09:50 Uhr
Wenn Grundlagenforscher Mediapläne erstellen,
Es geht darum, wie Werbung aussehen muss, um eine starke Marke aufzubauen. Es empfiehlt sich, zunächst im Fernsehen zu werben, um einen Aufmerksamkeitskern zu bekommen. Damit ist noch nicht viel erreicht. Ein Unternehmen muss die medialen Kanäle kombinieren – also neben dem Fernsehen das Internet und die Presse bedienen. Dort haben Konsumenten mehr Zeit. Wichtig ist: Wiederholung. So kann die Marke in das Gedächtnis gelangen. Und: Auch bei der Wiederholung muss ein Gag dabei sein, eine Überraschung.
Soso, der Herr Pöppel kann also aus dem Blinken der Hirnrinde komplette Mediapläne entwickeln. Wenn es nicht so traurig wäre, es wäre zum Lachen. So viel Wissenschaft war nie. Und das Ergebnis, die Empfehlung: das gewohnte Flächenbombardement aus Penetration und Penetranz.
Gerne will ich Herrn Pöppel folgen, dass beim Anblick verschiedener Anzeigen (nackter Mann, tote Maus, ein iPhone vor schwarzem Hintergrund) verschiedene Hirnreaktionen abzulesen sind. Beließe es die Hirnforschung dabei, wäre sie hochinteressant, aber vermutlich nicht für die richtigen Geldgeber. Ergo muss das Blinken im Hirn verknüpft werden mit vermeintlich klaren Handlungsanweisungen fürs nächste mediale Verkaufsgespräch. Die aber haben nicht viel mit Forschung zu tun, jedenfalls nicht mit Hirnforschung, sondern mehr mit Hörensagen und Habenwirschonimmergewusst.
Ein Drittel Wissenschaft, zwei Drittel Privatansichten. Wie schrieb die FAZ so schön über Pöppels Standardwerk “Der Rahmen“:
Also liest man über alles mögliche, zum Beispiel auch von des Autors Meinungen über Gedichte (machen das Alleinsein erträglich, sind aber nicht immer gelungen), die Odyssee (hört er lieber als die Nachrichten beim Autofahren), Latein (kann er nicht gut, findet er aber wichtig), Frauen (oft schwierig für ihn, aber auch er für sie), über seine Albträume, sportlichen Neigungen und über vieles mehr. (…)
Und nun erfährt der Leser in der Süddeutschen eben, wie sich Herr Pöppel Werbung vorstellt. Bliebe er dabei, vom Leuchten auf seinem Monitor zu reden, wäre das spannend genug. Seine Mediaplan-Empfehlung aber macht klar, wie viel unverdaute Ansichtssache und Vor-Urteil in seinem Urteil steckt. Sicherlich werden sich genügend Unternehmen finden, die sehen möchten, ob die Pappen ihrer Agentur die Hirne der Pöppelschen Probanten zum Glühen bringen (Ob deine Kampagne richtig steht, siehst du, wenn das Licht angeht). Die richtigen Schlüsse für den Aufbau und die Führung einer Marke zu ziehen, sollte “die Hirnforschung” aber vielleicht anderen überlassen. Denn genau die Frage „Wie Werbung uns Marken ins Hirn brennt“, liebe Süddeutsche, erklärt uns Herr Pöppel eben nicht. Weil sie ein komplexes soziales und kulturelles Geschehen ist. Und kein platter Behaviorismus in des Kaisers schicken neuen Kleidern.
10 Kommentare
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- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
- Brian: Der Titel ist genial. Danke :).

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Am 29. Juni 2007 um 11:18 Uhr
Grundkonzept “Prinzip der Verarbeitungswahrscheinlichkeit” – galt schon zu meinen Studienzeiten und dürfte wissenschaftlich das beste sein…alter Hut (1986):
de.wikipedia.org/wik...
Persuasive Kommunikation (für Autobauer :p)
Dich interessiert wie ESP wirklich funktioniert -> super
Du interessierst dich gerade nicht für ESP und überfliegst die Anzeige in 0,2sek —> nacktes Model auf die Motorhaube und hoffen, dass du deine Einstellung änderst weil dich das Modell zu mehr als 0,2sek gucken veranlasst.
Am 29. Juni 2007 um 11:53 Uhr
Seat, eine schwache Marke?
Pah! Der sollte mal meinen Cupra fahren! ;-)
Am 29. Juni 2007 um 12:10 Uhr
“Wir haben dafür Erkenntnisse von Werbern genutzt, die auf Umfragen unter Verbrauchern basieren.”
Ab dem Satz war klar, auf welch solider Basis der Rest steht. Mann, Mann, diese Woche jagt hier aber wirklich ein Klopper den nächsten ;-)
Am 29. Juni 2007 um 22:54 Uhr
Das macht mir Angst. Reicht es denn nicht, dass einem die Marktforscher mit schwachmatischen Interpretationen von Focus-Group-Runden erzählen wollen, wie Werbung zu funktionieren hat? Kommen jetzt auch noch die Hirnforscher, oder was?
Am 30. Juni 2007 um 11:53 Uhr
Ich glaube nirgens ist die Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis größer als bei Werbung und Marketing.
Am 1. Juli 2007 um 11:56 Uhr
Werbung ist keine Wissenschaft.
Am 1. Juli 2007 um 12:14 Uhr
Aber auf eine “wissenschaftliche” Studie kann man mehr abrechnen als auf die Expertise eines Kreativdirektors oder Beraters.
Am 1. Juli 2007 um 14:30 Uhr
Wir manipulieren überhaupt nicht. Starke Marken können die Bedürfnisse von Menschen optimal befriedigen – sie stabilisieren unsere persönliche Identität.
Am 2. Juli 2007 um 09:32 Uhr
@Andreas: Stimmt. Außerdem nimmt es den Verantwortlichen die Verantwortung, wenn sie bei einem Scheitern sagen können, sie hätten sich ja auf irgendwelche wissenschaftlichen “Erkenntnisse” gestützt.
Am 3. Juli 2007 um 12:35 Uhr
[...] Reviews der ersten Tage über das iPhone. Wie gesagt – wartet bis die zweite Serie rauskommt und gebt euer Hirn nicht am Eingang des Apple Stores an der Garderobe [...]