21.06.07
10:16 Uhr

Callis Welt

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Die Print-Ausgaben der Tageszeitungen haben einen strukturellen Nachteil: Sie können Meldungen “nur” in einem täglichen Rythmus verarbeiten, denn alle Nachrichten, Berichte, Reportagen und Kolumnen müssen ja irgendwie noch zu Papier gebracht werden, auch wenn sie in ihrem Ursprung kaum mehr auf Schreibmaschinen erfasst werden. Wer als Tageszeitung noch aktueller sein will, braucht einen Online-Auftritt. Dort können die Nachrichten “just in time” veröffentlicht werden (sofern das interredaktionelle “Freigabeverfahren” ebenso schlank ist wie die Nachricht selbst.)
Apropos schlank; werblich soll nun der Mehrwert des Online-Dienstes der Welt (welt.de) durch eine Print-Anzeige verdeutlicht werden, die mir kürzlich ins Auge fiel, zumal wir die “aktuelle” Nachricht über Reiner Calmund´s Aktivitäten im Second Life vor einiger Zeit schon behandelt und diskutiert hatten.
Über die in der Anzeige versprochenen Leistungen möchte ich mich an dieser Stelle nicht noch einmal äußern, wohl aber die Frage stellen, welchen Aktualitätsbezug Reiner Calmund für die Nachrichtenverarbeitung von welt.de haben könnte.
Ist es der Welt als Nachrichtenblatt in Zukunft besonders wichtig, die PR-und Eigenvermarktungs-Aktivitäten eines ehemaligen Fussball-Managers in Second-Life zu beobachten und stündlich darüber zu berichten, sobald Calli wieder ein virtuelles Tänzchen wagt? Oder will man den abflachenden WEB-2.0-Charme der hinkenden virtuellen Spielwiese gewissermaßen stellvertretend für die “Online-First“-Strategien der Verlage wirken lassen?!

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7 Kommentare

  1. Der Cabron

    Zum Thema Plagiate: 2001 war SpOn mit einer Printkampagne draußen. Slogan: “In wenigen Sekunden kann viel passieren.” Die Motive haben damals beim ADC eine Auszeichnung gewonnen und sind im entsprechenden Annual abgedruckt. 6 Jahre später(!) kommt die Welt mit einer 1/1-Kopie dieser Kampagne. Für das gleiche journalistische Angebot. Im gleichen Land. Peinlich? Ich finde: ja.

  2. Patrick Breitenbach

    *hüstel* “Die Welt” oder vielmehr der Verlag der da hinter steht, hat natürlich ein intensives Interesse daran, das Thema Second Life weiterhin am Leben zu halten, ganz einfach weil man als Verlag für Second Life das größte Magazin produziert, nämlich den AvaStar. Na? Klingelts jetzt? :-)

  3. Patrick Breitenbach

    @Der Cabron: Richtig. Zu sehen bei den Kollegen drüben: off-the-record.de/wp...

    Hier der ganze Beitrag dazu: off-the-record.de/20...

  4. Patrick Breitenbach

    Witzigerweise passt sogar das Motiv irgendwie zu Second Life! ;-D

  5. vroni

    @ Der Cabron

    Der Bayerische Rundfunk hatte für sein reines Nachrichtenportal den Spruch” “Denn in 15 Minuten kann sich die Welt verändern.”
    (alle 15 Minuten Newstakt) soweit ich mich erinnere, kam das auf nach 9/11.Ob Ähnlichkeiten in der Aussage damals immer astreine Plagiate waren, weiß ich nicht. Die Zeit war danach, auf solche Ideen zu kommen.

    Aber die verschlafene Welt war wohl wirklich etwas spät dran :-)) Dann können sie sich “inspiriert” haben.
    ___________

    Alle:
    Ob mit oder ohne Calli-Pushing, ich weiß nicht, ob in immer hektischerem Ausmaß veröffentliche Unmengen von online-News der Bringer sind. Wer soll das alles lesen, wer soll das im Kopf behalten (und als “mündiger User” auch sofort nachrecheierchieren, ob das Geblubber stimmt. Das kann und will ich nicht mehr leisten, weil mir dazu einfach die Zeit dazu fehlt, städnig zu hinterfragen und rumzuklicken, wer mit wem und warum).

    Man kriegt wegen der Menge an Boulevard versus-ernste-Nachrichten-Mischmasch langsam Brei im Kopf, man kann das alles doch gar nicht mehr sauber ordnen. Statt früher der Ohrwürmer des Radios habe ich jetzt Satzfetzen-Würmer von Online-News im Schädel. Das bekommt meiner Liebe zu strukturiertem Denken gar nicht, es macht mich wirr.

    Therapie: Habe mir mehrmals zwischendurch Newsjunk- und Nachrichtensperre verordnet und des öfteren eien komplette Woche verstreichen lasen, ohne zu wisse, mit wem sich Merkel grad trifft und was Dirty Harry sagt.

    Ich stellte fest: 1. Ich hatte nichts, aber auch nichts wirklich Wissenswertes versäumt. 2. Wirkliche Auseinandersetzung mit Inhalten fand am WE in Ruhe statt statt am Rechner der eigentlich mein Arbeitsplatz ist, mit einem Printblatt und einem Gläschen Roten und einem ruhigen Platz am Kamin.

    Kann sein, dass ich alt werde. Aber ich hasse mittlerweile den Newsjunk und dass alle Verlage die gleiche Magerkost, den dpa schreibt, abschreiben und im Sekundentakt online stellen. Cui bono? Ich vermisse Tiefe und nicht Pseudo-Breite.

  6. Roland

    @Vroni: Ich kopier jetzt mal einen Text von mir hier in den Comment, der es ähnlich beschreibt:
    Die Chance für das Print-Format sehr ich nur in einem einzigen Weg: Journalistische Qualität. In einer Zeit immer schneller verfügbarer und veröffentlichter Nachrichten erhält der sogenannte Hintergrundbricht eine zunehmend wichtigere Bedeutung, der nicht so unmittelbar an den Faktor Zeit gekoppelt ist. Im Gegenteil: Ein gut recherchierter Hintergrundbericht braucht Zeit. Wenn also Print-Formate auf dieser “Meta-Ebeneâ€? der Information die richtige Dosis zwischen Tickernachricht und Sachbuch finden, dann bin ich als Leser dabei. Denn Informationsflut braucht eben auch vertrauenswürdige journalisitsche Gatekeeper, die die Spreu vom Weizen trennen und in einen Fokus stellen. Und solche Informationen lese ich auch gerne offline.

  7. vroni

    “Ein gut recherchierter Hintergrundbericht braucht Zeit”

    Beim Herstellen u-n-d beim Lesen.

    Dem Leser erspart es unterm Strich jedoch Zeit*, da er den ganzen Schlämmer und Halli-Calli(!)-Junk nicht lesen muss, wenn er nicht will. Zeit ist die neue Währung. Alle anderen, die das nicht sehen, sind Internet- und newsjunksüchtig und haben ihre Sucht bloß noch nicht geschnallt.

    *Bedingt allerdings Vertrauen in den jeweiligen Verlag, ob das Zeug wirklich gut recherchiert ist. Und das Vertrauen leidet, wenn man weiß, wer mit wem zusammengemerget ist und wer das Sagen hat: die Oligarchien Springer (Welt), Bertelsmann und Holtzbrinck. Also doch wieder mühsam ohline durchfuddeln und viel Blogs lesen. Mann, die Zeit hab ich nicht!!!!

    Fazit: Es gibt kein Entkommen beim Junk, weder beim Lesen der
    verpennten Verlage, die den online-Zug nicht richtig erwischten oder bei den “fitten” Verlagen: Bohlen, Urschi Glas und secondlife-Calli sind immer dabei:-)))

    Grüße aus dem
    Holzbeinturm

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  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
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