16:37 Uhr
Neues Branding für Yog-Sothoth?

Wer die Illuminatus-Triologie (nicht dieses verwässerte Dan Brown Buch) gelesen hat, weiß natürlich wozu das amerikanische Pentagon tatsächlich dient. Klar, zur Bändigung des großen alten Yog-Sothoth aus dem Cthullu-Mythos, der sich vornehmlich von Seelen ernährt, die man am Besten in Massen durch Kriege und Massenvernichtung gewinnen kann. Wer die Beschreibung des Yog-Sothoth kennt, weiß auch wie unansehnlich und wenig medial das alte Wesen eigentlich ist. Er sieht auf Fotos grundsätzlich scheisse aus. Da sich die amerikanische Administration jedoch immer sehr gerne selbst medial im Hochglanz präsentieren würde, hat es nun ein kleines Problem. Diese ganze Seelenopferei kommt nicht wirklich gut da draußen beim Pöbel an. Ja, man verwechselt gar den Fütterungsvorgang des Yog-Sothoth mit einer amerikanisch-militärischen Fehlleistung, wodurch sehr leicht eine Art Antiamerikanismus in aller Welt umherschweift. Dabei wünschen sich die Mitglieder der Bush-Regierung doch nichts sehnlicher als Liebe. Wer kann es ihnen verübeln bei all den täglich so unliebsamen Entscheidungen.
Doch wie bringt man also den Rest der unwissenden Welt dazu das eigene Selbstverständnis und moralisch hochwertige Gerüst für Tötung und Folter populär in die Köpfe der “Anderen” zu pflanzen? Religion ist eigentlich ein schickes Vehikel. Doch im Gegensatz zu den heutigen Anhängern der Assassinen, auch Selbstmordattentäter genannt, kriegt Bush die Nummer mit dem religiösen Führer in einer westlichen Welt, die Mammon und Wissenschaft als ihre neue Gottheit verehren, nicht wirklich hin. Zudem hat er das Problem, dass er halluzinierende Drogen wie Opium oder Haschisch verboten hat, mit der eben Hassan-i Sabbah vor gut 1000 Jahren seine Märtyrer noch durch Vorgaukelung eines paradiesischen Zustandes rekrutieren konnte. Mit Prozac, texanischem Bourbon und Rinderfett kommt man also manipulatorisch nicht wirklich weiter. Also, where is the beef?
Die religiöse Nummer ist also irgendwie nicht wirklich sinnvoll. Also greift man nun auf die letztendlich einzig konsequente Ideologie zurück: Wir hier im Westen glauben an den Kapitalismus und an die reine Vernunft der Wissenschaft. Der Überträger dieses Glaubens ist zum Teil die Werbung und eben PR. Was Unternehmen können, sollten große Regierungen doch schon lange für sich nutzen können (für die Innenpolitik hat es bisher ja ganz gut geklappt). Also muss ein Think Tank her (man beachte das Vokabular). Für 400.000 $ soll dieser eroieren, wie man in Zukunft Feld-, Kreuz-, Wald- und Wiesenzüge besser und liebevoller in der Öffentlichkeit verkaufen kann. Denn schließlich will Yog-Sothoth auch in Zukunft ausgewogen ernährt werden, denn bei wachsendem Widerstand innerhalb der Bevölkerung (und der Bevölkerung der Koalition der Willigen) gegen das “Seelenschälen” kommt man mit Friedensprotesten nicht wirklich weiter.
Wen das 241-seitige 400.000$ Schriftstück interessiert, kann es sich hier als PDF runterladen. Da sind schon ganz nette Ansätze drin. Überhaupt wird den Herren im Pentagon erst einmal erklärt, wie PR eigentlich funktioniert und selbst die Watzlawickschen Axiome werden noch einmal aufgearbeitet. So stellt man fest, dass die Bombardierung von bestimmten Zielen eben auch eine Art der Kommunikation ist:

Und auch Cluetrain wurde irgendwie verstanden. Man solle doch wieder enger mit den Medien zusammenarbeiten. Statt dass man wie sonst üblich Bild- und Filmmaterial liefert, sollen die einfach wieder selbst auf den Auslöser drücken, quasi als Army-Leserreporter.

Besonders gefällt mir jedoch der eine, immer wiederkehrende, große Kamm, über den man eine Einrichtung wie das Kriegsministerium mit Marken wie Pampers, Apple und Dell wunderbar schert. Klar, die Marke Apple ist sexy und genau so soll die Marke Krieg auch werden. Krieg ist geil! Eine Lead-Agentur dafür wird man sicherlich sehr schnell finden können. Denn seien wir doch mal ehrlich, so weit sind wir Werber gar nicht weg vom Militär. Unser Vokabular besteht ja fast ausschließlich aus martialischen Begriffen wie “Strategie”, “Guerilla” oder “Stealth Marketing”. Brüder im Geiste also? Naja, nicht ganz. Auch unsere Branche ist zum Teil schon von diesen widerlichen Friedenskämpfern infiltriert, die sich gar an Worte und Methodik der werblichen Kommunikation stören. Doch zurück in den “war room”.
Die amerikanischen Kollegen adbusters widmen sich in der aktuellen Ausgabe ebenfalls des Themas. Allerdings nicht so, wie sich das Pentagon das gerne von der Werbebranche wünschen würde. Das schreckliche Gesicht des Krieges (manche munkeln es habe bei gewissen Lichteinstellungen Ähnlichkeiten mit dem wahren Gesicht von Yog-Sothoth) scheint nahezu unretuschierbar zu sein. Doof eigentlich. Ich wäre auch dafür, wenn man die betroffende Bevölkerung in Krisengebieten einfach mit Werbeschildern ausstattet. Auch Geld scheint bei denen ja ziemlich beliebt zu sein. So könnte man am Ende den Glaubenskrieg doch noch gewinnen und die Aufschrift für die Werbetafel hätte ich auch schon:
Danke an unseren Leser Stefan für den Frontbericht!
8 Kommentare
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- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
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Am 25. Juli 2007 um 19:14 Uhr
Beim ersten Lesen dachte ich schon, bei euch sei das Sommerloch ausgebrochen. Gute Kurve genommen. Hail Eris
Am 25. Juli 2007 um 19:59 Uhr
All Hail Discordia!
Nee, nee, nix Sommerloch, aber mindestens genauso hohl! ;-)
Am 25. Juli 2007 um 22:36 Uhr
[...] Neues Branding für Yog-Sothoth? “Krieg ist nicht nett” sagte einst Barbara Bush. Da das jeder weiß soll das Pentagon neben der Kriegsführung erfolgreiche Vermarktungs- und Werbestrategien aus der Wirtschaft einführen. « Blog-Parade: Komasaufen – Wie schlimm steht es um unsere Jugend? [...]
Am 25. Juli 2007 um 23:05 Uhr
Sehr spannend, aber der adbusters-Link stimmt nicht – der richtige ist: adbusters.org/home/
Am 25. Juli 2007 um 23:08 Uhr
@Julia: Danke – für beides.
Am 26. Juli 2007 um 12:01 Uhr
Oho, ihr outet euch als HPL-Freaks und Supernerds? Dann leg ich doch noch einen drauf: Der Herr auf dem Foto ist natürlich nicht Yog-Sothoth, sondern der Große Cthulhu.
Aber selbstverständlich stimmt es, dass das Pentagon mit einer ganze Reihe von Mythos-Kreaturen im Bunde ist. George Bush soll ja im Besitz der arabischen Originalausgabe des Necronomicon sein. Warum wollte der wohl unbedingt im Irak einmarschieren. Na? Eben.
Am 26. Juli 2007 um 12:16 Uhr
@Markus: Nöö, ich mag Lovecraft eigentlich gar nicht so dolle und vom Supernerd bin ich glaube ich noch weit entfernt. Danke jedenfalls für die Korrektur des Bildes.
Das dürfte ihn eher treffen oder?
nyarlathotep.de/yogs...
Am 26. Juli 2007 um 12:25 Uhr
@Patrick
Schade, ich mag Lovecraft sehr! Horch mal in die Hörbücher von LPL-Records rein.
Hier sind die Experten für Good Old Yoggie, auch mit hervorragendem Podcast: yog-sothoth.com
Mit Bildern von Mythoskreaturen ist das so eine Sache: Lovecraft hat sie ja eher als unbeschreiblich beschrieben …