08:38 Uhr
Richtigstellung Bionade-Kampagne
Wie sagte Robert gestern sinngemäß auf dem Barcamp in Hamburg: “Man soll sich auch mal von den Lesern in den Kommentaren auf die Fresse hauen lassen, wenn man bullshit bloggt.” Ich habe zwar diesen Beitrag über Bionade und einem möglichen Plagiatsverdacht mehr mit einem Augenzwinkern als mit einem Arschbackenzusammenkniff geschrieben, aber offenbar führte dies zu dem mißverständlichen Ergebnis, dass ich die Bionade-Kampagne für ein Plagiat halte. Falsch! Sorry wenn das so rüberkam.
Ich habe die Frage ganz bewusst provokativ in die Runde geworfen. Dass ich dadurch den sehr empfindlichen Punkt des Werbervolkes – kein Wunder eigentlich – getroffen habe, war mir vorher nicht so bewusst. Ich weiß, nichts ist für einen Kreativen schlimmer, als sich des Ideenklaus strafbar zu machen. Ich selbst bin auch der Meinung, dass es kaum noch originäre Ideen da draußen geben kann. Irgendwie war alles schonmal da. Wichtig dabei ist vielleicht eher, dass man ehrlich zugibt, dass man sich von Film XY oder Kunstwerk Z hat inspirieren lassen. Oftmals weiß man aber auch nicht, wo und wann einen die Muse geküsst hat. Schließlich laufen tausende von Denk- und Kreationsprozessen eher unbewusst ab und schlummern irgendwo im Jungschen Kollektivunterbewusstsein und werden dann eben bei Bedarf wieder ausgepackt.
Da ich selbst indirekt Opfer eines Plagiatsverdachtes geworden bin, kann ich sehr gut nachvollziehen, welche Emotionen bei subjektiver Unschuldigkeit hochkochen. Von daher tut es mir leid, wenn der mißverständliche Beitrag da etwas ausgelöst hat, was es nicht sollte. Vielmehr wollte ich in die Diskussion einsteigen, ob es überhaupt noch originäre Ideen geben kann, oder ob nicht gerade die Werbung auf erfolgreiche Vorlagen aus Film, Funk, Fernsehen und Kultur angewiesen ist, um memetisch gut greifbare Kampagnen zu stricken. Denn diese Dinge sind teilweise beim Konsumenten schon so fest verankert und es wäre doch eigentlich ziemlich kontraproduktiv als Werber das Rad immer neu zu erfinden. Das ist doch auch der Grund warum es Promi-Testimonials gibt und viele Massenspots auch Massenthemen behandeln. Damit meine ich jetzt nicht die schamlose Abkupferung von branchenähnlichen Kampagnen, die der große Spießer tatsächlich immer wieder ans Tageslicht bringt. Die Gefahr der kleinen Spießer ist eben auch die vermehrte Anprangerung ohne wirkliche Substanz.
Also die Abschlussfrage diesmal etwas konkreter: Kann es überhaupt noch originäre Ideen in der Werbung geben? Wo beginnt Plagiat, wo endet Inspiration?
10 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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Am 11. Juni 2007 um 09:31 Uhr
Sag mal, Robert: Was war denn das jetzt für’n Post? Eine Entschuldigung? “Da ich selbst indirekt Opfer eines Plagiatsverdachtes geworden bin, kann ich sehr gut nachvollziehen, welche Emotionen bei subjektiver Unschuldigkeit hochkochen.” Eher nicht. Eine Rechtfertigung? Wofür? Für subjektive Unschuldigkeit? Für Hirnschwurbel im jungschen (und vonmattschen) Kollektivunterbewusstsein?
Mann, Mann, Mann, hab mal bloss nicht ab.
(Und um die konkrete Frage konkret zu beantworten: das Plagiat beginnt da links, nee, nicht da, noch’n Stück, jetzt! Genau da!!)
Am 11. Juni 2007 um 09:40 Uhr
@Thies: Ich heiße zwar Patrick aber egal. :-)
Nein, keine Entschuldigung. Nur eine Klärung für mögliche Mißverständnisse. Und bevor ich wieder in die Rechtfertigungsecke gelange. mehr ist dazu nicht zu sagen! :-)
Ach da beginnt also das Plagiat, na dann ist ja gut, danke.
Am 11. Juni 2007 um 09:48 Uhr
Deine Auslassungen zum Bionade-Printmotiv sind in der Tat -ähem- nicht so leicht nachzuvollziehen.
Aber zum Thema Bionade/ Plagiat fällt mir was anderes ein:
Die alten Afri-Cola-Funkspots.
Am 11. Juni 2007 um 09:54 Uhr
@Bernd: Sorry mit dem falschen Vornamen, Dieter. I got carried away.
Der Rest gilt.
Lieben Gruss, Heinz.
Am 11. Juni 2007 um 10:24 Uhr
Es mag ja noch etwas Neues geben. Vielleicht etwas gänzlich neues. Aber du und ich, wir sind Produkte unserer Zeit und unserer Erfahrungen. Wir können nur aus dem heraus entwickeln, was wir wissen. Wir zitieren also ständig. Das Neue ist vielleicht nur zu zwei Prozent neu und der Rest ist Zitat.
Aber ein Zitat muss nicht immer ein bewusstes Zitat sein. Wir haben Bilder in unseren Köpfen die wir kennen ohne sie bewusst zu kennen. Ohne sie durch den Verstand verwerten zu können, aber wir können sie im richtigen Moment zitieren. Ohne zu wissen wo wir sie herhaben.
Diese Bilder überlappen sich und wenn man dann zum ersten Mal in seinem Leben in den nebeligen Bergen Thailands vor einem kleinen Altar steht und ein Bild sieht, das man ganz sicher noch nie gesehen hat, das einem aber seltsam bekannt vorkommt, dann ist das kein Déja-Vue man hat das Bild auch noch nie gesehen. Aber es gab einen Druck, bei einer bekannt im Flur. Der wurde hier zitiert. Völlig neu, völlig anders aber das Zitat ist erkennbar.
Früher einmal bestanden Bücher im wesentlichen Teil aus den Zitaten der großen Geister und jeder fügte nur einen kleinen Anteil hinzu. Heute fertigt ein jeder das ganze geistige Gebäude von den Fundamentpfeilern bis zum Dachabschluss. Da müssen die geistigen Gebäude einfacher kleiner werden.
Am 11. Juni 2007 um 10:35 Uhr
@Jochen Hoff: Danke für den wertvollen Kommentar!
Kann ich das so verstehen, dass Kreativität eigentlich nur im Fluss stattfindet und der dazu notwendige Treibstoff bereits vorhandenen Denkansätze und Impulse sind und dass es nur wichtig dabei ist, dass wir uns dabei vorwärts bewegen?
Das interessante ist doch wirklich, dass entweder die fest memorierten Signale wirken oder die völlig neuen, musterbrechenden, oder?
Am 11. Juni 2007 um 17:03 Uhr
Hommage und Persiflage – auch fürn Arsch?!
@ Patrick: Mal wieder sehr amüsant der Fall BIONADE. Aber wie immer, die Gegendarstellung erzeugt weit weniger Kommentare als Rumhacken. Btw, hat die gesamte Werberfront die Vodafone-Weihnachtsmotive schon wieder verdrängt? Keine Sorge, ich stelle hier lediglich eine Ähnlichkeit zu symmetrieverwandten Plakaten her…
Am 12. Juni 2007 um 08:51 Uhr
@Jochen: Meinst Du in etwa den steinalten und stets wahren Satz, dass wir am Ende nur Zwerge sind auf den Schultern von Riesen?
Am 12. Juni 2007 um 13:42 Uhr
Die Vodafone-Plakate und die dazugehörende Botschaft waren so sinnfrei und austauschbar dass sie wirklich jeder wieder vergessen hat. Den Beitrag fand ich auch übertrieben, aber ich hatte mir auch gedacht: als Plagiatsopfer würde so wohl jeder reagieren, vielleicht hat er das schon mehr als einmal mitgemacht.
Am 4. September 2007 um 15:04 Uhr
Ob sich Bionade, das offizielle Getränk für eine bessere Welt, bewusst ist in welche Welt sie hier verlinken: buenalog.de/2007/09/...