25.04.07
11:17 Uhr

Zeitungskolumne sponsored by …

… heißt es bald in der Tageszeitung aus Philadelphia, um genauer zu sein im Philadelphia Inquirer. Denn die in einer Auflage von ca. 350.000 gedruckte Printausgabe wird ab nächster Woche eine Kolumne im Wirtschaftsteil anbieten, die zwar von Inquirer Journalisten geschrieben wurde, aber eben von einer örtlich ansässigen Bank (Citizens Bank) gesponsort wird. Klar wird diese Aktion grafisch kenntlich gemacht, trotzdem wagt sich die Tageszeitung hiermit einen Schritt über den sonst so gesicherten Grenzzaun, der eigentlich redaktionellen Inhalt und Werbung schützend trennen sollte. Die Nachricht veranlasste natürlich auch die großen Publikationen hellhörig zu werden und so schreibt die NY Times ausführlich über diese ungewöhnliche Werbeaktion, beäugt kritisch und bewundernd zugleich die strategischen Maßnahmen des neuen Besitzers der Zeitung, ein ehemaliger Werber, Brian P. Tierney. Der Inquirer scheint auf dem Erfolgsweg zu sein und auch auf die journalistische Qualität scheint Tierney Wert zu legen, der den zweifachen Pulitzer-Preisträger William K. Marimow als Redakteur gewinnen konnte. Die Auflage wächst, dank angekurbelter Promotion und selbst die vormals kritischen Stimmen sind nun begeistert vom Inquirer.

Doch es ist eben nicht alles Gold was glänzt, denn der Preis scheint hoch zu sein. Etliche Entlassungen und eben nun dieser merkwürdige Werbedeal liegen als leichter Schatten über der Publikation. Doch Tierney wäre in der Vergangenheit kein erfolgreicher Kommunikator, wenn er nicht auch das erfolgreich verkaufen könnte:

(…) Mr. Tierney said that the column was just the kind of high-visibility, creative “brand-buildingâ€? opportunity that advertisers crave.

Schwammig, fröhlich und dadurch beruhigend. Etwas deutlicher – aber trotzdem unter des Cheffes (natürlich partnerschaftliche) Pantoffel stehend – wird der Vollblutjournalist Marimow:

Instinctively, as a reporter, I would have recoiled at the idea (…) Moreover, he said, if Citizens Bank was involved in anything untoward, the paper would aggressively report such news prominently.

Gleichzeitig muss er jedoch auch an das Wohl der schwindenden Kollegen denken, schließlich sichern solche besonderen Werbedeals eben auch jede Menge Arbeitsplätze im Haus. Jedenfalls merkt man gleich die nahe Verwandschaft von Journalismus und Werbung. Die Kunst des geschickten Kommunzierens ist dabei einfach viel wert. Spannend dürfte der Verlauf dieses Tests sein, denn es werden sicherlich etliche Verlage aufmerksam auf die Glaubwürdigkeit und den Erfolg dieser neuartigen Werbeform. In Deutschland ist diese Art der Vermarktung im seriösen Verlagsgeschäft wohl noch in weiter Ferne?

Was haltet ihr davon? Besteht die Trennung von Inhalt und Werbung noch durch diese Art der Kennzeichnung oder wird hier schon viel zu viel vermischt?

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4 Kommentare

  1. Gerrit Donat

    Mal im Ernst: Wenn Krombacher mal wieder die Formel 1 oder das Bundesliga-Highlight sponsored – müssen wir befürchten, dass der Brauereimeister persönlich den Spielverlauf bestimmt?

    Prominenter Werbeplatz ist Unternehmen heute viel Wert – Tierney hat erkannt, dass er über ungenutztes Kapital verfügt (was vermutlich wirklich nur einem Werber so einfallen kann) und hat diese flüssig gemacht.

    Es gibt – zumindest in Deutschland – klare Richtlinien für und eine trennscharfe Unterscheidung von Sponsoring und Werbung. Solange diese nicht verwässert werden, sehe ich in diesem Modell eine große Chance für Verlage und Werbekunden gleichermaßen.

    Meines Erachtens können besonders Magazine und Fachpublikationen von Kolumen- oder Serien-Sponsoring profitieren. Zumindest, wenn der Leser keinen Hybrid zwischen Redaktion und Unternehmenskommunikation befürchten muss.

    Gruß

    Gerrit

  2. Patrick Breitenbach

    Danke Gerrit, natürlich ist es wie so oft eine Gratwanderung, aber ich denke auch: Was nützt es der Marke am Ende, wenn rauskommt, dass manipuliert wurde. Ich sehe den deutlichen “sponsored by” Hinweis als klar trennend und dass man dadurch vielleicht gehaltvollere Werbung erhält ist doch auch etwas nettes. Der Trend geht eh wieder zur Longcopy.

  3. Erik Hehrmann

    Ich habe kein Problem mit Werbung, die sich glaubhaft vom Inhalt trennt. Diese Art des Kolumnen-Sponsoring geht als meiner Meinung nach absolut in Ordnung.

    Viel bedenklicher – und das haben wir ja bereits im großen Stil auch hier in Deutschland – finde ich die Verpackung von Textanzeigen im Zeitschriftenlayout. Da ist die unnötige Mehrfachnennung von Firmen- und Produktnamen in an sich tatsächlich redaktionellen Inhalten noch das kleinere Übel.

    Was aber aus meiner Sicht so gar nicht geht, ist das Setzen eines Anzeigentextes im Zeitschriftenlayout. Die Anzeige sieht also dann auf den ersten Blick aus wie eine normale, redaktionell gefüllte Seite. Beispiel: Wirtschafts Woche. Dort ist es mir schon mehrfach aufgefallen. Deren Layout hat ja an sich einen sehr hohen Wiedererkennungswert und strahlt somit dem Leser Glaubwürdigkeit aus. Seiten in diesem Layout sind redaktionelle Artikel, keine Werbebotschaften (denkt der Leser). Natürlicht steht oben rechts in der Ecke dann “Anzeige”, doch viel zu klein…

    Ich habe mich schon mehrfach dabei ertappt, in meinem Lesefluss durch eine mit solchen “Fallstricken” bestückte Ausgabe mitten in eine solche Anzeige “hereinzurennen”. Erst beim zweiten oder dritten Absatz merk’ ich dann: Moment, das klingt aber sehr werbend! Der Blick in der Ecke verrät dann auch: Anzeige.

    Ganz mies.

    Auch hier sollte meiner Meinung nach das Trennungsgebot greifen und das Zeitschriftenlayout für Werbekunden absolut tabu sein. Aber ich nehme mal an, dass Verlage, die solche Anzeigen aufnehmen, das nicht unbewusst tun. So eine – irgendwie ja – heimliche, reinschleichende Werbung wird den Auftraggeber auch sicher mehr kosten als die übliche Foto-Headline-Copy-Montage ;)

  4. Publikation 2.0: Nun fast in echt | CYPERIOR - Web Gazette

    [...] Zeitungskolumne sponsored by … (3) [...]

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