzt wird. Auch das Pseudo-Authentitzitäts-Geschwurbel in Bewerbungen, die geliebte Psychofallen-Frage der Personaler aus dem Human Resources: “Was sind Ihre Schwächen” die man nie in echt beantworten darf, weisen darauf hin. Später im Job kommt’s erst raus. Personaler sind für mich seit Jahren auf dem Holzweg, mit einer einzelnen Paradoxon-Frage ihre eigene unsichere Intuition kaschieren zu wollen, die kein Mensch wahrheitsgemäß beantworten kann und darf, eine Auslese vorzunehmen.
Im echten Geschäftsleben, in dem hohe Aufträge vergeben werden, haut virtuelle Authentizität überhaupt nicht hin. Die glaubt da kein Mensch, weil die wissen, das man das doch über einen Zeitraum faken kann. Da ist man sehr konservativ und bevorzugt das echte Gegenüber, beobachtet es eine Weile und sein Umfeld. Gemeinsam eins trinken gehen, um die Hemmschwellen für den einen oder anderen “Ausrutscher” niedrig zu machen, ist wichtigster part of the game. Ich war mal in so einer Organisation drin, hochinteressant, da läuft das wahre Geschäft, aber meiner Leber und Gesundheit zuliebe habe ich dort aufgehört :-)
Am 26. Juli 2007 um 23:52 Uhr
In vino veritas, also. Obwohl es eher in Richtung Cervesia geht in Bavaria, oder ;-)?
Wir sind hier ja in großer Zahl nicht anonyme Avatare, sondern viele derer, die in Blogs und anderem Web Zwonull Zeugs unterwegs sind, treffen sich tatsächlich im “Real Life”. Da gibt´s Freundschaften, berufliche Begegnungen, Barcamps, Fachveranstaltungen und, und und. Zuerst war der Mensch und nicht das Blog!
Das ist und das bleibt so. Und wer im echten Leben ein feiner Mensch ist, wird sich auch in Blogs, einer Mail oder einem geschriebenen Brief so äußern, wie er ist. Umgekehrt ist das -in der Tat- nicht immer so.
Am 27. Juli 2007 um 08:13 Uhr
“Ich glaube nicht, dass man in einem virtuellen Medium, ob Blog oder guter Webauftritt, Authentizität komplett haben und Vertrauen nach dem Motto “bird of the same feathers fly togetherâ€? komplett herstellen kann.”
SIC!
“Es gibt perfekte Lügner, die ihr Lügengebäude deswegen so lange und glaubhaft aufrecht erhalten könne, weil sie so sehr daran glauben, dass es für sie selbst REALITÄT sei (siehe Konstruktivismus).”
Dann sind es aber keine Lügner mehr. Wer in seiner Realität lebt ist vielleicht der Realität der anderen fremd, aber er ist sicherlich kein Lügner. Da würde ich gerne unterscheiden. Weil sonst landen wir an den Punkt, wo wir alle Lügner sind (was wir ja auch eigentlich sind)
Im Gegenteil ich glaube wir befinden uns in einer Zeit wo zwar immer mehr Blender auftauchen, aber auch immer mehr Blender enttarnt werden. Es gibt nur zwei Wege: Besser blenden oder es sein lassen.
Zum auffallen von Blendertum in Blogs. Es reicht doch schon wenn einer das langfristig verfolgt und den Finger hebt. Die Vernetzung ist so eng, da würde ruck zuck wieder die Sau getrieben, allerdings wie du schon ganz richtig sagtest, nicht sehr lange. Aber mal ne andere Frage, wollen manche Menschen eigentlich belogen werden? Und noch ein Punkt: Ich habe nicht behauptet, dass man mit Blendertum nicht weiterkommt. Ich selbst und viele andere tun sichs leichter ohne. Liegt wohl an der Einstellung, ob man Priorität auf Verkoofe oder Spaß und Ernsthaftigkeit an der Arbeit haben möchte (geht auch beides).
Zu den Alkoholeskapaden. Ich wäre sehr für die Enführung eines Wahrheitsserums bei solchen Anlässen. Verursacht weniger Kopfschmerzen. Aber genau das ist doch der Punkt. Man will Authentizität dadurch “erzwingen”, aber gleichzeitig wieder im Joballtag fesseln. Verrückt!