11:24 Uhr
Lidl verkauft Greenpeace
Belastete Testergebnisse der eigenen Produkte sind Handelsketten im Food-Bereich natürlich ein Dorn im Auge. Die geringen Margen und der harte Preiswettbewerb der Discounter bietet zudem wenig Spielraum, an der Produktqualität zu schrauben. Wie nun am gestrigen Abend in einem für stern.TV-Verhältnisse hochinvestigativem (und durch die Zuschauer initiierten) Bericht verlautete, gibt es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem für Lidl sehr erfreulichen Folgetest von Greenpeace und einer zuvor vereinbarten “Vertriebs-Partnerschaft” mit der Print-Ausgabe des “Greenpeace-Magazins“.
Dieser Deal wurde entgegen den Branchengepflogenheiten nicht über einen Grossisten abgewickelt, sondern der Bezug erfolgt direkt über den Verlag in Hamburg, also der Greenpeace Media GmbH. Auf das im Zeitschriftenhandel übliche Rückgaberecht (Remission) für nicht verkaufte Exemplare verzichtete Lidl, so dass der Verlag sich zusätzlich über einen gesicherten Absatz von 150.000 Ausgaben des monatlichen Print-Formats freuen durfte. Als Folge bescherte dieses Absatzgeschenk natürlich auch bei der IVW-Messung einen deutlichen Anstieg, auch wenn ein nicht geringer Teil der jeweiligen Ladenhüter-Ausgaben auf dem Entsorgungscontainer von Lidl landete. Da das Greenpeace Magazin sich auf reine Eigenwerbung beschränkt und sonstige Insertionen höchstens verballhornt aufnimmt, besteht die wesentliche Refinanzierungsquelle aus dem Abverkauf des Magazins.
Und nun erscheint plötzlich der ursprünglich gescholtene neue Großkunde Lidl im aktuellen Test als Testsieger, obwohl selbst Mitarbeiter sich fragen, wie diese Wandlung vom Saulus zum Paulus der Handelsketten möglich war, zumal Lidl seine Obst-und Gemüselieferanten nach deren Aussagen zwischenzeitlich nicht gewechselt hatte.
Über Lidl kann man nun denken, wie man will, aber wer sich wie Greenpeace als Öko-Moralist versteht, muss sich schon fragen lassen, wie diese Öko-Müll-Bilanz mit den Grundwerten des eigenen Hauses zu vertreten ist. Ob der Deal mit Lidl nun die Testergebnisse obendrein “beeinflusst” hat, wird sich zeigen. Mein Fazit:
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
10 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 14. Juni 2007 um 12:36 Uhr
Da muss man doch nur mal 1 und 1 zusammenzählen.
Wären ja nicht die ersten Moralapostel, die selber korrupt sind.
Ohne weiteren Kommentar.
Am 14. Juni 2007 um 14:50 Uhr
Es liegt natürlich durchaus im Bereich des Möglichen, dass hier ein gewisser Einfluss vorliegt. Kurzschlüsse im Sinne von “1 und 1 zusammenzählen” bieten allerdings keine geeignete Antwort.
Möglich ist nämlich auch folgendes Szenario: Lidl möchte sein mieses Image etwas aufpolieren und weist deshalb seine Lieferanten an, betsimmte Bedingungen genau einzuhalten um eben bei dem besagten Test gut abzuschneiden. Sonst würde man schließlich auch Zeitschriften mit expliziter Lidl-Kritik am eigenen POS anbieten. Möglicherweise sind auch die Kriterien der Beurteilung en datail an Lidl weitergegeben worden (falls sie nicht ohenhin öffentlich verfügbar sind). Das ist mal ein etwas positiverer Blickwinkel auf das Ganze. Groß kommuniziert wird es möglicherweise deshalb nicht, um den Kunden nicht das Gefühl zu geben bisher immer großen Mist bei Lidl gekauft zu haben. Keine Ahnung, ob es so oder so ähnlich ist. Aber wie selbstverständlich gleich von den schlimmsten Absprachen und Manipulationen auszugehen halte ich doch für übertrieben.
Ein plump gekauftes Ergebnis dagegen würde nämlich nach kurzer Zeit sicherlich öffentlichkeitswirksam enthüllt und Greenpeace damit einen unermesslichen Schaden zufügen. Für so doof halte ich sie – auch wenn kurzfristig lukrative Geschäfte winken – nun doch nicht.
Am 14. Juni 2007 um 14:57 Uhr
Ohne die Wahrheit gepachtet zu haben, aber genauso ist es. Entweder alles Manipulation, dann schaden sich beide oder wirklich so umgesetzt, dann glaubt es aber der Konsument nicht, weil er denkt, es wäre alles manipuliert. Tja das ist wohl der Preis, den wir Werber nun zahlen dürfen.
Am 14. Juni 2007 um 15:20 Uhr
Bleibt nur noch die Frage, warum gestern keine der beiden Seiten bereit war, bei SternTV öffentlich Stellung zu dem Thema zu beziehen. Das ist schon ungewöhnlich, wenn alles so einfach zu erklären wäre…
Am 14. Juni 2007 um 15:48 Uhr
Obwohl ich Greenpeace sehr kritisch gegenüber stehe ich noch nichts bewiesen. Es sprechen zwar einige Indizien dafür, dass es so ist wie Stern.TV es nachgeprüft hat, aber erst Ergebnisse einer Studie, die hoffentlich von einer neutralen Organisation gemacht werden bringen Aufschluss darüber. Wenn es rauskommt wird wahrscheinlich die Verantwortlichen wieder entlassen und das Thema ist innerhalb von 3-4 Tagen vom Tisch. Interessant finde ich vielmehr, dass der LIDL bei den Gehalten seiner Mitarbeiter sehr sparsam ist und trotzdem so mit Greenpeace das Geld herausschmeißt. Ich hoffe, dass die Verbraucherzentralen dieser Sache nachgehen werden. Es wird sich für LIDL zwar durch PR wieder rentieren können und das Geld bei dem gesparten Obst wieder eingespart werden.
Ich werde da nicht weiter einkaufen, da bei LIDL scheibar in keinster Weise der Mensch sondern ausschließlich der Profit im Vordergrund steht.
Ich könnte mir aber denken, dass zwar Ergebnisse der Stern.tv Redaktion vorliegen die aber bewusst verschwiegen werden.
Also ohne wirklichen Beweis, bringen die Indizien leider nichts.
Am 15. Juni 2007 um 18:14 Uhr
LIDL hat in den letzten Jahre viel Kritik von allen Seiten (attac, Gewerkschaften, Greenpeace) einstecken müssen. Nach einem verheerenden Pestizid-Test von Greenpeace sank der Obst- und Gemüseumsatz um 15%. Daraufhin haben sie ihre Politik aktiv geändert – massig Bioprodukte ins Angebot und den Lieferanten die Daumenschrauben in Punkto Pestizide angedreht. Zeitweise hatten sie gar keine Trauben im Angebot, weil es keine unbelasteten gab. Und – sicher aus PR-Gründen – haben sie das Greenpeace Magazin in den Verkauf aufgenommen. Geizig wie Discounter nunmal sind, haben sie aber nicht den Riesenaufwand mit Remissionsrecht treiben wollen, sondern die Hefte ohne Umweg über den Großhandel direkt beim Verlag gekauft. Der Deal dabei war: Anstatt unverkaufte Hefte zurückzuschicken, schmeisst sie LIDL selber ins Altpapier. Dafür gab (und gibt) es die Hefte natürlich billiger.
Im neuen Greenpeace-Pestizidtest hat LIDL nun erheblich besser abgeschnitten als früher – das ist nicht verwunderlich. Wer hier an eine plumbe Bestechung glaubt, soll mal bei Greenpeace in Spanien und in der Türkei nachfragen, was die in letzter Zeit für einen Riesenärger mit Bauern hatten, die “wegen Greenpeace” (Deutschland) nun Anforderungen an pestizidfreies Essen von ihren Großhändlern bekamen.
Alles in allem natürlich dennoch ein krasser Managmentfehler bei Greenpeace – die Organisation hat sich sehr angreifbar gemacht. Logisch, dass dieser Vorwurf kommen musste. Es gibt ja in der LEbensmittelbranche genug Leute, die Greenpeace hassen.
Zweiter Fehler, dann nicht ins Studio zu gehen. Für die beiden Fehler gehören eigentlich Leute gefeuert.
Am 15. Juni 2007 um 19:49 Uhr
sehr geehrte damen und herren,
das hört sich alles sehr aktuell an. seit wann gibt es denn das greenpeace-magazin am counter von lidl? 2007? nee… 2006? nee… naja, vielleicht fällt demnächst in der nähe von heilbronn noch eine palette reis um.
Am 15. Juni 2007 um 20:03 Uhr
sehr geehrte frau pretty,
was wollen sie uns denn damit schönes sagen?!
Am 29. Juni 2007 um 19:27 Uhr
Ich weiß ja, das Eigenlob stinkt. Aber das soll mir gerade mal egal sein, denn ich lag nicht so falsch mit meiner Vermutung. Also Kirche, Dorf und locker durch die Hose atmen. Ihr wisst schon.
“Mittlerweile hat ‘Stern TV’ die Ergebnisse der Pestizid-Tests von Greenpeace bestätigt. Nach Angaben der Organisation belegen Untersuchungen von Stichproben durch ‘Stern TV’, dass die Rückstände seit Herbst 2006 aufgrund einer Qualitätsoffensive seitens Lidl zurückgegangen seien.”
Quelle: wuv.de/news/unterneh...
Am 29. Juni 2007 um 19:36 Uhr
“Ob der Deal mit Lidl nun die Testergebnisse obendrein “beeinflusstâ€? hat, wird sich zeigen.”
Jepp, danke Jan. hatte ich gestern abend auch schon gelesen. Bleibt eben die ungeschickte Distribution des GP-Magazins und unnötige Müllexemplare. Aber -auch durch öffentlichen Druck- wurde laut GP-online die monatliche Absatzmenge auf ca. 60.000 für Lidl “zurückgefahren”. Das entspricht einer Menge von rund 20-25 Stück je Filiale.