12.07.07
14:58 Uhr

Spielehersteller verbietet Fans Mundpropaganda

Man muss schon ziemlich dämlich sein in diesen Tagen, wenn man als kleiner Fantasy-Game-Hersteller seinen leidenschaftlichen Fans verbietet auf Grundlage ihrer Produkte erweiternden Content zu produzieren. So geschehen beim englischen Unternehmen Games Workshop, die unter anderem für ihr Fantasy-Tabletopspiel Warhammer bekannt sind. Ich habe die Spieler solcher Games immer als höchst involviert und zu tiefst leidenschaftlich wahrgenommen. Das ist eben mehr als ein plumpes Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, denn das Spiel selbst hat User-Generated-Content Elemente, denn die Spielfiguren werden in der Regel selbst bemalt.

Jedenfalls wollten einige deutsche Anhänger (ca. 60) von Warhammer eine cineastische Hommage produzieren, aus eigener Tasche (Budget 10.000 Euro), also ein reines Fanprojekt. Nach vier Jahren investierter Freizeit schob nun der Spielehersteller einen Riegel vor das Projekt, sowie vor allen weiteren Aktivitäten von Fans. Wo andere große Marken sich die Finger nach lecken würden, sagt GW schlichtweg NEIN. Nein zu eigentlich allem, was man irgendwie ausdrücken könnte, um der Öffentlichkeit zu zeigen: “Hey, ich bin ein Fan der geilen Produkte von Games Workshop”.

Ich kann schon auch nachvollziehen, dass auch viel Schindluder mit den Urheberrechten getrieben wird. Es ist klar, dass man nicht einfach Bilder, Figuren und Kartenmaterial kopieren und weitergeben darf. Aber so eine radikale Liste der Verbote zu veröffentlichen, drängt alle Fans in eine dunkle Ecke. Man darf sich ja selbst kein “I love Warhammer” mehr tätowieren lassen. Unglaublich. Ich kenne mich zu wenig mit Urheberrechten aus, schon gar nicht im Bezug auf die Streitgrundlage, nämlich, dass das englische Urheberrecht wohl zu den anderen europäischen Ländern nicht kompatibel sei. Aber ich kenne mich ein wenig aus mit Werbung und Kommunikation. Ich kann auch nachvollziehen wie viele Fans ticken und ich weiß, dass es für eine Marke keine bessere, authentischere und effektivere Kommunikation gibt, als die aus den Mündern der Markenevangelisten. Wenn man die also zum schweigen bringt, dann brauch ich im Grunde auch gar keine Produkte mehr verkaufen, die eigentlich nur auf Basis eines hohen Leidenschaftsgrades verkaufbar sind. Das Unternehmen hat da eine Riesenchance vertan (man hätte das Filmprojekt auch offiziell unterstützen können, theoretisch sogar für nen Appel und ein Ei) und weiß aber auch nicht, was sie da eigentlich angerichtet haben.

Update: via Medienrauschen

10 Kommentare

  1. roman libbertz

    da sitzen wohl angestaubte….
    gruss r.l

  2. Sven | Blog 7

    Ich hatte auch mal Warhammer Fantasie Spielfiguren, leider aber nie die Zeit sie wirklich zu bemalen. Ein sehr nettes Hobby, dessen Verbreitung durch solche Aktionen leider schwer ausgebremst wird.

  3. kaotisch » Virales Anti-Marketing

    [...] iPhone. Das krasse Gegenteil praktiziert dagegen der Spielehersteller Games Workshop mit dem Verbot eines von Fans produzierten Filmes, der in der Welt des Tabletop-Spieles [...]

  4. Marc

    -.- ja ich habe es auch gestern in den Foren gelesen und war entsetzt. Ich stand hinter dem Projekt seitdem die angefangen hatten. Unglaublich, wenn man bedenkt dass GW in letzter Zeit enorme Einbrüche erfährt… das wäre doch die beste kostenlose Werbung?

    Oh Mann… wenn es keine dummen Menschen gäbe, würden auch weniger Leute an Stress und Ärger sterben…

  5. Felix Müller

    Wie man es besser macht, sieht man z.B. bei Lucasfilm, die schon Jahrelang die diversen “StarWars-Fanfilme” ausdrücklich tolerieren, wenn auch nicht fördern. Schönes Beispiel (auf die Fertigstellung warte ich schon ca. 4 Jahre): tydirium-derfilm.de/

  6. Jens

    tja, wenn kleine Branche auf dicke Hose macht, aber nicht merkt das wir nicht mehr in den 60igern leben…
    schlimm das…

  7. Markus Widmer

    Wirklich erstaunlich und idiotisch, aber nicht neu. Games Workshop hat Fansites und Fanprojekten schon immer extrem genau auf die Finger geschaut und sich selbst gegenüber unabhängigen Shop, die ihre Ware vertreiben, verhalten wie äußerst verschrobene Controlfreaks. Es scheint die Strategie zu sein, alle Fanaktivitäten in den eigenen Monobrand-Shops zu konzentrieren.

    Man muss aber dazu sagen, dass Games Workshop neben Wizards of the Coast die einzige große, internationale Marke im Fantasy-Game-Geschäft ist, die sich über Jahre und Jahrzehnte halten konnte. Vielleicht braucht es diese Macker-Attitüde?

  8. Thomas

    Tydirium kann man auch nachbauen:
    Tydirium

  9. Marek

    ich weiß nicht recht – ist doch mehr als nur der berühmte Schuß in’s eigene Knie. Es ist aktive Kundenverprellung! Naja, vielleicht will man ja auch durch Kundenreduktion den Nimbus der eigenen Exklusivität postulieren. Quatsch, sowas…

  10. Der Rabe

    Herzlichen Glückwunsch GW!

    Wenn die so weitermachen, dann gibt es vielleicht bald die Lizenzen für 40k und Co. für nen Appel und ein Ei zu erwerben.

    Ergo: Schonmal sparen und dann zusammenlegen. ;)

    Sprach Der Rabe – Nimmermehr!

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