22:46 Uhr
Tel-Wars II: Attack of the Call-Center-Clones
Gelbe Laufschrift:
Es ist eine dunkle Zeit für die Rebellion Kundschaft. Obwohl der Todesstern die Bundespost vernichtet worden ist, haben imperiale Streitkräfte Telekommunikationskonzerne die Rebellen ihre Kunden aus ihrem versteckten Stützpunkt Kommunikationskomfort vertrieben und kreuz und quer durch die Galaxis Nation verfolgt. Nachdem sie der den gefürchteten imperialen Sternenflotte Call-Center-Clone entkommen ist sind, hat jedoch eine Gruppe von Freiheitskämpfern unter der Führung von Luke Skywalker den Werbebloggern einen neuen, geheimen Stützpunkt in der abgelegenen Eiswüste von Hoth Festplatte von Strato errichtet.
Doch der teuflische Darth Vader Arcor Obermann nur von dem Gedanken besessen, den jungen Skywalker unzufriedenen Kunden aufzuspüren – hat tausende ferngesteuerte Raumsonden rumänische Call-Center-Klone bis in die entlegendsten Bereiche des Weltalls Telefonnetz entsandt…
Ich strecke die Waffen. Ich bin beeindruckt von solch fantastischer Macht und unglaublicher – wenn auch boshafter – Klugheit. Ich gebe es zu. Die Call-Center-Struktur der Telkos in diesem Land sind wirklich absolut perfekt. Sie haben keine Schlupflöcher, es sind Bollwerke gegen wetternde Kunden und Geborgenheit pur für die Unternehmensführung. Das System der Call-Center ist ein perfektes System. Die perfekte Herrschaft über die dummen, dummen Kunden. Der Elektrozaun für die Schafsherde, die perfekten Windmühlen für all die Don Quijotes da draußen. Warum? Ich versuche mal ansatzweise diese Perfektion zu beschreiben, bei der meine Worte aber wohl nicht annähernd das zusammenfassen können, was dieses makellose Kundenabwehrsystem zu leisten vermag.
1. Die Call-Center befinden sich meist gar nicht auf eigenem Territorium. Dadurch gewinnt man zwei erhebliche Vorteile.
a) Die Kunden können sie nicht aufspüren und zerstören.
b) Viele Call-Center-Klone sprechen nur gebrochen deutsch, so dass man einen zusätzlichen Vorwand hat, Vorgänge falsch zu buchen, Reklamationen nicht zu verstehen oder einfach Dinge nicht notieren zu können.
2. Alle Call-Center-Klone sind – wie der Name schon sagt – geklont. Es sind Stimmen ohne wirklichen Namen. Sie sind niemals ein zweites Mal zu erreichen. Das ist extrem wichtig, nur so ist man vor Zweikämpfen gefeit.
3. Alle Call-Center-Klone wissen nur so viel, wie die Kunden wissen dürfen. Je ungeschulter desto besser. Wenn der Kunde etwas will, kann man sagen, dass man nicht weiß was er will.
4. Call-Center-Klone verfügen über keine direkte Macht. Sie sind noch hilfloser als die Kunden. Das verhindert den Missbrauch des Systems durch infiltrierte oder deprogrammierte Call-Center-Klone.
5. Jeder Call-Center-Klon hat ein Not-Programm. Aussagen wie “Mein Vorgesetzter ruft sich gleich zurück” oder “ich notiere mir ihr Anliegen und leite es weiter” sind solche Auszüge aus dem Notprogramm. Das Programm wird gestartet, sobald ein Kunde am Telefon das Gespräch dominiert.
6. Es gibt keine weiterführenden Rufnummern. Der Call-Center-Klon kann gar nicht mehr anders als den Kampf mit dem Kunden zu Ende zu führen. Entweder er siegt oder er startet das narrensichere Not-Programm. Wichtig dabei ist, dass das System unbeschadet bleibt.
7. Alle Call-Center-Klone sind darauf geschult dem Kunden solange Recht zu geben, solange es mit dem System konform geht. Sollte es Abweichungen geben, wird der Kunde als unwissend tituliert und entsprechend herablassend behandelt. Sollte der Kunde daraufhin erregt reagieren startet das Notprogramm.
8. Um manchen Kunden ein echtes Bemühen vorzugaukeln, schalten viele Call-Center-Klone zwischendrin mal die Warteleitung ein um vorzutäuschen, dass sie etwas besonderes nachschauen oder einen Vorgesetzten um Rat fragen. In Wirklichkeit schneiden Sie Grimassen, trinken einen Schluck Kaffee oder bohren in der Nase.
9. Ein perfekter Kampf endet damit, dass der Kunde denkt, ihm wurde geholfen. Das verzögert die Zeit zum nächsten Kampf.
10. Der Kampf an sich ist das A&O, denn er bringt dem Imperium 22 Cent/Min.
11 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 4. Juni 2007 um 22:58 Uhr
Viele Menschen greifen halt gern zum Telefon. Dem muss man sich als Unternehmen erwehren können.
Aber es gibt Stufe zwei: Kunden sind frustriert, sobald sie merken, dass die Hotline eine akkustische FAQ ist, die nichts anderes kann, als die FAQ aufzusagen. Solche Kunden gründen dann ein Forum, in dem Sie Ihre Erfahrungen publizieren. Auch dies tun Kunden imm lieber und fordern so die Unternehmen heraus, sich dessen zu erwehren. Noch bemerken nur die Inhaber der ganz großen Macht, wenn ein Klon postet.
Wenn es soweit ist, dass auch der letzte merkt, was gespielt wird, kommt Stufe 3.
Und so nimmt der Kampf der Welten kein Ende.
Am 4. Juni 2007 um 22:59 Uhr
“mein Vorgesetzter ruft sich gleich zurück” Brilliant! :)
Am 4. Juni 2007 um 23:15 Uhr
@Franz: Neeeeiiiiiinnnnnn! ;-)
Ich muss natürlich dazu sagen, dass sogar die echten Menschen in den Stüzpunkten des Imperium indirekt durch Call-Center-Klone ersetzt wurden, bzw. sie müssen nun selbst gegen die Call-Center-Klone antreten. Das könnte jedoch eine Anomalie in der maTrix hervorrufen und somit dazu führen, dass das komplette System irgendwann komplett rebootet werden muss. Du siehst, es besteht noch ein Fünkchen Hoffnung im All! ;-)
Am 4. Juni 2007 um 23:19 Uhr
@franz:
das stimmt. es gibt unternehmen, die haben tatsächlich angst davor, dass ein kunde anrufen könnte. bei der überarbeitung von webseiten, habe ich auch schon mal zu hören bekommen, dass man die telefonnummer im kontaktbereich lieber weglassen sollte.
Am 4. Juni 2007 um 23:33 Uhr
Und ich dachte immer diese Unternehmen erwirtschaften recht ordentlich (nur 61 Mrd Umsatz). Wäre ja vielleicht nicht schlecht, angesichts der Arbeitslosenquote, das Geld in den Service zu stecken. Hmm. Das wäre aber dann doch ziemlich doof, weil dann plötzlich mehr Menschen mehr Arbeit und damit auch mehr Geld in ihren Taschen hätten. Das könnte wiederum zur Folge haben, dass die Unternehmen wieder mehr erwirtschaften, weil Kunden plötzlich wieder ihre Produkte kaufen und weil sie so zuvorkommend bedient werden. Und was dann passiert brauchen wir uns gar nicht erst auszumalen. Schrecklich. Es würde jeder profitieren. Das wäre echt doof, weil dann hat man nicht mehr ganz so viele Privilegien.
Am 5. Juni 2007 um 07:46 Uhr
Hin und wieder schaffen es jedoch auch ein paar wenige Rebellen, sich in den Kampfstern-Schlupflöchern zu verstecken: Sie schlagen die Call-Center-Klone mit ihren eigenen Waffen – täuschen eine Online-Bestellung bei Lord Stromberg vor und ziehen die Bestellung sofort zurück. Aus Unwissenheit über die eigene Technik vergisst das Imperium, die Ports vor der Löschung der Nutzerdaten aus dem System frei zu machen und blockieren somit allen anderen Call-Center-Clonen den Zugang. Der Port gerät nach unzähligen Telefonaten, in der sich die Clone gegenseitig eine Verantwortlichkeit vorwerfen, in Vergessenheit – und mit ihm auch seine Rechnung. So surft R2D2 nun seit einem halben Jahr mit magenta-farbener (bzw. schwarzer) Flat auf einem nicht vorhanden Port des Stromberg Imperiums – inklusive schriftlicher Bestätigung, dass er kein Anhänger mehr ist.
Am 5. Juni 2007 um 08:57 Uhr
@Oliver: Lehre mich mehr, Yoda!
Am 5. Juni 2007 um 09:25 Uhr
“Die Macht mit dir sein wird, mein junger Padawan.” ;-)
Am 5. Juni 2007 um 10:20 Uhr
@Patrick
Hin und wieder passiert selbst dem bösen Sith Lord ein Lapsus. Ich fürchte in deinem Fall ist die Dunkle Arcor-Seite der Macht jedoch zu weit ausgeprägt. Die gute Seite der Macht wird mit dir sein – nach deiner Vertragslaufzeit :-)
Am 14. Juli 2007 um 19:11 Uhr
[...] momentan in der Warteschleife, da sich der Mitarbeiter “informiert.” Was dass bedeutet, wissen wir jedoch alle…Hotliner wieder da. Hat sich informiert, Problem liegt nicht am Anbieter sondern natürlich [...]
Am 14. Juli 2007 um 19:28 Uhr
[...] Auszug, geschrieben von Patrick Breitenbach, werbeblogger.de [...]