30.06.07
12:46 Uhr

Zivilcourage

Angst essen Seele auf.” Angst um den Job macht gefügig, Angst vor konstruktivem Diskurs und offensiver Meinung ist der Sand im Getriebe des Humanismus. Bloß nicht einmischen, bloß nicht politisch oder sonstwie inkorrekt sein, lieber opportunistisch im Strom schwimmen, sollen doch die anderen mal…
Die Angst zieht weite Kreise in unseren westlichen Gesellschaften, die paradoxerweise -im Weltvergleich- mit allgegenwärtiger existenzieller Not faktisch am wenigsten rechnen müssen. Das sah hier in Europa vor 65 Jahren noch ganz anders aus.
Heutige Ängste sind oft kommerziell motiviert: Angst vor Verlust des Lebensstandards, Angst vor Verlust an Umsätzen und Kunden, Angst vor dem eigenen Macht- und Einflussverlust. Damit paart sich häufig eine Angst um die Zukunft, Angst vor dem Alter bzw. dem Verlust an Jugendlichkeit. Nicht selten mündet das alles dann in eine große Angst vor der Einsamkeit.
Es gibt natürlich auch in Deutschland individuelle Schicksale und auch Familien, die mehr auf Hilfe angewiesen sind als sie Hilfe geben könnten. Erstaunlicherweise habe ich persönlich gerade in solchen Familien oft eine praktische Solidarität erlebt, die bewundernswert ist. Sie verdienen unsere Unterstützung.
Wer also Dinge bewegen und verändern will, kommt um eine persönliche und konkrete Beteiligung nicht herum. Nicht jeder ist als Held geboren, aber “Volkes Stimme” kann nicht überhört werden, wenn sie sich dann in großer Zahl solidarisch äußert und handelt, wie es unsere eigene deutsche Geschichte zuletzt 1989 eindrucksvoll gezeigt hat.
Dabei sind es eben selten die großen revolutionären Figuren, sondern vielmehr die einzelnen Beteiligungen der Menschen, die den Stein ins Rollen bringen. Auch bei einer Petition: Jede Stimme zählt.


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23 Kommentare

  1. A.

    sehr schöner spot. ja… mit der angst um den job muss ich mich gerade intensiv beschäftigen. 9 jahre in der werbung haben ihre spuren hinterlassen. burn out, gesundheitlich am ende und in psychotherapeutischer behandlung. das sind die schattenseite der werbewelt. ;-)

  2. Patrick Breitenbach

    Am Schlimmsten ist die Angst vor der Angst. Sie ist unheimlich lähmend. Angst ist die blockierende Kraft bei kreativen Prozessen. Angst fressen Seele auf. So ist es.

    ABER. Es gibt ein Leben MIT der Angst. Denn Angst hat auch etwas positives. Sie kann uns schützen, warnen oder zu Höchstleistungen motivieren. Jedoch ist der alte Mechanismus aus dem Leben in der Wildnis bis aufs Äußerste von Politik, Wirtschaft und sonstigem Umfeld ausgereizt worden. Das sind alles künstliche Ängste und letzendlich reduzieren sie sich auf die eine große Angst. Die Angst vor dem Tod. Wer die überwindet, hält sich die Seelenfresser vom Leib. Denn komischerweise glauben ja die meisten, dass unsere Seelen unsterblich sind. Wenn wir die Angst akzeptieren, sie zu unserem Begleiter machen (wie übrigens auch den Tod), dann verschwindet die Angst vor der Angst.

    Es gibt da auch einen recht guten Küchentrick wenn man vor Kleinigkeiten Angst hat. Immer sich die Frage stellen “Was ist eigentlich das Schlimmste was dir passieren kann?” Wenn die Antwort nicht gerade der Tod (eigener oder anderer) ist, kann das sehr oft die Angst lindern. Ansonsten ist sicherlich die Suche nach professioneller Hilfe keine Schande sondern eine Befreiung.

  3. Roland

    Ja, Ängste gehören zu einem gesunden Leben dazu. Wer sich vor ihr fürchtet und diese Furcht vor der Angst bestimmend wird, kann aber nicht mehr handeln. Ich will jetzt nicht zurück in die tierische Verhaltensforschung, aber Angst ist ein wichtiger Mechanismus, der aber immer in einem gesunden Verhältnis zwischen “Flucht” und “Angriff” balanciert. Wer nur flieht, hat keine Chance, denn die Evolution bildet auch immer bessere Jäger hervor, auch bei uns Menschen. Ziviler Ungehorsam und Widerstand gegen allzu “beängstigende” Entwicklungen sind also das beste Regulativ, um sich nicht beherrschen zu lassen.

  4. Patrick Breitenbach

    “Think for yourself. Question authority. Throughout human history as our species has faced the frightening terrorizing fact that we do not know who we are or where we are going in this ocean of chaos it has been the authorities – the political, the religious, the educational authorities – who attempted to comfort us by giving us order, rules regulations – informing, forming in our minds their view of reality. To think for yourself you must question authority and learn how to put yourself in a state of vulnerable open-mindedness – chaotic, confused vulnerabilty to inform yourself. Think for yourself. Question authority.”

    Tim Leary (Psychologe, Autor und ehemaliger US-Staatsfeind Nr. 1)

  5. vroni

    Leute, es geht schlicht und einfach darum, an einer Petition mitzumachen. dEr Film hat aufgezeigt, wie wie wirksam die sind.

    Ein Gift unserer heutigen Zeit sind zwar Jobängste, umd as geht es hier aber nicht.

    Das Gift unsere Zeit ist die Wurstegal-Einstellung, “dass soweiso alles nix bringt.” Und dass “die da ohm eh machen können, was sie wollen”. Das Gift unserer Zeit sind Relativierungen “alle Firmen sind ein bisschen böse, da sei es doch egal, für wen man arbeitet oder wirbt.”

    Ne Leute, auch wenn ihr Jobangst habt oder ausgebrannt seid (seid ihr schon malim falschen Job BTW): eine Petition unterschreiben, das hat euch in D. seit 45 noch niemandem den Kopf abgerissen. Tut es einfach. Geht mal über eueren eingezirkelten Werber-Horizont hinaus.

    Wen ihr Angst vor der Angst habt oder besprechen wollt, dann müsst ihr zum Seelendoktor. Das war aber nicht Thema diese Spots.

  6. Patrick Breitenbach

    Vroni, wenn die Menschen ihre eigenen kleinen Ängste lösen, dann sind sie auch bereit dazu für andere einzustehen. So einfach ist das.

    Andere an die Hand nehmen, das könnte klappen. Immer wieder den leuten mit dem Holzhammer auf den Kopp hauen, hmmm… lass mich mal nachdenken, ich glaube außer großen Kopfschmerzen bewirkt das bei den Menschen nicht wirklich viel.

  7. Roland

    @Vroni: Dieser Spot arbeitet auch mit der Angst und dem Spiegel der Angst. Selbstverständlich. Aber löst konstruktiv auf. Nicht selbstverständlich. So einfach ist das.

  8. Patrick Breitenbach

    Noch was. Deine beschriebene Relativierung (übrigens zieh ich mir den Schuh nicht an auch wenn du ihn mir noch so oft vehement anpressen willst) entsteht doch erst aus den beschriebenen Existenzängsten – sprich Angst vor dem Jobverlust. Daher ist eine schön gewachsene Arbeitslosenquote auch ein schönes Werkzeug um den Deckel auf viele verschiedene Sachen zu halten. Stell dir mal vor alle wären voll versorgt und glücklich. Die könnten doch tatsächlich auf die blöde Idee kommen unangenehme Fragen zu stellen, wieso es anderen Menschen in anderen Ländern nicht so dolle geht. Ängste werden zum Teil (Arbeitslosigkeit, Terror, Vogelgrippe, Rente, Kriminalität etc.) geschürt um solches Nachdenken (Unternehmensethik, Überwachungsstaat, Pharmalobby etc.) auszublenden. Desweiteren schürt man auch schön die Polarisierung (ich bin gut ihr seid böse) und damit die Intoleranz gegenüber allen Menschen.

    Sorry. Deine “Standpauke” ist also für mich auch nur ein weiterer Schuss aus der (S)Autoritätsecke. *überspitztformuliertund nichtzuvergleichenmitdemganzenanderenÜbeldieserWelt*

  9. vroni

    @ Patrick und Roland.

    1. Der Film hat die Angst des Dissidenten aufgezeigt, sterben zu müssen. Nicht die Existenzangst der satten Bevölkerung um ihren Job oder das sie morgen Margarine statt Butter aufs Brot tun müssen. Begreift, das die “zivilisierte” Angst eine ganz andere Angst ist.

    2. Next. Eure linear hergeleitete Kausalität: Angst (egal welche, ob die teilweise berechtigte um den Job oder die hysterische vor Vogelgrippe) sei der Grund, warum sich keiner in des satten Ländern berufen fühlt, anderswo einzugreifen, halte ich für einen Denkfehler. Denkfehler grundsätzlich erstmal deshalb, weil die Dinge auf der Welt nicht kausal sind, sondern prozesual zu betrachten. Und Denkfehler in der Sache, weil nicht Angst die Leute hemmt, eien lausige Petition zu unterschreiben, sondern das kognitive Unwissen, dass eine Petition tatsächlich hilft.

    Es geht tatsächlich manchmal um sowas Blödes wie Unwissen. Das Gefühl von Selbstwirksamkeit kann auch durch Unwissen verschüttet werden. Please check this. Ich glaube, ihr habt den Spot nicht verstanden, nicht ich. Der Spot teilt uns mit a) dass verfolgte Dissidenten eien unheimliche und menschenunwürdige Ansgt auszustehebn haben, die wir uns gar niht vorstellen können b) dass Petitionen tatsächlich helfen. (Es geht nämlich die Sage, dass sie nix bringen würden, das ist der Plot des Films ). Alles was ihr beide dazu noch dazu sagt, ist transfer hineininterpretiert und entschuldigt (Job, Datensicherheit…) Ich habe ja auch viel Phantasie…, aber es geht im Film deutlichst um die Angst des Opfers, nicht um die im Vergleich dazu erbärmliche Hasenangst der zur Petition Aufgerufenen in wesentlich sicherern Ländern.

    Disclosure:
    Wer nachweisen kann, dass auch schon hierzulande das Unterschreiben einer Petition für ai zu Job- oder Kundenverlust geführt hat, der möge sich bei mir melden. Ich mache gern für ihn Randalage bei Schäuble, unerschreib für ihn seine Petitionen, wenn er sich nicht traut, öffentlich mit Klarnamen aufzutreten. Ich habe auch keine Angst vor Kundenverlust. Gehts noch.

    Vor Vogelgrippe erst recht nicht, die ist hochgepusht von Bushs Pharmaleuten.
    *kopf- und Fußschüttel*

    Nach Diktat Off to WE

  10. Roland

    @vroni: auch, wenn nach Diktat off…du liest es dann Montag vermutlich…

    “Wer also Dinge bewegen und verändern will, kommt um eine persönliche und konkrete Beteiligung nicht herum. Nicht jeder ist als Held geboren, aber “Volkes Stimmeâ€? kann nicht überhört werden, wenn sie sich dann in großer Zahl solidarisch äußert und handelt, wie es unsere eigene deutsche Geschichte zuletzt 1989 eindrucksvoll gezeigt hat.
    Dabei sind es eben selten die großen revolutionären Figuren, sondern vielmehr die einzelnen Beteiligungen der Menschen, die den Stein ins Rollen bringen. Auch bei einer Petition: Jede Stimme zählt.”!!!!!

    Auf den Spot bezogen fasse ich das zusammen, was der Spot unmittelbar vermittelt, nichts anderes.
    Ich stelle den Spot nicht in einen umnittelbaren kausalen Zusammenang mit der Angst durch Arbeitslosigkeit. Ich leite über einen erweiterten Gedanken ein und nehme dann im Hinblick auf “konkretes Handeln” den Spot auf. Bitte unterscheiden bzw. differenzieren und nicht wild kopf-und fußschüttelnd anderes in den Mund legen.

    Übrigens: Der “Relativismus” ist nach meiner Überzeugung reiner “Opportunismus”, der sehr häufig aus verschiedenen Ängsten und Schwächen motiviert ist – wie im Beitrag beschrieben.
    “Bloß nicht einmischen, bloß nicht politisch oder sonstwie inkorrekt sein, lieber opportunistisch im Strom schwimmen, sollen doch die anderen mal…”

  11. Ilka Breitenbach

    Ich habe das Gefühl, daß es sich hier um ein Kommunikationsproblem handelt und daß ihr hier schlicht “aneinander vorbei redet”.
    Ich glaube auch nicht, daß es sinnvoll ist Ängste in gute, berechtigte (Angst des Dissidenten) und unberechtigte, zu belächenlnde (Angst vor Jobverlust in westlicher Gessellschaft) zu unterteilen. Angst ist ein Gefühl, häufig eingebettet in eine Situation, in der der Betroffene wenig Handlungsmöglichkeiten sieht, sich ausgeliefert fühlt und eine Bedrohung verspührt.
    Natürlich ist die Bedrohnung des eigenen Lebens eine der weitreichensten, aber dennoch oder gerade weil dies einleuchtend ist, lohnt es doch hinzuschauen, warum Ängste in einer westlichen, satten Gesellschaft, in der “seit 45 noch niemandem de(r) Kopf abgerissen” wurde, trotzdem nicht weniger sondern eher mehr werden.
    Und daß Menschen, die sich mit Kommunikation und öffentlicher Meinungsbildung beschäftigen, dies thematisieren erscheint mir doch sinnvoll, denn ganz offensichtlich hängt die Verbreitung von Angst nicht (nur) mit den tatsächlichen (objektiven) Bedrohnungen zusammen.
    Dies hier nur am Rande….

  12. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Natürlich bestehen kausale Zusammenhänge, aber nicht so wie du sie darstellst. Die Leute interessieren sich nicht für China oder Russland oder für Länder in denen es Menschenrechtsverletzungen gibt, ganz einfach weil sie im eigenen Haus genug Probleme haben. Und ja, das sind solche banalen Ängste, die du ins Lächerliche ziehst, wie die Angst davor den Job zu verlieren, die Angst vor dem nächsten Arzttermin, die Angst wieder vom besoffenen Ehemann geprügelt zu werden, die Angst, der Nachbar könnte etwas schlechtes über mich denken. Diese Ängste blockieren das Interesse für die ganzen Schweinereien auf der Welt, aber wie meine liebe Frau (ich habe sie nicht aufgefordert einzuspringen nach dem Motto, dann hole ich meine Frau, die ist Pädagogin) schon so schön geschrieben hat. Das Gefühl der Angst kann durchaus gleich sein. Panikattacken bei ganz banalen Begebenheiten ist tatsächlich körperlich wie psychische Todesangst. Das Gefühl ist das Gleiche der Auslöser ein anderer. Welche Angst ist jetzt “besser” und “wertvoller”?

    Ich wiederhole mich: Nur wenn vor der eigenen Haustür gekehrt ist, kann ich dem Nachbar beim aufräumen helfen. Nur wer meine Haustür respektiert, kann erwarten, dass ich die andere Haustür auch respektiere. Da kann man Zetern bis man schwarz wird, so wird das nix mit Menschen zu etwas bewegen.

  13. Materazzi

    @ Patrick Breitenbach

    Abgesehen davon, dass ich den Spot überhaupt nicht gut finde (später mehr), stimme ich Vroni zu. Wenn ich das alles richtig verstanden habe.
    Vor allem, was du, Patrick, in deinem letzten Kommentar schreibst, ist schon ziemlich zynisch:

    “Die Leute interessieren sich nicht für China oder Russland oder für Länder in denen es Menschenrechtsverletzungen gibt, ganz einfach weil sie im eigenen Haus genug Probleme haben.”

    Und, die Folgerung:

    “Nur wenn vor der eigenen Haustür gekehrt ist, kann ich dem Nachbar beim aufräumen helfen.”

    Heißt das, wenn wir erst Vollbeschäftigung mit Job-Garantie , Krankenversicherung für alle zum Nulltarif mit Anti-Arzt-Angst-Garantie eingeführt und endlich die besoffenen prügelnden Ehemänner verboten haben, dann fangen die Leute auf einmal ganz automatisch an, über den Tellerrand zu gucken? Und bis dahin setzen wir einfach mal Ängste wie “Hilfe, der Nachbar könnte was schlechtes über mich denken” mit Ängsten wie “Hilfe, ich glaub, ich werd exekutiert” gleich?

    Ich glaube, das stimmt nicht. Beispiel: Ich hab mal eine erstaunliche Statistik gelesen (entschuldigung – aber kann man gern nachprüfe ich hab bloß jetzt keine Lust dazu): Als Irland noch so ziemlich das wirtschaftliche Schlusslicht in Europa war, lagen die Iren trotzdem ganz vorn, was das pro Kopf Spendenaufkommen für (auch internationale!) wohltätige Zwecke anging.
    Heißt das als: obwohl die Iren in der Zeit (hat sich inzwischen zum Glück geändert), miese Aussichten auf Jobs, WOhlstand, Haus, Zukunft für die Kinder hatten, empfanden sie gleichzeitig wundersamer Weise keine ÄNGSTE diesbezüglich? Oder weniger, als wir heute?

    Will sagen: Ängste halten eben nicht als Erklärung für alles her.Dass wir (ja, ich auch) so gleichgültig gegenüber dem Rest der Welt sind, müsste man mal untersuchen. Aber einfach diesen Exekutionsspot ins Netz zu stellen und dann was über Ängste im Nachkriegsdeutschland zu faseln, hilft nicht.

    Nochmal zum Spot:
    Selbst wenn ich die einfältige Grundidee “Papier kann Kugeln stoppen” akzeptieren KÖNNTE ist er schlecht exekutiert. Da hat sich ein überambitionierter Regisseur ausgetobt. Ist ja sein gutes Recht – wenn er schon keine Kohle für so ein Social-Projekt sieht, soll das Ding wenigstens schick auf der Rolle aussehen. Und deshalb ist die Location auch so richtig schön gruselig-schön, die Schauspieler könnten auch bei “24″ mitspielen und Slomo und Soundmätzchen dürfen natürlich auch nicht fehlen.
    Ich war zum Glück noch bei keiner Exekution dabei. Aber ich vermute mal, es sieht schäbig, erbärmlich und absolut unheroisch aus. Ich glaube auch, die Guten tragen keine weißen Hemden.

  14. Roland

    @materazzi:
    “Aber einfach diesen Exekutionsspot ins Netz zu stellen und dann was über Ängste im Nachkriegsdeutschland zu faseln, hilft nicht.”
    Schön gemixter Brei, den Du da zusammenfaselst. Hätte ich´s so geschrieben, hätte ich Angst vor mir selbst.

  15. Patrick Breitenbach

    @Materazzi: Warum interessieren sie sich dann nicht für die Themen? Es ist nicht allein Angst, das habe ich nicht behauptet, hinzu gesellen sich Unwissenheit, Autoritätsgläubigkeit (im Sinne von nicht-hinterfragen), Distanz (was interessieren mich Menschen in 1000 km Entfernung – wenn ich von “mich” spreche meine ich nicht “mich”) und ganz einfach schlichter Hedonismus.

    “Heißt das, wenn wir erst Vollbeschäftigung mit Job-Garantie , Krankenversicherung für alle zum Nulltarif mit Anti-Arzt-Angst-Garantie eingeführt und endlich die besoffenen prügelnden Ehemänner verboten haben, dann fangen die Leute auf einmal ganz automatisch an, über den Tellerrand zu gucken?”

    Fast. Du setzt halt die gezwungene Autorität an, der die Probleme nicht löst. Man kann prügelnde Ehemänner nicht verbieten (ist ja schon verboten), man kann keine Vollbeschäftigung verordnen (man zielt ja immer offiziell darauf hin) usw. Und ja ich denke wenn sich diese Ängste verringern schauen Menschen auch öfters mal über ihren Tellerrand hinaus. Tja und die Iren? Ich weiß nicht. Sind Spenden wirklich ein Zeichen für über den Tellerand blicken? Manche sagen ja Spenden sind eher Balsam für das Gewissen. Ich würde das nicht so zusammenschmeißen. Oder glaubst du nur wenn wir jetzt alle spenden verbessern wir damit auch die Welt?

    Also noch einmal: Ängste sind nicht die Entschuldigung für alles (was für ein Blödsinn). Ängste sind eine Erklärung für manche Zusammenhänge. Und ja ich wiederhole mich. Manchmal sind bei Menschen banale Ängste auch Todesängste. Es sind haargenau die gleichen Symptome (Herzrasen, Todesangst etc.) Hört sich verrückt an ist aber so. Hat mit Zynismus nix zu tun. Im Gegenteil, ich verteidige damit viele Menschen. Das was ihr hier liefert ist zynisch, denn ihr grenzt den Großteil der Menschen aus, die sich eben nicht um China einen Kopf machen, anstatt sie einzuladen, sie an die Hand zu nehmen, drescht ihr auf sie ein und bezeichnet sie als ignorant, böse whatever. Das nervt mich. ABer so war ich vor einiger Zeit auch mal drauf. Der Hass-Trip halt. Bringt aber langfristig nix. Wirklich!

  16. Patrick Breitenbach

    Nochmal was zum Abschluss. Ich wollte eigentlich noch mit der Ankündigung warten, aber am Ende wird uns das dann später noch irgendwie wieder als nachträgliches “Greenwashing” ausgelegt. ;-)

    Wir planen ein Bar/-Kommunikationscamp speziell für NGOs und Non-Profit Organisationen. Ich würde mich also sehr freuen alle Interessierten, Engagierten und Nicht-Zyniker dort auch begrüßen zu können.

  17. vroni

    Niemand ist auf dem Hasstrip.

    Es gibt in D. und in Demokratien Leute, die vor lauter Angst ihre Wohnung nicht mehr verlassen, sich nichts mehr trauen. Deangst vorm Job, im Job und vorm Chef haben. Die sind doch nicht mein Thema. Die addressiert doch auch der Film gar nicht (dann wäre er auch zu drastisch für sie).

    Gibt aber noch genug andere, die sich durchaus was trauen können, ganz normal ihren Mund aufmachen, wenne s was zu sagen gibt. Genug. Nur: Das Dumme ist, dass sie nicht wissen, dass Petitionen was bringen. Das war die Botschaft des Films: Entgegen landläufiger Meinung halten Petitionen Kugeln schon auf und funktionieren. Wenn sie’s wüssten, würden sie unterschreiben. Darum geht’s.

    Ich verlang doch nichts Wildes von einem gebeutelten Wesen, welches überall Schlimmes wittert, weil es in existenzieller Angst eingepuppt ist. Und auf es draufhaun tu ich schon gar nicht.

    Ich verlange aber von denen, die guten Mutes sind, dass sie auch in der Lage sind, eine simple Unterschrift zu setzen. Das ist wirklich nicht allzuviel verlangt. Es ist das Mindeste, was man für andere Menschen tun kann, die anderswo gefoltert werden, in feuchten Kerkern verrecken oder abgeknallt oder enthauptet werden. Das Mindeste. Wer das immer noch nicht einsieht, hat auf dem Weg zur Menschwerdung einige wichtige Stufen übersprungen.

    Ich glaubs ja nicht.

  18. Roland

    Na dann stimmen Beitrag und dein letzter Comment ja wunderbar überein.
    Nichts anderes sag ich auch. Prost.

  19. Materazzi

    @ Patrick

    “Sind Spenden wirklich ein Zeichen für über den Tellerand blicken?”

    Wenn man für einen Moment nicht über seine eigene Situation nachdenkt (egal, ob die jetzt schlecht oder weniger schlecht ist) und anderen Geld gibt, die weit entfernt Not leiden, würde ich das über den Tellerrand schauen nennen.

    “Oder glaubst du nur wenn wir jetzt alle spenden verbessern wir damit auch die Welt?”

    Natürlich glaube ich das. Ob ich selbst danach handele, steht auf einem anderen Blatt. Aber ich verstehe überhaupt nicht, wie jemand das NICHT glauben kann! Wenn ein Mensch 50 Euro monatlich in eine Patenschaft für ein Kind in Afrika investiert, anstatt davon schick essen zu gehen, verbessert das die Welt. Wenn jemand 10 Euro an Amnesty International überweist, auch.

  20. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Jede Stimme zählt

    [...] im Kontext dieses Spots von Amnesty International bereits mein Fazit. Dieser preisgekrönte Film in beeindruckender [...]

  21. vroni

    “Na dann stimmen Beitrag und dein letzter Comment ja wunderbar überein.”

    @ Roland

    Net ganz. Leute, die sich um ihren Job ängstigen oder Versagensängste im Bett haben, sind im Unterschied zu psychologisch und psychiatrisch verschärften Formen von Angst durchaus in der Lage, mal 10 Minuten am Tag an was anderes zu denken als an sich selbst und die eigene Angst. Und mal was unterschreiben oder 20 € für ai spenden. Wer sagt, dass sie sich 24 Stunden am Tag um ihre Angst kümmern. Sollen sie gar nicht, sonst kreigen sie noch mehr Angst. Ich behaupte sogar, dieses narzisstisch angehauchte Kreisen um einen selbst fördert das.

    Geht. Ehrlich. hab ich auch gemacht, da war das Diplom finanziell arg gefährdet, ich wusste nicht, von was ich den nächsten Monat leben sollte und der damalige Partner war die Krätze…

    Grad drum hab ich an ai gespendet. Grad drum, weils anderen immer noch deutlich schlechter geht.

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    [...] the werbeblogger (now in a new layout) always keeps me up-to-date writing about the amnesty international spots with the message “your petitions are more powerful than you think” and the award winner [...]

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