14:04 Uhr
Radio PR Konserven
Die klare Trennung von redaktionellen Inhalten und werblicher Kommunikation ist derzeit ein wirklich allgegenwärtiges Thema. Ob bezahlte redaktionelle Einträge, in Blogs häufig unter dem Begriff “Pay per Post” subsummiert, Schleichwerbung im TV oder eben PR-Konserven für den Radiobetrieb; alles riecht ziemlich übel nach gesetzlich unzulässigen Praktiken. Wer als Radio-Sender eben aus Kostengründen keine Leute mehr hat, die redaktionell arbeiten, dem fehlt zunehmend das Pull-Modell, um attraktive Anzeigenplätze zu vermarkten. Die Katze beißt sich in den Schwanz: Weniger Anzeigenertrag zwingt zu Einsparungen bei der Redaktion – ohne inhaltliche Qualität verfällt ein Radiosender aber schnell zur bloßen “ätherischen Litfasssäule”, die außer Dudelfunk und technischer und theoretischer Reichweite nichts mehr zu bieten hat. Natürlich kann man auch auf den externen Inhaltebasar zurückgreifen: Vorgefertigte Produktionsbausteine aus Fremdquellen füllen dann den inhaltlichen Bereich, freilich gegen Geld. Muss das sein? Muss nicht, denn wenn die Inhalte im Auftrag von Unternehmen von einer PR-Agentur vorproduziert werden, dann besteht gar die Chance als Sender, Geld damit zu verdienen. Perfekt. Content ist für den Sender plötzlich auch eine Ertragsquelle, nicht nur Kostenpostition für ein Redaktionsteam. Dem aufgeklärten und medienresistenten Verbraucher ist es doch egal, ob ein gut produzierter Bericht über Rückenschmerzen auch gleich die passenden Produkte einer bestimmten Marke aufführt, oder?
Kleiner Tipp an die Radiomacher: Es gibt schon viele, sehr gute “unabhängige” Podcasts da draußen. Die Produzenten wären sicherlich bereit, in ein kooperatives Vermarktungsmodell einzusteigen. Aber bitte mit einem sauberen Modell.
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9 Kommentare
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- Roland Kühl-v.Puttkamer: @klara: nicht jeder ist vermutlich so “aufgeklärt” und in der Szene wie du… Vielmehr geht es mir darum,...
- klara: wo ist der neuigkeitswert des artikels? diese praxis gibts schon so lange wie es gruppentickets gibt. habe mich selbst schon häufiger an...
- Tobias: Ich fahre öfters von Aalen mit (vier) Freunden mit dem Baden-Württemberg-Ticket nach Stuttgart – ganz legal. Einer muss den Namen vor...
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Am 29. April 2007 um 14:24 Uhr
Wie das Ganze dann aussieht, kann man hier sehen: alsterradio.de/_cms/...
Dort ist auch schon ein Fahrbericht für den Opel Corsa aufgetaucht…. natürlich überschwenglich positiv
Am 30. April 2007 um 10:01 Uhr
Interessengebundene TV-Beiträge im Lokalfernsehen?…
Auf dem amerikanischen TV-Sender “KOSA-7″ in Odessa, Texas, berichtet Kate Brookes in einer Zwei-Minuten-Reportage über den “Ethanol boom” und den Trend, aus Mais hergestellten Kraftstoff als alternative Energiequelle zu nutzen.
Das brisante…
Am 30. April 2007 um 11:34 Uhr
Hallo Roland,
Denke nicht, dass “eingefärbte” Berichte immer Dudelfunkt sein müssen – wie (fast) immer kommt es ganz einfach auf die Aufbereitung an. Ein überschwenglicher Bericht zu einem bestimmten Produkt ist sicher eher lächerlich und wird der Glaubwürdigkeit des Mediums auf Dauer keinen Gefallen tun.
Aber das anfängliche Mitmachen bei einer Aktion a la “Ron Hammer” (z.B. indem der Moderator fragt, ob Hörer das für echt halten) oder die Interaktion mit Hörern, die Teil einer cleveren, unterhaltsamen Kampagne sind (vgl. die Anrufer und Studiogäste bei Howard Stern) ziehen Hörer sicherlich eher an als sie abzuschrecken.
Meine These kurz gefasst: Cleveres “Campaign Placement” zieht Hörer genauso stark an wie dumpfes “Product Placement” sie abschreckt. oder ist das nur die rosarote Brille des Viralmarketers? Muss zugeben, dass Ganze noch nicht mit wissenschaftlichen Tools untersucht zu haben…
Am 30. April 2007 um 11:44 Uhr
@Markus:
Wenn Redaktionen ein werbliches Thema bearbeiten, dann muss klar sein, dass die Botschaften der Vermarkter nicht unreflektiert, ungefiltert oder gar 1:1 im Medium landen. Wenn dies so sein sollte, ist es für mich die bewußte Irreführung des Zuhörers, die nicht zulässig ist.
Virales Marketing ist im besten Fall so gut, dass sich Fachredaktionen damit proaktiv auseinandersetzen – so wie du es teilweise geschildert hast.
Alles andere ist werbliche PR unter dem verbrauchertäuschenden Deckmantel redaktioneller Aufbereitung. Und das hat einen sehr unangenehmen Beigeschmack.
Am 30. April 2007 um 11:55 Uhr
Hi Roland,
Vielleicht bin ich einfach nur bösartiger als Du, aber ich finde, dass die Kennzeichnungspflicht etwas überzogen ist. Bei Howard Stern werden die Porno-Starlets auch nicht explizit als Werbebotschafterinnen ausgewiesen, aber wenn es einen “Kitzel’-Sie-bis-sie-pinkelt”-Contest mit Bunny “GoldenShower” BunBun gibt und dabei erwähnt witrd, dass das auch in ihrem neuen FIlm zu sehen ist, ist doch klar, woher der Wind weht.
Da muss vorher keiner sagen, dass die Redaktion der HS-Show hierfür Kohle bekommt.
Meiner Ansicht nach, ist kein verbraucher mündig und kein Medium neutral. Kennzeichnungspflichten erwecken höchstens die illusion das sei so und dienen niemandem. Viel sinnvoller wäre eine bereits in der Grundschule einsetzende Aufklärung aller Bürger, grundsätzlich jede Quelle gegenzuchecken – und ansonsten das (Werbe-)Leben zu geniessen…
Am 5. Juni 2007 um 21:44 Uhr
Viel heftiger finde ich diese Agentur: audioetage.de
Heftig, weil ich allein in der letzten Woche wirklich zwei Beiträge im Radio gehört habe ( ARD!!!!! ) die,wie ich jetzt erst gesehen habe, von dieser Webseite stammen.
Am 5. Juni 2007 um 22:07 Uhr
Hallo Hannes, könntest du uns bitte mal hier mitteilen, um welche Produktionen und Inhalte “von uns” es sich da handelt? Das macht mich dann doch neugierig. Danke.
Am 28. August 2007 um 01:51 Uhr
[...] da übrigens auch solche merkwürdigen redaktionellen Bezahldienste wie “pay per post” oder “trigami” mit ein. Sie schießen mit abgesägten Schrotflinten auf [...]
Am 24. Oktober 2007 um 20:24 Uhr
[...] dem Deckmantel neutraler Beratung, Aufklärung und Information wird es ja schon länger praktiziert: nicht eindeutig ausgewiesene “Produktinformationen” führen auf wundersame Weise [...]