20.06.07
11:48 Uhr
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Letter of Intent
Die armen Mediengestalter, die nun doch wieder in Zukunft verstärkt kalligrafieren müssen:
Extrem auffällige Werbung für einen Versicherungsgesellschaft in Mexiko. Warum auffällig? Nicht allein wegen der Handschrift, sondern weil die Handschrift aus unseren Wahrnehmungsmustern nahezu gänzlich verschwunden ist, dadurch fällt es eben wieder auf. Wenn nun jeder anfängt seine Werbung in Zukunft per Hand anzufertigen wird eben wieder die Druckschrift auffallen. Werbung sollte demnach immer antizyklisch zu den gerade vorhandenen Wahrnehmensmustern arbeiten, wenn es denn allein nur um die Aufmerksamkeit geht.
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13 Kommentare
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- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
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Am 20. Juni 2007 um 11:52 Uhr
ich bekomme seit einiger zeit angebote einer bank, die handschriftlich gestaltet sind. und ich muss sagen, zumindest die ersten beiden briefe bzw. kurzmitteilungen habe ich mir tatsächlich immerhin durchgelesen – eben weil sie so auffällig waren.
Am 20. Juni 2007 um 12:03 Uhr
Dazu passt natürlich ganz wunderbar der Goldgewinner Mont Blanc, der einfach mal eine komplette und tatsächliche Zeitungsseite handschriftlich umgestaltet hat:
canneslionslive.com/...
Keine Angst, ich poste jetzt nicht in jedem Kommentar nen Cannes-Link. Nur die, die passen ;-)
Am 20. Juni 2007 um 12:19 Uhr
Ich könnt ja jetzt EIgenagenturwerbung machen, tu ich aber nicht! ;-)
Hab übrigens nichts dagegen wenn du und mit Cannes-Links versorgst. Ich komme ja nicht dazu! :-)
Am 20. Juni 2007 um 12:40 Uhr
Stimmt, da war doch was ;-) Allerdings ist die Mont-Blanc-Geschichte ja nicht deshalb so großartig, weil eine Zeitungsseite in Handschrift erschienen ist, sondern weil es eine wirklich echte und tatsächliche Zeitunsseite mit ganz normalen News ist, die von der Agentur umgestaltet worden ist.
Hier fangen die ja schon an rumzunölen, wenn man nur mal aus dem normalen Anzeigenkatalog auszubrechen versucht.
Am 20. Juni 2007 um 13:04 Uhr
Sorry aber der Handschrift-Trend hat schon einen ziemlich langen Bart: “Besonderes Augenmerk der TYPO Berlin 2004 liegt auf dem Trend zur Handschrift” (Zitat designmai).
Von antizyklisch kann man also nun wirklich nicht sprechen. Vielmehr ist es wie so oft schlicht das gute alte Thema “Konsequenz” welches hier (und vor allem bei dem Montlbanc-Beispiel) die Grenze zwischen Standard und Gut zieht.
Es ist einfach gnadenlos unkonsequent eine Handschrift aus ner Satzschrift zu produzieren.
Am 20. Juni 2007 um 13:12 Uhr
@Ramses101: Stimmt, ist ne ganz andere Nummer. Die von mir angesprochene Kampagne sollte auch direkt ganz bestimmte Menschen ansprechen. Sozusagen Direktmarketing via Zeitungsanzeige. Das Beispiel von Montblanc nutzt nur die Stilistik um auf das Produkt aufmerksam zu machen. Auf alle Fälle gelungen und sicherlich preiswürdig.
Am 20. Juni 2007 um 13:18 Uhr
@Timo: Stimmt, Handschrift hat schon so einen langen Bart, dass der sogar in die Zeit vor Christus zu wachsen begonnen hat. ;-)
Ich behaupte ja nicht, dass die Stilistik handschrift sensationell neu ist und mit “antizyklisch” meine ich nicht einen zeitlichen Trend von “Handschrift ist jetzt in” sondern “wann fällt Handschrift eigentlich auf?”.
Im Moment fällt sie eben auf, genau wie vor 3 Jahren zur Typo in Berlin.
Am 20. Juni 2007 um 13:58 Uhr
@Patrick: Da gebe ich dir natürlich recht. Vor allem fällt es auf wenn der besagte Mediengestalter zum ersten Mal in seinem Leben tatsächlich einen Stift in die Hand nimmt. Das ist dann wirklich absolut antizyklisch :-)
Am 20. Juni 2007 um 15:51 Uhr
@ Patrick
Es geht doch aber gar nicht darum, ob ein Trend zur Handschrift besteht oder nicht und ob das auffällt oder nicht und ob das nicht mehr auffällt, wenn es in Zukunft jeder macht.
Hier ist die Handschrift doch einfach nur Teil der Idee – Nachbar steckt handgeschriebenen Zettel unter Scheibenwischer. Ich glaube nicht, ob sich der Kreative ernsthaft erweogen hat, das Ding in einer anderen Typo umzusetzen. Die Umsetzung ergibt sich zwangsläufig aus der Idee.
Genau wie bei der RAF-Taz-Abo-Anzeige, die du in deinem Eintrag direkt über diesem kritisierst (zu Recht). Oder ist die auch antizyklisch? Oder zeigt die einen Typo-Trend zu zusammengeklebten Buchstaben?
Am 20. Juni 2007 um 17:34 Uhr
@Ron: Die Idee lebt maßgeblich von der Handschrift, ich denke das muss man ganz klar so sehen. Ein gedruckter Zettel, wäre sofort weggeworfen worden. Von daher steht die Handschrift als aus unserem Bewusstsein nahezu verschwunde Kommunikationsart ganz klar im Fokus.
Ich sag ja nicht, dass alle Arten der Werbung antizyklisch sind. Es hilft aber bei der Gewinnung vom Aufmerksamkeit, ungewöhnliche Stilmittel wieder auszupacken. Nicht umsonst wiederholen sich deshalb immer wieder Trends. So macht man es sich eben leichter, wenn man das Rad nicht wirklich neu erfinden will. Ist eine Methode, aber eben nicht zwingend.
Die RAFTAZ-Anzeige arbeitet sicherlich auch antizyklisch, wobei sie zwei Dinge kombiniert. Erpresserschreiben (schon lange nicht mehr gesehen, selbst in Krimis nicht) und RAF-Schick (bis vor kurzem in den Medien omnipräsent) Durch die Kopplung von Bekannten und vergessenem erreicht man eben maximale Aufmerksamkeit, aber gerade dieses Beispiel zeigt ja deutlich, dass es Aufmerksamkeit alleine einfach nicht sein kann.
Am 20. Juni 2007 um 19:19 Uhr
Zu der These, dass Werbung jetzt handgemacht sein muss, um überhaupt noch aufzufallen, zwei Belege. Ganz aktuell die Tüte von meinem Hundefutterhöker: dermachtdieworte.blo...
Und älter diese Aktion für den Reinverkauf neuer Hörgeräte: 2 x 400 Ansichtskarten wurden handgeschrieben und aus fernen Ländern an Akustiker in Deutschland geschickt. Hat nebenbei super funktioniert:
beispielsweise.blogs...
Gruss, Thies.
Am 20. Juni 2007 um 23:33 Uhr
Also die Tierfuttertüte finde ich ja noch ganz lustig – aber “Werbepostkarten” sind doch echt ätzend ;-)
Am 24. April 2008 um 17:32 Uhr
[...] Werbeblogger [...]