15:06 Uhr
Handelsblatt.com hart an der Grenze
Während die WAZ-Gruppe gestern noch einen neuen Verhaltenskodex für ihre Mitarbeiter herausgegeben hat, in dem man besonderen Wert legt auf die strikte Trennung von Redaktion und Werbung, scheinen andere journalistische Formate wohl noch in der Findungsphase dieser Grenzen zu sein. So entdecke ich gerade bei handelsblatt.com eine für mich sehr grenzwertig anmutende Werbeform:

(Bitte zur Vergrößerung klicken)
Hier kennzeichnet man zwar noch den vermeintlichen Content-Block mit dem Vermerk “Anzeige”, jedoch auf Klick öffnet sich ein wesentlich schwammigeres Bild, also kein wirklicher Hinweis mehr zu finden, der auf die dort zu sehenden nicht-redaktionellen Inhalte hinweist. Stattdessen hat man den Eindruck, das Handelsblatt sammelt hier ganz offiziell ihre Beiträge zu Cisco:
Klickt man auf einen einzelnen Artikel hat man wenigstens wieder einen kleinen Hinweis auf “bezahlten Content”.
Wenn auch in klitzekleinen Buchstaben, so kann man dann doch diesen Text lesen:
Diese Inhalte werden Ihnen präsentiert von Cisco. Handelsblatt.com übernimmt für die Richtigkeit der Inhalte keine Gewähr.
Ich bin Werber – ich bin aber auch Konsument. Ich bin Leser von Zeitschriften und Zeitungen – sprich von professionellen journalistischen Angeboten. Ich erwarte also eine entsprechend klare Trennung zwischen Werbung und der journalistischen Arbeit. In diesem beschriebenen Fall geschieht das meines Erachtens nur ungenügend. Hier verschwimmen die Grenzen. Im Schnellklick-Internet werden diese Mini-Signale von der Mehrheit nicht bewusst wahrgenommen. Ehrlich gesagt möchte ich auch gar nicht erst lange prüfen, ob die Inhalte von der Redaktion oder einem Werbetexter verfasst wurden. Allein die Integration in das normale Redaktionsumfeld vermittelt mir nicht gerade das Gefühl, man habe hier Werbetexte vor sich liegen. Traurig, dass gerade ein Werber die Presse darauf aufmerksam machen muss.
6 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...

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Am 3. Mai 2007 um 20:39 Uhr
Auf dem Blog-Radar am 3.5.2007 entdeckt…
Ganz vorsichtig sei die Frage gestellt, ob da der allseits geschätzte Herr Rechtsanwalt aus dem Nähkästchen plaudert, wenn er sein Wissen zum Thema Parties im Swingerclubs zum besten gibt.
Folgendes Problem aus dem Bereich PKW …
Am 3. Mai 2007 um 21:44 Uhr
Die älteren Damen und das Küken…
Ich finde es ja löblich, dass die WAZ ihren Ehrenkodex (PDF) überarbeitet. Der enthält zwar weiterhin nur Allgemeinplätze, aber leider sind die wohl keine Selbstverständlichkeit mehr.
Ich frage mich allerdings auch, ob es nich…
Am 3. Mai 2007 um 21:55 Uhr
Ich sehe da keine “Findungsphase” von Grenzen. Ich sehe da eher den Versuch, die rechtlichen Rahmenbedingungen auszureizen, so weit es eben gerade geht.
Wer als Herausgeber eines Presseorgans wirklich eine klar sichtbare Trennung von Reklame und redaktionellem Inhalt wollte, würde sie ganz einfach sichtbar vollziehen. Da gäbe es gar kein Problem – denn es ist bloß eine Frage des Willens und der entsprechenden Überzeugung.
Im dargestellten Beispiel ist für mich klar erkennbar, dass diese Trennung von den Verantwortlichen des Blattes schlicht nicht erwünscht ist.
Am 3. Mai 2007 um 23:11 Uhr
Da hat Boris recht. Häufig folgen (müssen?) die Verleger den Wünschen der Anzeigenkunden. Daraus folgt, dass die Menschen in den Redaktionen beauftragt werden, zielgruppenorientierte Berichterstattung – also schlicht Werbung – im Sinn des/der Anzeigenkunden zu machen. Ich arbeite in dem Genre und habe dort schon einiges erlebt. Aufrechte Journalisten stumpfen ab, machen das Hirn zu und denken an ihren (sicheren?) Vertrag. So viel zum Thema Pressefreiheit. Leute wie ich toben sich dann im eigenen journalistischen blog aus.
Hier zu finden: nordnews.wordpress.c...
Am 18. Mai 2007 um 14:27 Uhr
Die journalistische Freiheit stößt an die Grenzen des marktwirtschaftlich Machbaren – wen wundert’s. Dem Leser sollte aber doch zuzumuten sein, dass er selbst erkennt, wo und wann er informiert und wann er manipuliert wird, meint Ihr nicht? Das Wort “Anzeige” gehört ja nun auch nicht gerade zu den unverständlichsten Begrifflichkeiten der deutschen Sprache …
Am 17. September 2007 um 19:23 Uhr
[...] sondern der Reiter in der Navigationsleiste im jeweiligen Hauptressort). Ganz schön clever. Konkurrent Handelsblatt hatte sich ja schon vor einiger Zeit in die Thematik vorgewagt. Wenigstens bekennen die Automobilmarken noch Farbe, dort ist noch halbwegs ersichtlich, dass es [...]