15.05.07
11:30 Uhr

Wider die Kultur

Ist Werbung Kultur? Ist Kultur Kommerz? Sind Blogs Subkultur? Einen Aspekt bitte ich bei dieser ganzen Diskussion, die sich letztendlich sowieso nur im Kreise der verfestigten Fronten dreht, zu bedenken. Der Kulturbegriff sollte in solchen Diskussionen kein Vehikel sein. Das mussten schon ganz andere in ähnlichen Zusammenhängen feststellen.

Das ist das Problem jeder Subkultur, wenn sie in einem Bereich der Gesellschaft ankommt, der mit Kommerzialisierung und Professionalisierung zu tun hat. Das ist wie bei Punkmusik und Skateboardfahren.” Die Rebellion gegen Adical ist nach seiner Ansicht eine Art Wachstumsschmerz der Blogosphäre: “Eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur bäumt sich auf.”Eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur bäumt sich auf.”

(Quelle: Sascha Lobo bei SPON zu adical)

Wenn Sascha Lobo nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, so wird er sicherlich wissen, dass eine Subkultur sich gerade dadurch definiert, dass sie eben nicht zur Kultur dazugehören will. Völlig unabhängig von der Bedeutung und Definition des Kulturbegriffes. Denn wenn sich eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur befindet, so ist sie im Begriff zu sterben. Diejenigen, die an Wiedergeburt glauben, haben es einfacher. Sie können loslassen und gespannt auf die Dinge warten, die da folgen. Die anderen jedoch werden sich mit Händen und Füßen gegen diesen Prozess wehren. Wer will schon gerne sterben und gar durch die Hand anderer?

Lobo ist sicherlich nicht der erste, der diesen Spagat vollziehen will. Er muss nur wissen, wie weit er seine Schenkel dehnen kann. Wer ist wichtiger, Huhn oder Ei, Werbekunde oder Werbempfänger – also die Konsumenten der sogenannten Subkultur? Manche Subkulturband hat es in die Kultur geschafft, manche nicht. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Sie zahlen ihren Preis. Eine Tür geht zu, in der Hoffnung, dass irgendwo ein Fenster wieder aufgeht. Der Status Quo ist hier jedenfalls unhaltbar.

Aber generell betrachte ich das Spiel mit der Kultur als das Spiel mit dem Feuer. Nicht umsonst wurde die Entdeckung und der Umgang mit Feuer zur ersten großen Kulturleistung des Menschen stilisiert. Alles was folgte und uns irgendwie von den Tieren auf diesem Planeten unterschied, war fortan Kultur. Das ist die eine Interpretation des Begriffes. Doch damit sind wir Menschen natürlich nicht zufrieden. Von wegen jeder Mensch ist ein Künstler, wo bleibt da meine individuelle Note? Ich möchte mich abgrenzen von der Masse, ich will doch eigenständig sein. Ich will besser, schneller, größer und weiser als alle anderen werden. Daher beschloss der Mensch, seine Kultur von nun an für sich selbst und seine Symphatisanten zu definieren. Die “Leitkultur” mit “Geschmäckle” entstand:

Der Kulturbegriff gehört zu den belasteten und “amorphen” Erscheinungen des gesamteuropäischen Wortschatzes – wie etwa die Wörter “Rasse”, “Ideologie”, “Ethnie” etc. Einerseits die nahezu unendlichen semantischen Kontexte, in denen er Anwendung fand und findet 4 , andererseits seine unrühmliche Rolle als Gradmesser bei menschenverachtenden politischen und sozialen Praktiken der Vergangenheit wie der Gegenwart (Kolonialismus, Nationalsozialismus, “Neo-Rassismus”, Fremdenfeindlichkeit) machen eine unkritische Rezeption dieses Begriffs problematisch. Hinzu kommt sein aktueller, manchmal durchaus verherrlichender Gebrauch bei politisch brisanten Diskussionen (Multikulturalität, kulturelle Rechte, Kulturkampf, politische Kultur, kulturelle Identität etc.), der ihn entweder ohne jede inhaltliche Bestimmung als Universalbüchsenöffner einsetzt und damit die Konfusion verdichtet – oder aber viele TheoretikerInnen in immer kürzer werdenden Abständen zu Neudefinitionen zwecks Abgrenzung zwingt und damit dem semantischen Pluralismus erneut Tür und Tor öffnet.

(Quelle: Harkan Gürses Kulturbegriff)

Durch die Zusprechung und Aberkennung von anderen Kulturen haben wir einen mächtigen Hebel entdeckt, der tief im Selbstwertgefühl der Menschen verankert ist. Dieser Hebel ist unter anderem auch der Mechanismus, um Kriege auszulösen. Die meisten Kriege auf der Erde sind Kulturkriege. Religion ist Kultur. Kunst ist Kultur. Wirtschaft ist Kultur. Sprache ist Kultur. Interessen sind Kultur. Wissen ist Kultur.

Ist aber denn auch die böse Werbung Kultur? Natürlich ist sie das. Sie ist eine abstrakte Erfindung des Menschen, sie unterscheidet uns zwar nur bedingt vom Tier, nämlich ausschließlich in der verdinglichten und abstrakten Form der Balzrituale. Selbst die vehementen Kritiker der Werbung geben es zu: Werbung ist etwas “Künstliches”. Anstatt für Partner zu balzen, setzen wir Unternehmen, Marken und Produkte an deren Stelle. Das mag für viele “affig” sein, doch Affen tun so etwas nicht, nur wir Menschen. Natürlich stufe ich einen Film (natürlich nicht aus Hollywood), eine Komposition (natürlich nicht vom Bohlen), ein Bild (natürlich nicht die pokernden Hunde) oder einen Text (natürlich nicht die Bildzeitung) als wertvoller, als “kultivierter” ein als einen Werbespot, doch damit bestreite ich noch lange nicht, dass dies alles nicht auch mit zur Kultur gehört.

Wo liegt die Krux am Kulturbewusstsein? Unser Individualismus und unser Bewusstsein befreit und engt uns zugleich ein. Wir können uns nämlich nur entfalten, also selbstverwirklichen, wenn wir nicht nur auf anderer Leute Meinung Rücksicht nehmen. Auf der anderen Seite dienen uns Mitmenschen als notwendiger Spiegel, um gerade unser Selbstbewusstsein zu reflektieren. Wir sind gefangen zwischen dem Wir- und Ich-Gefühl. Mit allen Menschen geht es nicht, ganz ohne sie schon gar nicht. Dazu kommt noch unsere Art zu lernen. Wir lernen durch Imitation. Wir müssen zunächst imitieren um grundlegende Dinge zu lernen. Wenn wir uns jedoch selbst verwirklichen möchten, so müssen wir die Imitation wieder abstreifen. Gar nicht so einfach, oder?

Gibt es eine Lösung? Ich denke schon. Wir können lernen, beides zu akzeptieren. Wir können begreifen, dass es mehr als nur die eine Wahrheit gibt. Wir können lernen, uns in andere Menschen und Lebenslagen hineinzuversetzen. Durch die Vernetzung der Informationen können wir uns zunehmend diesen Aufgaben widmen. Blogs sind keine Subkultur. Teile der Blogs sind Subkultur. Blogs bestehen aus Menschen, Strömungen und Individuen. Niemand hat den Anspruch auf die Gesamtheit dieser Menschen. Wirklich niemand.

Großer Geist, bewahre mich davor, über einen anderen zu richten, ohne in dessen Mokassins gelaufen zu sein.

Blogs sind meine Mokassins.

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25 Kommentare

  1. johnny

    Danke, nicht nur, aber speziell für den letzten Absatz.

  2. Don Alphonso

    Mal rational betrachtet: Was von der Werbung fasst man 100, 70, 20 Jahre später als Kultur auf?

    Klimt: Kultur. Adolf Loos: Kultur. Werbung? “Gold gab ich für Eisen”.

    Brecht: Kultur. Speer: Irgendwo auch. Werbung? Ist der Claim “Juda verrecke” Kultur?

    Sottsas: Kultur. Baudrillard: Kultur. Werbung? Was war damals noch in der Cannes-Rolle?

    Wenn sich Werbung nicht verdammt bemüht – Beispiel Charles Wilp – wird sie es nicht mal zur Gebrauchs- und Populärkultur schaffen, sondern lediglich zu dem, für das man sich rückblickend schämt. Schämen, das ist das, was Gestalten wie Lobo nie gelernt haben. Typisch Werber, möchte man sagen. Und wenn sich ein paar Typen gerne einen neuen kulturellen Raum durch Werbung schaffen wollen – keiner hält sie auf. Solange sie nicht den Heilsbringer geben. Das kann man tun, wenn man mutig gegen Jamba ist. Aber nicht als gescheiterter Startupper auf der Suche nach dem nächsten Ding zum ruinieren.

  3. Patrick Breitenbach

    Don, das ist dein persönlicher Kulturbegriff. Frag mal ein paar Leute auf der Straße, die können dir 30 Werbesongs vorsingen, aber kennen allerhöchstens noch das Brecht/Weillsche Moritat von Mackie Messer (wahrscheinlich auch in einem Spot verwurstet). Alles kein Thema und absolut nachvollziehabr.

    Meine Intention ist es jedoch mit diesem Beitrag zum Ausdruck zu bringen, dass ein Kulturgrabenkrieg sicherlich nicht förderlich ist, um diese Kulturschaffenden wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen zu bringen.

    Haut man den Leuten aufs Maul, flüchten sie halt zu denen, die sie verstehen. Sie “rudeln” sich. Darin liegt meines Erachtens die Herausfordrung, wenn man die Kultur tatsächlich fördern möchte.

    Ein Zeichen von Kultiviertheit ist für mich nämlich auch der Wille und die Geduld anderen Menschen die eigene Kultur nahezubringen, nicht sie gewaltsam einzuhämmern.

  4. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Kultur sollte sich nicht nur als Feld für intellektuelle Eliten verstehen. In diesem Zusammenhang sind eben oft genug auch degenerative Entwicklungen aufgetreten. Ein breites und vor allem auch gefördertes Kulturverständnis mit einem neuen Fokus auf zeitgenössische Entwicklungen holt dann vielleicht auch die Menschen ab, die den Begriff als abstrakt und distanziert empfinden. Werbung kann ein Teil von Kultur sein und werden, wenn sie eine Kommunikationskultur mit Menschen und Marken entwickelt und integriert – auf Augenhöhe und mit Respekt für den Verbraucher. Das Wort “Klickvieh” und die Tatsache, dass viele Menschen sich so empfinden, ist dabei ein deutlicher Indikator, dass zu viele sich über die Geschichten in der Werbung nicht angesprochen fühlen. Das muss sich ändern und -als Optimist meine ich- es ändert sich gerade evolutionär.

  5. Die Welt ist Scheisse - Aber ohne Geruch

    Schon wieder Streit wegen Kultur?…

    Eine passende Zusammenfassung zur neuerlichen Kulturrevolution unter den Bloggern bei den Werbebloggern. Die zwar irgendwie so argumentieren müssen bzw. müssten, oder auch nicht (?), es aber auch können. Ist Werbung auch Kultur? Obwohl ich Werbung n…

  6. Don Alphonso

    Historisch betrachtet gibt es den Begriff der kulturellen Räume. Die leben mitunter vom Austausch, aber auch oft genug von der Abgrenzung. Oder sterben, wenn die Abgrenzung nicht mehr funktioniert. Und nachdem Lobo einer ist, der auf die Trennung von Inhalt und Werbung verzichtet, ist völlig klar, dass es da nichts anderes als Abgrenzung geben kann. In dem Moment, indem so einer auch noch die kulturelle Definition in Anspruch nimmt, kann man sich weitere Diskurse schenken. Kann durchaus sein, dass mein Kulturbegriff nicht allgemein geteilt wird, aber ich will verflucht sein, wenn ich den Lobos dieser Welt und ihren Helfershelfern und Steigbügelhaltern auch nur einen Zentimeter Raum schenke. Lobo hat eine Entwicklung im Auge, weil er damit Geld verdienen will. Sonst nichts. Lobo ist Kultur völlig egal, wie jedem Abzocker und Trittbrettfahrer. Es ist ein Deckmantel eines Typen, der schlichtweg zu feige ist, zu seiner Motivation zu stehen.

    Kultur? Wo ist Lobo, wo ist Adical Kultur?

  7. Patrick Breitenbach

    Don, das sehe ich ein wenig anders. Lobo wird jetzt geächtet, weil man ihn in den eigenen Reihen gewähnt hat und nun gilt er als Verräter und Bedrohung der “Subkultur”, der er einmal angehörte. Er wurde “enttäuscht”. (Im Sinne der Täuschung) Er hat den kulturellen Raum verletzt und nun wird er dafür aus diesem Raum – logischerweise – verbannt.

    Ihn als kulturlose Person per se darzustellen finde ich etwas übertrieben. Zumal ich ja wie gesagt, den anderen Kulturbegriff für mich verwende. Er sucht sich ganz einfach einen neuen kulturellen Raum. Ich bin der Meinung, dass es keine Menschen ohne Kultur gibt. Von daher dürfte unser Dialog in dieser Richtung schwierig werden.

  8. Patrick Breitenbach

    Die Adical-Kultur setzt sich übrigens aus allen Leuten zusammen, die Adical betreiben. Daher gibt es eine Unternehmenskultur auch nie von oben herab. Kultur kann nur gelebt werden. Jedenfalls liegt es nun an ihnen, wie sie mit der Sache umgehen – also welchen kulturellen Raum sie in Zukunft besetzen möchten.

  9. vroni

    Zurück zur allgemeinen Hauptfrage: “Ist Werbung Kultur?”

    Nein. Sie ist was sie ist: kommerzielle Kommunikation.

    Kulturbegriff, und wie man Werbung darin einordnen könnte:

    Für mich war lange Jahre der Begriff “Kultur” von allem von den Wertekanons der Bildungsbürgerlichkeit besetzt. Ich war in einem Gym für “Höhere Töchter”, und kriegte meinen “Schaden” ab mit “dera Kuldur”. Das “Kulturgetue” (mit arrogantem Gesicht in Konzerten rumsitzen und indigniert gucken, wenn einer ausversehen mitten in einem Satz klatscht…, weil er nicht kapierte, dass das nur eine Pause war mit sehr langen Noten, Tölpel der) lehnte ich als Arbeiterkind vehement ab, es war für mich verachtenswerte Hochnäsigkeit der Bankerstöchter, die Klavierunterricht bekamen und ich nicht.

    Ich lehnte daher alles ab von meinen mir Kultur nahebringen wollende Lehrern, lehnte Goethe ab (alter bourgeoiser Sack, der auch ziemlichen Mist schrieb, nicht nur Tolles), ich lehnte aber auch Brecht ab (eitler Narziss mit Arbeiterpose in edlen Klamotten, der tut nur so, als ob der die Arbeiter verstünde, hielt nebenher strümpfestopfenden Weiberharem, der ihn auch noch mit literarischem Stoff versorgte). Undsoweiter. Mir konnte man mit so einer “Kultur” nicht kommen. Ich las nur noch lebende, “wilde” Autoren und wollte nur neue, wilde Bilder. Ha, aber auch das war Kultur, das begriff ich dann schon auch…

    Werbung aber ist keine Kultur: Drückt sie ein Lebensgefühl einer Generation aus, wie es die Blaue Blume der Romantik tat?
    Da sind James Dean, Marlon Brando, Rotzer und Rocker Filme mehr Kultur.

    Drückt Werbung Distinktion aus (..das Bankerstochtergetue, s.o. …). Auch Fehlanzeige. Sie taugt nicht einmal zur Abgrenzung gegen andere (Kultur-)gruppen.

    Wird Werbung geliebt?
    Kaum. Das Panthergedicht von Rilke wird geliebt (und gekonnt, sie können es rezitieren)) quer durch alle Schichten. Werbesongs werden lediglich als lästige Ohrwürmer erinnert, die man nicht loswird.

    Ist Werbung Gegenkultur?
    Gegen was denn?

    Und so könnte man das mühelos fortsetzen.

    Die Alltagskultur von Ruhrpott-Arbeitern, des damaligen (jetzt fast ausgestorbenen) traditionellen Arbeitermilieus mit seinen Liedern, seinen Attitüden, seiner Hasen- und Taubenzucht, hat mehr Kultur, als Werbung je haben wird.

    Mittlerweile ist Kultur für mich auch Trauerarbeit. Bedauern darüber, was alles zerhauen wurde, vom Kirschbaum-Schrank meiner Oma, von dem meine (diesmal echt kulturlose) Bauern-Verwandtschaft nicht kapierte, was er darstellte und ihn lieber zerhackte als ihm liebevoll Neuaufnahme in ihrer Möbel Krügel Wohnung zu gewähren.

    Bedauern auch, dass wenig Neuzeitliches solche Verluste ausgleicht. Wenn es nur so wäre. Und dann kommt einer daher und behauptet, Werbung sei Kultur. Ne oder?

  10. Patrick Breitenbach

    “Drückt sie ein Lebensgefühl einer Generation aus, wie es die Blaue Blume der Romantik tat?”

    Ja klar, tut sie das, eben bei Menschen, die mit blauen Blumen nichts anfangen können. Mag vielleicht traurig sein, aber wahr. Wir schwelgen in Nostalgie wenn wir Werbespots aus unserer Jugend sehen, weil sie unser Begleiter waren. (Bei vielen jedenfalls – bei mir auf alle Fälle)

    “Drückt Werbung Distinktion aus (..das Bankerstochtergetue, s.o. …).”

    Natürlich kann sie das. Werbung kann richtig schön von oben herab daherkommen und somit ihre von obenherab denkenden Kunden einfangen.

    “Wird Werbung geliebt?”
    Wie bitte? Also wenn der Werbeblogger, Deutschlands lustigste Werbespot und dergleichen keine Liebeserklärung an die Werbung ist, dann weiss ich ja auch nicht. Das schmeckt euch vielleicht nicht, ist aber so. Wir sind zwar kritisch, aber gerade weil wir die Branche mögen und sie dadurch etwas “intelligenter” machen möchten. Vielleicht mehr Kommunikation und weniger Gießkannennervwerbung.

    “Ist Werbung Gegenkultur?”
    Ja klar ist sie Gegenkultur. Gegen all die Subkulturen, die Werbung verabscheuen.

    Bitte definiere zuerst deinen Kulturbegriff. Ich gehe vom menschlichen Schaffen abseits der Tierwelt aus. Du setzt deine subjektive Kulturwertvorstellung ein, die viele Menschen einfach nicht teilen können, weil sie es nicht so wie du ganz individuell erfahren haben.

  11. Patrick Breitenbach

    Gegenfrage: Sind das in euren Augen Kulturschaffende?
    Bertolt Brecht, Rainer Maria Rilke, Erich Kästner, Charles Bukowski.

    Waren auch alles Werbetexter! ;-)

  12. Christian Wolff

    Man sollte doch Werbung mit Kunst nicht verwechseln! Werbung ist eine Dienstleistung und kann nicht um seiner selbst Willen existieren (Vgl.: l’art pour l’art). Werbung kann auch nicht mit Kunst konkurrieren, nur weil Werbung einen künstlerischen Anspruch haben kann. Die Funktionen sind doch wesentlich andere. Warum also den gleichen Anspruch erheben?
    Werbung ist aber durchaus Kultur. Von mir aus Alltagskultur. Sie ist Ausdruck konkreter Haltungen und Werte. Man kann mit Sicherheit auch regionale Unterschiede feststellen. Wenn Kommunikation und Wirtschaft Bestandteil von Kultur sind, muss es Werbung folglich auch sein.
    Ob man nun Werbung leiden kann oder nicht spielt doch überhaupt keine Rolle. Mir fällt auch ‘ne Menge Musik ein, die mir nicht gefällt…
    Werbung bietet vielleicht eine Orientierung bei Kaufentscheidungen – welcher Qualität sei mal dahingestellt – aber Werbung kann wohl kaum die Orientierung bieten, die Kunst bieten kann. Wie “kulturell wertvoll” man nun sein Leben gestalltet, welchen Raum man welchen Dingen zugesteht, liegt doch wohl in eigener Verantwortung. Da gibt es wirklich viele Möglichkeiten. Also, kein Grund zum Pessimismus. Kein Grund Schuldige auszumachen.

  13. vroni

    @Patrick,
    ein bisschen bist jetzt auf meine subjektive Polemik reingefallen. ´`´`

    Ich bin nämlich genau wie du der Ansicht, dass sich mit dem Begriff “Kultur”, der für alle gefälligst gelten soll, schon ganz andere verhoben haben, dein bestes Beispiel nanntest du selber: die staatstragende Leithammelkulturbande.

    Dann aber – jetzt kommts – wenn der Kulturbegriff objektiv nicht greifbar, nicht subsummierbar ist und nicht als Vehikel taugt (stimme dir vollkommen zu) dann…

    …. solte sich Lobo Geröllheimer ebenfalls nicht dran vergreifen und für sich vereinnahmen.

    Und sich was anderes ausdenken, um Aufwertung zu betreiben, statt in die schwammige Grabbelkiste Kultur” zu langen. Das ist meine Rede.
    Die Lerche wars und nicht die Nachtigall, und selbst die Lerche hört ihn sehr wohl trabsen und das kommt nicht sehr gut rüber.

    ____________________
    Mein persönlicher Kulturbegriff ist aber tatsächlich so, wie ich ihn in meinem langen Beitrag beschrieben habe. Denn er ist immer persönlich erlebt udn durchlebt, weil wir in einer Gemeinschaft elben, sie so oder anders tickt – wir unser persönliche inner Landkarte danach zeichen udn laufend umzeichenen.

    Kultur als Wertbegriff ist immer “tribal”, also gruppenbezogen, ichbezogen, zeitbezogen.

    Ein übergreifender neutraler GROSSER Kulturbegriff, der immer gleich und zeitlos für ALLE Menschlein auf diesem Planten gilt, wo alle zur Not noch zustimmen können ( id est: “Kultur” ist menschengemacht und dann einfach alles, was nicht “Natur” ist) ist immer betont generic und daher dermaßen wertfrei, dass sich keine Lobos und Geröllheimers damit aufwerten können. Denn dann ist selbst der Vorgang des Scheißens Kultur. Damit reißt man nix.

    Sorry für die harten und vulgären Worte. Komm mir schon wie ne Klofrau vor…
    (Apropos, wo steckt Lanu?)

  14. Patrick Breitenbach

    “… solte sich Lobo Geröllheimer ebenfalls nicht dran vergreifen und für sich vereinnahmen.”

    *hüstel* Auch das Statement von Lobo habe ich gleich am Anfang kritisiert. Den nehme ich da bestimmt nicht aus und ich halte sein Zitat für Unfug. Vielleicht war ich nicht deutlich genug und hab mich mal wieder im diplomatischen Ton vergriffen.

    Lanu? Naja die muss zur Zeit zeimlich viel Scheisse wegwischen. Hat also jede Menge zu tun! ;-)

  15. Senem

    Meiner Meinung nach ist Werbung der Spiegel der Gesellschaft und somit ihrer Kultur! Werbung aus Deutschland wuerde hier in den USA und in anderen Kulturkreisen einfach nicht funktionieren.
    Warum gibt es denn Ethnomarketing und co.?!

  16. Andreas

    In einer (fotografischen) Frühphase vor vielen Jahren habe ich mal bei verschiedenen Aktfoto-Workshops erleben dürfen, dass diejenigen, die vorher besonders hochtrabend-intellektuell über den künstlerischen Akt als solchen dozierten, hinterher beim Fotoshooting genau die “lüsternen Säcke” waren, die mit dem Supertele auf “Bärenjagd” gingen. – Mit einer kopflastigen Selbstdarstellung wollten sie nur von gewissen niederen Trieben ablenken …

    So ähnlich kommt mir die momentane Diskussion um Adical vor. Es wird über Werbung, (Sub-)kultur und den Kunstbegriff an sich philosophiert, und dabei gehts bei der Adical-Kritik doch eher nur um die Art, wie Adical versucht mit Blogwerbung Geld zu verdienen, und um die Leute die hinter Adical stehen. So scheint es mir zumindest.

  17. phil

    @Andreas: Applaus!

    Wenn sich während meines Studiums irgendein Prof. getraut hat, eine neue These per Vortrag in die Welt zu posaunen, dann ist da meist genau das passiert, was wir hier beobachten: Seine Kollegen, die eben nicht zuerst auf diese Idee gekommen sind, haben sich an einem (gerne mal für das Gesamtkonstrukt auch nicht ganz so wichtigen) Begriff hochgezogen und dem Vortragenden vorgeworfen, dass er ihn falsch oder unbedacht nutzt.

    Aber das hier ist kein wissenschaftlicher Diskurs. Das ist menschliches Verhalten par excellence…

    Wenn der Begriff von Kultur so schwer zu fassen ist, “Subkultur” logischerweise ebenfalls schwer einzuordnen ist, und nach dem guten alten Wolf Schneider Sprache lebt (was uns ja nicht zuletzt Weblogs zeigen!), warum wird dann hier so pinibel an Lobos Sätzen rumskalpiert?

    Ich denke zwar nicht, dass alle hier gerne selbst so’n Laden aufgemacht hätten. Aber Missgunst – korrigiert mich – spüre ich in mindestens jedem zweiten Beitrag. Irgendwas passt Euch nicht. Aber es ist nicht die definitionsabweichende Nutzung des Wortes Subkultur…

    PS: kann man die Bären-Fotos irgendwo kaufen?

  18. Andreas

    @phil: Danke sehr. Aber ich glaube nicht, dass Missgunst bei den meisten Kritikern von Adical der treibende Faktor ist …

    zum PS: Nicht bei mir. Gynäkologische Mugshots waren und sind nie so mein Ding gewesen. Willst Du nicht doch lieber ein paar Bilder von Knut? :-)

  19. Simsen

    Super Artikel. Ich denke der Kulturbegriff muss wirklich nochmal überdacht werden – Werde demnächst mal mit meinem Prof. drüber diskutieren ;)

    Viele Grüße.

  20. clayton gawronski

    Ist Werbung Kultur?
    Ein klares Ja!

    Kultur ist für mich jedwede Veränderung der Welt durch den Menschen. Ob jetzt Trampelpfad oder achtspurige Autobahn, beides gehört für mich zur Kultur. Ob ein Tagebucheintrag oder ein Brief von Goethe. Beides gehört zur Kultur. Die Frage der Wertigkeit wurde nicht gestellt. Auch nicht die Frage nach dem Einfluß.

    Werbung ist Teil unserer Kultur. Ich sehe sie nicht als Teil der Kunst, welche auch Teil unserer Kultur ist, sondern als Teil der Wirtschaft. Aufgrund ihres Zieles Aufmerksamkeit zu erzeugen, muß Werbung aktuell sein. Werbung ohne Bezug zu den Dingen, die die Bürger bewegen, bekommt keine Aufmerksamkeit. Werbung reagiert somit auf Zustände in der Gesellschaft in der sie entsteht und kann damit auch Informationen über die Gesellschaft liefern.
    Damit meine ich nicht den einzelnen Spot, sondern den Komplex insgesamt.

    Das der Begriff Kultur bei vielen oftmals nur hochwertiges Kulturgut umfaßt, ist definitionsbedingt.

    Noch ein Wort zur Werbung: Sicher wird Werbung, welche die Zeit überdauert, den Menschen der Zukunft viel über unsere Zeit verraten – gerade eben aufgrund der oben angerissenen Notwendigkeit der Werbung Aufmerksamkeit zu erzeugen und den Menschen im hier und jetzt zu berühren.

  21. Berlin

    Danke für immer anregende Artikel.

  22. Worldwide

    Ist Werbung Kultur? Für mich schon den Sie setz Trends die dann zur Kultur oder Subkultur werden können.

    Ist Kultur Kommerz? Ja, um eine Kultur voll ausleben zu können kan schon kommerziell was zu holen sein. Kommt drauf an ab man in der Kultur leben möchte und dann kanns sogar richtig teuer werden.

    Sind Blogs Subkultur? Irgendwie schon oder eben auch nicht! Sie kennen sich untereinander die Blogger! Ist man kein Bloger dann ist schwer mitreden zu können. Sie sind akzeptiert aber sind sie deswegen Subkultur … ?

    Das Thema ist so gross und der Artikel so lang das man da denke ich Tage drüber schreiben könnte. (zumindest ich)

  23. Kulturmarketing

    Das ist doch wie immer eine Frage der Definition.
    In der gegenwart verschwimmen die Definitionen von Kreativität, Kunst und Kultur immer mehr. Und da Werbung einen kreativen Kern besitzt wird Sie bereitwillig als Kunst und damit Teil der kultur angesehen.
    Aber egal wie wir es definieren:
    Wir sollten uns um unser selbst Willen aber nicht dazu hinreissen lassen, die Kunst über das bestehende Mass hinaus zu kommerzialisieren!

  24. gratis smS

    Auf die Menge kommt es an.Wie alles im Leben wer es übertreibt tut selten gut.

  25. Pennergame Forum

    Ich finde das Werbung wichtig ist, da ohne sie überhaupt kein Markt angesprochen werden kann

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