18.06.07
08:50 Uhr

Aufmerksamkeit – sonst Beule!

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Werbung kann einem schon richtig leid tun. Sie kämpft derzeit an allen Fronten, gegen alles und jeden. Aber zuallererst geht es um den Kampf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten. Menschen werden zu Zielpersonen oder gar -gruppen, die Kampagne (ein anderer Begriff dafür ist Feldzug) muss einschlagen und bestenfalls sogar Mundpropaganda generieren. Über die kriegerische Grundhaltung von Werbung habe ich bereits an anderer Stelle schon ausführlich konstruktiv Kritik geübt.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Werbung in Zukunft noch drastischer in unser Alltagsleben eingreifen wird um nur einen Funken Aufmerksamkeit zu erzeugen, bietet uns diese Kampagne von DDB an:


VW Polo

Ja klar ist das kreativ, witzig und gelungen. Fakt ist und bleibt aber, es handelt sich um eine Verzweiflungstat. Menschen aus ihrer Werbe-Reaktanz zu reißen, indem man ihnen etwas vorgaukelt, kann auch gehörig nach hinten losgehen. Die Schrotflinte kann eben nicht sauber umnieten, sondern so unglücklichtreffen, dass das Tier extrem wütend wird.

Welche Emotionen sind im Spiel, wenn ich sehe, dass mein Auto zerbeult ist? Klar ist man erleichtert, wenn es nur Werbung ist, aber wird sich diese Erleichterung anschließend auch in eine positive Grundschwingung für die Marke manifestieren? Wen interessiert das schon?

13 Kommentare

  1. Andreas

    In Nordamerika hat man ein ganz anderes Verhältnis zum Auto als in DE, da kann sowas gut funktionieren. In DE entstehen hingegen bei mind. 80% der Besitzer negative Emotionen, wenn das eigene Auto von jemand Fremden „begrabbelt“ wird, es gilt hier eher als Belästigung, als Eindringen in die Privatsphäre – die Aktion würde hier nicht funktionieren.

    Eher ein Bespiel für die Abhängigkeit von Werbung von lokaler Kultur und Verhaltensweise, als für Verzweiflung, oder?

  2. Patrick Breitenbach

    Ich glaube nicht, dass die Nordamerikaner begeistert sind, wenn sie eine Beule oder Schramme in ihrem Auto vorfinden. Aber klar, der kulturelle Unterschied sollte schon mit in die Diskussion einbezogen werden. Danke für den Hinweis.

  3. patrick

    gabs schon zig mal die idee und soll werbung nicht spaßmachen?mich würde so ein aufkleber auf meinem auto ziemlich ankotzen

  4. Andreas

    @Patrick B.: Begeistert vielleicht nicht, aber auch nicht unbedingt so verärgert wie in DE. Als ich vor vielen vielen Jahren drüben mal beim Einparken ne fremde Stossstange angekratzt hatte, wurde ich fast (von dem Besitzer das anderen Wagens) ausgelacht, als ich die Polizei wegen des Unfalls (hatte nen Mietwagen…) holen wollte. „Stossstange angetickt? Ja und? Genau dafür gibt es sich doch…“ in Deutschland wäre so ein Verhalten praktisch undenkbar.

  5. Timo

    Denke auch, dass es in den USA viel besser funktioniert. Die sind da viel gechillter.

  6. doctor_best

    hmmmm. ich denke, das wird kein normalbürger je sehen. und die jury-mitglieder, für die das gedacht ist, finden es lustig. ist ja nicht ihr porsche …

  7. Patrick Breitenbach

    @doctor_best: Sozusagen l’advertising pour l’advertising. Herrlich.

  8. Stefan Waidele

    Ich will so eines! Ich will so eines! Wo kann man das bestellen? Gerne gebe ich auch den Standort meines Autos durch!

    Aber wenn jemand das ungefragt an mein Auto kleben würde, dem würde ich was erzählen! :)

  9. Senem

    Ich finde diese Idee klasse!
    Und in den USA sind sie wirklich gechillter was das betrifft. Habe schon viele Leute erwischt, die beim Parken nen anderes Auto „beruehrt“ haben! No 911, just don’t care! Aber in D wuerde es evt. wirklich nicht funktionieren, da Auto= Heilig und niemand darf es angrabbeln.
    Ich werte dieses Ad als keine „Verzweiflungstat“.
    Der Kampf um Aufmerksamkeit ist eine unheimliche Herausforderung und ich finde es bemerkenswert welch kreativen output dieser immense „Druck“ trotzdem hervorbringen kann. Solche Anzeigen geben mir Mut, es gibt doch kein Ende in der kreativ Schmiede. Der Kampf um Aufmerksamkeit puscht die Ideenfabrik hoch.

  10. Aude

    Eigentlich sind die Leute in Deutschland genauso gechillt. Zumindestens bei den zwei, nein drei Stoßstangen, die ich gekitzelt habe.

    Aber es lebt sich natürlich kuscheliger mit dem Klischee der relaxten Amerikaner und der auto-verbiesterten Deutschen. Und das sind natürlich immer die anderen. Drüben, aus dem Neubauviertel.

  11. Andreas

    @Aude: Ich hab zwar überhaupt keine Ahnung wer denn nun geschilliterter ist, aber die kulturellen Unterschiede in Bezug auf das geliebte eigene Auto wirst Du doch nicht wegreden wollen, oder?

  12. Hellhound

    Erstaunlich, daß gerade derjenige diesen Blödsinn gut findet, dessen Deutsch durchsetzt ist von „gechillter“, „Ad“, „Output“. Da will wohl jemand zeigen, daß er ganz doll weltmännisch und kreativ ist.

    Übrigens: Fahren Sie mal einem Amerikaner an die Stoßstange seiner brandneuen Corvette und Sie werden erleben, wie wenig entspannt man dann auch dort ist.

    Im Gegenzug kann ich davon berichten, daß ich in Deutschland beim Anfahren an einem Hang einmal den Blinker eines älteren Passats hinter mir zerspringen ließ und ich mich mit dessen Fahrer auf 5 Euro einigte, damit er ihn gegen einen vom Schrott auswechseln könne. Und einmal beim Herausfahren aus der Hausausfahrt einen betagten Mazda übersah und ihn in der Seite mit meiner Stoßstange touchierte – dessen Fahrer meinte denn auch, „was soll’s, wenn’s nen Neuer wäre“.

  13. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Markenpropagandisten

    […] aufwacht und kritischer wird. Der Schaden, den sich eine Marke über “echte” negative Mundpropaganda am Ende einfährt, kann erheblich sein. Trackback-URL dieses […]

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