06.07.07
02:35 Uhr

Vater sein dagegen sehr?

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[inspic=5,left,,0]Die digitale Netzwelt hält sich mit Kritik ungerne zurück, wenn es um die Kommerzialisierung von Diensten und Angeboten im Umfeld der jungen Medien geht. Viele (und auch ich als Sohn meines Vaters) verstehen die neuen Medienformen, die vor allem in der Vielzahl unterschiedlicher Mikroformate wie z.B. Blogs in Erscheinung treten, als neuen demokratischen Meinungskanal, der insbesondere durch seine authentischen Facetten und persönliche Darstellung die klassische Informationslandschaft bereichert. Hinter den digitalen Leseangeboten des Web 2.0 stehen vor allem einzelne Personen -nicht Verlage oder Titel- die sich in der Regel transparenter, aber auch subjektiver und einseitiger artikulieren als die klassische Journaille. Eine mögliche kommerzielle Ausrichtung dieser Dienste birgt also theoretisch durchaus Gefahren eines wachsenden wirtschaftlichen Interessenskonflikts für den Betreiber und die Autoren. Die so geschätzten inhaltlichen Kernwerte eines zart aufkeimenden „Blog-Journalismus“ würden nach Meinung der Kommerz-Kritiker unmittelbar dem schöden Mammon geopfert, Leser degenerierten zu blankem „Klickvieh“ und Beiträge, Meinungen und Inhalte würden dem Primat der „economical correctness“ untergeordnet. Abgeleitet und begründet wird diese Einschätzung häufig durch die praktischen Erfahrungen in einer überkommerzialisierten Medienwelt, die nicht mehr wirklich unabhängig berichten könne. Dieses Schicksal stünde nun auch den Blogs und ihrer Zukunft bevor.
Ist die „mediale Jugend“ wirklich so dumm? Oder ist es eher die Angst der Altvorderen, die ihre gelebte Erfahrung -nach alter Väter Sitte- regelmäßig überschätzen?

14 Kommentare

  1. Six

    Das ist wohl eher ein Thema für Alfonso. Aber was sollen Werber schon über die Kommerzialisierung der Medien sagen? Da sitzen wir wohl im falschen Boot.

  2. Roland

    Sitzen wir im falschen Boot? Es geht Don ja oft genug um die „Käuflichkeit“ bestimmter Medien durch die Werbung bzw. Insertionen im eigenen Format. Ist diese Entwicklung wirklich zwangsläufig? Kann ein Blogger (mediale Jugend) nur „frei“ von der Leber bloggen, wenn er keine werblichen Anzeigen schaltet?

  3. Six

    Ich weiß wirklich nicht, ob das Thema hierher gehört. bei Don wird es ja intensivst diskuttiert. Das ist dort ok, weil Don als kompromissloser Aufrechterhalter der Blogmoral eine wichtige Rolle spielt. Obwohl ich solchen Moralisten immer skeptisch gegenüber stehe, weil sie sich unantastbar geben, übernehmen sie denoch einen viel unbequemeren Job als zB der Werbeblogger, der alles eher relativiert, was einfacher ist. Weil jeder Standpunkt ist ja irgendwie vertretbar. Nicht falsch verstehen. Aber zum Thema Werbung in Blogs kann man natürlich sagen: Ein bisschen schadet niemanden. Was spricht dagegen? Und was anderes soll ein Werber auch sagen?

    Man kann aber auch grundsätzlich dagegen sein und jede einzelen Verpflichtung gegenüber einem Werbekunden als Einschränkung der eigenen Redefreiheit oder Meinungsfreiheit betrachten. Oder es verwerflich finden, für Unternehmen zu werben, die nicht moralisch einwandfrei agieren – und da steigen Werber ganz aus der Diskussion aus, weil man sich nur äußerst eingeschränkt aussuchen kann, für wen man arbeitet, egal in welcher Branche.

    Also, hat man entweder mit Werbung nichts zu tun und will damit nichts zu tun haben, weil man seine Brötchen anders verdient – dann kann man auch leicht dagegen sein. Oder man macht bzw. schaltet Werbung und findet sich mit den Umständen dieser Branche ab – dann wird es aber schnell heuchlerisch, wenn man über die Existenzberechtigung von Werbung diskuttiert.

  4. vroni

    Don Alphonso als Bloggermarke hat sich wohl bei vielen so eingeprägt, dass er komplett gegen Werbung sein. Tss. Das stimmt aber so nicht.

    1. Er ist dagegen, zu vermischen oder anders gesagt: unsauber zu trennen. Stichwort: Schleich-PR in Blogs und Schleich-Werbung in Blogs und alle Versuche in diese Richtung (wie beispielsweise die unseriöse Intransparenz von sogenannten Profi-Bloggern, die keine Disclosures schreiben, mit wem sie geschäftlich verbandelt sind und wo genau sie ihre Brötchen und Anweisungen herholen). Da hat Don den nicht zu unterschätzenden Punkt der journalistischen Ethik (die nicht wie in Stein gemeißelt dasteht, sondern immer wieder neu betrachtet werden muss), der auch imagebewussten Werbern nicht ganz wurscht sein sollte, die bloggen.

    Achtung Spott: Manchmal habe ich den Eindruck, manche Firmen, die white- oder greenwashing betreiben sind in ihrem Eigenmarketing weiter als mancher sich clever wähnende Marketing-Blogger. Immerhin wissen diese mir nicht sonderlich sympathischen Firmen von der Wichtigkeit einer wahren sauberen Weste, auch wenn sie eben grad ebbe nit sauber sind: sie wissen. Immerhin.

    2. Wenn Trennung, dann ist er dagegen, dass ausgerechnet da von Redaktion getrennte Werbung (im Grund löblich) aufgeschaltet wird, die das glatte Gegenteil der Core Assets einer bestimmten Bloggemeinschaft sind (adical). Da hat er fast schon einen knallharten Marketingpunkt. Daher ist es nicht ganz daneben, dass sowas auch im Werbeblogger diskutiert wird

    Eindruck: Für einen Kunsthistoriker, Printjournalisten und Blogger versteht er manches Mal mehr von einem klaren Firmenauftritt wie mancher digitale Werbe-Junghüpfer hier :-) Muss ich schon mal sagen.

    3. Und er ist dagegen, alles in die große vage Denk-Gulaschkanone zu schmeißen, einmal rumrühren fertig und unreflektierten Kram aussspucken. Ich glaub, da ist er am meisten dagegen :-)

    _____Insofern ist das Thema sehr wohl eines für den Werbeblogger, da möchte ich Roland verteidigen. Werber – vor allem angestellte – könne sich freilich nicht ihre Werbekunden exquisit aussuchen, aber sie sind oft auch in einer beratenden Funktion ihren eigenen Werbekunden gegenüber, die sich Communities nähern wollen und über neue Werbemodelle nachdenken. Daher sollt man als Werberchen, gerade was Blogs und ihre Integrität und die Trennlinie zum bezahlten Journalismus und zur Werbung betrifft, auf dem Laufenden sein, die Grenzen und die Debatte darüber, kennen und die Diskussion darüber nicht abwürgen. Just my 100 Cents.

  5. Six

    also gut, ich lass mich drauf ein:
    Angenommen, man sucht sich einwandfreie Werbekunden aus und trennt ganz brav Redaktion und werbung, ist das gerade im Werbeblogger auch ein ziemliches Risiko für den Werbekunden. Muss er doch damit rechnen, dass sein banner hier besprochen und kritisiert wird.

    Also schon aus der Sicht des Kunden ist es ein Risiko. Ist doch ein Unterschied, ob man irgendwo ein Inserat schaltet, das unkommentiert bleibt oder sich in ein Diskussionsforum (über Werbung) einschaltet.

  6. vroni

    @ Roland

    „Ist die “mediale Jugend? wirklich so dumm?…“

    Ich glaube, sie ist nicht dumm, sie tickt nur anders.

    Die haben nicht ein Problem mit Werbung an sich, die finden sie zum Teil sogar gut. Was (oft ältere ) Fundis natürlich umhaut, ihre Welt auf den Kopf stellt oder je nach Type zur Verzweiflung bringen kann:-) Werbe-Fundis begreifen einfach nicht(mehr), dass die jungen Communities meist weder ein Prob damit haben, ihre Identität völlig Fremden zu entblättern noch mit Werbung eins haben, die ihnen passt, von ihr angesprochen zu werden. Sie haben die zivilisatorische Anpassungsleistung an ballernde Reizüberflutung wohl in ihrem Gehirn schon neuronal geleistet, sie könne komplete reale abschlten (was mir genauso auch Angst aber macht btw) können besser wegblenden und filtern als ein altvorderes Gehirn.

    Sie haben nur ein klitzekleines Problem mit der oft nicht „artgerechten“ Ansprache, dem Anbiedern im falschen Ton. Das haben Unternehmen immer noch nicht gelernt. Und Fundis fällt das gar nicht auf, weil sie eh nicht differenzieren. Auch manchen Werber halte ich für genau einen solche Fundi, aber verkappt, denn im Inneren lehnen sie unbewusst kategorisch ab, was sie treiben (äußeres Zeichen: sie entwickeln Zynismus und halten den für Humor…:-) ) und übertragen ihre Abneigung gegen Werbung generell auf Denkmodelle, mit denen sie ihre Kunden beraten sollen.

    „…Oder ist es eher die Angst der Altvorderen, die ihre gelebte Erfahrung -nach alter Väter Sitte- regelmäßig überschätzen?“

    Die „Altvorderen“ haben eher Angst, sich umzustellen.

    Und sie ahnen böse, dass sie nicht „artgerecht“ ansprechen können, das amcht ihnen Angst: ein mögliches Unvermögen. Weil sie ganz anderes von der Pike auf gelernt haben: immer volle Pulle push und den Konsumenten für a bisserl blöd halten, zumindest für blöder als sie selbst. Das schmerzt, das das nicht mehr gilt. Ich bin für ein Hilfsfond für Altvordere und heimliche Fundis. Sie sollten in Würde altern dürfen :-) Es gibt natürlich auch junge Altvordere und alte, die artgerecht ansprechen können oder zumindest wissen, was das ist, denn alt ist man als Werber nicht am Körper sondern im Kopf.

    ______Früher sagte ich gerne: „Hauptsach‘ Supergehalt als Werber, damit es für eine Klapsmühle erster Klasse reicht, wenn es mal so weit ist…“ In est das Profifußballer-Prinzip: bis 35 muss man seine Happchenpappchen beieinander haben, ab da kommen unweigerlich die Meniskusschäden und die Rente mit intravenös angeschlossenen Bildinterviews :-) Bei Fußballern klappt das, in der Werbung leider nicht, denn die Gehälter sind schlicht gesagt, erbärmlich.

  7. vroni

    @ Six

    Das Risiko IST eins für den Werbekunden.
    Risiko ist aber auch Chance.

    Klar ist es ein Risiko, dass seine Banner und Winkelzüge besprochen werden. Aber nur dann ein unkalkulierbares, wenn er von Kritik und Dialog gar nichts hält und sich wasserdicht abschotten will. Und sie werden wahrscheinlich nur dann vom Jungvolk besprochen, wenn sie in der Execution abgrundtief grottenschlecht gemacht sind oder wenn die Werbung superspitze ist. Die Extreme. Investigativ sind die wenigsten drauf, die meisten sind nur geschmäcklerisch unterwegs und kritisieren Tonalities, Stile und Farben. So what?

    Werbekunden und Firmen müssen sich auch langsam darauf einstellen, dass immer mehr und überall über ihre Auftritte und Produkte kritisch geredet wird. Wenn es nicht in den Blogs passiert, dann passiert es genauso anderswo. Werbe- oder Firmenkritiker sitzen doch nicht nur in Blogs. Manche Blogs sind inhaltlich sogar ausgesprochen wurschtig oder kritiklos verglichen mit Foren oder Verbraucher-Sites oder wie der gute alte Zorno.

    Wenn Firmen Kritik und Risiko auch als Chance begreifen, dann sind sie einen Schritt weiter. Ist doch besser, sie kriegen Gemecker mal öffentlich mit als immer nur hinterm Wolltuch. So eine tolle und fast kostenlose Marktforschung (die konventionell in der Regel horrorteuer ist) kriegen sie nie mehr wieder.

    Für den Fall der gesteuerten unberechtigten Schlechtmache, die es natürlich auch geben kann, haben sie ihr geliebtes und gefürchtetes Instrument der Abmahnung und Gegen-PR. Wenn sie klug sind, überlegen sie sich das aber gut, vor allem wenn das Schlechtmachen berechtigt war. Das hat deren Image meist immer noch mehr reingeritten.

  8. Six

    Die Realität hat die Debatte eh schon überholt. War der Banner für WordPress da rechts gestern auch schon da?

    zu Vroni: Stimmt ja alles theoretisch. Mal sehen, ob die kommenden Generationen von Marketingheinis schon affiner sind für die offene Kommunikation mit ihren Kunden. Heute ist das noch alles recht neu und beängstigend. Aber vielleicht findet da wirklich ein entscheidender Wandl statt, dann könnte man das Web 2Dings wirklich als Entwicklung bezeichnen. schönes Wochenende.

  9. Roland

    @Six Jepp, wir hatten immer einen gratis Hinweis auf die Engine, mit der der Werbeblogger betrieben wird. Und viele andere Blogs ohne Lizenzkosten ermöglicht. Wir sind Fans von WordPress ;-)

  10. Six

    Als Fan ist es natürich ok Gratiswerbung zu machen;-)

  11. Roland

    Gratis-Werbung für ein Gratis-Produkt für ein Gratis-Blog ;-)

  12. derherold

    Es kommt nicht nur darauf an, was warum gebloggt wird, sondern auch wer wann. ;)

    Nur wenn der Bloggie in (zumindest einigermaßen) gesicherten Verhältnissen lebt, ist von ihm „Authentizität“ und ein Mindestmaß an Unbestechlichkeit zu erwarten.

    Man sollte nicht vergessen, daß „Berufs-Kritiker“, ob als Journalisten oder Politiker „damit“ ihr Geld verdienen und die „kapitalismuskritischen“ 68iger durch die Bank im warmen Bett des Öffentlichen Dienstes gelandet sind.

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