16.07.07
15:34 Uhr

Ich-Produkte

Ihr glaubt also noch nicht an die Zeichen der Zeit? Macht nichts, es gehen auch noch einige Jahre ins Land, bevor diese Dinge in der Masse wirklich greifen

Wired

Aber sie werden es. Ganz sicher. Schritt für Schritt. Auch der Joghurt. Nach dem Müsli. Denn neben billig, schnell und gut, sind wir alle auch noch extrem geil darauf individuell zu sein. Das Ich-Produkt wird in Zukunft verstärkt über die virtuelle Ladentheke wandern. Klar machen die Konzerne noch nicht mit, weil das zu teuer wäre, bzw. ihre gigantischen Profite schmälert. Allerdings auch nur solange bis die kleinen und wendigen Einzelunternehmer an den Konzern-Kuchenstückchen knabbern.

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15 Kommentare

  1. ramses101

    Zeitgeist, von mir aus. Ich bleibe dabei, dass es produktionstechnisch nicht per se überall möglich ist, jeden Mist zu individualisieren. Und das ist auch gut so. Sollen sich die LEute ihre Portraits doch auf Schalen drucken, aus denen sie dann individuelles Müsli mit nicht ganz so individueller Milch (oder doch?) schlürfen.

    Der Witz an der Individualität ist ja, dass die Leute auf einmal selber nachdenken müssen, was sie eigentlich wollen. Und das wissen nunmal nicht alle. Was übrigens ausgerechnet “Crowdsourcing” mit Individualität zu tun haben soll, ist mir schleierhaft, denn eigentlich ist es das Gegenteil.

    Und auch das individuell zusammengestellte Müsli ist nur so individuell, wie es die Kapazitäten des Herstellers zulassen. Mit anderen Worten: Müsli kann genau so individuell sein, wie ein maßgeschneiderter Anzug. Nur: Bei einem Billiganbieter, der pro Saison einen Batzen von gerade mal 6 verschiedenen Stoffen einkauft, wird der Anzug immer noch einzigartig sein, aber nunmal nicht mehr halb so individuell.

    Und so wird es auch bei dem Müslianbieter werden. Irgendwann wird ein exotisches Korn aus der Liste fliegen, weil es sich nicht mehr rechnet. Und irgendwann wird ein anderes im Basismüsli landen, weil es eh 98% darin haben wollen. Irgendwann muss nämlich jeder mal anfangen zu rechnen.

    Das, was individualisiert werden kann, wird individualisiert. Von mir aus. Ich persönlich überlasse es auch in Zukunft lieber dem Winzer, wie er meinen Wein keltert. Wenn es möglich ist, sich seinen eigenen Wein zusammen mixen zu lassen, zweifle ich keinesfalls daran, dass es Leute gibt, die genau das tun werden. Was da allerdings für eine Plörre rauskommt, will ich nicht wissen – einen Vorgeschmack bieten da ja schon die ganzen Designerweine (Blanchet und Co) die eben für den Geschmack der breiten Masse “designt” werden (Crowd) und jedes Jahr aus jeder Flasche gleich schmecken.

    Aber die Weine werden wenigstens noch von Winzern zusammengemixt, das heißt, sie schmecken wenigstens noch nach Wein. Das wird man von dem persönlichen Rebtropfen nicht mehr behaupten können. Das ist mal sicher.

  2. Patrick Breitenbach

    @ramses101: Es geht auch nicht darum alles zu customizen, sondern darum, dass es in Zukunft auch Nischenunternehmen und -produkte geben wird, die langfristig das Fertigsortiment im Supermarkt ersetzen werden. Meinen Joghurt bestelle ich dort, das Müsli da usw. Vorausgesetzt sind natürlich entsprechende Filter. Heute wird man ja schon in einem mittelgroßen Supermarkt ganz irre, wenn man nicht gleich das findet was man sucht. Und natürlich gibt es individuelle Produkte, die man wieder mit anderen teilt. Das ist ja das Schöne. Man ist Individuum UND gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft. Also beispielsweise die Tomatenjoghurtesse, die aber vielleicht auch noch den Faible für qualitätsorientierte HiFi-Geräte mit dir teilen.

    Der Mensch will ja Individuum sein und diese Eigenschaft möglichst vielen mitteilen.

  3. ramses101

    Ich bleibe skeptisch. Wie gesagt, es wird tatsächlich mehr werden, mit den Baukastenprodukten – gerade weil das Internet dafür so viele Möglichkeiten bietet. Aber das wird immer die Ausnahme bleiben. Wenn alle ihr individuelles Produkt von Händler X haben, ist es nämlich nicht mehr außergewöhnlich. Denn auch das ist ein Faktor, den man beachten sollte: Individuelle Produkte werden ja nicht nur deshalb gekauft, weil sie so persönlich soind, sondern weil sie sonst keiner hat. Die andere Seite dieser Medailie, und da gebe ich Dir Recht, ist die Community-Nummer. Wenn alle ihre persönliche Ausgabe der Marke X haben, kann das verbinden. Muss aber nicht. Manta-Fahrer stehen wohl für den Inbegriff einer Marken-Community, Astra-Fahrer nicht so.

    Zum Thema Zukunft: Vor über 15 Jahren schon gab es bei Eduscho am Tresen die Möglichkeit, sich seinen Kaffee selbst zusammenzustellen. Also 100 g Bohnen aus Äthiopien, 150 g aus Venezuela und den REst aus wasweißichwo. Oder anders. Oder zu 100% aus einem Land. Das hieß “Privatkaffee” und ich fand das eine ziemlich coole Sache. Eben weil es was persönliches war, fast schon exklusiv. Irgendwann ist das verschwunden, Privatkaffee hingegen gibt es wieder. Von Tschibo. Zusammengestellt von Tschibo-Leuten. Also: Geht zwar alles, es geht aber auch irgendwann wieder. (höhö)

  4. Andreas Rodenheber

    Ich-Placebos: Produkte, die dir versprechen, dass sie genau für dich gemacht sind.

    ;)

  5. vroni

    Ich halte überhaupt nichts von dem pseudo-individuellen Kram, den man im Internet bestellen kann.

    Nebenbei: Es entsteht ein aufgeblähter unnötiger Transportaufwand wegen einzlelner wenig haltbarer 3-10 € Kult-Produkte z.B. der frischen Eigenmüslis, die man sich aus dem Internet schicken lassen kann. Wie ist das mit dem schicken Grünbewusstsein der Ich-Gebeutelten zu vereinbaren? Da ist man auf der einen Seite stolz auf seinen “wasserangetriebenen” Rechner und dann treibt man solche Sachen. Herr schick Hirn….

  6. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Naja nicht ganz. Ich glaube kaum, dass sich das 3€ Produkt ein eigenes Flugzeug oder Transporter mietet. Das kommt dann schon mit den ganzen anderen Sachen, die bei uns derzeit so lässig im Supermarkt rumstehen. Die Produktmitfahrzentrale sozusagen.

  7. vroni

    Daran sind seit 1999 etliche Internetlädchen erstickt. Nicht an der Nachfrage, sondern an der Logistik: wenn die Lömel nicht in jedem halbwegs größeren Stadt als Würzburginienses :-) ein Lager haben (und Lager kosten richtig Geld), dann fährt die Ware durch ganz Deutschland, bis sie zusammengetragen ist und versendet werden kann. Die Kosten trägt der … Kunde. Er will individuell sein, aber wie bei Ebay fängt er bei den Versandkosten zu rechnen an.

    Auch wenn Großeinkauf betrieben wird (ist der dann aber auch…individuell? Und sind wir dann nicht wieder bei der spießigen unhippen Quelle-Sammelbestellerin gelandet…). Der selbstredend bei T-Shirts ein haltbarerer sein wird als bei Müslis, die schmecken schnell muffig.

    Bin kein Logistik-Manager, aber das halte ich finanziell und umwelttechnisch für die meisten Costumizing-Ideen aus dem Internet für groben Unfug. Eine real life Teebar, wo man sich die verücktesten Tees mischen kann dagegen ist was Wunderbares, weil ich dort eh bin wegen Fisch oder Kartoffeln.

    Hey, ich hab mal ne Weile Spezial-Katzenfutter (ohne die Chemie und Suchtstoffe von Whiskas Maus) für meine Miez aus so’n Internet-Versand. Erst dachte ich Dummie, das Zeug käme aus der Gegend, weil die Vertretung aus der Gegend ist (Fürstenfeldbruck). Bis ich erfahren habe, dass sie Miezes Großbestellung jedesmal von einer einzigen Zentrale aus quer durch Deutschland fahren.

    Seitdem kriegt Mieze gekocht, oder anders gesagt, wenn es Ei, Barsch, oder Steak oder Hühnchen gibt, kriegt sie einfach… ihren Miezen-Anteil. Individuellst und Simplicity! Think regional.

  8. Martin Oetting

    @vroni: Ich will ja nicht polemisieren, aber gibt’s auch Dinge, die Du gut findest? Überhaupt? Auf der Welt? ;-)

  9. Dominik Faber

    Me-Business oder auch crowdsourcing klappt doch schon richtig prima. Na klar gibt es nicht in jedem Business Potential dazu aber dort wo es das gibt, wird es in den nächsten Jahren sicher ausgenutzt. Insbesondere natürlich im Long-Tail ist das ganze interessant. Noch ein Wort zur Finanzierung: Vielleicht ist so etwas teurer, aber es bietet durch die Community und tarket marketing auch die Möglichkeit zur Ausgleichsfinanzierung. Auch hier könnten in Zukunft interessante geschäftsmodelle entstehen, die auf einmal das wieder wirtschaftlich machen, was es früher nicht war.

  10. ConnectedMarketing.de

    Wired macht Word of Mouth Marketing…

    Die aktuelle Ausgabe der Wired wurde an 5.000 Abonnenten mit einem ‘customized’ Cover ausgeliefert – die glücklichen Empfänger fanden die Ausgabe in ihrem Briefkasten und staunten nicht schlecht: ihr eigenes Konterfei grinste ihnen vom Titelblatt e…

  11. vroni

    @ Martin Oetting

    Aber hallo gibt es Dinge, die ich gut finde. Sogar da herin beim Werbeblogger. Wahrscheinlich liest’ halt bloss des Kritische und meckerst dann dran rum :-) So wirds sei’.

    Apropos innere Filter:
    Frach mal ramses01, was’d mich grad frech frägst. Der sieht einige Dinge ebenfalls kritisch. Aber wird nicht von dir angemacht so wie ich. Also lass es einfach, ja. Verkraftest du meine damalige Kritik am word of mouth Punktesystem immer noch nicht der wie hieß die Firma doch gleich…

    Ergebenst.

    Disclaimer:
    ramses01 find ich toll, weil er sich differenziert äußert, über mehr Vokabeln als *gähn*- oder LOL*-Kommentaristen verfügt und darauf verzichtet, persönlich anzumachen.

  12. till

    ohne vroni würde dem werbeblogger einiges fehlen. vroni spürt nämlich sofort jede bruchstelle in der argumentationskette auf und zwingt äh verhilft euch so zu besser durchdachten artikeln :) so machen die kommentare und diskussionen spaß!

  13. Roland

    Ohne die besondere Kommentarintensität von vroni schmälern
    zu wollen, fallen mir da doch noch einige mehr ein, die unsere Sicht der Dinge durch die ihre bereichern und den Werbeblogger zu dem machen, was er ist ;-)

  14. ramses101

    @Vroni: Danke für die Blumen. Die persönliche Anmache ist mir dennoch nicht fremd, allerdings mach ich das lieber bei mir im Blog. In fremder Leute Wohnzimmer zu pöbeln finde ich unhöflich ;-)

  15. till

    @roland: du hast recht. das lob erstreckt sich natürlich auch auf alle anderen kommentatoren und das team, das den werbeblogger so lesenswert machen :)

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